Ojārs Vācietis

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Ojārs Vācietis (* 13. November 1933 in Trapene bei Valka, Lettland; † 28. November 1983 in Riga) war ein lettischer Dichter. Er war seit 1977 Volksdichter der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ojārs Vācietis wurde in dem Dorf Trapene auf einem Bauernhof namens Dumpji im Jahr 1933[1] in eine Landarbeiterfamilie geboren. Er besuchte die Grundschule von Trapene und danach die Mittelschule in Gaujiena. Von 1952 bis 1957 studierte Vācietis lettische Literatur und Sprache in Riga an der Universität Lettlands. Von 1958 an war er Mitarbeiter der Zeitschriften Literatūra un māksla, Liesma, Bērnība und Draugs. Ein Jahr lang war er Redakteur im Filmstudio Rīga. Vācietis war mit der Dichterin Ludmila Azarova verheiratet, ihr Sohn heißt Žanis.[2] Vācietis starb am 28. November 1983 in Riga und wurde auf dem Friedhof von Carnikava begraben. In Riga ist eine Straße nach Ojārs Vācietis benannt, und fünf Jahre nach seinem Tod wurden die Wohnräume seiner Familie als Museum zugänglich gemacht, in Riga in Haus Nummer 19 der Ojāra Vācieša St., einem 200 Jahre alten Haus, in dem sich vormals die Gastwirtschaft “Jeruzaleme” befunden hat.[3]

Das Gedicht Pionieru druva war die erste Veröffentlichung von Vācietis. Es erschien 1950[1] in der Zeitschrift des Bezirks Ape Sarkanā Ausma. Vācietis’ Poesie der 1950er Jahre wird als unruhig und direkt bezeichnet; das machte ihn in Lettland zum populärsten Dichter dieser Zeit. Bedeutsam sind seine Gedichte der 1960er Jahre, in denen er über die offizielle Ideologie der UdSSR polemisiert. Bis 1978 folgen weitere 16 Bände mit Werken in lettischer Sprache.[2]

Vācietis übersetzte Bulgakows Roman Der Meister und Margarita ins Lettische,[4] eine Ausgabe erschien 2005.[5]

Jānis Peters schreibt in seinem biografischen Essay von 1978, Ojārs Vācietis sehe die Welt aus einem Blickwinkel, der den meisten befremdlich erscheine. Er sei ein Mensch von schlichter Ungewöhnlichkeit, der für sein Arbeiten „die kühlen Fluten der Askese“ brauche. In seiner Lyrik schlügen sich die Rhythmen seiner biologischen Uhr unmittelbar nieder, der Uhr eines Künstlers, der am liebsten nachts arbeitet. Vielleicht, so fragt der Freund des Autors, stecke für Vācietis in der Normenfeindlichkeit jenes Glücksgefühl, das er zum Leben brauche. Vor allem inspiriert von den Menschen und der Gegend am Stadtrand von Riga habe der Dichter für seine Werke eine aufreizende und suggestive Welt geschaffen, deren Wandelbarkeit widersprüchlich und überraschend farbig sei.[2]

Werke (in deutscher Übersetzung)[Bearbeiten]

  • Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte.[6] Nachgedichtet von Annemarie Bostroem und Heinz Kahlau. Die Interlinearübersetzung aus dem Lettischen besorgte Welta Ehlert. Verlag Volk und Welt, Berlin 1979.
  • „Rumbula“ (1964, Gedicht),[7] Deutsch von Matthias Knoll.

Werke in Originalsprache[Bearbeiten]

Lyrik

  • Krāces apiet nav laika (1960)
  • Viņu adrese – taiga (1966)
  • Elpa (1966, LPSR valsts prēmija)
  • Dzegužlaiks (1968)
  • Aiz simtās slāpes (1969)
  • Melnās ogas (1971)
  • Visāda garuma stundas (1974)
  • Gamma (1976)
  • Antracīts (1978)
  • Zibens pareizrakstība (1980)
  • Si minors (1982)

Essays

  • Ar pūces spalvu (1983)

Werke für Kinder

  • Dziesmas par... (1965)
  • Sasiesim astes (1967)
  • Punktiņš, punktiņš, komatiņš (1971)
  • Kabata (1976)[4]

Ojārs-Vācietis-Literaturpreis[Bearbeiten]

Die Gemeinde Carnikava verleiht in Zusammenarbeit mit dem Ojārs-Vācietis-Museum in jedem Herbst den Ojārs-Vācietis-Literaturpreis.

Bekannte Preisträger:

Literatur[Bearbeiten]

  • Jānis Peters: Weil auch der Igel nachts arbeitet. Porträt aus der Feder eines Freundes (Juli 1978), in: Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte, deutsche Fassung von Welta Ehlert, Verlag Volk und Welt, Berlin 1979, S. 101–109.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Klappentext des Bandes Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte, Verlag Volk und Welt, Berlin 1979.
  2. a b c Jānis Peters, Weil auch der Igel nachts arbeitet. Porträt aus der Feder eines Freundes (Juli 1978), in: Stilleben mit Schlange, Baum und Kind. Gedichte, deutsche Fassung von Welta Ehlert, Verlag Volk und Welt, Berlin 1979, S. 101–109.
  3. Eintrag im lettischen Museumsverzeichnis
  4. a b Eintrag zu Ojārs Vācietis im Memoriālo muzeju apvienība (Association of Memorial Museums)
  5. Eintrag bei WorldCat
  6. Stilleben mit Schlange, Baum und Kind enthält Gedichte aus den Jahren 1966 bis 1976. Im Band enthalten ist ein biografischer Essay zum Autor, von Jānis Peters, datiert Juli 1978, deutsche Fassung von Welta Ehlert, S. 101–109.
  7. Rumbula im Web