Niederegger

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Niederegger-Markenzeichen (Entwurf: Alfred Mahlau)
Marzipan-Produkte von Niederegger

Die J. G. Niederegger GmbH & Co. KG ist ein von Johann Georg Niederegger am 1. März 1806 in Lübeck gegründetes und heute weltweit agierendes Unternehmen. Das Hauptprodukt ist Lübecker Marzipan.

Familienunternehmen[Bearbeiten]

Niederegger ist ein Familienunternehmen in der siebten Generation.[1]

  • Erste Generation: Johann Georg Niederegger (1777–1856)
  • Zweite Generation: Karl Georg Barth (1804–1884)
  • Dritte Generation: Wilhelm Köpff (1838–1895)
  • Vierte Generation: Johann Georg Leonard Köpff (1865–1931)
  • Fünfte Generation: Carl Arthur Strait (1884–1960)
  • Sechste Generation: Jürgen Strait (1921–1963) und Henning Strait (1926–2009)
  • Siebe Generation: Holger Strait (* 1949)

Chronik[Bearbeiten]

Der Konditor Johann Georg Niederegger (1777–1856)

Anfänge[Bearbeiten]

Johann Georg Niederegger wurde 1777 in Ulm geboren. In Langenau absolvierte er eine Konditorlehre. Danach zog er 1803 nach Lübeck und arbeitete in der Konditorei Maret am Markt.[2] Nach dem Tod des Besitzers übertrug dessen Witwe Niederegger das Geschäft (Mareesche Konditorei), der somit am 1. März 1806 sein eigenes Unternehmen gründen konnte. Kurz danach richtete Napoléon die Kontinentalsperre ein (Handelsembargo), so dass Niederegger die Rohstoffe Mandeln aus Sizilien und Zucker ausgingen. Zwischen 1811 und 1812 kam die Produktion gänzlich zum Erliegen. Zwischen 1812 und 1814 konnte der Nachschub durch Schmuggel via Helgoland gesichert werden.

Café Breite Straße[Bearbeiten]

Das 1942 zerstörte Haus Niederegger in der Breiten Straße zwischen 1805 und 1935

Etwa ab 1814 ging es wieder aufwärts. Niederegger bezog 1822 ein eigenes Geschäftshaus an der Ecke Hüxstraße/Breite Straße. Dieses Haus bot genügend Platz, um später ein Café und eine Marzipanfabrik zu integrieren. 1832 wurde Niederegger Federführer der Lübecker Konditorenvereinigung. Er starb 1856 und hinterließ seinem Schwiegersohn Karl Georg Barth ein erfolgreiches Unternehmen. Dieser führte die maschinelle Marzipanproduktion ein, um den Absatz noch weiter zu steigern.

Wilhelm Köpff, der das bis heute als solches bestehende Familienunternehmen von 1864 bis 1895 führte, integrierte ein Café sowie eine Leseecke in die Konditorei. Zuvor hatte er das Nebengebäude in der Hüxstraße gekauft, um noch mehr Raum zu schaffen. Im Erdgeschoss befand sich damals ein Damenbereich.

Marzipanfabrik[Bearbeiten]

Zur 700-Jahr-Feier der Reichsfreiheit Lübecks im Jahr 1926 stellte Niederegger die Jubelkugeln her. 1930 wurde in der Ziethenstraße eine Fabrik zur Marzipanherstellung erbaut, die 1958 durch eine weitere Fabrik in derselben Straße ergänzt wurde. Das Gebäude wurde Ende März 1942 beim Luftangriff auf Lübeck zerstört. Carl Arthur Strait begann 1945 mit dem Wiederaufbau, und drei Jahre später konnte Niederegger seine Neueröffnung feiern.

Wiederaufbau und Neubau[Bearbeiten]

Die Brüder Jürgen und Henning Strait bauten das im Krieg zerstörte Café in der Breiten Straße wieder auf. Im Jahr 1962 wurde die alte Fabrik durch einen Neubau in der Zeißstraße ersetzt, der eine höhere Produktion ermöglichen sollte.

Marzipanmuseum[Bearbeiten]

Niederegger Marzipanmuseum

Holger Strait führte das Unternehmen nach bewährten Grundsätzen. Im zweiten Obergeschoss des Cafés in der Breiten Straße befindet sich seit 1999 ein Marzipanmuseum mit historischen Holzformen für die Herstellung von reliefartigen Marzipanblöcken und einer Gruppe historischer Figuren in Menschengröße aus Marzipan. Am 1. März 2006 feierte die Fa. Niederegger ihr 200-jähriges Bestehen. Die Cafés und Verkaufsräume sind ein Anziehungspunkt für Touristen.

Produkte[Bearbeiten]

Stilisierte Lübecker Sehenswürdigkeiten (Entwurf: Alfred Mahlau)

Café Niederegger im Advent

Niederegger vertreibt vorrangig Lübecker Marzipan, aber auch andere Konditoreiprodukte. Das Marzipan von Niederegger besteht zu 100 % aus Rohmasse. Nach Firmenangaben werden täglich bis zu 30.000 kg Marzipan hergestellt.[3] Die Produktpalette umfasst 300 Spezialitäten wie Marzipan und Nougat sowie Pralinen, Trüffel, Baumkuchen, Stollen und Gebäck. Außerdem werden Sonderfertigungen nach Wunsch ausgeführt. Die Produkte werden in weltweit mehr als 40 Länder versandt.[4]

Das bis heute gültige Markenzeichen in den Lübecker und Hanse-Farben Weiß über Rot, kombiniert mit Gold, mit den Buchstaben J G N im stilisierten Holstentor wurde 1927 vom Graphiker und Künstler Alfred Mahlau entworfen. Mahlau gestaltete auch die spezielle Schriftart Niederegger, eine Versalschrift aus den Majuskeln der Antiqua, und die Verpackung mit weiteren Lübeck-Symbolen.

Café Niederegger[Bearbeiten]

Niederegger-Café in Lübeck

Es gibt drei Niederegger-Cafés in Lübeck: das Café im ersten Stockwerk des Stammhauses Breite Straße gegenüber der Rathaustreppe, das Arkadencafé an der Rathaustreppe und das Café in Lübeck-Travemünde in der Vorderreihe an der Trave. Es werden 21 Torten angeboten, darunter die Niederegger-Nusstorte, aber auch kleine Mittagsgerichte.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1873 wurde das Marzipan von Niederegger auf der Wiener Weltausstellung prämiert.

1908 ernannte Kaiser Wilhelm II das Unternehmen zum Hoflieferanten.[5]

Dokumentarfilm[Bearbeiten]

  • Niederegger – Ein Leben für Marzipan. Fernseh-Dokumentation, Deutschland, 2010, 45 Min., Buch und Regie: Dagmar Wittmers, Produktion: NDR, Reihe: Norddeutsche Dynastien, Erstausstrahlung: 16. Dezember 2010, Filminformationen vom WDR.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niederegger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. G. Niederegger GmbH & Co. KG (Hrsg.): Niederegger Chronik. Handzettel, Lübeck, etwa 2011.
  2. Chronik, niederegger.de
  3. „200 Jahre Süßwaren“, unternehmermagazin.de, 1. März 2006.
  4. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  5. Geschichte, niederegger.de (archiviert)