Hodonín

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hodonín (Begriffsklärung) aufgeführt.
Hodonín
Wappen von Hodonín
Hodonín (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Hodonín
Fläche: 6305 ha
Geographische Lage: 48° 51′ N, 17° 8′ O48.84972222222217.132222222222167Koordinaten: 48° 50′ 59″ N, 17° 7′ 56″ O
Höhe: 167 m n.m.
Einwohner: 25.049 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 695 01
Verkehr
Bahnanschluss: BřeclavPřerov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jiří Koliba (Stand: 2006)
Adresse: Masarykovo nám. 6
695 35 Hodonín
Gemeindenummer: 586021
Website: hodonin.eu

Hodonín (deutsch Göding) ist eine Stadt im Jihomoravský kraj (Südmähren) mit 25.049 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014). Sie liegt ca. 50 km südöstlich von Brünn an der March, die hier die Grenze zur Slowakei bildet. Die Eisenbahn verbindet es nach Südwesten über Břeclav (dt. Lundenburg) mit Wien und nach Nordosten über Otrokovice (Otrokowitz) mit Ostrava (Ostrau). Zur sechs Kilometer südlich gelegenen slowakischen Nachbarstadt Holíč (Holitsch) besteht ein Grenzübergang.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtzentrum von Hodonín

Göding, nach 1945 Hodonín, lag um Christi Geburt an der Grenze zur römischen Provinz Carnuntum am Limes Pannonicus und der Bernsteinstraße. Die Ansiedlung entstand im Zentrum des Großmährisches Reich an einer slawischen Burg (Vorburg ?) aus dem 10. Jahrhundert, zu der nichts mehr bekannt ist. 1169 ist der Ort zum ersten Mal schriftlich belegt, 1228 erhielt Göding / Hodonín die Privilegien einer Königsstadt. Im 16. Jahrhundert gehörte die Stadt und die umliegende Grundherrschaft den Herren von Lipá, war in jener Zeit weitgehend evangelisch-lutherischen Glaubens und wurde dann nach der Schlacht am Weißen Berg während der Rekatholisierung wieder römisch-katholisch. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts begann die Industrialisierung mit maschineller Verarbeitung von Tabak, Lebensmitteln und Textilien. 1805 nach der nahen Schlacht bei Austerlitz und nach dem Ende der Erbuntertänigkeit eines großen Teiles der Bevölkerung nach 1848 mehrte sich der Wohlstand der Stadt Göding.

Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts war die Familie der Industriellen Redlich mit einigen Mitgliedern entscheidend in der Förderung der Stadt Göding in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Der Industrielle Friedrich Redlich (1868-1921), der Bruder des letzten Finanzministers der Monarchie Österreich-Ungarn Josef Redlich, war 1913 bis 1918 Bürgermeister in Göding, gründete große Ziegelwerke in der Stadt, eine bedeutende Aktiengesellschaft der Zuckerindustrie in Mähren und förderte den Zuckerrübenanbau in der Slowakei. Ihr gemeinsamer Vetter, der Bauunternehmer Karl Redlich (1860-1918) förderte den Ausbau der Stadt und deren Umgebung durch die Firma "Brüder Redlich und Berger" in Wien. (Ferdinand Seibt, Hans Lemberg, Helmut Slapnicka: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut), Band III, R. Oldenbourg Verlag München 2000, S. 396)

Die Stadt hatte seit dem Hochmittelalter einen starken deutschen Bevolkerungsanteil. (Volkszählung 1910: 5952 Tschechisch- und 5223 Deutschsprachige). Im Jahre 1910 hatte der Gerichtsbezirk Göding 768 km², umfasste 62 Gemeinden mit 93.634 Gesamtbevölkerung. (Alfred Bohmann: Das Sudetendeutschtum in Zahlen. Handbuch über den Bestand und die Entwicklung der sudetendeutschen Volksgruppe in den Jahren von 1910 bis 1950, München 1959, S. 18). Nach Entstehung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 nahm die deutschsprachige Bevölkerung durch Abwanderung nach Österreich, eine Zuwanderung von tschechischsprachigen Beamten und Arbeitsplatz Suchenden, einer Inflation der Geldwährung und der beginnenden Weltwirtschaftskrise stark ab. Im Jahr 1921 bekannten sich von 13.200 Einwohnern nur mehr 960 als Deutsche, 1930 von 13.166 Einwohnern nur mehr 582. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 und der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, legalisiert durch die Beneš-Dekrete wurden diese fast ausnahmslos enteignet, zum Verlassen der Stadt gezwungen und fanden als Heimatvertriebene Aufnahme in Österreich und in Bayern. Zu dem Schicksal weiterer Minderheiten in der Stadt ist nichts Näheres überliefert. Bis 1993 lag Hodonin im Bereich der Grenzbefestigungen der Tschechoslowakei im Kalten Krieg. Seit 1997 bringt die Lage in der Euregio Weinviertel-Südmähren-Westslowakei neue gute grenzüberschreitende Entwicklungsmöglichkeiten.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Tomáš Garrigue Masaryk (1850–1937), Gründer und erster Staatspräsident der Tschechoslowakei
  • Eugen Neufeld (1882–1950), Schauspieler
  • Karl Redlich (1860-1918), Bauunternehmer bei Eisenbahnprojekten u.a., Vetter des Friedrich (Fritz) Redlich und Josef Redlich
  • Friedrich (Fritz) Redlich (1868-1921), Industrieller und Politiker, 1913 bis 1919 Bürgermeister von Göding, Bruder des Josef Redlich
  • Josef Redlich (1869–1936), Politiker, Jurist, letzter k.k. Finanzminister
  • Helene Roth (1904-1995 oder 1996), österreichische Ingenieurin und Architektin
  • Václav Nedomanský (1944), tschechoslowakischer Eishockeyspieler
  • Antonín Viktora (1943-2014), tschechischer Jazzgitarrist

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hodonín – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)