Nord Stream AG

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Dieser Artikel behandelt die Betreibergesellschaft. Zur Pipeline Nord Stream siehe Nord Stream.
Nord Stream AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2. Dezember 2005
Sitz Zug, Schweiz
Leitung Matthias Warnig, Geschäftsführer

Gerhard Schröder, Vorsitzender des Aktionärsausschusses

Mitarbeiter ca. 150 (2012)
Produkte Infrastruktur für internationalen GastransportVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.nord-stream.com
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Die Nord Stream AG plant, baut und betreibt die Nord-Stream-Pipeline zum Transport von Erdgas von Russland durch die Ostsee nach Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde am 2. Dezember 2005 als Nordeuropäische Gasleitungs-Gesellschaft (englisch: North European Gas Pipeline Company) gegründet und als Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht[1] unter dem Namen NEGP Company in Zug in das Schweizer Handelsregister eingetragen. Es wurde im Oktober 2006 umbenannt in Nord Stream AG. Bei der Wahl des neuen Namens orientierte man sich an den Bezeichnungen anderer bedeutender unterseeischer Erdgasleitungen wie der Blue Stream durch das Schwarze Meer in die Türkei und der Greenstream im Mittelmeer.

Eigentümer[Bearbeiten]

Die führende russische Erdgasgesellschaft Gazprom hält mit 51 % die Aktienmehrheit. Die Wintershall, eine Tochtergesellschaft der BASF, und die E.ON Ruhrgas waren mit jeweils 24,5 % beteiligt. Am 6. November 2007 wurde bekannt, dass die niederländische Gasunie mit 9 % bei der Ostseepipeline einsteigt. Gasunie erhält diese Anteile an dem Joint-Venture je zur Hälfte von der E.ON Ruhrgas und der BASF-Tochter Wintershall, deren Anteil damit von 24,5 % auf 20 % sinkt. Die russische Gazprom bleibt mit 51 % Mehrheitsaktionär. Aktuell hält Gazprom weiterhin 51 % der Anteile, Wintershall und E.ON Ruhrgas halten je 15,5 % sowie Gasunie und die französische GDF Suez je 9 % der Anteile.[2]

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten]

Das Ziel der Gesellschaft ist die Planung, der Bau und der Betrieb der Ostseepipeline Nord Stream. Nachdem der Bau von zwei Röhren im Jahr 2012 abgeschlossen wurde, wird die Zahl der Mitarbeiter deutlich reduziert, so dass Ende 2014 nur noch etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt werden.[3] Der mögliche Bau von zwei weiteren Röhren ist im Gespräch.[4]

Unternehmensführung[Bearbeiten]

Die Unternehmensführung besteht aus dem Aktionärsausschuss und der Geschäftsführung.

Der Aktionärsausschuss („Shareholders Committee“) hat Aufgaben, die denen des Aufsichtsrats einer Aktiengesellschaft nach deutschem Recht vergleichbar sind. Er legt insbesondere die geschäftspolitischen Leitlinien der Gesellschaft fest und beruft den Geschäftsführer. Vorsitzender des acht Mitglieder umfassenden Aktionärsausschusses ist als einer von vier Vertretern der Gazprom der deutsche Altbundeskanzler Gerhard Schröder. Die übrigen Vertreter Gazproms im Aktionärsausschuss sind der Gazprom-Vorstandsvorsitzende Alexej Miller, der Generaldirektor der für den Gasexport zuständigen Gazprom-Tochtergesellschaft Gazpromexport Alexander Medwedew und Wlada Russakowa. E.ON Ruhrgas und Wintershall entsenden je zwei Mitglieder in den Aktionärsausschuss.

Geschäftsführer der Nord Stream ist Matthias Warnig. Er arbeitete zuvor seit 1990 für die Dresdner Bank, für die er seit 1991 eine Repräsentanz in Sankt Petersburg aufbaute. Dabei machte er die Bekanntschaft des späteren russischen Präsidenten Wladimir Putin, der in der Stadtverwaltung für die Genehmigung der Repräsentanz zuständig war.

Interessen und Kritik an der Nord Stream[Bearbeiten]

Der Pipelinebau berührt nicht nur Interessen der beteiligten Unternehmen, des Erdgaslieferlandes Russland und des Empfängerlandes Deutschland sowie möglicher weiterer Empfängerländer. Betroffen sind auch Interessen der Staaten, die mit dem Transport durch die Ostsee als Transitstaaten auf dem Festland umgangen werden (Weißrussland, Polen, Ukraine). Schließlich betrifft der Bau, der sich fast durch die gesamte Ostsee zieht, insbesondere aufgrund ökologischer Auswirkungen auch die übrigen Anrainerstaaten der Ostsee.

Interessen Deutschlands und der Europäischen Union[Bearbeiten]

Deutschland sichert sich dank der Ostsee-Pipeline eine direkte Verbindung zu russischen Gasvorkommen. Das Gas muss nicht durch andere Staaten wie Weißrussland, Polen und die Ukraine geleitet werden. Mögliche politische oder wirtschaftliche Auseinandersetzungen Russlands mit den Transitländern können die Sicherheit der Lieferungen nach Deutschland nicht gefährden.

Kritiker bemängeln jedoch, dass die Erdgasversorgung Deutschlands noch stärker vom bisherigen Hauptlieferanten Russland abhängig wird. Die zunehmende Abhängigkeit berge nicht nur die Gefahr von Preiserhöhungen durch Russland, sondern mache Deutschland auch politisch erpressbar.

Die Europäische Union befürwortet den Bau der Nord Stream. Sie betrachtet die Leitung als ein vorrangiges Energieprojekt von gesamteuropäischem Interesse und stufte es 2000 und 2006 als sogenanntes TEN-Projekt ein (TEN: Transeuropäisches Netz).

Interessen Russlands[Bearbeiten]

Russland erschließt sich einen weiteren Transportweg für seine Erdgasexporte nach Westeuropa und zwar ohne Durchleitung durch dritte Staaten. Damit entfällt das Risiko, dass Transitländer russische Lieferungen widerrechtlich nicht oder nur teilweise weiterleiten und selbst verbrauchen. Gleichzeitig kann Russland Gaslieferungen nach Mittel- und Osteuropa in Zukunft leichter als politisches und wirtschaftliches Druckmittel nutzen. Russland wird künftig mittel- und osteuropäische Länder von seiner Gasversorgung ohne negative Auswirkungen auf westeuropäische Abnehmer abschneiden können, soweit die westeuropäischen Staaten Ersatzlieferungen durch die Nord Stream-Leitung erhalten können. Bisher wurden hingegen bei Lieferunterbrechungen Russlands – zum Beispiel beim Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine – auch westeuropäische Abnehmerländer in Mitleidenschaft gezogen.

Die Position Russlands bei Verhandlungen mit den Transitstaaten über die Transitgebühren und die Preise der von ihnen bezogenen Gasmengen wird durch den Bau der Nord Stream gestärkt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Kapazität der Nord Stream zunächst nur 27,5 Milliarden Kubikmeter und im Endausbau rund 55 Milliarden Kubikmeter betragen wird. Erdgaslieferungen durch die bestehenden Leitungen durch die Ukraine (Kapazität nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: rund 140 Milliarden Kubikmeter) und durch Weißrussland und Polen (Erdgasleitung Jamal–Europa mit einer Kapazität von rund 33 Milliarden Kubikmeter) könnten allenfalls teilweise in die Nord Stream verlagert werden.

Kritik an der Nord Stream[Bearbeiten]

Der Bau der Nord Stream wird insbesondere von Staaten kritisiert, durch die bisher die russischen Erdgasexporte nach Westeuropa geleitet werden (zum Beispiel Polen). Sie befürchten eine Verschlechterung ihrer Verhandlungspositionen bei der Aushandlung der Konditionen für die Lieferung von russischem Erdgas in ihre Länder und der Transitgebühren, da Westeuropa durch die Nord Stream direkt mit Russland verbunden wird und Russland künftig leichter Lieferungen in die Transitländer verringern kann, ohne damit auch die Lieferungen nach Westeuropa zu schmälern.

Insbesondere in Polen wurde das Projekt auch aus politischen Gründen scharf kritisiert, da Mitbestimmung in wichtigen Fragen, insbesondere in Fällen deutsch-russischer Kooperation, sowie Furcht vor einem russischen Neoimperialismus wichtige Motive polnischer Sicherheitspolitik seit der Wende sind.[5] Die Umgehung der ostmitteleuropäischen Staaten ohne deren Zustimmung wurde daher vom damaligen Verteidigungsminister Radosław Sikorski mit dem Hitler-Stalin-Pakt verglichen, die Pipeline als geopolitisch "gegen Polen gerichtet" bezeichnet.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizielle Homepage - Impressum, zuletzt abgerufen am 21. März 2014
  2. Offizielle Homepage - Gesellschafterstruktur, zuletzt abgerufen am 21. März 2014
  3. Nord Stream baut Stellen ab. In: Der Tagesspiegel. 22. Januar 2014, abgerufen am 2. Mai 2014 (html).
  4. NordStream will weitere Röhren für Ostseepipeline. In: Die Welt. 8. April 2013, abgerufen am 2. Mai 2014.
  5. Winter, Thomas: Sicherheit und außenpolitische Rolle. Zu den sicherheitspolitischen Kulturen und der Ukrainepolitik Polens und Tschechiens, Trier 2013, [1].
  6. Hans Michael Kloth: Indirekter Hitler-Vergleich: Polnischer Minister poltert gegen Schröder und Merkel. In: Spiegel Online. 30. April 2006, abgerufen am 24. Juli 2014.