Mohamed Nasheed

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Mohamed Nasheed (2009)

Mohamed Nasheed (Dhivehi: މުހައްމަދު ނަޝީދު‎, * 17. Mai 1967), genannt Anni,[1] war von 2008 bis 2012 Staatspräsident der Malediven. Der Ozeanograph, B.A. und ehemalige Journalist folgte Maumoon Abdul Gayoom nach, der das Land dreißig Jahre lang regierte. Internationale Bekanntheit erlangte Nasheed u.a. durch sein medienwirksames Eintreten für schärfere CO₂ Reduktionsziele während des Klimagipfels in Kopenhagen 2009. Mohamed Nasheed trat am 7. Februar 2012 von seinem Amt als Staatspräsident nach Protesten der Bevölkerung und nach einer Meuterei von revoltierenden Polizisten zurück.[2]

Politische Aktivitäten[Bearbeiten]

Der sunnitische Muslim Mohamed Nasheed war Parlamentsabgeordneter für den Wahlkreis von Malé und wurde 2001 ohne näher bekannte Gründe verhaftet. Amnesty International vermutete, dass die Gründe für seine Festnahme politisch motiviert waren. Er war seit 1989 13 Mal inhaftiert worden.[1] Zum Beispiel wurde er im April 1996 als gewaltloser politischer Gefangener von der Menschenrechtsorganisation betreut. Zu dieser Zeit war die Verhaftung wegen seiner Tätigkeit als freier Journalist erfolgt. Später wurde er aus diesem Grund zu zwei Jahren Haft verurteilt.[3]

Mohamed Nasheed ist Mitbegründer der Demokratischen Partei der Malediven. Bereits 2001 wurde, unter anderem mit seiner Unterschrift, eine Genehmigung zur Gründung der Maledivischen Demokratischen Partei beantragt. Der Antrag wurde von den staatlichen Stellen nicht genehmigt.[3] Zu der Gründung kam es erst 2005, als in dem Inselstaat nach Protesten eine Opposition zugelassen wurde. Mohamed Nasheed wurde genauso wie andere Oppositionspolitiker auch weiterhin in seiner politischen Arbeit behindert.

Präsidentschaftswahl[Bearbeiten]

Mohamed Nasheed wurde am 28. Oktober 2008 zum Präsidenten der Malediven gewählt.[4] Im ersten Wahlgang erlangte Mohamed Nasheed noch gegen den seit dreißig Jahren regierenden Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom als bestes Ergebnis von fünf Gegenkandidaten knapp 25 Prozent der Stimmen. Gayoom erhielt 41 Prozent und verpasste damit die absolute Mehrheit. Im zweiten Wahlgang konnte sich Mohamed Nasheed bei einer Wahlbeteiligung von etwa 75 Prozent als einziger Gegenkandidat mit 54 Prozent durchsetzen.[5]

In seinem Wahlkampf forderte Mohamed Nasheed die Verbesserung des Gesundheitssystems, eine Privatisierung staatlicher Handelsunternehmen sowie die Bekämpfung der Korruption. Zudem versprach er, den Präsidentenpalast in die erste Universität des Landes umzuwandeln.[4] In dem sonst „schmutzigen Wahlkampf“ wurde ihm von dem damaligen Präsidenten unterstellt, Muslime zum Christentum bekehren zu wollen. Dagegen bezeichnete Nasheed den Präsidenten als Diktator, was bis dahin im Inselstaat noch niemand öffentlich und ungestraft tat.[6]

Nach der Wahl kündigte er an, dass er das Land ohne Beschränkung öffnen wolle. Zurzeit gibt es noch Inseln, die zwar von der einheimischen Bevölkerung bewohnt, aber für Touristen nicht zugänglich sind. Zudem wolle er das Land stärker für Handel und ausländische Investitionen öffnen.[7]

Weitere Aktivitäten und Rücktritt[Bearbeiten]

In medienwirksamen Aktionen versucht Präsident Nasheed die Weltöffentlichkeit auf den drohenden Untergang seines Landes im Zuge der globalen Erwärmung aufmerksam zu machen[8] und für das Ziel einer Begrenzung des CO₂ Gehaltes der Atmosphäre auf 350 ppm zu gewinnen.

Ende Dezember 2011 hat die Regierung der Malediven eine Schließung von Wellness-Centern in Hunderten Luxushotels angeordnet. Der Schritt sei eine Reaktion auf Proteste gegen „antiislamische Aktivitäten“ im Land, teilte das Büro des Präsidenten Nasheed in einer Stellungnahme mit. Tausende Inselbewohner hatten bei einer von der Opposition organisierten Protestkundgebung ein Ende „antiislamischer Aktivitäten“ gefordert. Neben anderen Gruppen warf die oppositionelle Gerechtigkeitspartei Präsident Mohammed Nasheed vor, die Prinzipien des Islams zu untergraben.[9]

Am 6. Februar 2012 kam es gegen ihn zu einem Putschversuch. Meuterer aus der Polizei und Demonstranten hatten den staatlichen Rundfunk übernommen. Nasheed trat tags darauf zurück, um den Konflikt zu beenden.[10] Die Spannungen waren eskaliert, nachdem einen Monat zuvor Abdulla Mohamed, Richter am Staatsgerichtshof, festgenommen wurde, der angeordnet hatte, einen Regierungskritiker freizulassen.

Am 8. Oktober 2012 nahm ihn die Polizei wegen seiner Weigerung, vor Gericht zu erscheinen, fest. Ihm wird Machtmissbrauch vorgeworfen.[11]

Mohammed Nasheed ist Botschafter der Klimaschutzorganisation 350.org.

Film[Bearbeiten]

2011 kam ein Film über Mohamed Nasheeds Kampf für das Überleben seines Landes angesichts eines drohenden Meeresspiegelanstiegs ins Kino. Dieser trägt den Titel "The Island President" und handelt vor allem von Nasheeds Bemühungen am Ende der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen doch noch ein verbindliches CO₂ Reduktionsziel im Abschlussdokument zu verankern[12].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bericht über Mohamed Nasheed auf Island.lk (engl., abgerufen am 1. Januar 2009)
  2. Spiegel Online zum Rücktritt von Nasheed. spiegel.de. Abgerufen am 7. Februar 2012.
  3. a b amnesty international: HAFT OHNE KONTAKT ZUR AUSSENWELT – Malediven
  4. a b SASCHA ZASTIRAL: Machtwechsel auf den Malediven Die erste demokratische Wahl - taz, 29. Oktober 2008
  5. Tagesschau vom 29. Oktober 2008 (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  6. Daniel Kestenholz: "Autokrat Gayoom wurde per Wahl abberufen" - Neues Deutschland, 30. Oktober 2008 (Kopie via AG Friedensforschung)
  7. AOL-Nachrichten vom 29. Oktober 2008
  8. Kabinett der Malediven tagt auf dem Meeresboden: Im Taucheranzug gegen den Klimawandel (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, tagesschau.de, Meldung vom 17. Oktober 2009, abgerufen 17. Oktober 2009
  9. Regierung der Malediven schließt Wellness-Center
  10. Nach Meuterei der Polizei: Präsident der Malediven tritt zurück.
  11. Ex-Präsident Nasheed auf Malediven verhaftet
  12. Film The Island President in der englischen Wikipedia