Morbus Castleman

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Mikrofoto eines Morbus Castleman, hyalin-vaskulärer Typ, mit der charakteristischen zwiebelschalenartigen Form. HE-Färbung.

Morbus Castleman (Castleman-Krankheit) ist definiert als Hypertrophie der Lymphknoten mit angiofollikulärer Lymph-Hyperplasie.[1] Das heißt, es sind einer oder mehrere Lymphknoten vergrößert (Hypertrophie), weil die Zellen von Blutgefäßen (angio…) und Reaktionszentren (Follikel) sich vermehrt haben (Hyperplasie). Es entstehen also Tumoren. Die Ursache der Erkrankung ist bislang unbekannt, eine Beteiligung einer HHV-8-Infektion wird vermutet.

Es werden zwei Formen von M. Castleman unterschieden: die lokalisierte Form, bei der nur ein Lymphknoten befallen ist, und die multizentrische Form, bei der mehrere Lymphknoten befallen sind.

Die Krankheit tritt unabhängig von Alter und Geschlecht auf. Es wird geschätzt, dass weniger als 1:100.000 von der Krankheit betroffen ist, wobei die lokalisierte Form deutlich häufiger auftritt. Am häufigsten sind der Bauchraum, die oberflächlichen Lymphknoten und das Mediastinum (Mittelfell der Brusthöhle) von der Krankheit betroffen.[1] Die einzelne Läsion kann auf mehrere Zentimeter Durchmesser anwachsen.

M. Castleman wurde 1954 zuerst von dem amerikanischen Pathologen Benjamin Castleman beschrieben[2].

Symptome[Bearbeiten]

Die lokalisierte Form verursacht bei ungefähr der Hälfte der Patienten keine Beschwerden. Ansonsten können Abgeschlagenheit, Fieber, Gewichtsverlust sowie Thorax- oder Bauchschmerzen auftreten.[1]

Multizentrische Verlaufsformen verursachen meist Symptome: Gewichtsverlust (69 %), Fieber (67 %), periphere Lymphadenopathie (81 %), Hepato- und/oder Splenomegalie (74 %) und nicht selten [23 %] POEMS-Syndrom (Polyneuropathie, Organomegalie, Endokrinopathie, monoklonale Gammopathie, Hautveränderungen). Zusätzlich können maligne Lymphome auftreten bzw. schon vorliegen. In seltenen Fällen werden Kaposi-Sarkome beschrieben, im Angesicht der Assoziation mit HIV und HHV-8 nicht verwunderlich.[1] HHV-8 wird schon seit längerem als kausales Agens der Kaposisarkome vermutet, vor allem bei Koinzidenz mit schweren Immundefekten z.B. HIV.[1]

Bei mehr als 60 % aller von HIV betroffenen M.-Castleman-Patienten konnte das HHV-8 nachgewiesen werden, während hingegen HIV negative Castleman-Patienten nur in 20 bis 40 % der Fälle HHV-8 positiv sind.[1]

Diagnose[Bearbeiten]

Die Diagnose erfolgt durch eine Biopsie mit nachfolgender histologischer und patho-chemischer Untersuchung.

Typen[Bearbeiten]

Es werden zwei Typen unterschieden, die sich histologisch und pathogenetisch unterscheiden:

  1. Hyaliner-vaskulärer Typ: bei diesem häufigeren Typen kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung eines Klons der dendritischen Zellen (klonale Erkrankung). Es zeigt sich ein "zwiebelschalenartiger" Aufbau der hyalinen Lymphknoten. Diese Form tritt meist solitär auf.
  2. Plasmazellreiche Variante: diese im Vergleich zum hyalinen-vaskulären Typ seltenere Form tritt multifokal (d. h. an verschiedenen Orten) auf und beruht auf einer verstärkten Expression des Interleukin 6 (IL-6) und einer daraus folgenden Vermehrung der Plasmazellen.

Die plasmazellreiche Variante tritt insbesondere im Zusammenhang mit HIV-Erkrankungen auf. In vielen Fällen kann dabei das Humane Herpesvirus 8 nachgewiesen kann, das auch für das Kaposi-Sarkom verantwortlich gemacht wird. Die hyalinisierte-vaskuläre Form ist dagegen negativ für das Virus.

Ein Paraneoplastischer Pemphigus kann oft mit dem M. Castleman assoziiert sein.

Behandlung[Bearbeiten]

Bei der lokalisierten Form des M. Castleman muss eine vollständige chirurgische Entfernung erfolgen, was in 90 % aller Fälle zur Heilung führt.[1]

In Einzelfällen konnte erfolgreich mit antiviralen Medikamenten oder das Immunsystem modulierenden Medikamenten behandelt werden. Ein Monoklonaler Antikörper Siltuximab mit Orphan Drug Status befindet sich derzeit noch in klinischer Phase III Prüfung. Im März 2014 erhielt Siltuximab die positive Empfehlung des CHMP.[3] Im April 2014 wurde Siltuximab von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) für diese Indikation zugelassen.[4]

Eine eventuell zugrundeliegende HIV-Erkrankung wird mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Die Prognose des multizentrischen M. Castleman ist schlecht. Sie betrug in einer Studie bei HIV-infizierten Patienten im Mittel nur 14 Monate[5].

Literatur[Bearbeiten]

  • Riede: Allgemeine und spezielle Pathologie S. 553ff. Georg Thieme 2004 ISBN 3136833058

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Morbus Castleman bei Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten)
  2. Castleman B & Towne VW: Case records of the Massachusetts General Hospital: Case No. 40231 N Engl J Med, 250, 1001–5(1954) PMID 13165944
  3. Siltuximab Receives CHMP Positive Opinion for use in the Treatment of Multicentric Castleman’s Disease, a very Rare Blood Disorder, PM von J&J, Janssen vom 21. März 2014, abgerufen am 24. März 2014
  4. SYLVANT™ (siltuximab) Receives FDA Approval to Treat Multicentric Castleman’s Disease (MCD), PM von J&J, Janssen vom 23. April 2014, abgerufen am 29. April 2014
  5. Oksenhendler E et al.: Multicentric Castleman's disease in HIV infection: a clinical and pathological study of 20 patients. AIDS. 10/1/1996 S. 61-7. PMID 8924253

Weblinks[Bearbeiten]

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