Moses der Äthiopier

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Moses der Äthiopier

Moses der Äthiopier (* vermutlich 332 in Ägypten; † 28. August, eventuell 407 im Kloster al-Baramous im Wadi Natrun in der sketischen Wüste in Ägypten), hieß eigentlich Moussa und wurde auch Moses der Schwarze oder Moses der Starke genannt, ägyptisch auch Moses Murin, wobei „Murin“ für „wie ein Äthiopier“ steht, bezogen auf seine dunkle Hautfarbe. Er war Nubier. Bekehrt von einer kriminellen Vergangenheit, wurde er Einsiedler und Priester und zählt zu den Wüstenvätern. Moses gilt als christlicher Märtyrer und wird von vielen Konfessionen als Heiliger verehrt oder als denkwürdiger Glaubenszeuge betrachtet.

Leben und Legende[Bearbeiten]

Sklave und Krimineller[Bearbeiten]

Moses war zunächst Sklave. Er diente einem hohen ägyptischen Staatsbeamten, der die Sonne verehrte. Zu dieser Zeit wurde sein Charakter als schwierig beschrieben und er neigte zu Gewalttätigkeiten. Er verübte sogar in mehreren Fällen Raub und möglicherweise sogar Mord. Dies führte zur Vertreibung aus dem Hause seines Herrn.[1]

Danach lebte er vom Diebstahl. Körperlich soll er beeindruckend groß und stark gewesen sein.[2] Dies ermöglichte ihm, in seiner kriminellen Karriere zum Hauptmann einer gewalttätigen Räuberbande von 75 Mann aufzusteigen, die nicht nur Diebstähle, sondern auch weitere Morde beging. Es ist eine Begebenheit überliefert, bei der ein bellender Hund ihn davon abhielt, einen Hirten zu berauben. Moses schwor daraufhin Rache. Seine athletischen Fähigkeiten sollen ausreichend gewesen sein, um mit einem Schwert im Mund den Nil bei Hochwasser zu durchschwimmen, um die Hütte des Besitzers des Hundes zu erreichen. Der Hirt wurde erneut gewarnt und versteckte sich im Sand. Moses musste sich daraufhin frustriert darauf beschränken, dem Mann vier Widder zu rauben, um sie zu schlachten und ihr Fleisch zu essen. Dann ging er 80 km, um zu seiner Bande zurückzukehren. Er neigte zu dieser Zeit zu Ehebruch, Völlerei und Alkoholismus und war im gesamten Niltal gefürchtet.

Über diese kriminelle Lebensphase des Moses berichtet unter anderem Palladios in seiner Historia Lausiaca.

Bekehrung[Bearbeiten]

Seine Bekehrung erfolgte im Kloster al-Baramus im Wadi El Natrun nahe Alexandria. Was ihn dorthin führte, ist nicht bekannt. Vermutet wird, er habe nach dem oben erwähnten Raub bei einem Hirten in dem Kloster Zuflucht vor den Gesetzeshütern gesucht, ursprünglich die Absicht gehabt, die Mönche auszurauben oder Rat in einer Lebenskrise gesucht. Eine Legende sagt, er habe eines Tages gebetet: „O Sonne! Wenn du Gott bist, so lass es mich wissen! Und Du, o Gott, den ich nicht kenne, lasse mich dich erkennen!“ Jemand habe ihm geantwortet: „Die Mönche im Wadi Natrun kennen den wahren Gott. Geh zu ihnen, und sie werden es dir berichten.“ Er habe sofort sein Schwert gegürtet und sei in die sketische Wüste aufgebrochen. Anscheinend hat ihn die Hingabe, die Friedfertigkeit und die Zufriedenheit der Mönche beeindruckt, jedenfalls beschloss er, sich taufen zu lassen. Die Mönche zweifelten zunächst an seiner Ehrlichkeit, führten ihn aber in das Christentum ein.

Eine Legende besagt, Moses habe in dieser Lebensphase seine Sünden Makarius dem Großen gebeichtet. Ein Engel mit einer Tafel, die mit Moses' Sünden gefüllt war, sei ihm erschienen. Während Moses beichtete, habe der Engel begonnen, die Tafel auszuwischen. Je mehr er beichtete, desto mehr habe der Engel ausgewischt, bis die Tafel schließlich vollkommen leer gewesen sei.

Nach seinem Katechumenat wurde Moses schließlich von Makarius dem Großen getauft. Danach bildete Isidor von Scete ihn zum Mönch aus. Dieser hielt ihn zur Selbstüberwindung durch Enthaltsamkeit und nächtliches Gebet an. Des Öfteren soll er versucht gewesen sein, in sein altes Leben zurückzukehren, was er aber durch solche Übungen überwunden haben soll. Er lebte nun in einer Einzelzelle und fastete streng. Er soll die Askese so weit getrieben haben, dass ihm Isidor riet: „Hör auf! Auch in der Askese ist dem Mut ein Maß gesetzt!“

Versuchungen[Bearbeiten]

Im Paterikon findet sich folgende Legende:

Moses sei in Versuchung geraten, seine Einzelzelle zu verlassen und im Traum versucht worden, das klösterliche Zölibat zu brechen. Isidor habe ihn daraufhin auf das Dach eines Hauses geführt und ihm die zur Schlacht bereiten Dämonen in der westlichen Wüste gezeigt. Diese war schon in vorchristlicher Zeit ein Symbol des Todes. Danach habe er ihm ebenso die ebenfalls zur Schlacht bereiten Engel im Osten, über dem Nil gezeigt. Dieser war ein Symbol des Lebens. Isidor wies Moses schließlich auf die größere Zahl der Engel hin. Isidors Worte sind dabei in Anlehnung an 2 Kön 6,16 LUT formuliert. Ferner sagte Isidor Moses, im Kampf mit seinen Leidenschaften müsse er sich vollständig von seinen früheren Sünden lösen.

In einer ähnlichen Überlieferung heißt es, der pflichtbewusste Moses sei wieder einmal enttäuscht von seiner eigenen Unvollkommenheit gewesen. Isidor habe ihn daraufhin vor Sonnenaufgang auf das Dach geführt, und sie hätten dort beobachtet, wie die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont streiften. Isidor habe ihm dabei gesagt: „Nur langsam vertreiben die Strahlen der Sonne die Nacht und führen den neuen Tag herauf, und ebenso langsam wird jemand vollkommen kontemplativ.“

Eine weitere Legende berichtet, vier Räuber seien Nachts in Moses Zelle eingedrungen, um ihn zu bestehlen. Es soll zu einer Schlägerei gekommen sein, an deren Ende es Moses gelungen sei, die Einbrecher zu fesseln. Es heißt dort, Moses sei über seine gewalttätige Vorgehensweise erschrocken gewesen und habe die Einbrecher auf seinen Schultern zu den Klosterältesten in die Kirche gebracht, um zu fragen, wie mit ihnen zu verfahren sei. Die Mönche sollen die Freilassung der Räuber beschlossen haben. Es heißt, die Räuber hätten in Moses ihren ehemaligen Anführer erkannt und angesicht seiner Wesensänderung beschlossen, ebenfalls ins Kloster einzutreten. Die meisten seiner ehemaligen Bandenmitglieder sollen nach diesem Vorfall Mönche geworden sein.[3]

Weiter wird von einer Situation berichtet, in der Moses beleidigt und beschimpft wurde. Er antwortete nicht darauf. Als er gefragt wurde, ob er innerlich genauso ruhig sei wie äußerlich, antwortete er mit einem einfachen „Nein.“ In einer anderen Situation fragte ein Mönch seinen geistlichen Vater mit Bezug auf Moses' äußere Ruhe, was für einen Wert äußere Ruhe ohne innere Ruhe habe. Die einfache Antwort darauf war, dass nur äußerliche Ruhe zwar unvollkommen sei, aber andere vor Schaden bewahre und der Gnade Gottes anderen gegenüber dienen würde.

Legendarisch ist auch überliefert, Moses sei damit betraut gewesen, den Mönchen nachts Wasser aus einem Brunnen zu schöpfen. Diesen Dienst leistete er insbesondere den Ältesten, da diese weit entfernt von dem Brunnen lebten und es ihnen schwergefallen wäre, das Wasser selbst zu transportieren. Ein plötzlicher Schmerz, vielleicht von einer Entzündung, habe dazu geführt, dass er auf den Brunnenrand fiel und regungslos liegen blieb. Die Legende interpretiert dies als einen Schlag, den ihm der Teufel versetzt habe. Moses sei erst am nächsten Morgen gefunden worden und ein Jahr lang bettlägerig gewesen. Dies habe ihn bewogen, weiter Askese zu üben und endgültig im Kloster zu bleiben. Isidor habe ihn gesegnet und festgestellt, dass die Leidenschaften nun von ihm gewichen seien. (Vergleiche Lk 4,13 LUT) Moses habe danach die Eucharistie empfangen und sei in seine Zelle zurückgekehrt. Von nun an, so die Legende, habe er Macht über die Dämonen gehabt.

Moses soll noch öfter ähnlichen Versuchungen ausgesetzt gewesen sein, die er aber alle, wie berichtet wird, mit der Hilfe Gottes überwunden haben soll.

Zunehmende Beliebtheit[Bearbeiten]

Moses blieb also im Kloster oder, zumindest zeitweilig, als Einsiedler in der Wüste, in dessen Nähe. Er erwies sich in den nächsten Jahren als begabter spiritueller Führer. So ist eine Begebenheit überliefert, bei welcher der Abt die Mönche anwies, während einer bestimmten Woche zu fasten. Einige Brüder kamen zu Moses, der ihnen ein Mahl zubereitete. Benachbarte Mönche berichteten dem Abt, Moses habe das Fasten gebrochen. Als sie sich dann mit Moses trafen, um ihn zurechtzuweisen, änderten sie ihre Meinung und sagten: „Du hast ein menschliches Gebot missachtet, aber es war so, dass du das göttliche Gebot der Gastfreundschaft befolgt haben magst.“ Diese Überlieferung wird bisweilen als einer der ältesten Hinweise auf das Fasten in der Passionszeit angesehen, das in dieser Zeit entstand.

Als einmal einer der Brüder einen Fehltritt getan hatte, wurde Moses eingeladen, um über eine geeignete Strafe zu beraten. Moses lehnte die Teilnahme ab. Als er ein weiteres Mal zu dem Treffen gerufen wurde, nahm er einen leckenden Krug mit Wasser und trug ihn auf seiner Schulter. In anderen Varianten der Überlieferung handelte es sich um einen mit Sand gefüllten löchrigen Korb oder Sack. Als er den Ort des Treffens erreichte, kamen die Mönche heraus und fragten ihn, warum er den Krug, den Korb beziehungsweise den Sack tragen würde. Er antwortete: „Meine Sünden laufen hinter mir aus mir heraus und ich sehe sie nicht; aber heute komme ich, um über die Fehler eines anderen zu richten.“ Als sie das hörten, vergaben die versammelten Brüder dem irrenden Mönch und konzentrierten sich auf ihre eigenen Fehler.

Moses wurde zu einer Berühmtheit, selbst der Gouverneur wollte ihn besuchen. Vor diesem soll er geflohen sein, da er keine Besucher wünschte. Diener des Gouverneurs, der im Kloster wartete, sollen auf dem Weg einem Mönch begegnet sein, den sie nach dem Weg zu Moses fragten. Der Mönch soll entgegnet haben: „Fahrt nicht damit fort, diesen falschen und wertlosen Mönch treffen zu wollen!“ Als sich die Mönche diesen Bruder später von den Dienern beschreiben ließen, erkannten sie in ihm Moses. Es heißt, der Gouverneur habe diese Begebenheit als geistlich gewinnbringend betrachtet.

Nach vielen Jahren wurde er vom Patriarchen zum Diakon geweiht. In der Folgezeit wurde der Afrikaner Moses Opfer rassistischer Haltungen anderer Geistlicher. So ist er beispielsweise vom Patriarchen durch die Ältesten wegen seiner Hautfarbe aus dem Altarraum verwiesen worden. Die Legende behauptet, dies sei nur geschehen, um seine Demut zu testen, und er habe diesen Test bestanden. Es soll unmittelbar nach diesem Vorfall gewesen sein, als er als Sechzigjähriger vom Patriarchen an den Altar zurückgerufen und zum Presbyter, das heißt, zum Priester geweiht wurde, was bei den sketischen Mönchen seiner Zeit sehr ungewöhnlich war.[1]

Moses hatte diesen Rang für 15 Jahre. Wie er dieses Amt versehen hat, ist unbekannt, er dürfte aber dabei sehr charismatisch gewirkt haben, da es ihm gelang, in der westlichen Wüste eine Gruppe von 75 Schülern um sich zu scharen. Diese Zahl soll der Zahl der Räuber entsprochen haben, die er in seinem früheren Leben angeführt hatte.

Ebenso wie Makarios hatte er Kontakt zu Zacharias, den er einerseits als Schüler führte, andererseits aber auch mit Ehrfurcht betrachtete, außerdem zu Arsenios, der auch über ihn berichtete, Silvanos und eventuell auch zu Poimen, der ihn ehrfurchtsvoll erwähnte.

Martyrium[Bearbeiten]

Als Moses 75 war, soll er mit einigen Ältesten zu Makarius dem Großen gegangen sein, der geweissagt habe: „Ich sehe einen unter euch, dem die Märtyrerkrone gehören wird.“ Moses soll geantwortet haben: „Möglicherweise bin ich es, denn es steht geschrieben: >>Wer das Schwert nimmt, der soll durch's Schwert umkommen.<<“ (Mt 26,52 LUT)

Tatsächlich fielen im Jahre 407 die Maziken in Ägypten ein und planten, das Paromeos-Kloster, in dem Moses lebte, anzugreifen. Es handelte sich dabei um einen Berberstamm aus der libyschen Wüste. Die Brüder wollten sich verteidigen, Moses verbot es ihnen aber. Er segnete seine Mönche und riet ihnen, ihn zu verlassen, um einem gewaltsamen Tod zu entgehen, anstatt zu den Waffen zu greifen. Sie baten ihn, sie zu begleiten, aber er weigerte sich mit dem Hinweis, dass er lange auf diesen Tag gewartet habe. Fast alle Mönche verließen ihn daraufhin, nur Moses und sieben weitere blieben freiwillig zurück und begrüßten die Eindringlinge mit offenen Armen. Die Maziken töteten Moses und die anderen Zurückgebliebenen am 24. Paoni des ägyptischen Kalenders, nur einer konnte sich unter einem Seil verstecken. Eine Version der Legende sagt, dieser Mönch habe den Engel des Herrn gesehen, der eine Krone für ihn in der Hand gehalten habe. Er sei daraufhin aus seinem Versteck hervorgetreten und habe ebenfalls den Märtyrertod erlitten.

Bemerkenswert ist aus christlicher Sicht der Kontrast zwischen dem gewalttätigen Leben Moses' vor seiner Bekehrung und dem die Gegengewalt verweigernden Märtyrertod.

Ein abweichender Bericht über Moses Tod findet sich im Paradies oder Garten der heiligen Väter, wo Poimen zitiert wird. Moses habe Abba Zacharias, der seinen Tod kommen sah, gefragt: „Vater, ist es gut, dass wir schweigen sollen?“ Zacharias habe ihm geantwortet: „Ja mein Sohn, schweige.“ Als Moses starb, habe Isidor bei ihm gesessen. Moses habe zum Himmel aufgeblickt und gesagt: „Freue Dich und sei glücklich, O mein Sohn Zacharias, da die Tore des Himmels geöffnet wurden.“[4]

Moses Reliquien und sein wichtigster Schrein befinden sich heute in der Marienkirche des Paromeos-Klosters, das jetzt zur koptischen Kirche gehört.[3]

Werke[Bearbeiten]

Aus seiner Zeit als Vorsteher einer Mönchsgruppe stammen die 18 Apophthegmata (Denksprüche) des Abba (Vater) Mose.

Bedeutung[Bearbeiten]

Als Afrikaner[Bearbeiten]

Moses ist der erste namentlich bekannte Heilige dunkler Hautfarbe.

Seine Lebensgeschichte weist Parallelen zum Schicksal der afroamerikanischen Bevölkerung auf. Dies erklärt seine hohe Beliebtheit bei dieser Bevölkerungsgruppe.

Mithin wird er als Patron Afrikas, der Afroamerikaner, einer orthodoxen Bruderschaft in Michigan und eines Priorats der Prämonstratenser in Raymond in Mississippi geführt.

Als bekehrter Krimineller[Bearbeiten]

Bemerkenswert ist auch sein in der Legende beschriebener Weg vom Kriminellen zum bekehrten Christen, der seine eigene Unzulänglichkeit nicht vergaß, deshalb seine Mitmenschen nicht verurteilte, sondern andere ebenfalls von ihrem kriminellen Weg abbrachte.

Dies machte ihn zum Patron der Gefängnisseelsorger.

Der Weg vom Gewalttäter zum gewaltlosen Märtyrer machte ihn in einer modernen Deutung seines Lebensweges ferner zum Apostel der Gewaltlosigkeit.

Gedenktage[Bearbeiten]

Attribute[Bearbeiten]

Moses (links) in typischer Darstellung

Die christliche Kunst stellt Moses als Afrikaner mit schwarzer Mönchskutte und einem Kreuz in der rechten Hand dar. Gern wird auch die Szene dargestellt, in welcher er einen leckenden Sandsack oder -korb trug, um die teils unbewusste Sündhaftigkeit jedes Menschen zu verdeutlichen.

Quellen[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]