Oseberg-Schiff

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Das Oseberg-Schiff im Museum

Das Oseberg-Schiff wurde im Jahre 1904 unter einem Grabhügel auf dem Oseberg-Hof, einem Bauernhof am westlichen Ufer des Oslofjords zwischen Tønsberg und Horten in Norwegen, gefunden und von dem schwedischen Archäologen Gabriel Gustafson und seinem norwegischen Kollegen Haakon Shetelig 1904–1905 ausgegraben. In einer Grabkammer hinter dem Mast des Schiffes waren zwei Frauen beigesetzt worden. Es war der dritte bedeutende norwegische Fund nach dem Tuneschiff im Jahre 1867 und dem Gokstadschiff 1870. Das Oseberg-Schiff ist bis heute der reichste und wichtigste Fund aus der Wikingerzeit.

Fundgeschichte[Bearbeiten]

Ausgrabestelle des Oseberg-Schiffs

Der Fund des Gokstadschiffs 1880 löste in Norwegen eine vermehrte Suche nach vergleichbaren Begräbnisplätzen aus. Anders als für andere Fundstellen am Oslofjord gab es keine mündliche Tradition, die die Stelle auf dem Oseberg-Hof als Begräbnisplatz bezeichnete. Der kleine Hügel wurde lokal als „Revehaugen“ bezeichnet, ein Platz, an dem sich Füchse aufhielten. Der Landwirt Oskar Rom hatte unter dem Eindruck der großen Aufmerksamkeit, den das Gokstadschiff national und international erregt hatte, einige Grabungen auf diesem Hügel vorgenommen und dabei Dinge gefunden, die seiner Meinung für einen Archäologen interessant waren. Er reiste am 8. August 1903 in das damals noch Kristiana genannte Oslo, um seine Funde Gabriel Gustafson zu zeigen.[1]

Gabriel Gustafson reagierte zunächst skeptisch auf Oskar Roms Behauptung, er habe eine weitere Wikingerbegräbnisstätte gefunden, ließ sich aber dann durch ein von Oskar Roms mitgebrachtes Fundstück, ein beschnitztes Stück Holz, überzeugen. Zwei Tage später besuchte Gabriel Gustafson den Fundort erstmals selbst und ließ provisorisch erste Grabungen vornehmen. Da das Jahr für eine vollständige Ausgrabung bereits zu weit fortgeschritten war, ließ er die Grabung zuschütten und nutzte die Winterzeit, um die Grabung zu organisieren und dafür finanzielle Mittel zu sammeln.[2]

Das Schiff[Bearbeiten]

Das halbausgegrabene Osebergschiff am Fundort.

Das etwa 22 m lange und 5 m breite Langschiff in typischer Klinkerbauweise aus Eiche ist so prächtig verziert und an Bug und Heck mit Schnitzereien im Oseberg-Stil versehen, dass man es für eine königliche Yacht oder ein Zeremonialschiff hält. Obwohl seetüchtig, war es doch wohl nur für Fahrten in Küstennähe brauchbar. Dendrochronologie-Analyse ergab, dass das Schiff aus im Jahre 820 gefällten Eichen gebaut wurde und dass die Grabkammer aus dem Jahr 834 stammt.

Von der Kielunterkante bis zur Bordkante mittschiffs beträgt die Höhe nur 1,60 m, der Tiefgang 0,75 m, der Freibord 0,85 m. Das Schiff ist ganz aus Eiche gebaut und gleicht in der Konstruktion den übrigen bekannten Schiffen aus dieser Zeit, ist aber schwächer gebaut und war für höhere Beanspruchung nicht geeignet. Die Ruderlöcher konnten während des Segelns nicht geschlossen werden. Der Mast ist nur schwach gestützt. Das Kielschwein ist unverhältnismäßig kurz. Die Masthalterung darüber ist ebenfalls zu schwach, war gesprungen, und wurde mit zwei Eisenbändern wieder zusammengehalten. Die Bodenbretter sind bis auf die am Mast fest, so dass der Raum darunter nicht nutzbar ist. All dies deutet darauf hin, dass dieses Schiff nicht für längere Fahrten bestimmt war, bei denen man Verpflegung mitnehmen musste.[3] Der Mast war 9 bis 10 Meter hoch. Mit einer Segelfläche von ungefähr 90 m² konnten Geschwindigkeiten von bis zu zehn Knoten erreicht werden. Das Schiff hatte 15 Paar Riemenöffnungen, so dass mindestens 30 Ruderer notwendig waren. Zu den gefundenen Ausrüstungsteilen gehörten ein breites Steuer, ein eiserner Anker, ein Gangplanke und ein Schöpfeimer.

Das Schiff war bereits mehrere Jahre in Gebrauch, aber auch schon länger nicht mehr benutzt worden, ehe es im Jahr 834 in den Grabhügel eingebracht wurde. Viele Riemen und der Mast wurden zum Zwecke der Beisetzung in aller Eile nachgefertigt und waren teilweise nicht einmal fertig. Sie müssen also bereits gefehlt haben, was bei einem dauernden Gebrauch des Schiffes bis zuletzt ausgeschlossen ist.[4]

Das Schiff wurde rekonstruiert und ist mit den in und bei ihm gefundenen Gegenständen im Wikingermuseum von Oslo zu sehen, in dem sich auch das Tuneschiff und das Gokstad-Schiff befinden.

Die Skelette[Bearbeiten]

In der Grabkammer fanden sich die Skelette von zwei Frauen, von denen eine bei ihrem Tod etwa 60 bis 70 Jahre und die andere 25 bis 30 Jahre alt waren. Zu den Grabbeigaben zählten unter anderem importierte Seiden aus dem östlichen Mittelmeerraum und Textilarbeiten. Aus der Reichhaltigkeit der Grabbeigaben und dem Aufwand, der bei dem Begräbnis offensichtlich betrieben wurde, ist ersichtlich, dass es sich um die Grabstätte einer sehr wichtigen Persönlichkeit handelte. Obwohl man zunächst annahm, dass es sich bei der älteren Frau um die Königin Åsa aus dem Geschlecht der Ynglinger, die Mutter Halfdan des Schwarzen und Großmutter von Harald „Schönhaar“, handelte, ist man inzwischen von dieser Vermutung abgekommen. Stattdessen nimmt man heute eher an, dass es sich um eine Hochpriesterin handelte. Per Holck von der anthropologischen Abteilung des Anatomischen Instituts an der Universität Oslo ist nach DNA-Analysen der Meinung, dass die Vorfahren der jüngeren Frau aus dem Schwarzmeerraum stammten.[5] Da die Gebeine bereits 1947 wieder in den Grabhügel gebracht worden waren, konnte Holck allerdings nur mit DNA-Proben arbeiten, die damals sichergestellt worden waren.

Die Grabbeigaben[Bearbeiten]

Grabbeigabe unbekannter Funktion.

Ob das Grab vor seiner Wiederentdeckung aufgebrochen worden war, ist umstritten. Es fanden sich keine Edelmetalle. Dennoch war die Ausbeute an Gegenständen des täglichen Gebrauchs und an Schmuck- und Kunstwerken, die 1904-1905 zutage kam, ungemein reichhaltig. Dazu gehörten vier reich verzierte Schlitten, ein vierrädriger Wagen mit kunstvollen Schnitzereien (der bisher einzige Fund eines Wagens aus der Wikingerzeit), Bettenpfosten und hölzerne Truhen, sowie Landwirtschafts- und Haushaltsgeräte. Unter den Textilienfunden waren wollene Kleidung, Seide und schmale Bildteppiche. Die Tatsache, dass z. B. das Bett zertrümmert war, spricht gegen einen Grabraub, in dessen Zusammenhang eine Zerstörung sinnlos wäre. Eine Theorie geht davon aus, dass die Zerstörung sich gegen die Bewohnbarkeit des Grabhügels durch den Toten als Widergänger richtete.[6]

Die alten Restaurierungen führen nun zu konservatorischen Problemen und zu einem Streit über die Finanzierung der nötigen Sicherungsmaßnahmen [7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. W. Brøgger, Hjalmar Falk, Haakon Shetelig (Hrsg.): Osebergfunnet. Utgitt av den norske stat. 4 Bde., 1917–1928
  • A. W. Brøgger, Haakon Shetelig: Vikingeskipene. Deres forgjengere og etterfølgere. (Wikingerschiffe. Deren Vorläufer und Nachfolger). Oslo 1950.
  • Robert Ferguson: The Hammer and the Cross - A new history of the vikings, Penguin Books, London 2009, ISBN 978-0-14-101775-4
  • Thorleif Sjøvold: Der Oseberg-Fund. Oslo, Universitetets Oldsaksamling, 1974

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oseberg-Schiff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferguson, S. 10 und S. 11
  2. Ferguson, S. 11
  3. Shetelig (1950) S. 175 f.
  4. Shetelig (1950) S. 177.
  5. Aftenposten: Viking woman had roots near the Black Sea
  6. Brøgger (1950) S. 94.
  7. Archaeologik: Kein Geld: Oseberg-Fund verrottet