Muslimliga

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Dieser Artikel behandelt die historische indische und pakistanische Partei Muslimliga, für die deutsche Organisation siehe Deutsche Muslimliga, für die heutige Partei in Indien, siehe Indian Union Muslim League.
Flagge der Muslimliga

Die Muslimliga (Urdu ‏مسلم لیگ‎) war eine historische politische Partei der Muslime in Indien und ist, seit 2001 in zwei Gruppen PML-N und PML-Q gespalten, eine der wichtigsten politischen Parteien im heutigen Pakistan.

Indischer Unabhängigkeitskampf[Bearbeiten]

Mohammed Ali Jinnah wurde 1916 zum ersten Präsident in der Muslimliga

Die All-India Muslim League wurde 1906 in Dhaka gegründet. Mohammed Ali Jinnah wurde 1916 zum Präsidenten der Muslimliga im britisch beherrschten Indien gewählt. Daraus entwickelte sich eine Partei, die sich seit 1936 zunehmend vom Indischen Nationalkongress abspaltete und auf die Gründung eines unhabhängigen Staates der Muslime hinarbeitete. Jinnah verfasste in diesem Zusammenhang 1940 die sogenannte Lahore-Resolution. In den Verhandlungen mit den Briten über die Unabhängigkeit Indiens setzte er 1947 die Teilung des indischen Subkontinents in das überwiegend von Hindus bewohnte Indien und den moslemischen Staat Pakistan im Industal und der Gangesmündung durch. Im Zuge der Teilung verließen über 4 Millionen Muslime das heutige Indien, während ca. 7 Millionen Hindus und Sikhs das Staatsgebiet von Pakistan verließen. Es wird vermutet, dass bei Gewaltakten und durch die Strapazen während der Flucht bis zu 750.000 Menschen ihr Leben verloren.

Muslimliga in Pakistan[Bearbeiten]

Jinnah war bis zu seinem Tode 1948 auch der erste Staatschef von Pakistan. 1954 verlor die bis dahin in Pakistan regierende Muslimliga bei den Regionalwahlen in Ostpakistan gegen die oppositionelle Awami-Liga. Iskander Mirza wurde als Gouverneur von Ostpakistan eingesetzt. Am 23. März 1956 trat die erste pakistanische Verfassung in Kraft, Mirza wurde erster Präsident der Islamischen Republik Pakistan. Zwischen 1958 und 1972 herrschte in Pakistan das Kriegsrecht. 1971 nach der Niederlage (West-)Pakistans im Sezessionskrieg gegen Bangladesch (das frühere Ostpakistan) kam Zulfikar Ali Bhutto und dessen Pakistanische Volkspartei (PPP) an die Macht. 1977 putschte nach Protesten der Muslimliga und der Pakistan National Alliance (PNA) der Oberbefehlshaber der Streitkräfte General Mohammed Zia ul-Haq. Nach dem Tod Zia ul-Haqs im August 1988 und dem Wahlgewinn der PPP unter Benazir Bhutto gewann bei den Wahlen im Oktober 1990 das von der Muslimliga dominierte Parteienbündnis „Islamische Demokratische Allianz“ unter dessen Führer Nawaz Sharif. Nach dessen Absetzung 1993 wurde Benazir Bhutto wieder Premierministerin. Bei den Parlamentswahlen 1997 errang die Muslimliga die absolute Mehrheit. Am 12. Oktober 1999 wurde Nawaz Sharif durch den Generalstabschef des Heeres Pervez Musharraf durch einen unblutigen Putsch abgesetzt.

Bei den Parlamentswahlen 2002 wurde eine dem Staatspräsidenten Pervez Musharraf nahestehende Abspaltung der Muslim-Liga, die Pakistan Muslim League Quaid-e-Azam (PML-Q) stärkste Fraktion. Die Muslimliga Nawaz Sharifs (PML-N) war nur noch eine Splitterpartei.

Bei den Parlamentswahlen 2008 wurde die PML-N jedoch zweitstärkste Kraft hinter der PPP in der Nationalversammlung. Im März 2009 rief die PWL-N und zahlreiche Anwälte zu mehrtägigen Protesten gegen die Regierungspolitik auf. In einem „Langen Marsch“ auf die Hauptstadt Islamabad sollte für eine unabhängige Justiz in Pakistan demonstriert werden. Dabei kam es am 15. März 2009 in Lahore zu schweren Ausschreitungen zwischen Anhängern Sharifs und der Polizei. Meldungen, dass Sharif unter Hausarrest gestellt wurde, um seine Teilnahme an dem Kundgebungen zu verhindern, bestätigten sich nicht.[1] Nachdem die pakistanische Regierung der Hauptforderung der Opposition nachgegeben hatte und die Wiedereinsetzung mehrerer Richter, darunter den ehemaligen Obersten Richter Iftikhar Muhammad Chaudhry, angekündigt hatte, sagte Sharif den „Langen Marsch“ ab.[2]

Bei den Parlamentswahlen in Pakistan am 11. Mai 2013 erreichte Nawaz Sharif als Spitzenkandidat der Pakistanischen Moslem-Liga (Nawaz) für viele Beobachter unerwartet mindestens 130 der 371 zu vergebenden Parlamentssitze. Er war besonders in seiner Heimatprovinz Punjab erfolgreich. Am 5. Juni 2013 wurde er erneut zum Premierminister gewählt.[3]

Am 30. Juli 2013 gewann Mamnoon Hussain, Kandidat der Muslimliga, die Präsidentenwahl in Pakistan.

Muslimliga in Indien[Bearbeiten]

Im Jahr 1948 wurde in Indien die Indian Union Muslim League gegründet, die sich im Gegensatz zur All-India Muslim League nicht Pakistan verbunden sieht, sondern sich als indische Partei versteht. 13,4 Prozent der Bevölkerung Indiens sind Muslime (hauptsächlich Sunniten). (Quelle: Census of India 2001) Die stärkste Unterstützung hat die Partei in Kerala, wo sie mehrfach an der Regierung beteiligt war.

Seit den 1980er Jahren entstanden mehrere Splittergruppen wie die All India Majlis-e-Ittehadul Muslimeen. Die Indian Union Muslim League ist heute Teil der in Indien regierenden United Progressive Alliance unter Sonia Gandhi.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tagesschau: Eskalation vor "Langem Marsch" (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung vom 15. März 2009.
  2. NZZ: Politische Krise in Pakistan entschärft vom 16. März 2009.
  3. Stern: Pakistans Parlament wählt Nawaz Sharif vom 5. Juni 2013.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sheshrao Chavan: Mohammed Ali Jinnah. The Great Enigma. Authors Press, Delhi 2006, ISBN 81-7273-380-1. (engl.)
  • One Hundred Years of All India Muslim League. University of Chicago Colloquium, Nov 4, 2006 [3] (engl.)