Bilshausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bilshausen
Bilshausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bilshausen hervorgehoben
51.62944444444410.158888888889176Koordinaten: 51° 38′ N, 10° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Göttingen
Samtgemeinde: Gieboldehausen
Höhe: 176 m ü. NHN
Fläche: 8,49 km²
Einwohner: 2317 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 273 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37434
Vorwahl: 05528
Kfz-Kennzeichen: GÖ, DUD, HMÜ
Gemeindeschlüssel: 03 1 52 002
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Sandweg 1 A
37434 Bilshausen
Webpräsenz: www.bilshausen.de
Bürgermeisterin: Anne-Marie Kreis (CDU)
Lage der Gemeinde Bilshausen im Landkreis Göttingen
Staufenberg Hann. Münden Bühren Scheden Rosdorf Friedland Dransfeld Jühnde Niemetal Adelebsen Bovenden Waake Gleichen Landolfshausen Bilshausen Göttingen Seulingen Ebergötzen Bodensee Seeburg Obernfeld Krebeck Wollbrandshausen Rollshausen Wollershausen Duderstadt Gieboldehausen Rhumspringe Rüdershausen Landkreis Göttingen Niedersachsen Hessen Landkreis Northeim Landkreis Northeim Landkreis Osterode am Harz ThüringenKarte
Über dieses Bild

Bilshausen ist eine Gemeinde der Samtgemeinde Gieboldehausen im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Bilshausen liegt am westlichen Rand des Rotenbergs bzw. am nördlichen des Untereichsfelds und wird in Südost-Nordwest-Richtung von der Rhume durchflossen, deren Ufersaum hier als Naturschutzgebiet Rhumeaue / Ellerniederung / Gillersheimer Bachtal ausgewiesen ist. Der Ort befindet sich etwa 23 km nordöstlich von Göttingen und 15 km südwestlich von Osterode am Harz. Die Nachbargemeinden sind Bodensee, Gieboldehausen, Wulften am Harz und Katlenburg-Lindau.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name des Ortes ist der Sage nach dadurch entstanden, dass die sächsischen Einwanderer, die das Dorf gründeten, dort den heidnischen Gott Biel verehrten. Die Ortsnamensforschung nimmt dagegen wie bei den meisten Orten mit der Endung -hausen den Bezug zu einem Personennamen an, in diesem Fall dem Kurznamen Bili, der auf das altsächsische bil = „Schwert, Beil“ zurückgeführt wird.[2] Die Gründung fand vermutlich etwa im 8. bis 10. Jahrhundert nach Christus statt.

Bilshausen wird in der auf das Jahr 952 datierten Stiftungsurkunde für das Kloster Pöhlde erwähnt, bei der es sich jedoch um eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Fälschung handelt. Einige Hügelgräber im „Großen Berg“ bezeugen jedoch, dass die Umgebung von Bilshausen schon zur Bronzezeit besiedelt war. Im Jahr 1242 gelangte Bilshausen und die einstige Kirche, durch eine Schenkung des Markgrafen Heinrich in den Besitz der Deutsch-Ordens-Ritter, die es dann 1318 an die Herren von Plesse verkauften und nach Göttingen weiterzogen[3]. Das Wappen der Gemeinde, ein blauer Schild mit drei silbernen Schrägbalken, entspricht dem Wappen des Bertram von Bilshausen, der 1314 Ordenshalter in Bilshausen war. Von 1322 an gehörte Bilshausen politisch dem Bischof von Hildesheim, obwohl es kirchlich dem Erzbischof von Mainz (Erzbistum Mainz) unterstand, dessen Kurfürstentum es 1492 dann, zusammen mit dem Amt Lindau, für mehr als 300 Jahre auch politisch zugeordnet wurde. Nach 1802 kam Bilshausen vorübergehend zu Preußen und zum Königreich Westphalen und nach dem Wiener Kongress mit dem Untereichsfeld zum Königreich Hannover, um dann 1866 endgültig „preußisch“ zu werden. Zur Samtgemeinde Gieboldehausen gehört Bilshausen seit der Gebietsreform von 1973, vorher gehörte es zum Landkreis Duderstadt.[4]

Aus Bilshausen stammt eine Serienmörderin. Die „Engelmacherin“ von St. Pauli, die frühere Hebamme Elisabeth Wiese (1853–1905), wurde am 15. Oktober 1904 wegen der Ermordung von fünf Kindern und weiterer Delikte vom Schwurgericht in Hamburg zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1905 im Zuchthaus Vor dem Holstentor mit dem Fallbeil hingerichtet.[5]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011[6][7]
Wbt.: 56,19 % (2006: 53,46 %)
 %
70
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Gewinne und Verluste
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+2,52 %p

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Bilshausen setzt sich aus 13 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

  • CDU: 9 Sitze (±0)
  • Unabhängige Wähler Bilshausen: 2 Sitze (±0)
  • SPD: 2 Sitze (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war Bilshausen überwiegend landwirtschaftlich geprägt, obwohl sich viele Einwohner mit Heimarbeit oder als Handelsleute und Bauarbeiter ihren Unterhalt „in der Fremde“ verdienen mussten (Wanderarbeit). Bilshausen war bekannt für seine Stroh- und Korbwaren, besonders jedoch für die Kanarienhähne, die, im Eichsfeld und im Harz gezüchtet, von hier bis nach Übersee verkauft wurden. Seit 1907 beschäftigte eine der größten Zigarrenfabriken des Eichsfeldes für fast 70 Jahre viele Frauen des Ortes.

Heute machen die Jacobi-Tonwerke, schon im 19. Jahrhundert im Süden des Ortes gegründet und seit 1934 im Ortsteil Strohkrug angesiedelt, Bilshausen weit über die Grenzen des Eichsfeldes hinaus bekannt. Sie gehört zu den wenigen Ziegeleien der Gegend, die bis heute produzieren. Des Weiteren hat sich das Wirtschaftsunternehmen „Piller Dynasine GmbH“ (ein Unternehmen der Langley Holding, England) im großen Gewerbegebiet „Im Alten Felde“ niedergelassen. Schwerpunkt ist die Montage von USV-Systemen auf Basis von Dieselgeneratoren sowie deren Prüfung.

Verkehr[Bearbeiten]

Bilshausen liegt an der inzwischen stillgelegten Bahnstrecke Leinefelde–Wulften.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kath. Pfarrkirche St. Kosmas und Damian[Bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Cosmas und Damian

Die heutige Bilshausener Kirche präsentiert sich als Nachfolgebau einer älteren Pfarrkirche, welche bereits vor dem Siebenjährigen Krieg abgerissen wurde. Die neuen Fundamente mussten schließlich jedoch bis 1780 warten, bevor man in den kommenden Jahren bis 1783 auf ihnen das neue Gebäude errichten sollte. Der Nesselröder Baumeister Johann Burchardt erstellte dabei einen einschiffigen Saalbau mit polygonalem Chorschluss. Der noch vorhandene gotische Turm aus dem Jahre 1515 fand auch beim Neubau seine Verwendung. Ornamentierte Fensterschlusssteine und identische Portale an der Nord- und Südseite sind Bestandteile des lisenengegliederten Außenbaus der Kirche, welche aus Bundstandsteinquadern gebaut wurde. Verziert werden die Außenwände durch rundliche, aus Voluten, Blüten, verschlungenen Bändern und Säulenkapitellen. Im Innenraum dominiert der klassizistische Stil, in dem das antikische Dekor mit Eierstab- Perlstab- und Zahnschnittfriese der Pilastergesimse gehalten ist. Auch an den stuckverzierten Gurtbögen finden sich diese Ansätze. In die helle Grundstimmung des Kirchenraums past sich der spätbarocke zweistöckige Hauptaltar, mit seiner weiß-goldenen Fassung ein. Aus der Lindauer Pfarrkirche stammt das Altarbild, das seit 1985 das ursprünglich in Bilshausen vorhandene ersetzt. In dem Rundfenster der hinteren Chorwand sind Dreifaltigkeitsfiguren und ein Strahlenkranz eingesetzt worden, während man in den beiden, der Empore gegenüberliegenden, Fenstern Fragmente mittelalterlicher Glasmalerei vorfindet.

Ev.-luth. Pauluskirche[Bearbeiten]

Evangelische Pauluskirche

Die ev.-luth. Pauluskirche geht auf eine Stiftung nordamerikanischer Christen zurück und wurde 1951 erbaut. Sie basiert auf Plänen des Darmstädter Architekten Otto Bartning. Bartning war für seinen eigenen Stil bekannt, der sich gegen die im 20. Jahrhundert vorherrschende Art der Baugestaltung nach älteren Vorbildern wandte. Er realisierte auf diese Weise unter anderem in Berlin, Essen und Karlsruhe mehrere protestantische Kirchen, die eine zeitgemäße Gestaltung besaßen. Die Pauluskirche in Bilshausen ist dabei eines von 33 Gotteshäusern des Typs Diasporakapelle, die von Bartning als Holzgerüst-Fertigbau mit teilweise gemauerten Umfassungswänden entworfen und durch einfache Bauformen und Materialbeschaffung zu einer multifunktionalen Konstruktion entwickelt wurden. Verglaste Giebelseiten, ein offener Dachstuhl und ein angeschlossener Gemeinschaftsraum, der durch eine Wandöffnung einen Durchgang zum Kirchenraum ermöglicht, sind die baulichen Merkmale der Kirche. In einer durch Wandklappen verschließbaren Nische findet man den Kirchenaltar. Eine weitere Besonderheit bildet die durchgehende Holzvertäfelung, welche nach Bartning Behaglichkeit und Gemeindenähe vermittelt. Die Kirche wurde am 7. Oktober 1951 eingeweiht.[8] Die Pauluskirche in Bilshausen war nicht in die Liste der Baudenkmale nach Niedersächsischem Denkmalschutzgesetz aufgenommen,[9][10] doch startete die Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e.V. im Jahr 2012 eine Initiative, um noch bestehende Typenkirchen Bartnings gemeinsam als Flächendenkmal in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufnehmen zu lassen.[11][12]

Kapelle St. Maria[Bearbeiten]

Am östlichen Ortsrand von Bilshausen befindet sich auf dem Hessenberg eine kleine Klus, die auch als Muttergotteskapelle bezeichnet wird. Sie wurde im Jahr 1801 in Fachwerkbauweise errichtet und 2011 instand gesetzt. Im Inneren befindet sich eine Marienstatue aus Gröden.[13] Die Kapelle steht unter Denkmalschutz.[9]

Wandern[Bearbeiten]

Bilshausen liegt am Solling-Harz-Querweg.

Sonstiges[Bearbeiten]

An der hiesigen Grundschule werden Schüler aus Renshausen zusammen mit den Bilshäuser Schülern unterrichtet. Die Hauptschule wurde zum Ende des Schuljahres 2008/2009 aufgelöst.[14]

Besonders hervorzuheben ist das rege Vereinsleben des Ortes. Über 20 Vereine, darunter fünf Sportvereine, drei Chöre und drei Musikzüge, sind in dem Ort aktiv.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Bringmann: Bilshausen: Geschichte eines Dorfes im Eichsfeld. Heimat- und Verkehrsverein Bilshausen, Bilshausen 1981
  • Klaus Freyberg: 1050 Jahre Bilshausen. In: Eichsfeld, Band 46 (2002), S. 329–330.
  • Klaus Freyberg: Bilshausen, Eichsfeld wie es früher war. Geiger, Horb am Neckar 1998 ISBN 3-89570-477-6
  • Heribert Rudolph: Zum Wanderhandel in Bilshausen. In: Eichsfeld, Band 41 (1997), S. 312–314, Band 42 (1998), S. 52–54

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bilshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph: Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB), Teil IV. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISSN 0436-1229, ISBN 3-89534-494-X, S. 52 f.
  3. Streich, Gerhard: Klöster, Stifte und Kommenden in Niedersachsen vor der Reformation, Verlag August Lax, Hildesheim 1986, S. 42.
  4. Zur Gebiets- und Verwaltungsreform vgl. Blazek, Matthias: Von der Landdrostey zur Bezirksregierung – Die Geschichte der Bezirksregierung Hannover im Spiegel der Verwaltungsreformen, Stuttgart 2004, ISBN 3-89821-357-9.
  5. Wosnik, Richard: Beiträge zur Hamburgischen Kriminalgeschichte unter besonderer Berücksichtigung des Kriminal-Museums nach Quellen und Urkunden, Bd. 1, Heft 2, Hamburg 1926, S. 41–59.
  6. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/152402_000054/index.html
  7. http://wahlen.kds.de/2006kw/Daten/GIE/6_MAIN_E_GEMEINDEWAHL_BILSHAUSEN_2006.html
  8. Pauluskirche in Bilshausen. Abgerufen am 4. April 2013.
  9. a b Peter Ferdinand Lufen: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 5.3: Landkreis Göttingen, Teil 2. Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen, hrsg. vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt –Institut für Denkmalpflege–, CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 87 f.
  10. telefonische Auskunft der Unteren Denkmalschutzbehörde, Dezember 2012
  11. Heinz Hobrecht: Pauluskirche soll Weltkulturerbe werden. Göttinger Tageblatt, 12. November 2012, abgerufen am 4. April 2013.
  12. Bartning-Typenkirchen als UNESCO-Weltkulturerbe auf der Homepage der Otto Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e.V., abgerufen am 4. April 2012
  13.  Rolf-Günther Lucke, Josef Keppler, Maria Kapp, David Bleckmann, Monika Tontsch, Ulfrid Müller, Mandref Kahlmeyer, Helmut Godehardt, Torsten W. Müller, Verein für Eichsfeldische Heimatkunde e. V., Heimatverein Goldene Mark (Untereichsfeld) e. V. (Hrsg.): Die Kirchen im Eichsfeld. Kirchen- und Kunstführer. 2., bearbeitete und erweiterte Auflage. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2011, ISBN 978-3-936617-92-4, S. 42.
  14. Eichsfelder Tageblatt vom 18. Juni 2009, www.ghs-bilshausen.de.