Ostroróg (Adelsgeschlecht)

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Das Nałęcz-Wappen der Ostroróg

Das polnische Adelsgeschlecht Ostroróg der Wappengemeinschaft Nałęcz gehörte zu den einflussreichsten Familien in Großpolen überhaupt. Sie stellten Wojwoden, Kastellane und besetzten sogar das Amt des großpolnischen Generalstarosten.

Ursprung[Bearbeiten]

Stadtwappen von Ostroróg
Gräfliches Wappen der Ostroróg

Der Familienname leitet sich von der gleichnamigen Ortschaft Ostroróg ab, die etwa 40 km nordwestlich von Posen liegt. Die Besitzer dort waren von Anfang an Adelsfamilien, die der Wappengemeinschaft Nałęcz angehörten. Auch das Stadtwappen von Ostroróg zeigt heute noch immer eine Binde (Nałęcz). Frühester Namensträger war Dziersław Grochoła, 1383 bis 1387 Kastellan von Santok, der sich nach seinem Besitz nun Grochoła z Ostroroga nannte. Unter diesen frühen Ostrorógs machte vor allem Sędziwój Ostroróg (1375–1441) auf sich aufmerksam als Heerführer gegen den Deutschen Orden und bei Einfällen in die Neumark. Er bemühte sich allerdings auch um Neuansiedlungen im Umfeld von Posen. Am 1. Juli 1419 gelang es ihm nach Genehmigung durch König Władysław Jagiełło die beiden Dörfer Więcewojszyno und Wojszyno zu vereinigen und zum sogenannten Magdeburger Recht auszusetzen. Diese neu entstandene Stadt nannte man Lwów und erst im 16. Jahrhundert wurde daraus Lwówek (zur Unterscheidung zum viel größeren Lwów in Galizien).

Bedeutung[Bearbeiten]

Mikolaj von Ostroróg, königlicher Mundschenk

Die Ostrorógs gewannen im 15. und 16. Jahrhundert durch ihre Stellung zu kirchlichen Fragen öffentliche Bedeutung. Darüber hinaus war Jan Ostroróg, Kastellan von Posen und Wojewode von Großpolen, der erste politische Schriftsteller Polens. Seine Enkel Jakub und Stanisław waren im 16. Jahrhundert Führer der Reformation in Großpolen.

Kaiser Maximilian I. soll Stanisław Ostroróg 1516 den Reichsgrafenstand verliehen haben. In Polen selbst gab es zu dieser Zeit bis auf wenige Fürsten aus Litauen keine titulierten Familien, und das Führen solcher ausländischen Titel war dort ebenfalls nicht gestattet. Nach der Aufteilung Polens erhielt die Familie dann nachweislich durch die Besatzungsmächte eine Titelbestätigung. Und zwar am 17. März 1783 mit Hoch- u. Wohlgeboren sowie die Legitimation beim galizischen ständischen Kollegium als Graf am 9. September 1795 für Isidor bzw. am 8. Juli 1805 für Nicolaus. Die russische Grafenanerkennung erfolgte am 28. Juni 1844 für Rosalie Ostroróg, geb. Głogowska und ihren Sohn Leopold Ladislaus. Die Familie Ostroróg erlosch im Mannesstamm mit Jan Graf v. Ostroróg am 19. Dezember 1975, seine einzige Tochter, Anna Maria Christina, ist in dritter Ehe mit Graf Antoine de Chastel de la Howarderie verheiratet.

Wichtige Vertreter des Adelsgeschlechts[Bearbeiten]

Nebenlinien[Bearbeiten]

Sigismund Adalbert von Gorzeński, Königl. Kammerherr auf Schloss Śmiełów bei Żerków, gelang es anhand von Urkunden, den Zusammenhang seines Geschlechtes mit dem Hauptstamm Ostroróg nachzuweisen. Er erhielt zusammen mit seinen Brüdern durch preußische AKO vom 2. November 1870 die Genehmigung, den ursprünglichen Namen seines Geschlechtes Ostroróg wieder aufzunehmen und zu führen. [1]
1449 erhielt Dobrogost I. Ostroróg (* ~1410, † 1478) das eingangs erwähnte Lwów von seinem Vater Sędiwój übereignet und nannte sich fortan Ostroróg-Lwowski. Dieser Zweig stellte mit Marcin II. Ostroróg-Lwowski (* ~1542, † 1590) den größten Grundbesitzer Großpolens während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Des Weiteren war er seit 1581 Kastellan von Kamien. Bereits 1623 ist die Familie Ostroróg-Lwowski nachweislich im Mannesstamm und 1628 letztlich auch in der weiblichen Linie erloschen. [2]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Włodzimierz Dworzaczek: Teki Dworzaczka. Materialy historyczno - genealogiczne do dziejow szlachty wielko-polskiej XV - XX w.,. Kornik 1997.
  •  Antoni Gąsiorowski: Wielkopolscy Ostrorogowie. Ostroróg 1998.
  •  Antoni Smigielski: Lwówek. Posen 1994.
  •  Adolf Warschauer: Geschichte der Provinz Posen. Posen 1914.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. »Der Dt. Herold, Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde«, Jg. 18 (1887), S. 23.
  2. Vgl. » Gąsiorowski«, a.a.O., S. 108.