Mittelalterszene

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Schaukämpfer auf dem Spectaculum 2004

Als Mittelalterszene wird eine subkulturelle Szene bezeichnet, die die Kunst, die Kultur und das Alltagsleben des europäischen Mittelalters auf vielfältige Weise rezipiert, vor allem mit musikalischen und theatralischen Elementen sowie handwerklichen, kunsthandwerklichen und gastronomischen Angeboten. Seit Ende der 1970er Jahre erfährt diese Szene steigenden Zulauf. Durch ihre Veranstaltungen ziehen die Szenemitglieder in Deutschland jährlich ein Millionenpublikum an, die Mittelaltermärkte, Seminare und Konzerte besuchen. Die Szene ist breit gefächert und besteht aus vielen verschiedenen Untergruppen, die von anderen Szenen beeinflusst werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Obwohl bereits seit Ende der 1970er Jahre bestehend, zog die Szene erst Ende der 1980er Jahre eine größere Anzahl von Anhängern an. Mittelalterliches und orientalisches Liedgut wurde auf Dudelsäcken, Schalmeien, Trommeln und zum Teil auch E-Gitarren in moderner Form nachgespielt. Ab Anfang beziehungsweise Mitte der 1990er Jahre kamen weitere Bands wie Subway to Sally und In Extremo hinzu, so dass die neue Musikrichtung sich innerhalb der nächsten zehn Jahre etablieren konnte.

In dieser Zeit entstanden auch die ersten Großveranstaltungen wie Mittelaltermärkte, Keltenfeste oder Römerfestspiele. Als Erstes fanden sich die Reenactors und Living-History-Darsteller ein, die ihrem Hobby nun nicht mehr nur im heimischen Hinterhof oder auf kleinen Privatveranstaltungen nachgehen konnten, sondern es einer großen Masse zugänglich machten. Konfliktpotential lag bereits damals in der Zusammensetzung dieser Gruppen, die sowohl Mitglieder haben, die auf Authentizität und Realismus Wert legen, als auch Menschen, die durchaus auch Fantasyelemente miteinbeziehen. Zu einer besseren Abgrenzung ordnet man die Mittelalterszene seit einiger Zeit dem Histotainment zu, um klarzumachen, dass hier kein Anspruch auf wissenschaftlich korrekte Darstellung erhoben wird.

Weitere Gruppen, die mit der Mittelalterszene in verschiedener Art verbunden sind, sind Rollenspieler, insbesondere Live-Rollenspieler.

Tätigkeitsfeld[Bearbeiten]

Das Tätigkeitsfeld der Mittelalterszene ist genauso weit gestreut wie die Musik. Es gibt den Mittelaltermarkt, das Bogenbauseminar, mittelalterliche oder Wikingerdörfer, orientalische Stände, Lagerleben, Schauspiel (Schaukampf), Ritterturniere, Konzerte und theatralische und kabarettistische sowie akrobatische Vorführungen. Auch Mittelalterkneipen und -restaurants sind in Städten zu finden. Eine bedeutende Veranstaltung ist das Peter-und-Paul-Fest Bretten.

Fakten und Legenden[Bearbeiten]

In der Mittelalterszene wird nicht nur eine Epoche des Mittelalters behandelt, sondern mehrere, was dazu führt, dass diese vermischt werden. Zum Beispiel werden Kämpfe zwischen Wikingern aus der Zeit um 800 n. Chr. gegen Ritter aus dem Hochmittelalter dargestellt. Dies liegt daran, dass Besucher, Schaustellergruppen, aber vor allem auch der Marktveranstalter meist keinen großen Wert auf eine historische Einheitlichkeit beziehungsweise auf historischen Bezug Wert legen. Da die Marktveranstalter mit ihren Märkten Geld verdienen wollen und wissen, dass der Großteil der Besucher nicht geschichtlich gebildet ist, ist es für sie oft einfacher, alles zuzulassen, was der Besucher für Mittelalter halten könnte.

Der Grad dieser Haltung ist von Veranstalter zu Veranstalter unterschiedlich. So wird unter mittelalterlich gekleidet teils lediglich der Verzicht auf Armbanduhren, Plastik und Jeans verstanden, bei den anderen werden tatsächlich der Schnitt der Kleidung, die geschichtliche Einordnung und handgenähte Nähte überprüft. Die erste Art sind meist kommerzielle Veranstalter, die zweite Art meist geschichtlich orientierte Märkte, etwa von Museen oder Geschichtsvereinen veranstaltet. Die dritte Art, dazu gehören auch die meisten Gruppen, sind Interessengemeinschaften, die das Mittelalter erleben wollen. Diese Gruppen oder Interessengemeinschaften sind zumeist an Burgen angesiedelt. Sie bringen das alte Handwerk, Rittertum, Schaukampf (historisches Schwertfechten) und das Leben des Adels und des Bauerntums zurück zur Burg und füllen diese mit Leben. Im Gegensatz zu den Mittelaltermärkten sind die Interessengemeinschaften in den umliegenden Burgen anzutreffen.

Ein weiteres Merkmal, das sich der Mittelalterszene zuordnen lässt, ist, dass ein großer Teil der Angehörigen der Szene fast alles selbst herstellt. Angefangen bei der Kleidung über Zelte und Musikinstrumente bis hin zu Gegenständen des mittelalterlichen Alltags - alles wird in Handarbeit hergestellt. Hier besteht häufig auch eine Verbindung beziehungsweise Wechselwirkung der Mittelalterszene zu experimenteller Archäologie. Nicht selten finden sich Archäologen, die ihre Theorien in der Praxis erproben wollen und dies im Rahmen von Mittelaltervereinen oder Mittelalterveranstaltungen tun.

Als Treffpunkte der Szene lassen sich vor allem sogenannte Mittelaltermärkte nennen. Auf diesen Märkten treten Szenenmitglieder entweder als Schausteller oder auch als normaler Gast auf. Da auf diesen Märkten auch die so genannten Ritterspiele eine Attraktion darstellen, man jedoch um einen hohen Grad an Realismus bemüht ist, werden für diese meist professionelle Schausteller engagiert. Auf dem Großteil der Mittelaltermärkte in Deutschland gilt das Motto Keine Klingen, keine Bögen für die Besucher. Als weitere Treffpunkte fungieren auch Konzerte und Festivals, zum Beispiel das Ritterturnier zu Kaltenberg (D) oder das Folkwoods-Festival (NL).

Die deutsche Szene, im Gegensatz zu anderen, erhält kaum staatliche Unterstützung (siehe English Heritage).

Die meisten Veranstaltungen, die großen Wert auf authentische Darstellung legen, sind fast durchweg Privatinitiativen ohne nennenswerte Budgets sowie mediale Unterstützung. Sie bleiben auch oftmals ohne Anschluss an die Öffentlichkeit (meist mangels medialen Interesses; siehe „Unspektakulär“). Kommerzielle Veranstaltungen finden daher, mit den ihnen eigenen Werbemitteln, öffentliche Berücksichtigung und Beachtung.

Einige der heute populären Events, wie zum Beispiel die Freienfelser Ritterspiele, waren als Versuche einer aufkeimenden authentischen Linie in der historischen Darstellung geplant, haben sich jedoch, mit zunehmender Beliebtheit in der „Szene“, in ihr Gegenteil verkehrt. Veranstalter sogenannter „mittelalterlicher“ Ereignisse legen oft wenig Wert auf Authentizität, mit der Begründung, dass nur ein Bruchteil der (zahlenden) Besucher diese Unterschiede überhaupt bemerke.