Omar Suleiman

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Omar Suleiman 2007

Omar Suleiman (arabisch ‏عمر سليمان‎, DMG ʿUmar Sulaimān; * 2. Juli 1936 in Qina; † 19. Juli 2012 in Cleveland, Ohio, USA[1][2]) war ein ägyptischer Politiker, der von 1993 bis 2011 der Direktor des ägyptischen Geheimdienstes Muchabarat und vom 29. Januar 2011 bis zum 11. Februar 2011 Vizepräsident Ägyptens war.

Leben[Bearbeiten]

Suleiman wurde in Oberägypten geboren. 1954 begann er im Alter von 19 Jahren seine Ausbildung an der Militärschule in Kairo. In den 1960er Jahren, wurde er, wie Mubarak einige Jahre zuvor, an der Frunse-Militärakademie in Moskau, in der damaligen Sowjetunion, ausgebildet. In den 1980er Jahren, als Ägypten ins westliche Lager wechselte, setzte er seine Ausbildung an der John F. Kennedy Special Warfare School in Fort Bragg (North Carolina) fort.[3] Das Studium der Politischen Wissenschaften (Mitte der 1980er Jahre) – an der Ain-Shams-Universität in Kairo – schloss er mit Bachelor und Master ab. Zwischen 1962 und 1973 war er auf verschiedenen Positionen an allen Kriegen Ägyptens mit IsraelSechstagekrieg und Jom-Kippur-Krieg – beteiligt.

Karriere[Bearbeiten]

Sein eigentlicher Aufstieg begann, als er 1986 zum militärischen Geheimdienst wechselte und 1991 dessen Leitung übernahm.[4] 1993 wurde er schließlich zum Leiter des – dem Präsidenten unmittelbar untergeordneten – zivilen ägyptischen Geheimdiensts Muchabarat (auch englisch General Intelligence Service, GIS) ernannt.[5][6][7]

Das tiefe Vertrauen seines obersten Chefs Mubarak errang Suleiman im Juni 1995. Damals nahm Mubarak an einem Afrika-Gipfel in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba teil. Elf islamische Extremisten waren ihm dorthin gefolgt und hatten auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt das Feuer auf die Präsidenten-Limousine eröffnet. Mubarak blieb jedoch unversehrt: Suleiman hatte am Tag zuvor dafür gesorgt, dass der ursprünglich vorgesehene Wagen gegen einen gepanzerten Mercedes, den er eigens aus Ägypten hatte einfliegen lassen, ausgetauscht wurde. Als die Kugeln in das Fahrzeug einschlugen, saß Suleiman neben Präsident Mubarak.[8][9][10]

Rolle im Palästinakonflikt[Bearbeiten]

Suleiman vermittelte 2000 während der Intifada zwischen Israel und den pälastinensischen Aufständischen, er wurde in diplomatischen Kreisen als gemäßigte Kraft eingeschätzt.[11] Durch die Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks wurde bekannt, dass Suleiman im Jahre 2005 Israel versprach, die demokratischen Wahlen im Gazagebiet zu stoppen. Gegenüber Amos Gilad, einem hochrangigen Mitarbeiter des israelischen Verteidigungsministeriums, sagte er: „Es wird keine Wahlen im Januar geben. Wir kümmern uns darum.“[12]

Foltervorwürfe[Bearbeiten]

Der Australier Mamdouh Habib, der sich 2002 unter Verdacht der Al-Qaida-Mitgliedschaft in ägyptischem Gewahrsam befand, berichtete, er sei von Omar Suleiman gefoltert worden und dieser habe einen Gefangenen ermorden lassen.[13][14] Seit dem 15. April 2011 klagt er gegen Suleiman und Mubarak in Ägypten.[15]

Rolle in der ägyptischen Revolution 2011[Bearbeiten]

Suleiman versprach der Muslimischen Bruderschaft während der Revolution die Aufhebung ihres Verbots und die Erlaubnis zur Bildung einer politische Partei, wenn sie sich von den Demonstrationen zurückziehen würde.[16]

Er wurde als potentieller Nachfolger des Präsidenten Husni Mubarak gehandelt.[11][17] Am 29. Januar 2011 wurde er von diesem unter dem Druck öffentlicher Proteste zum Vizepräsidenten berufen. Er war der erste Vizepräsident seit dem Amtsantritt Mubaraks.[18]

Der ehemalige Vizepräsident wurde am 19. April 2011 von der ägyptischen Generalstaatsanwaltschaft über das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten befragt, um festzustellen, welche Informationen dem Geheimdienst zur Revolution vom 25. Januar vorlagen.[19]

Präsidentschaftskandidatur 2012[Bearbeiten]

Suleiman plante, bei der Präsidentschaftswahl in Ägypten 2012 als Kandidat anzutreten. Im April 2012 gab die Wahlkommission jedoch bekannt, ihn von der Präsidentschaftswahl auszuschließen, da er nicht, wie vorgeschrieben, die Unterstützung von Wählern aus 15 Provinzen erhalten habe. Suleiman hatte zuvor in einer repräsentativen Umfrage der unabhängigen Tageszeitung Al-Masry Al-Youm mit 20,1 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Ein gleichzeitig von den Islamisten im Parlament gebilligtes Gesetz, das vorsieht, hohe Vertreter des Mubarak-Regimes für einen Zeitraum von zehn Jahren von Staatsämtern auszuschließen, ist noch nicht von der Militärregierung gebilligt worden.[20] Danach verließ er Ägypten und ging in die Vereinigten Staaten.[21] Dort verstarb Suleiman am 19. Juli 2012 während medizinischer Untersuchungen.

Weitere Informationen[Bearbeiten]

  • Shlomo Shpiro: Intelligence Services and Political Transformation in the Middle East. In: International Journal of Intelligence and CounterIntelligence. 17, Nr. 4, 2004, S. 575–600. doi:10.1080/08850600490496407.
  • Owen L. Sirrs: A History of the Egyptian Intelligence Service: A History of the Mukhabarat, 1910-2009. Routledge, New York 2010, ISBN 9780415569200.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aide: Mubarak’s longtime spy chief Omar Suleiman dies in U.S. Abgerufen am 19. Juli 2012 (englisch).
  2. Spiegel-Online 19. Juli 2012: Omar Suleiman ist tot. Ägyptens Folterknecht im Maßanzug
  3. Le Monde Diplomatique, 9. Juli 2010: Mubarak am Ende
  4. The Telegraph 24. Februar 2009: The fixer in the shadows who may emerge als Egypt’s leader
  5. Neue Zürcher Zeitung 29. Januar 2011: Bisheriger Geheimdienstchef wird neuer Vizepräsident Ägyptens
  6. Stern-Online 29. Januar 2011: Ägyptens Vize Suleiman: Ein Schattenmann tritt ins Licht
  7. Spiegel-Online 29. Januar 2011: Ägyptens Vize Suleiman. Der stille starke Mann
  8. Spiegel-Online 29. Januar 2011: Ägyptens Vize Suleiman. Der stille starke Mann
  9. Stern-Online 4. Februar 2011: Omar Suleiman – Schattenmann im Rampenlicht
  10. The Telegraph 24. Februar 2009: The fixer in the shadows who may emerge als Egypt’s leader
  11. a b http://www.theatlantic.com/doc/200310/weaver Pharaohs-in-Waiting
  12. «Det blir ikke noe valg i januar. Vi skal ta hånd om det». Aftenposten, 7. Februar 2011, abgerufen am 14. März 2011 (norwegisch).
  13. Lisa Hajjar: Suleiman: The CIA's man in Cairo. Website von Al Jazeera, 7. Februar 2011. Abgerufen am 13. Februar 2011.
  14. Dana Priest, Dan Eggen: Terror Suspect Alleges Torture. The Washington Post, 6. Januar 2005.
  15. http://news.yahoo.com/s/afp/20110415/wl_mideast_afp/australiaegyptpoliticsunrestmubarakguantanamo (Version vom 20. April 2011 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt Agence France-Presse (AFP):Ex-Gitmo Australian sues top Egypt regime officials
  16. http://dissidentvoice.org/2011/04/egyptians-are-back-in-tahrir-square-to-block-a-counter-revolution/ Ezzat, Ashraf: Egyptians are Back in Tahrir Square to Block a Counter Revolution, 7. April 2011, Dissident Voice
  17. | Konrad Adenauer Stiftung: Länderbericht Ägypten, 10. September 2010
  18. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,742362-3,00.html
  19. http://english.aljazeera.net/news/middleeast/2011/04/2011419135452796989.html
  20. Präsidentenwahl am Nil: Zehn Kandidaten von Wahl in Ägypten ausgeschlossen bei tagesschau.de, 14. April 2012 (abgerufen am 14. April 2012).
  21. Mubaraks Vizepräsident Suleiman gestorben. In: ORF. 19. Juli 2012, abgerufen am 19. Juli 2012 (deutsch).