Operation Moses

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Die Rückführung der Falaschen

Die Operation Moses, benannt nach dem biblischen Mose, war die geheime Rückführung von fast 8000 äthiopischen Juden nach Israel zwischen dem 21. November 1984 und dem 5. Januar 1985.

Ausgangslage[Bearbeiten]

Während der Hungersnot in Äthiopien 1984–1985 flohen Tausende Juden aus Äthiopien in den Sudan, wo sie zusammen mit Moslems und Christen in Flüchtlingslagern (sogenannten „Hungerlagern“) untergebracht wurden. Schätzungen gehen von etwa 4000 Falaschen aus, die auf der Flucht infolge von Bürgerkrieg, Hunger, und Krankheiten auf dem langen Fußmarsch umgekommen sind. Der Staat Israel entschied sich die jüdischen Flüchtlinge aufzunehmen und aus dem Sudan ausfliegen zu lassen. Hierfür benötige Israel die Unterstützung durch eine neutrale Fluggesellschaft. Es wurden Kontakte mit dem belgischen Unternehmer Georges Gutelman aufgenommen, der die Flugzeuge seiner Charterfluggesellschaft Trans European Airways (TEA) von dem Unternehmen Israel Aircraft Industries warten ließ und zuvor schon mit der israelischen Regierung zusammengearbeitet hatte. Die Trans European Airways hatte in der Vergangenheit mehrfach Pilgerflüge im Auftrag nordafrikanischer Fluggesellschaften nach Mekka ausgeführt, so dass die Anwesenheit von TEA-Maschinen im Sudan keinen Verdacht erwecken würde. Guetelman stimmte der Verwendung seiner Flugzeuge zu. Die Flüge konnten jedoch nicht direkt nach Israel erfolgen, da in diesem Fall der ägyptische Luftraum durchquert werden müsste und die Geheimhaltung der Operation nicht mehr gewährleistet wäre. Gutelman entschied sich die Flüge über den Flughafen Brüssel-Zaventem auszuführen, dem Heimatflughafen der TEA. Hierfür wurde das Einverständnis der belgischen Regierung benötigt. In dem belgischen Justizminister Jean Gol, der ebenfalls jüdischen Glaubens war, fand Gutelman einen Unterstützer, so dass die Flüge schließlich mit Zustimmung des belgischen Premierministers Wilfried Martens beginnen konnten.[1]

Durchführung[Bearbeiten]

Zwischen dem 21. November 1984 und dem 5. Januar 1985 wurden fast 7.000 Falaschen auf dem Luftweg mit Flugzeugen der TEA nach Israel gebracht. Die vom Sudan erlaubten Flüge wurden nachts im Geheimen durchgeführt. Dazu wurden die Flüchtlinge mit Bussen zu einem stillgelegten Teil eines Militärflugplatzes in der Nähe von Khartum gebracht und von dort über Brüssel nach Israel ausgeflogen. Nachdem der ehemalige israelische Minister Arie Leib Dulzin in einem Interview erste Informationen über die Flüge preisgegeben hatte, wurde darüber unter anderem in der New York Times berichtet. Am 5. Januar 1985 hielt der israelische Ministerpräsident Schimon Peres eine Pressekonferenz ab. Dabei wurde er von Journalisten auf die geheimen Flüge angesprochen und bestätigte diese. Auf Druck der arabischen Staaten entzog der Sudan der Fluggesellschaft TEA noch am selben Tag die Landerechte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Fluggesellschaft ca. 35 Flüge durchgeführt und insgesamt etwa 7000 Flüchtlingen nach Israel befördert. Nach dem Bekanntwerden der Operation blieben zunächst etwa 1000 Falaschen im Sudan zurück.

Die Ankömmlinge wurden in Israel anfänglich freudig begrüßt. Die Operation Mose war ein Erfolgserlebnis angesichts einer Wirtschaftskrise, des militärischen Konflikts im Libanon und einer nachlassenden Einwanderung nach Israel. Kleidung, Spielsachen, Geld und kostenlose medizinische Versorgung und Sprachunterricht wurden von der israelischen Bevölkerung gespendet.[2]

Operation Joschua[Bearbeiten]

800 der Zurückgebliebenen wurden erst im März des gleichen Jahres im Rahmen der Operation Joschua nach Israel gebracht. Sie kam auf Vermittlung vom amerikanischen Vizepräsident George Bush zustande und wurde von der CIA durchgeführt. Die äthiopischen Juden wurden nicht mehr zum Flughafen in Khartoum gebracht, sondern zu dem verlassenen Flughafen Al-Azaza bei al-Qadarif im Osten des Sudan.

Auch nach Abschluss dieser Operation gab es immer noch mehr als 1600 Waisenkinder in Israel, die ihre Familien in Äthiopien oder dem Sudan zurückgelassen bzw. verloren hatten.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

Die Operation Salomon vom 23. - 25. Mai 1991 vervollständigte die Einwanderung der Falaschen nach Israel.

Folgen[Bearbeiten]

Falaschische Frauen vor der Klagemauer in Jerusalem

Die Operation war ein Erfolgserlebnis für die israelische Gesellschaft, angesichts einer Wirtschaftskrise und der Verwicklung in den Bürgerkrieg im Libanon. Auch half sie der nachlassenden Einwanderung nach Israel. Die israelische Gesellschaft half mit Geld- und Sachspenden.

Obwohl die Rabbiner in Israel die Falaschen als jüdisch erklärten, wurden sie anfangs von einem Großteil der israelischen Bevölkerung nicht akzeptiert. Man meinte, die Falaschen seien weder jüdisch noch gut genug gebildet und würden gefährliche afrikanische Krankheiten nach Israel einschleppen.

Eine große Schwierigkeit für die Falaschen selber war der plötzliche Wechsel von ihrem gewohnten Agrarleben hin zu einem modernen, entwickelten Stadtleben. Außerdem fiel es den meisten schwer, die Landessprache Ivrit zu erlernen. Während den jüngeren Falaschen die Integration relativ leicht fiel, leben besonders die Älteren mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart. Pnina Tamano-Schata wurde 2013 als erste äthiopische Jüdin in die Knesset gewählt.

Bis heute ist die Integration der Falaschen schwierig geblieben. Es gibt immer noch Rabbiner, die ihren Glauben anzweifeln.

Filme[Bearbeiten]

Ein Film, der vor dem Hintergrund der Operation Moses spielt, ist Geh und lebe (Va, Vis et Deviens; 2005) von Radu Mihaileanu. Im Dokumentarfilm Code Name Silence (Kod Schtika; 2005) von Yifat Kedar werden Vorfälle von Missbrauch an Flüchtlingen durch vom Mossad angeheuerte äthopischen Helfern behandelt. [3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Haaretz, The Making of History - Operation Georges [1]
  2. www.neunlindenhof.de/migration/israel/G1_Text6.html
  3. http://www.film.at/kod_sch_tikah_code_name_silence/