Café

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Kaffeehaus ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur Prosakomödie in drei Akten von Carlo Goldoni siehe Das Kaffeehaus.
Wiener Melange

Das Café (frz. für Kaffee, von arab. قهوة (qahwa): Anregendes Getränk), auch Kaffeehaus genannt, ist ursprünglich eine Gaststätte, in der vor allem Kaffee als heißes Getränk angeboten wird. Die Kaffeehaustradition hat sich vor allem in Wien (als Wiener Kaffeehaus) und Budapest erhalten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Kaffeehäuser entstanden im Osmanischen Reich, insbesondere in Kairo, Damaskus und Aleppo. Mit der Eröffnung des ersten Kaffeehauses in der Hauptstadt Istanbul 1554 erreichte diese Institution erstmals den europäischen Kontinent. Im westlichen Europa wurde das erste Café 1647 in Venedig unter den Arkaden des Markusplatzes gegründet, da die Kaufleute solche Einrichtungen in Konstantinopel und Alexandria als sehr angenehm empfunden hatten. 1650 folgte ein Kaffeehaus in Oxford, 1652 wurde in London unter dem Namen „Virginia Coffee-House“ ein weiteres Café gegründet. In den folgenden Jahren verbreiteten sie sich besonders um die Börse, die London Stock Exchange, herum und dienten Spekulanten und Geschäftsleuten als Treffpunkt. 1673 entstand das erste Kaffeehaus in Bremen. 1697 eröffnete in Bremen das Kaffeehaus im „Schütting“ am Marktplatz. 1677 entstand das erste Kaffeehaus in Hamburg. In Wien eröffnete ein Armenier namens Johannes Theodat (auch Johannes Diodato, Owanes Astouatzatur) 1685 das erste Kaffeehaus der Stadt. Es hält sich auch weiterhin das Gerücht, dass Georg Franz Kolschitzky nach der Zweite Wiener Türkenbelagerung sich um von den Türken zurückgelassene Kaffeebohnensäcke bemühte, um dann ein Kaffeehaus zu eröffnen. Im Jahr 1700 waren es bereits vier Griechen, die ein Privileg erhalten hatten, „Cafée offentlich auszuschäncken“[1].

Unter anderem Habermas betont in seinem Werk Strukturwandel der Öffentlichkeit die Funktion der Kaffeehäuser als wichtigen Bereich der öffentlichen Sphäre, durch die sich eine bürgerliche Öffentlichkeit etablieren konnte.

Café Procope, 2010

Die ältesten heute noch bestehenden Kaffeehäuser sind angeblich das „Café Procope“ in Paris und das Café „Zum Arabischen Coffe Baum“ in Leipzig, Letzteres stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde 1725 im Barockstil umgebaut.

Aber nicht nur die Geschäftsleute hatten ihre Kaffeehäuser, es gab ebenso Stammcafés für Literaten (etwa das berühmte „Will's“, in dem John Dryden Hof hielt, auch Alexander Pope verkehrte hier, oder das „Smyrna“, das Jonathan Swift und Daniel Defoe zu seinen Gästen zählte), für Gelehrte („The Grecian“), Juristen und Spieler. Kennzeichnend für Kaffeehausgesellschaften war die Überwindung von Standesdünkel – hier saßen einfache Leute und Adlige am selben Tisch zusammen und redeten über die Weltlage im Allgemeinen und ihre Geschäfte im Besonderen.

Bald erreichten die Kaffeehäuser auch andere wichtige Städte wie Paris. 1686 eröffnete in Regensburg mit dem „Café Prinzess“ Deutschlands erstes Café-Haus, das noch heute besteht.

Das Kaffeehaus ist auch der Ursprung des Postwesens („Penny Post“), die ersten Postfächer richtete man sich in seinem Stammcafé ein. Die erste Versicherung ging auf eine Geschäftsidee des Londoner Kaffeehauses Lloyd’s zurück, in dem sich Kaufleute trafen und ihre Risiken zu minimieren suchten, indem sie ihre Schiffsladungen aus den Kolonien gegen Havarie versicherten. Ebenso bedeutend sind die Cafés hinsichtlich der Entwicklung der Zeitung. Der Tatler (von Daniel Reed bis 1711 herausgegeben), der Spectator (Joseph Addison und Reed, die Redaktion saß im „Button’s Coffee-house“), später weitere Gazetten erschienen täglich und vereinten Berichte über Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ganz ähnlich, wie es heute noch der Fall ist.

Lesser Ury: Dame im Kaffee, um 1920

Allmählich ersetzte der Kaffee die bis dahin üblichen alkoholischen Getränke, doch noch bis ins 18. Jahrhundert hinein hielt sich die Biersuppe als übliche Frühstücksnahrung und das Bier als Getränk, das man den ganzen Tag über zu sich nahm. Die Ablösung durch den Kaffee bedeutete auch, dass der ständige leichte Rausch, an den man sich seit Jahrhunderten gewöhnt hatte, durch ein Gefühl der wachen, konzentrierten Nüchternheit abgelöst wurde (der „nüchterne Rausch“, wie Voltaire ihn nannte, der selbst ein bekennender Kaffeevieltrinker war). Doch der Kaffee traf nicht nur auf Gegenliebe: Anrainer beschwerten sich über den „Gestank“ des gerösteten Kaffees (tatsächlich haben die beim Kaffeerösten entstehenden Schwaden nichts vom Wohlgeruch des Produktes), und eine Gruppe Londoner Frauen schrieb ein wütendes Pamphlet gegen den Kaffeekonsum – offenbar vor allem der Tatsache geschuldet, dass ihre Männer den größten Teil des Tages im Coffee-House verbrachten, während ihnen selbst der Eintritt, wenn er schon nicht verwehrt war, so doch zumindest als Rufschädigung angekreidet wurde.

In Frankreich entstand – durch den Differenzierungsprozess innerhalb der Bourgeoisie – aus den sogenannten Cafés concerts (auch Caf’ conc’ genannt) eine neue Unterhaltung für das Mittel- und Kleinbürgertum, die letztlich zu burlesken Varieté-Lokalen mutierte. Cafés concerts waren nicht nur Unterhaltung für die Mittel- und Unterschicht, sondern galten auch als subversiv, denn in ihnen konnten Kleinbürger und Proletarier ihrem Herzen Luft machen, anstatt nur ihr soziales Elend zu vergessen. Die Café concerts waren in der Regel lang gestreckte, rechteckige Säle mit einer relativ hohen Bühne, also keine Cafés im üblichen Sinne und auch keine Konzertsäle, sondern eher Volksvarietés mit gastronomischer Betreuung. Die Darbietungen waren kostenlos, denn der Hauptumsatz wurde auch hier mit Essen und Getränken erzielt. Die ersten Cafés concerts kamen in Lyon und Marseille zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf und hatten großen Erfolg. Sie verbreiteten sich schnell über das ganze Land – 1850 gab es in Paris 200 davon, in denen ihre Programme durch erotische Tänze (z. B. Cancan, Chahut und Quadrille naturaliste) und Gesang dominiert wurden. Neben dem Satirischen bildete sich das Derb-komische und vor allem Drastisch-erotische – mit zweideutiger Gestik untermalte – Lied aus. Amateure standen auf der Bühne und die umsichtigen Wirte organisierten sogar entsprechende Wettbewerbe, was natürlich ihren Umsatz steigerte. Gleichberechtigt aber in geringerer Anzahl traten natürlich auch hier Akrobaten, Mimiker und andere Artisten auf.

Den Kaffeehäusern ist als besonderes Verdienst anzurechnen, dass sie das Wissen popularisierten und Gastlichkeit mit aufklärerischem Nutzen verbanden. Durch die Erfindung der Zeitung sowie die Etablierung der Post sind sie die Wiege der heutigen Printmedien. Die Möglichkeit des öffentlichen, mehr oder weniger gelehrten Diskurses trat aus den höfischen Zirkeln heraus, die ihn bis dahin ausschließlich kultiviert hatten, und wurde auch für Bürger möglich. Dazu gehört auch die Entstehung eines neutralen öffentlichen Ortes, der als Treffpunkt fungieren konnte (siehe auch Button’s Coffee-house). Ohne diese Voraussetzungen sind wohl weder die Lesemanie des Biedermeier noch die neu aufkommende Briefkultur denkbar. Auch bildeten die Coffee houses den Anstoß für die Lesegesellschaften des 18. und 19. Jahrhunderts, die sich der Förderung von Tugend und Geschmack verschrieben wie etwa die „Gesellschaft der Mahlern“ von Johann Jakob Bodmer in Zürich, der auch, von Spectator und Tatler beeinflusst, regelmäßig die „Discourse der Mahlern“ publizierte. Diese Lesegesellschaften ersetzten in Deutschland die englischen Clubs, ebenso wie diese mit festem Besucherkreis, jedoch ausschließlich auf seriöse Diskussion ausgerichtet. In Österreich wiederum entstanden Lesekabinette, die meist von Buchhändlern getragen waren und aus den Buchkabinetten innerhalb der Kaffeehäuser hervorgingen.

Die Kaffeehäuser waren auch ein Ort, an dem Spiele praktiziert wurden, insbesondere Schach. Es gab oftmals fest angestellte Profis, die gegen die Besucher um einen Einsatz spielten, jedoch stand den Besuchern auch das Spiel gegeneinander frei. Als eines der bedeutendsten Kaffeehäuser für das Schachspiel zeigte sich im 17. bis 19. Jahrhundert das Café de la Régence , das zum Mittelpunkt der Schachwelt wurde. Schachinteressierte historische Persönlichkeiten aus Politik, Philosophie und Kultur wie etwa der US-Gründervater Benjamin Franklin, dessen Abhandlung Die Sittlichkeit des Schachspiels zum klassischen Erbe der Schachliteratur gehört, waren zeitweilig dort anzutreffen. Der Begriff Kaffeehausspieler hat sich aufgrund dieser Tradition für Schachspieler erhalten, die einen riskanten Stil pflegen.

Schließlich orientierten sich auch die Kaffeehäuser im Osmanischen Reich zunehmend an europäischen Vorbildern wie den berühmten Pariser Häusern Luxembourg, Couronne und Concorde. Als rein türkische Weiterentwicklung traten jedoch die „Zeitungscafés“ (Kıraathâne) hinzu, deren erstes 1857 am Divanyolu eröffnete, die jedoch bald in den Ruf von „Spielhöllen“ gerieten.

Kaffeehäuser heute[Bearbeiten]

Café Mélange in Wien
Café Landtmann, Ringstraßenkaffeehaus in Wien
Straßencafé in Hamburg, Lange Reihe

Ihre traditionelle gesellschaftliche Bedeutung haben Kaffeehäuser heute in Deutschland weitgehend verloren, sie dienen nur noch als reiner Gastronomiebetrieb. Im Gegensatz zu Österreich wird kaum mehr gespielt, gelesen oder debattiert. Auch die Bezeichnung Kaffeehaus hat sich nur in Österreich erhalten, in Deutschland und in der Schweiz ist fast ausschließlich Café gebräuchlich.

Typisch für heutige Cafés sind kleine Tische (in Österreich und einigen anderen Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie Tische mit Marmorplatten ohne Tischtuch), zierliche Stühle, Zeitungslektüre, Getränkeangebot (heute viel mehr als nur Kaffee), auf jeden Fall Kuchen und Torten und z. T. einfachen Mahlzeiten. Der Grund für einen Besuch ist das Verbringen der Freizeit in einer angenehmen Atmosphäre allein oder in Gesellschaft. Die Grenze zur Kneipe, zum Bistro oder zum Restaurant ist hierbei fließend.

Moderne Cafés sind häufig als Lounge konzipiert und oft Filialen einer Handelskette. Typisch für solche Cafés sind die lockere Atmosphäre (z. B. dezente Hintergrundmusik, Wohnzimmerumgebung und gedimmtes Licht), Öffnungszeiten bis spät abends, oft Internetzugang und das in den einzelnen Filialen ähnliche Angebot. Nicht selten ist auch die Bezeichnung Café Bar – eine Kombination aus Café und Bar.

Stehcafés sind meistens an Bäckereiverkaufsstellen angegliedert. Hier wird Kaffee an die Laufkundschaft ausgeschenkt (Selbstbedienung), um diesen – vor allem an den bereitgestellten hohen Tischen – im Stehen zu trinken.

Straßencafés haben Tische und Stühle auch draußen vor der Tür platziert. Bei schönem Wetter können Gäste ihren Kaffee im Freien an der frischen Luft trinken und die Sonne genießen. ("Draußen nur Kännchen")

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • The Character of a Coffee-House (1673) und Coffee-Houses Vindicated. (1675) In: Charles W. Colby (Hrsg.): Selections from the Sources of English History, B.C. 55 – A.D. 1832. Longmans, Green, London 1920, S. 208–212 (Volltext).
  • Ulrich Im Hof: Das gesellige Jahrhundert. Gesellschaft und Gesellschaften im Zeitalter der Aufklärung. Beck, München 1982, ISBN 3-406-08708-6.
  • Bryant Lillywhite: London coffee houses. A reference book of coffee houses in the 17., 18. and 19. century. Allen & Unwin, London 1963.
  • Thomas Babington Macaulay: The history of England. London 1849 (Band 1, Kapitel 3, S. 363).
  • Klaus Thiele-Dohrmann: Europäische Kaffeehauskultur. Piper, München 1999, ISBN 3-492-22582-9.
  • Rauf Ceylan: Ethnische Kolonien. Entstehung, Funktion und Wandel am Beispiel türkischer Moscheen und Cafés. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006.
  • Stefanie Proske (Hrsg.): Kaffeehaus-Brevier. Edition Büchergilde, Frankfurt 2009, ISBN 978-3-940111-62-3.
  • Petra Neumann (Hrsg.): Wien und seine Kaffeehäuser. Wilhelm Heyne Verlag, München 1997, ISBN 3-453-12395-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Café – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Café – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Teply, Karl: Die Einführung des Kaffees in Wien, Verein für Geschichte der Stadt Wien, Wien 1980, Bd. 6, S. 104, zit. nach: Seibel, Anna Maria: Die Bedeutung der Griechen für das wirtschaftliche und kulturelle Leben in Wien, S. 94.