Nicolas Durand de Villegagnon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Nicolas Durand de Villegagnon

Nicolas Durand de Villegagnon (* 1510 in Provins; † 1571 in Beauvais-en-Gâtinais) war Vizeadmiral der Bretagne im Dienst der französischen Krone und Gründer einer kurzlebigen Kolonie in Brasilien: das antarktische Frankreich (France Antarctique).

Villegagnon war eine ebenso illustre, wie umstrittene Figur seiner Zeit. Er kam früh mit dem späteren Reformator Johannes Calvin in Kontakt, studierte Rechtswissenschaften in Orléans und trat 1531 dem Ritterorden der Malteser bei. In weiterer Folge nahm er an der Eroberung Algiers durch Karl V. 1541 teil und kommandierte 1548 die Expedition, die Maria Stuart an den französischen Hof brachte. 1553 wurde er zum Vizeadmiral der Bretagne ernannt.

Die wichtigste Station seines Lebens war jedoch unzweifelhaft seine 1555 unternommene Expedition nach Brasilien. Der französische König Heinrich II. hatte dem calvinistischen Admiral Gaspard de Coligny die Erlaubnis einer Koloniegründung erteilt, wo die französischen Hugenotten ihre Religion frei ausüben könnten, eine Maßnahme, um die zunehmenden religiösen Konflikte entschärfen zu können. Villegagnon landete mit etwa 600 Mann in der Bucht von Rio de Janeiro, wo er das Fort Coligny errichten ließ. Als wirtschaftliche Basis der Kolonie sollte vor allem der Export von Brasil-Holz dienen. Zwei Jahre später wurde die Kolonie durch eine zweite Expedition unterstützt, an der auch eine Anzahl calvinistischer Prediger teilnahm, unter ihnen Jean de Léry. In weiterer Folge verschärften sich die Konflikte innerhalb der Kolonie durch Villegagnons autoritären Führungsstil und eigenständige Auslegung der Heiligen Schrift, was letztlich zum Zerwürfnis mit den Calvinisten führte, die auf das brasilianische Festland exiliert wurden. 1558 wurden die Calvinisten zurück nach Frankreich geschickt, 5 Personen, die sich weigerten, ließ Villegagnon exekutieren. Nur ein Jahr später, 1559, verließ er auch selbst seine Kolonie, die 1567 endgültig von den Portugiesen zerstört wurde.

Diese Episode beschrieb einer der Widersacher Villegagnons, Jean de Léry in seiner berühmten „Histoire d'un voyage fait en la Terre du Brésil“ von 1578.

Nach seiner Rückkehr versöhnte sich Villegagnon mit der Katholischen Kirche und wurde zu einem Exponenten der Gegner der Hugenotten. 1567 wurde er Gouverneur von Sens, vier Jahre später starb er im Ort Beauvais-en-Gâtinais.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean de Lery: Unter Menschenfressern am Amazonas. Brasilianisches Tagebuch 1556-1558. (Histoire d’un voyage fait en la terre du Bresil, autrement dite Amerique. Übersetzt von Ernst Bluth, durchgesehen, herausgegeben und mit einem Anhang versehen von Karl H. Salzmann. Nachdruck der Ausgabe Paris 1586, 2. Auflage). Albatros, Düsseldorf 2001. ISBN 3-491-96031-2
  • André Thevet: Le Brésil d’André Thevet. Les singularités de la France Antarctique. Chandeigne, Paris 1997. ISBN 2-906462-31-4

Weblinks[Bearbeiten]