Neusprachliches Gymnasium

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das neusprachliche Gymnasium oder auch sprachliche Gymnasium ist ein Gymnasium mit mindesten drei Fremdsprachen, in dem  – anders als traditionellerweise im humanistischen Gymnasium  – mindestens zwei lebende Fremdsprachen wie z. B. Englisch, Französisch, Italienisch und auch Spanisch unterrichtet werden, oft in Verbindung mit Latein oder einer weiteren lebenden Fremdsprache. Altgriechisch wird am neusprachlichen Gymnasium nicht angeboten. Bis 1965 hieß das neusprachliche Gymnasium Realgymnasium.

In Italien werden an den Sprachengymnasien drei lebende Fremdsprachen und Latein angeboten. In Südtirol, wo an allen Schulen die jeweils andere Sprache als Zweitsprache unterrichtet wird, werden nur zwei weitere Fremdsprachen (gleiche Sprachen, wie in Deutschland) angeboten. Im Rest von Italien kann neben diesen Sprachen auch russisch, chinesisch, arabisch oder japanisch angeboten werden.

Neusprachliche Gymnasien in Deutschland bis 1965 (Realgymnasien)[Bearbeiten]

Das Realgymnasium[1] wurde Mitte des 19. Jahrhunderts im Staat Preußen eingeführt. Häufig wurden dazu bestehende sechsklassige Realschulen um drei Jahre (die "Prima" bzw. Oberstufe) erweitert. Realgymnasien wurden daher übergangsweise auch Realschulen 1. Ordnung genannt. Im Gegensatz zu humanistischen Gymnasien, die mit Altgriechisch und Latein einen altphilologischen Schwerpunkt setzen, fokussierten sich Realgymnasien auf Realien und moderne Sprachen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen im Deutschen Kaiserreich aus den Schwerpunkten der „Realgymnasien“ mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte Oberrealschulen und neusprachliche Gymnasien hervor. Ab 1937 wurden im Deutschen Reich alle Realgymnasien und Oberrealschulen reichseinheitlich als "Oberschulen" bezeichnet.

Mit dem Hamburger Abkommen von 1965 wurden in der Bundesrepublik Deutschland alle Bildungseinrichtungen und damit auch die Realgymnasien, deren Abschluss (Reifezeugnis) den Zugang zur Universität ermöglichte, in „Gymnasium[2] umbenannt.

Jahrgangsstufen
  • Unterstufe
    • Sexta entspricht der 5. Klasse (siehe auch Sextaner)
    • Quinta entspricht der 6. Klasse
    • Quarta entspricht der 7. Klasse
  • Mittelstufe
    • Untertertia entspricht der 8. Klasse
    • Obertertia entspricht der 9. Klasse
    • Untersekunda entspricht der 10. Klasse (Mittlere Reife)
  • Oberstufe
    • Obersekunda entspricht der 11. Klasse
    • Unterprima entspricht der 12. Klasse
    • Oberprima entspricht der 13. Klasse (Zeugnis der Reife)
historische Beispiele

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Fuhrmann, Latein und Europa, Die fremdgewordenen Fundamente unserer Bildung, Die Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Köln, 1. Aufl. 2001, ISBN 3-7701-5605-6, 2. Aufl. 2001, ISBN 3-8321-7948-8
  2. Definition des Gymnasiums siehe § 4 Abs. 2 Hamburger Abkommen
  3. Oberrealschule von 1910
  4. [1]