O’Donell von Tyrconell

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Wappen der Grafen O’Donell von Tyrconell 1853

Die Grafen O’Donell von Tyrconell (Schreibweise lt. Gothaischem Taschenbuch, auch: O’Donnell von Tyrconell, O’Donnell of Tyrconnell) sind ein sehr altes, ursprünglich irisches, sodann spanisches, französisches und österreichisches Adelsgeschlecht.

Geschichte[Bearbeiten]

Maximilian Graf O’Donell von Tyrconell 1853

Die Familie leitet ihre Abkunft aus königlich milesischem (royal milesian) Blut und ihrer daraus folgenden Abstammung von dem gemeinschaftlichen Stammvater der O'Neills, den Grafen von Tyrone, ursprünglich Könige von Ulster und der O'Melaghans, Könige von Meath, ab.

Die sichere Stammreihe beginnt mit Hugh Oge alias Hugh Duffe, Oberhaupt (Chief) von Tyrconnell, († 5. Juli 1537). Sein Sohn Manus O'Donnell war dreimal verheiratet: Die erste Frau gebar die Söhne Calvagh und Hugh. Mit der zweiten Gattin, Tochter des Shane O'Neill, Lord of Enniskillen, hatte er einen Sohn, Manus-Oge. Schließlich heiratete er Joan, Schwester von Con Baccagh O'Neill, Earl of Tyrone, mit der er Sir Hugh zeugte.[1]

Dessen zwei Söhne mit Mary, der Tochter des Lords der Inseln James MacDonald, setzten die Hauptlinie fort, aus der sich die spanischen, französischen und deutschen Zweige der Familie ableiten. König Jakob I. erhob Roderich (Rory) von O'Donnell, Erster Graf von Tyrconnell, aus der Familie der O'Donnells, Schlossherren auf Dungall und Dynasten von Tyrconell, am 29. September 1603 (nach anderen Quellen 10. Februar 1604) in den Grafenstand. Dies geschah kurz vor der Annexion Irlands durch Großbritannien. Politische und kirchliche Verhältnisse nötigten 1607 Roderich († 1608) und seinen älteren Bruder Hugo (Hugh) O’Neill Graf von Tyrone zur Auswanderung in das katholische Ausland, wohin sie mit einem Schiff von Rathmullan aus aufbrachen. Dies bedeutete praktisch das Ende des gälischen Irland und der irischen Clans.[2]

Maximilian O'Donell rettet das Leben Kaiser Franz Josephs beim Attentat 1853

Hugo wurde von König Philipp III. ehrenvoll aufgenommen und auch von Papst Paul V. freundlich empfangen. Seit dieser Zeit widmeten sich die Nachkommen dem Dienste der spanischen Linie Österreichs, und seit dem Anfange des 18. Jahrhunderts auch dem der k. k. österreichischen Monarchie und erwarben sich hohen Ruhm, in Spanien als Politiker in Österreich vor allem als hohe Offiziere. Der oben erwähnte englische Grafenstand wurde für die Familie vom Kaiser Franz I. am 11. November 1763 in Österreich anerkannt. Alle österreichischen Familienmitglieder führten nur ein "n" im Namen.

Danach bildete die Familie zwei Linien.

Der erste Zweig stammte ab von Moritz Grafen O'Donnel (1780–1843). Der Sohn des Präsidenten der Hofkammer, der Ministerial-Banco-Deputation, der Finanz- und Commerzhofstelle und nachmaligen Finanzministers Grafen Franz Joseph, war k. k. Kämmerer und Feldmarschalleutnant, der sich am 6. November 1811 mit Christine (* 4. Januar 1788), Tochter des Fürsten Carl de Ligne vermählte.

Maximilian (1812–1895), ältester Sohn der Obigen, erhielt von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich am 28. Juli 1853 zu Wien den erbländisch-österreichischen Grafenstand, wobei dem angestammten Wappen in „Belohnung des durch mutige und aufopfernde Abwehr des meuchlerischen Attentates auf Seiner Majestät geheiligte Person erworbenen, unvergesslichen Verdienstes" ein besonderes Allerhöchstes Gnadenzeichen (siehe Wappenbeschreibung) beigegeben wurde, nämlich die rechte Schildeshälfte des oben abgebildeten Wappens. Alles Übrige gehörte zu dem Stammwappen der Grafen O'Donnell von Tyrconell, und es ist somit das ursprüngliche Wappen des gräflichen Hauses.

Die zweite Linie gründete Heinrich, der Bruder des o. a. Grafen Moritz (1780–1843) k. k. Geheimer Rat und Finanzminister, verheiratet mit Josephine Gräfin von Gaisruck (1779–1833), einer Verehrerin von Johann Wolfgang von Goethes. Heinrich, deren Sohn (* 12. Juni 1802 in Wien; † 22. Dezember 1872 ebenda) war k. k. Kämmerer ab 1841 Hofrat des Guberniums von Triest und bis 1848 Vizepräsident beim lombardischen Gubernium in Mailand.[3]

Auch in England blühte ein Zweig der Familie weiter. So nennt Burke Neale O'Donnell, der am 2. Dezember 1780 die Baronetwürde von Irland erhalten hatte, bis hin zum vierten Träger derselben, Sir Richard-Annesley O'Donnell, of Newport House, сo. Mayo.[1]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Leopoldo O'Donnell, Erster Herzog von Tetuan
  • Don Carlos Manuel O'Donnell y Álvarez de Abreu, Zweiter Herzog von Tetuan (* 1. Juni 1834 in Valencia; † 9. Februar 1903 in Madrid), Sohn des Leopoldo, war ein spanischer Staatsmann, der viermal Außenminister (damals hieß dieser Posten in Spanien noch Staatsminister) und oberster Majordomus von König Amadeo I.
  • Franz Joseph Graf O'Donell von Tyrconell (1756–1810) war Präsidenten der Hofkammer, der Ministerial-Banco-Deputation und der Finanz- und Kommerzhofstelle sowie Finanzminister
  • Heinrich Graf O'Donell von Tyrconell (* 1726 in Cassalbor (Irland); † 4. August 1789 in Galizien) war k. k. Generalmajor und Träger des Ritterkreuzes des Militär-Maria-Theresien-Ordens[4]
  • Heinrich Graf O'Donell von Tyrconell (* 12. Juni 1802 in Wien; † 22. Dezember 1872 ebenda), Enkel des Franz Joseph, war k. k. Kämmerer ab 1841 Hofrat des Guberniums von Triest und bis 1848 Vizepräsident beim lombardischen Gubernium in Mailand.[5]
  • Jean Louis Barthelemy Comte O'Donnell (1783–1836) war Mitglied des Napoleonischen Staatsrates und der Ehrenlegion.
  • Karl O’Donell von Tyrconell (1715–1771) war k. k. General der Kavallerie.
  • Leopoldo O'Donnell, Erster Herzog von Tetuan (* 12. Januar 1809; † 5. November 1867) war ein spanischer Generalsodann spanischer Premierminister.
  • Maximilian O’Donell von Tyrconell (1812–1895) war k. k. Kämmerer und Feldmarschalleutnant.
  • Moritz Graf O'Donell von Tyrconell (* 19. März 1780; † 1. Dezember 1843), Sohn des Franz Joseph, war k. k. Kämmerer und Feldmarschalleutnant, der sich am 6. November 1811 mit Christine (* 4. Januar 1788), Tochter des Fürsten Carl de Ligne vermählte.
  • Moritz Karl Johann Graf O'Donell von Tyrconell (* 6. Juni 1815 in Prag; † 25 November 1890 in Salzburg), war k. k. Kämmerer, verheiratet in erster Ehe mit Helene von Cantacuzino, der Nachfahrin eines früheren Fürsten der Moldau (1819–1845), in zweiter mit Clotilde Gabriele Reichsgräfin von Hardegg (* 1830).[6]

Wappen[Bearbeiten]

1853: "Ein nach der Länge getheilter Schild. Das rechte goldene Feld enthält den österreichischen, schwarzen, goldenbewehrten Doppeladler mit ausgeschlagenen rothen Zungen, goldener Bügelkrone auf jedem Kopf und darüber schwebender Kaiserkrone. Der Adler trägt, als Unser Hauswappen, ein Brustschild, welches roth und mit einem silbernen Querbalken durchzogen ist, auf welchem der kaiserliche Namenszug F. J. in goldenen Lapidarbuchstaben angebracht erscheint. Das linke, in Gold und Roth schräg gevierte Feld zeigt ein hohes rothes Kreuz, welches von einem aus der Schildestheilung hervorgehenden, in Goldstoff gekleideten Arm mit blosser Hand an der Herzstelle gehalten wird. Auf dem Schild ruht die Grafenkrone, über welcher ein mit goldenen Bügeln und mit einem goldenen Helmkleinode ausgestatteter Turnierhelm, welchen rechts schwarze, links rothe insgesamt mit Gold unterlegte Helmdecken umgehen, ins Visir gestellt ist. Den Helm ziert eine goldene Blätterkrone, aus welcher zwei über sich gebogene und über einander verschränkte Arme, jeder in goldgerändertem Harnisch und mit blosser Hand hervorgehen, von denen die rechts vorgestreckte Hand ein rothes Herz, und die links gerichtete ein aufwärts gerichtetes, blankes, um seine Mitte flammendes kurzes Schwert am goldenen Griffe hält. Unter dem Schilde ist die Devise : In hoc signo vinces in goldenen Lapidarbuchstaben auf einem rothen Bande angebracht, worauf die Schildhalter, nämlich rechts ein goldener Löwe mit ausgeschlagener rother Zunge vorwärtssehend, und zur Linken ein schwarzer Stier zurücksehend, fussen." (Originaltext)

In Bezug auf die rechte Schildeshälfte gibt das Diplom Folgendes an : „Damit aber der Erhobene auch eines bleibenden, vererblichen Merkmales Unserer gerechten Anerkennung theilhaftig werde, finden Wir, ihm sein angeerbtes Familienwappen mit einem besonderen Zeichen Unserer k. k. Gnade derart zu vermehren und auszustatten, dass durch Unseren hierin erscheinen den Namenszug der Unserer Eigenen Person; durch das Wappenschild des österreichischen Erzhauses der Unserem durchlauchtigsten Hause; endlich durch den Doppeladler der Unserem Reiche von ihm erwiesene aufopfernde Dienst zum unvergänglichen Andenken versinnlicht sei." (Abschrift wörtlich nach dem Diplom)[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Esq. John Bernard Burke: „A genealogical and heraldic Dictionary of the Peerage and Baronetage of the British Empire“, Colburn and Co. Publishers, London 1852, S. 537
  2. Fionn Davenport: „Lonely Planet - Irland“, Deutsche Ausgabe, Verlag MairDumont, Stuttgart 2010, S. 532, ISBN 3829716656
  3. a b Prof. Dr. Ernst Heinrich Kneschke: „Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart: in heraldischer, historischer und genealogischer Beziehung“, 3. Band A-Z, Verlag T. O. Weigel, Leipzig 1854, S. 283 ff
  4. Constant von Wurzbach: „ Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich“, 42. Teil, K. K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1870, S. 1f
  5. http://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_O/Odonell-Tyrconell_Heinrich-Lamoral_1802_1872.xml
  6. Gothaisches Genealogischen Taschenbuch der Gräflichen Häuser 30. Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha 1857, p. 552f

Literatur[Bearbeiten]

  • Esq. John Bernard Burke: „A genealogical and heraldic Dictionary of the Peerage and Baronetage of the British Empire“, Colburn and Co. Publishers, London 1852
  • Prof. Dr. Ernst Heinrich Kneschke: „Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart: in heraldischer, historischer und genealogischer Beziehung“, 3. Band A-Z, Verlag T. O. Weigel, Leipzig 1854
  • Gothaisches Genealogischen Taschenbuch der Gräflichen Häuser 30. Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha 1857
  • Constant von Wurzbach: „ Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich“, 42. Teil, K. K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1870