Französischer Adel

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Der französische Adel ist – wie der deutsche – aus dem Lehnswesen des Mittelalters entstanden und war bis zur Revolution von 1789 in einen hohen und einen niederen Adel eingeteilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Hohe Adel (zu welchem auch Seitenlinien der herrschenden Kapetinger gehörten), führte jahrhundertelang einen blutigen Kampf gegen die Königsmacht, der mit konfessionellen Gegensätzen begann und aus dem das siegreiche Königtum gestärkt hervorging. Den letzten regierenden Kapetingern, den Bourbonen, und ihren Ministern Richelieu und Mazarin gelang es schließlich durch Verbindung mit den protestantischen Mächten und durch antihabsburgische Politik die Macht des Adels völlig zu brechen und ihn in einen Hofadel am glänzenden Hof von Versailles zu verwandeln. Dieses führte letzten Endes zum moralischen und wirtschaftlichen Ruin der Mehrzahl der Landedelleute.

Der ältere Adel wurde in der Zeit der letzten Bourbonenkönige auch durch zahlreiche Standeserhöhungen und Einführung des Dienstadels (noblesse de robe) erheblich geschwächt. Dazu kamen zahlreiche Adelsanmaßungen (Frankreich besaß keine Adelsmatrikel), die dazu führten, dass man einen umfangreichen Handel mit Bestätigungsurkunden trieb. Das einzige Privileg, das diesem stark vermehrten Adel blieb, war die Steuerfreiheit, an der bis zur Revolution starr festgehalten wurde und die die Kluft zwischen dem Adel und dem Bürgertum erweiterte.

Der Sitzungssaal des Chambre des Pairs im Palais du Luxembourg (1841)

Der Adel erhielt durch die Chambre des Pairs, das Oberhaus des Parlamentes, ein politisches Mitspracherecht im Rahmen der konstitutionellen Verfassung.

Titel des französischen Adels[Bearbeiten]

Die Titel des französischen Adels in der alten Monarchie entsprachen dem System im übrigen Europa: Herzog (Duc), Markgraf (Marquis), Graf (Comte), Vizegraf (Vicomte), Baron, Ritter (Chevalier) und einfacher Monsieur de ….

Mit dem Beginn der Französischen Revolution am 4. August 1789 wurden die Vorrechte des Adels von der Konstituante abgeschafft, der Adel behielt aber seine Titel. Bauern konnten bei ihren bisherigen Landherren ihr Land für eine Summe des 20fachen der bisherigen jährlichen Abgaben auslösen[1]. Am 26. August 1789 trat die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in Kraft, aber erst am 19. Juni 1790 wurden die Erbrechte der Adelstitel abgeschafft.

Napoléon Bonaparte schuf einen neuen Adel, Noblesse impériale, aus Leuten, die ihm dienten (mit den Rangstufen Herzog, Graf, Baron und Ritter). Insgesamt verlieh er etwa 2200 Adelstitel, die auch nach dem Sturz Napoleons Bestand hatten. Von den von Napoleon in den Adelsstand erhobenen Familien existierten 1975 noch 239 Familien. Neben neuen Ernennungen nahm Napoleon auch einen Teil des alten Adels in sein System auf und verlieh ihm neue Titel und Wappen.

Die Bourbonenrestauration von 1814 erkannte den kaiserlichen Adel formell an und setzte den alten wieder in seine Titel ein, duldete aber stillschweigend, dass Angehörige des alten niederen Adels die Titel von Baronen, Grafen und Marquis annahmen, ohne sie freilich jemals zu bestätigen. Diese Selbstadelung ist ein Phänomen, das noch heute in Frankreich vorhanden ist (etwa 10.000 Familien waren 2004 „falscher Adel“).

Das Bürgerkönigtum des Louis Philippe restituierte 1830 bis 1848 das von den Bourbonen errichtete Oberhaus wieder und verlieh erbliche Titel. Auch das Zweite Kaiserreich unter Napoleon III. verlieh weitere Adelstitel.

Als man in der 3. Republik in Rückbesinnung auf die Erklärung der Menschenrechte zwar wieder die Grundsätze der Gleichheit vertrat, blieb in der Gesellschaft dennoch bis ins 20. Jahrhundert ein Bewusstsein für Klassenunterschiede bestehen.

Französische Gerichte nach der Verfassung von 1958 haben entschieden, dass der Adelsbegriff mit der Gleichheit der Bürger nach der Erklärung der Menschenrechte von 1789 unvereinbar ist. Somit wurde der Adel als Rechtsbegriff und Status in Frankreich offiziell abgeschafft. Dennoch werden Titel, die in den Monarchien erblich verliehen wurden, nach den ursprünglichen Erbregeln als Teile des Namens anerkannt[2], können aber nicht durch Selbstannahme oder Gewohnheitsrecht erworben oder angeeignet werden[3], und werden durch das französische Recht wie der Name geschützt, auch wenn sie keine Privilegien oder Vorzüge beinhalten.[4]. Die Aufsicht über die Titel wird von einem Büro des Justizministeriums ausgeübt, welches einen Titelträger zur Verwendung in offiziellen Dokumenten wie z.B. Geburtsurkunden ermächtigen kann.[5]

Es existieren mehrere Organisationen, die Adel als Aufnahmekriterium voraussetzen und die sich eine gegenseitige Unterstützung, die Wahrung der Interessen des Adels und die Vergrößerung ihres Einflussbereichs zum Ziel gesetzt haben. In Frankreich ist insbesondere die ANF (Association d’entraide de la noblesse française) zu nennen. Auf europäischer Ebene ist der Adel beispielsweise durch die Association de la Noblesse Européenne vertreten.[6]

Überlebende Herzogsfamilien[Bearbeiten]

Vom alten kapetingischen Hochadel haben bis heute folgende Herzogsfamilien überlebt: Audiffret-Pasquier, Bauffremont, Blacas d’Aulps, Caylus (Haus Rougé), Cossé-Brissac, Broglie,de Coursy, des Cars, Choiseul-Praslin, Clermont-Tonnerre, Gramont, Harcourt, de Riquet de Caraman (ab 1828 Ducs de Caraman), Caumont (ab 1637 Ducs de La Force), La Rochefoucauld, Durfort de Civrac (Ducs de Lorges), d’Albert (Herzog von Luynes), Maillé de la Tour-Landry, Montesquiou-Fezensac, Rochechouart (Herzöge von Mortemart), Noailles, Polignac, Sabran-Pontevès, Rohan-Rochefort, Rohan-Chabot (des Stammes Chabot) und Crussol (Herzöge von Uzès).

Bei anderen Familien, die heute noch hochadlige Name wie den des Hauses von La Tour d’Auvergne-Lauraguais tragen, ist (aufgrund behaupteter unehelicher Abstammung) die historische Verbindung zu den alten königlichen Adelslinien ungeklärt.

Die napoleonischen Herzöge (sechs Geschlechter blühen noch) sind zumeist Nachkommen von Marschällen: Albufèra-Suchet, Auerstädt-Davout, Feltre-Goyon, Magenta-MacMahon, Montebello-Lannes, Fouché d’Otrante, Rivoli-Masséna. Sie wurden vom alten Adel anfangs boykottiert, dann aber im Laufe des 19. Jahrhunderts angesichts des Aufstiegs eines reichen Bürgertums zunehmend anerkannt, so dass heute zahlreiche Familienbande zwischen den beiden Herzogsgruppen bestehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albert Soboul: La Révolution française,Editions Sociales, Paris 1982. ISBN 2-209-05513-X, S. 192–195
  2. "La transmission des titres ne se fait plus, dans le droit moderne, que de mâle à mâle." Trib. Civ. Falaise, 21 Fév 1959
  3. "si le titre nobiliaire suit, en général, les règles du nom patronymique, il ne s'acquiert pas, comme lui, par le simple usage, même prolongé; il lui faut, à l'origine, une investiture émanant de l'autorité souveraine" Civ. 11 mai 1948, Dalloz 1948 335.
  4. "Les titres nobiliaires, dépouillés aujourd'hui de tout privilège féodal et même de tout privilège de rang, n'ont plus qu'un caractère personnel et honorofique et ne peuvent même plus être considérés, du point de vue juridique, que comme un complément du nom patronymique permettant de mieux distinguer l'identité des personnes, tout en perpétuant de grands souvenirs; si, en vertu de cette sorte de lien de subordination entre le titre nobiliaire et le nom patronymique, il est dû la même protection au titre qu'au nom, on ne lui doit pas une protection spéciale et privilégiée." Paris, 2 Jan 1896. Dalloz 1896 2.328
  5. Texier, Alain. Qu'est-ce que la noblesse? Paris, 1987, pp. 407-10
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAssociation de la Noblesse Européenne. Association loi 1901. Abgerufen am 25. Dezember 2009 (franz.).

Literatur[Bearbeiten]

  • Monique de Saint-Martin: Der Adel. Soziologie eines Standes. UVK, Konstanz 2003 (Edition discours).