Neusprachliches Gymnasium

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Das neusprachliche Gymnasium oder auch sprachliche Gymnasium ist ein Gymnasium mit mindestens drei Fremdsprachen, in dem  – anders als traditionellerweise im humanistischen Gymnasium  – mindestens zwei lebende Fremdsprachen wie z. B. Englisch, Französisch, Italienisch und auch Spanisch unterrichtet werden. Teils wird an neusprachlichen Gymnasien noch Latein angeboten, nicht aber (Alt-)Griechisch.

Deutschland: Neusprachliche Gymnasien bis 1965 (Realgymnasien)[Bearbeiten]

Das Realgymnasium[1] wurde Mitte des 19. Jahrhunderts im Staat Preußen eingeführt. Häufig wurden dazu bestehende sechsklassige Realschulen um drei Jahre (die "Prima" bzw. Oberstufe) erweitert. Realgymnasien wurden daher übergangsweise auch Realschulen 1. Ordnung genannt. Im Gegensatz zu humanistischen Gymnasien, die mit Altgriechisch und Latein einen altphilologischen Schwerpunkt setzen, fokussierten sich Realgymnasien auf Realien und moderne Sprachen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen im Deutschen Kaiserreich aus den Schwerpunkten der „Realgymnasien“ mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte Oberrealschulen und neusprachliche Gymnasien hervor. Ab 1937 wurden im Deutschen Reich alle Realgymnasien und Oberrealschulen reichseinheitlich als "Oberschulen" bezeichnet.

Mit dem Hamburger Abkommen von 1965 wurden in der Bundesrepublik Deutschland alle Bildungseinrichtungen und damit auch die Realgymnasien, deren Abschluss (Reifezeugnis) den Zugang zur Universität ermöglichte, in „Gymnasium[2] umbenannt.

Jahrgangsstufen
  • Unterstufe
    • Sexta entspricht der 5. Klasse (siehe auch Sextaner)
    • Quinta entspricht der 6. Klasse
    • Quarta entspricht der 7. Klasse
  • Mittelstufe
    • Untertertia entspricht der 8. Klasse
    • Obertertia entspricht der 9. Klasse
    • Untersekunda entspricht der 10. Klasse (Mittlere Reife)
  • Oberstufe
    • Obersekunda entspricht der 11. Klasse
    • Unterprima entspricht der 12. Klasse
    • Oberprima entspricht der 13. Klasse (Zeugnis der Reife)
Historische Beispiele

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich ist die neusprachliche Form – neben dem akademischen (humanistisch „altsprachlich“, mit Latein und Griechisch) und dem realistischen (naturwissenschaftlichen) Schulprofil – die dritte klassische Form des Gymnasiums als Allgemein bildende höhere Schule (AHS). Durch das Abnehmen der humanistischen Bildung gilt es heute als eine der zwei gymnasialen Hauptformen schlechthin, wenn nicht „wirtschaftskundlich“, „musisch“ oder ähnliches ausdrücklich dazugesagt wird. An den meisten Gymnasien gibt es einen neusprachlichen und einen realistischen Zweig nebeneinander, da es sich um keine prinzipiell unterschiedlichen Schulformen handelt, sondern Lehrpläne. Durch Schulschwerpunkte im Rahmen der Schulautonomie verschwimmen die Grenzen der einzelnen Schulprofile heute zunehmend.

Durchwegs ist Englisch die erste Fremdsprache, die Zweite entweder Latein oder meist Französisch, Italienisch, Spanisch, die Dritte ebenfalls, aber auch etliche andere – meist europäische – Sprachen, insbesondere auch die der Nachbarländer: Tschechisch, Slowakisch, Slowenisch oder Ungarisch. Die Sprachen der anerkannten Minderheitensprachen finden sich regional auch vorrangig. Die zweite und dritte Fremdsprache sind Wahlpflichtfach, daneben gibt es auch Freifächer für weitere Sprachen.

In der Haupt- und den meisten Wahlpflicht-Fremdsprachen kann maturiert werden, schriftlich wie mündlich (§ 8 (5) SchOG).

Italien[Bearbeiten]

In Italien werden an den Sprachengymnasien drei lebende Fremdsprachen und Latein angeboten. In Südtirol, wo an allen Schulen die jeweils andere Sprache als Zweitsprache unterrichtet wird, werden nur zwei weitere Fremdsprachen angeboten. Im Rest von Italien kann neben Englisch, Französisch und Spanisch auch Russisch, Chinesisch, Arabisch oder Japanisch angeboten werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Fuhrmann, Latein und Europa, Die fremdgewordenen Fundamente unserer Bildung, Die Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Köln, 1. Aufl. 2001, ISBN 3-7701-5605-6, 2. Aufl. 2001, ISBN 3-8321-7948-8
  2. Definition des Gymnasiums siehe § 4 Abs. 2 Hamburger Abkommen
  3. Oberrealschule von 1910
  4. [1]