Lwiw

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Dieser Artikel behandelt die Stadt in der Ukraine. Für weitere Bedeutungen siehe Lemberg (Begriffsklärung) und Lwiw (Begriffsklärung).
Lwiw
(Львів)
Wappen von Lwiw
Lwiw (Ukraine)
Lwiw
Lwiw
Basisdaten
Oblast: Oblast Lwiw
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 296 m
Fläche: 171,01 km²
Einwohner: 734.000 (1. Januar 2010)
Bevölkerungsdichte: 4.292 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 79000–79490
Vorwahl: +380 322
Geographische Lage: 49° 50′ N, 24° 2′ O49.83944444444424.032777777778296Koordinaten: 49° 50′ 22″ N, 24° 1′ 58″ O
KOATUU: 4610100000
Verwaltungsgliederung: 6 Stadtrajons, 1 Stadt, 2 Siedlungen städtischen Typs
Bürgermeister: Andrij Sadowyj
Adresse: pl. Rynok 1
79000 M. Lwiw
Website: http://www.city-adm.lviv.ua/
Statistische Informationen
Lwiw (Oblast Lwiw)
Lwiw
Lwiw
i1

Lwiw (deutsch Lemberg, ukrainisch Львів/ Lwiw?/i; [lʲβ̞iu̯], polnisch Lwów) ist eine Stadt in der westlichen Ukraine, Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks Oblast Lwiw und mit rund 734.000 Einwohnern[1] die siebtgrößte Stadt der Ukraine.

Allgemeines[Bearbeiten]

Blick über die Stadt

Lwiw liegt am Fluss Poltwa (Полтва), etwa 80 km östlich der Grenze zu Polen. Es ist die wichtigste Stadt der Westukraine. Der Stadtverwaltung unterstehen neben der Stadt Lwiw mit ihren sechs Stadtrajonen noch die Stadt Wynnyky (ukrainisch Винники) und die beiden Siedlungen städtischen Typs Brjuchowytschi und Rudne. Die Altstadt befindet sich auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Lwiw ist seit sehr langer Zeit vom Zusammenleben mehrerer Völker geprägt. Bis ins 20. Jahrhundert gab es neben einer polnischen Bevölkerungsmehrheit einen großen Anteil an jüdischer und daneben verschiedene Minderheiten ukrainischer, deutscher oder armenischer Bevölkerung. Heute leben in der Stadt fast ausschließlich Ukrainer, aber auch Russen, Weißrussen und Polen. Die Altstadt ist von Renaissance, Barock, Klassizismus und Jugendstil geprägt. Lwiw war ein Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2012.

Stadtname und Sprachen[Bearbeiten]

Nach historischen Quellen ist anzunehmen, dass das deutsche Kolonisationswerk in der Umgebung von Lwiw von König Kasimir dem Großen veranlasst wurde.[2] In polnisch oder lateinisch geschriebenen Urkunden über Lemberg wurde der Ort 1342 als Lamberg[3] erstmals urkundlich erwähnt, weitere wichtige Erwähnungen sind: Lamburg (1351), in terra Lamburgensi (1364), Lamburg alias Lwow (1370), Lamburg (1396), Lemburg (1416).[4]

Aufgrund der Vielzahl von ethnischen Gruppen, die über die Jahrhunderte hier lebten und leben, gibt es verschiedensprachige Bezeichnungen für die Stadt: ukrainisch Львів (Lwiw), russisch Львов (Lwow), polnisch Lwów, jiddisch לעמבערג (Lemberg) oder לעמבעריק (Lemberik), armenisch Լվով (Lvov), ungarisch Ilyvó, deutsch Lemberg, französisch Léopol und italienisch Leopoli, beide aus dem Lateinischen: Leopolis (die Stadte des Löwen). Vor 1945 war Lemberg eine hauptsächlich polnische Sprachinsel in vorwiegend ukrainischer Umgebung, wo der Lemberger Dialekt gesprochen wurde.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Blau eine goldene Mauer mit drei Zinnentürmen, davon dem höchsten in der Mitte, und einem laufenden goldenen Löwen im spitzen Torbogen.

Geschichte[Bearbeiten]

Denkmal für den Stadtgründer Daniel von Galizien
Banner des Lwiwer Landes, mit dem charakteristischen Löwen, in der Schlacht von Tannenberg 1410

Lwiw teilt weitgehend die Geschichte der Ukraine, Galiziens und Polens.

Altrussisches Lwow 1256–1349[Bearbeiten]

1256 errichtete Danilo Romanovič, der Fürst des Rus-Fürstentums Galizien-Wolhynien, an der Stelle des heutigen Lemberg eine Burg für seinen Sohn Lew. Von diesem Lew (altostslawisch für Löwe) hat die Stadt ihren Namen – Lwow (bzw. dem Löwen) gehörend. Auch im Wappen und in zahlreichen Steinskulpturen der Stadt taucht der Löwe immer wieder auf. Die günstige Lage an der Kreuzung der Handelswege ließ die Stadt schnell wachsen. Die Verwüstungen der Rus durch die Mongolen sowie Tributzahlungen untergruben jedoch bald die Macht Galizien-Wolhyniens. Nachdem die lokale Linie der Rurikiden-Dynastie ausgestorben war, fiel Lwow 1340 zunächst an das Großfürstentum Litauen, 1349 an Polen.

Polnisches Lwów 1349–1772[Bearbeiten]

1356 erhielt die Stadt vom polnischen König Kasimir dem Großen das Magdeburger Stadtrecht; deutsche Bürger, Juden sowie auch Christen, siedelten sich an. Im selben Jahr erhielten die Armenier Privilegien von Kasimir III.[5] Die Amtssprache war nun fast 200 Jahre lang Deutsch. Das Siegel des Stadtrates lautete lateinisch S(igillum): CIVITATIS LEMBVRGENSIS. 1387, nach einem kurzen ungarischen Intermezzo, kam die Stadt wieder an die Krone Polens.

Von 1375 bis 1772 war Lwów Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Ruthenien, einer administrativen Einheit der Adelsrepublik Polen-Litauen. In der frühen Neuzeit entwickelte sich die Stadt bald zu einem wichtigen Handelsplatz und neben Krakau, Wilna und Warschau zu einem Zentrum polnischen Kultur- und Geisteslebens. Das Umland Lwóws war überwiegend ukrainischsprachig. Im 16. Jahrhundert war in Lwów der Russe Iwan Fjodorow tätig, der erste ostslawische Buchdrucker.

Während des Chmelnyzkyj-Aufstandes und des Russisch-Polnischen Krieges 1654–1667 wurde Lwów 1648 und 1655 von den Saporoger Kosaken belagert. Die Stadt erwarb sich das Prädikat semper fidelis (= immer treu), weil sie sich während des 17. Jahrhunderts wiederholt gegen Belagerer verteidigte.[6]

Die 1661 vom polnischen König Johann II. Kasimir gegründete Universität Lwów ist die älteste in der heutigen Ukraine.

Österreichisches Lemberg 1772–1918[Bearbeiten]

Marienplatz 1915

1772 fiel die Stadt mit der ersten Teilung Polens an die Habsburgermonarchie. Lemberg wurde Hauptstadt des Königreichs Galizien und Lodomerien und viertgrößte Stadt im Vielvölkerstaat. Anfangs wollte Kaiser Joseph II., wie in seinem gesamten Herrschaftsbereich, die deutsche Sprache als Verwaltungssprache durchsetzen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts fungierten vor allem Polen als Beamte der Wiener k.k. Regierung in Galizien.

Von 1867 an, als die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gebildet wurde, besaßen die Galizier die einheitliche österreichische Staatsbürgerschaft und waren mit polnischen und nach der Erweiterung des Wahlrechts auch ruthenischen Abgeordneten im Reichsrat, dem Parlament Cisleithaniens in Wien, vertreten. Das in Wien herausgegebene Reichsgesetzblatt wurde seit 1867 auch in polnischer und seit 1870 auch in ruthenischer Sprache veröffentlicht.[7]

Lemberg war Sitz des k.k. Statthalters (des Vertreters des Kaisers und seiner Regierung), des Sejms (Landesparlament), dreier Erzbischöfe (römisch-katholisch, griechisch-katholisch, armenisch-katholisch), die kraft ihres Amtes Mitglieder des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats waren, und eines Oberrabbiners. Von 1804 bis 1870 war die Stadt zudem Sitz der Evangelischen Superintendentur A. B. Galizien. In Lemberg befanden sich Konsulate von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Russland und Dänemark. Die galizische Landeshauptstadt verfügte über eine Universität und ein Polytechnikum, beide mit polnischer Unterrichtssprache, vier polnische, ein deutsches[8] und ein ruthenisches Gymnasium.

1900 waren etwa die Hälfte der Einwohner Polen, ein Viertel Juden und 30.000 Ruthenen (damalige Bezeichnung für Ukrainer). Diese wurden allerdings von der polnischen Mehrheitsbevölkerung diskriminiert. 1908 töteten drei polnische k.k. Gendarmen einen ruthenischen Bauern, worauf der ukrainische Philosophiestudent Miroslaw Siczynski den Statthalter Graf Andrzej Potocki erschoss. Dies führte zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen polnischen und ruthenischen Studenten.[9]

Rathaus

Lemberg gehörte vor dem Ersten Weltkrieg – mit Krakau und der Festung Przemyśl – zu den größten Garnisonen der k.u.k. österreichisch-ungarischen Armee im Osten der Monarchie. Der Standort war Eckpfeiler zum Schutz der Grenze Österreich-Ungarns gegen das Russische Kaiserreich. Allerdings eroberte die russische Armee Ende August 1914 in der Schlacht von Lemberg die Stadt und drang weit nach Westen vor. Lemberg blieb bis Juni 1915 vom Gegner besetzt (siehe hier) und war auch in der Folge bis zur Russischen Revolution 1917 mehrmals gefährdet.

Polnisches Lwów 1918–1939[Bearbeiten]

Zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde in Lemberg am 1. November 1918 die Westukrainische Republik gegründet, doch errang Polen nach teilweise heftigen Kämpfen mit Ukrainern die Herrschaft. Die Stadt wurde am 21./22. November 1918 von polnischen Truppen besetzt. Bei einem Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung, das vom 22. bis zum 24. November andauerte, wurden laut dem Bericht von Henry Morgenthau senior 64 Personen getötet.[10] Viele wurden verletzt oder ausgeraubt. Es wurde nachgewiesen, dass ein Teil der polnischen Offiziere, Soldaten und Zivilisten die Verantwortung trug. Auch waren Mitglieder der jüdischen Miliz (ein Dutzend wurde verhaftet) und Deserteure aus der galizischen Armee beteiligt. Zu den Opfern der Plünderungen gehörten auch Teile der polnischen und ukrainischen Bevölkerung. Der Gewaltakt erschütterte das bis dahin recht harmonische Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen und Religionen im Lwów der Zwischenkriegszeit nachhaltig.

Juden in Lwiw[11]
Jahr Ges.-Bev. Juden Anteil
1857 55.800 22.586 40,5 %
1880 110.000 30.961 28,2 %
1890 128.000 36.130 28,2 %
1900 160.500 44.258 27,6 %
1910 206.500 57.387 27,8 %

Die Stadt hatte damals 361.000 Einwohner, die meisten davon Polen (1912 zwischen 50 und 53 %, ab 1925 über 55 %), ein Drittel mehrheitlich polonisierte Juden, außerdem Ukrainer, Deutsche und polnische Armenier. Im Umland der Stadt lebten mehrheitlich Ukrainer (je nach Landkreis etwa vier bis fünf Sechstel der Bevölkerung).[12] In den Zwischenkriegsjahren blieb Lwiw sowohl eine Hochburg polnischer Kultur als auch ein Brennpunkt ukrainischen Nationalgefühls; es blieb jedoch auch die habsburgische, übernationale Identität im Hintergrund präsent. Weltrang auf dem philosophischen Gebiet der Logik hatte die sogenannte Lwów-Warschau-Schule.

Verwaltungstechnisch war die Stadt als Teil der Zweiten Polnischen Republik ab 1921 die Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft Lwów.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

In den Jahren 1939 bis 1941 wurde Lwów, das im September 1939 zunächst von deutschen Truppen eingenommen worden war, nach der auf Grund des Hitler-Stalin-Pakts erfolgten sowjetischen Besetzung Ostpolens 1939 in die Ukrainische Sowjetrepublik eingegliedert. Wie überall in der UdSSR wurde auch das nun sowjetische Lwow der Zwangskollektivierung unterzogen. 1941 wurde Lwow nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion Teil des deutschen Generalgouvernements und fungierte nun wieder unter dem Namen Lemberg als Hauptstadt des Distrikts Galizien.

Kreishauptmann und damit oberster ziviler Herrscher in Lemberg war der Krefelder Joachim Freiherr von der Leyen. Fast alle jüdischen Lemberger wurden in der Folgezeit ermordet, unter anderem im von den Nationalsozialisten eingerichteten Ghetto Lemberg, im städtischen Zwangsarbeitslager Lemberg-Janowska und im Vernichtungslager Belzec. Unter den zerstörten Synagogen befand sich Beit Chasidim, die älteste der Stadt. Insgesamt wurden in Lemberg und der Lemberger Umgebung während der Zeit des Nationalsozialismus ca. 540.000 Menschen in Konzentrations- und Gefangenenlagern umgebracht, davon 400.000 Juden, darunter ca. 130.000 Lemberger. Die restlichen 140.000 Opfer waren russische Gefangene.

Bevölkerungszusammensetzung in Lwiw[13][14][15]
Volksgruppe 1900 1931 1959 2001
Ukrainer 19,9 % 15,9 % 60,0 % 88,1 %
Russen 0 % 0,2 % 27,0 % 8,9 %
Juden 26,5 % 31,9 % 6,0 % 0,3 %
Polen 49,4 % 50,4 % 4,0 % 0,9 %

Bereits kurz vor dem deutschen Einmarsch am 30. Juni 1941 hatten sowjetische Einsatzkräfte (vor allem NKWD) zahlreiche Ukrainer getötet, denen man Sympathien mit Deutschland vorwarf. Diese Verbrechen wurden von der NS-Propaganda ausgeschlachtet. Anschließend folgte der brutale NS-Terror gegen die polnische Bevölkerung wie beispielsweise die Ermordung von 25 polnischen Professoren in der Zeit vom 3. bis 5. Juli 1941. Diese Gräueltaten wurden von der vorher schon im Generalgouvernement aktiven Einsatzgruppe z. b. V. (zur besonderen Verfügung) unter dem damaligen SS-Oberführer Karl Eberhard Schöngarth anhand vorgefertigter Listen mit Namen und Adressen durchgeführt und fanden unter aktiver Teilnahme der ukrainischen Nationalisten, unter anderem des ukrainischen Bataillons Nachtigall, statt.

In Lemberg bestand später das Kriegsgefangenenlager 275 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[16] In der Nähe des Lagers gab es einen Kriegsgefangenenfriedhof mit über 800 Gräbern. Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital 1241 versorgt.

Sowjetisches Lwow 1945–1991[Bearbeiten]

Als die Stadt im Zuge der Lwiw-Sandomierz-Operation 1944 wieder unter sowjetische Herrschaft kam, wurden die meisten dort ansässigen Polen vertrieben. Ein Teil der Bevölkerung wurde nach der Vertreibung der dort lebenden Deutschen in Niederschlesien, vor allem in Breslau, angesiedelt. Viele Ukrainer, die zuvor im polnischen Westgalizien und in Zentralpolen gelebt hatten, wurden gleichzeitig im Rahmen der Aktion Weichsel aus Polen zwangsumgesiedelt und von der UdSSR in oder bei Lwow angesiedelt. Dadurch veränderte sich die ethnische und kulturelle Zusammensetzung der Stadt grundlegend. An die Stelle der traditionellen polnischen, jüdischen und armenischen Bevölkerung traten Ukrainer.

Die Sowjetbehörden begannen mit dem Wiederaufbau der Stadt, der vom Zuzug von Fachkräften aus der ganzen UdSSR und der Industrialisierung Lwows begleitet wurde. Bis zu den 1980er Jahren waren 137 Großfabriken entstanden, in denen Busse (LAS), LKWs, Fernsehgeräte und Maschinen produziert wurden. Die Stadtbevölkerung wuchs von ca. 330.000 auf 760.000 Einwohner an. Gleichzeitig wurden nationalistische Strömungen unter den Westukrainern unterdrückt.

Ukrainisches Lwiw ab 1991[Bearbeiten]

Seit 1991 ist Lwiw Teil der unabhängigen Ukraine. Von Galizien gehen seither immer wieder Autonomiebestrebungen aus, nicht zuletzt wegen der Geschichte Lwiws als Hauptstadt eines eigenen Königreiches. Die Stadt feierte im Herbst 2006 das 750. Jubiläum ihres Bestehens. Am 9. Mai 2011 beleidigten nationalistische Jugendliche Kriegsveteranen und versperrten Besuchern, die das Georgsband an ihrer Kleidung trugen, den Zugang zum Grabmal des unbekannten Soldaten, was eine Debatte über ein mögliches Verbot der Partei Swoboda zur Folge hatte.[17]

Lwiw gehört zu den Städten, in die die OSZE am 21. März 2014 im Zusammenhang mit der Krimkrise Beobachter entsandte.[18][19]

Politik[Bearbeiten]

Im Stadt- und Regionalparlament Lwiws hat seit den Wahlen 2010 die rechtsextreme Partei Allukrainische Vereinigung „Swoboda“, die in Lwiw gegründet wurde, die meisten Sitze.[20] Die Partei ist generell in der Oblast Lwiw stark.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Lwiws Altstadt und die um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhunderts entstandenen anschließenden Quartiere weisen eine fast einmalige, von Kriegszerstörungen und nachkriegszeitlichen Eingriffen verschont gebliebene Geschlossenheit an Bauten der Renaissance, des Barocks, des Klassizismus, Historismus, Jugendstils und Art déco auf. 1998 wurde das historische Zentrum der Stadt in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eingetragen. Begründung: (…) Mit seiner städtischen Struktur und seiner Architektur ist Lwiw ein hervorragendes Beispiel der Verschmelzung von architektonischen und künstlerischen Traditionen Osteuropas mit denen von Italien und Deutschland. (…) Die politische und wirtschaftliche Rolle von Lwiw zog eine Anzahl von ethnischen Gruppierungen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Traditionen an, die unterschiedliche aber dennoch voneinander abhängige Gemeinschaften innerhalb der Stadt bildeten, die auch noch im modernen Stadtbild erkennbar sind.

Sankt-Georgs-Kathedrale, im 18. und 19. Jahrhundert die Mutterkirche der Griechisch-katholischen Kirche

Sakralbauten:

Museen:

Andere:

Das Lemberger Opernhaus

Kultur[Bearbeiten]

In Lwiw gibt es zahlreiche Theater, Museen und Bibliotheken und die architektonisch prominente Lemberger Oper im Stadtzentrum. Die größte ukrainische Buchmesse, das Lemberger Buchforum, findet jährlich statt.

Am 28. April 2009 wurde Lwiw zur ukrainischen Kulturhauptstadt für das Jahr 2009 gewählt. Der Wettbewerb fand 2009 zum ersten Mal statt.[22]

Bildung[Bearbeiten]

In Lwiw gibt es folgende ukrainische Hochschulen:

Hauptbahnhof (erbaut 1903)

Verkehr[Bearbeiten]

Der öffentliche Personennahverkehr der Stadt wird mit Straßenbahnen, Oberleitungsbussen und Autobussen durchgeführt. Ergänzend dazu stehen privatwirtschaftlich betriebene Marschrutki (Sammeltaxis) zur Verfügung. Die Stadt verfügt über einen internationalen Flughafen, der beispielsweise mehrmals wöchentlich von München, Athen, Prag, Istanbul und Wien angeflogen wird. Der von den k.k. österreichischen Staatsbahnen errichtete und 1904 eröffnete Hauptbahnhof bildet das Zentrum des Bahnverkehrs in der gesamten Westukraine und wird im Personenverkehr aus den Richtungen Moskau, Belgrad, Budapest, Wien, Kiew, Donezk und Odessa umsteigefrei bedient.

Sport[Bearbeiten]

Motorsport

In den Jahren 1930 bis 1933 fand im damals polnischen Lwów der Automobil-Grand Prix statt. Durchgeführt wurden die Rennen in folgenden Straßen: Witoskoho, Hwardijiska und Stryjska.

Die damaligen Sieger waren:

Datum Sieger Zweiter
8. September 1930 Henryk Liefeld (Polen)
Austro-Daimler
Tadeusz Skolimowski (Polen)
Alfa Romeo
8. Juni 1931 Hans Stuck (Deutschland)
Mercedes-Benz
George Nadu (Rumänien)
Bugatti
19. Juni 1932 Rudolf Caracciola (Deutschland)
Alfa Romeo
Florian Schmidt (Tschechoslowakei)
Bugatti
11. Juni 1933 Eugen Bjørnstad (Norwegen)
Alfa Romeo
Pierre Veyron (Frankreich)
Bugatti

In Lwiw gibt es auch eine bedeutende Speedway-Bahn mit einem bekannten Liga-Rennclub. Hier gab es bereits entscheidende Qualifikationsläufe zur Speedway-Einzel-WM. Ukrainische Speedwayfahrer wie Andriy Karpov, Oleksandr Loktaev, Igor Marko und Vladimir Trofimov erlernten hier das Speedwayfahren.

Fußball

Lwiw war einer der vier ukrainischen Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. In der eigens für dieses Großereignis erbauten Arena Lwiw fanden drei Vorrundenspiele der Gruppe B statt.

Neben der Arena Lwiw befinden sich zwei weitere größere Sportstadien in Lwiw, nämlich das Stadion Ukrajina und das SKA-Stadion.

Erfolgreichste Fußballmannschaft der Stadt ist Karpaty Lwiw. Des Weiteren beheimatet die Stadt den FK Lwiw.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Stadt Land Jahr
Banja Luka Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina 2005
Breslau PolenPolen Polen
Corning, New York Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1987
Eskilstuna SchwedenSchweden Schweden 1994
Freiburg im Breisgau DeutschlandDeutschland Deutschland 1989
Krakau PolenPolen Polen
Kutaissi GeorgienGeorgien Georgien
Novi Sad SerbienSerbien Serbien 1999
Rzeszów PolenPolen Polen 1992
Sankt Petersburg RusslandRussland Russland 2006
Winnipeg KanadaKanada Kanada 1973

Verwaltungsunterteilung[Bearbeiten]

Zur Stadtgemeinde zählen neben der eigentlichen Stadt, die in 6 Stadtrajone unterteilt ist auch noch die Stadt Wynnyky (Винники) und die beiden Siedlungen städtischen Typs Brjuchowytschi (Брюховичі) und Rudne (Рудне).

Die Stadtrajone sind:

  • Rajon Halytsch (mit den Stadtteilen Seredmistja/Середмістя, Zytadel/Цитадель, Sofijiwka/Софіївка und Snopkiw/Снопків)
  • Rajon Salisnyzja (mit den Stadtteilen Rjasne/Рясне, Lewandiwka/Левандівка, Bilohorschtscha/Білогорща, Klepariw/Клепарів/Klopperhof, Sknyliwok/Скнилівок, Syhniwka/Сигнівка und Bohdaniwka/Богданівка)
  • Rajon Lytschakiw (mit den Stadtteilen Lytschakiw/Личаків/Lützenhof, Welyki Krywtschyki/Великі Кривчиці, Lysynytschi/Лисиничі, Majoriwka/Майорівка/Meier, Pohuljanka/Погулянка, Snesinnja/Знесіння, Kajserwald/Кайзервальд/Kaiserwald, Zetneriwka/Цетнерівка und Jaliwez/Ялівець)
  • Rajon Franko (mit den Stadtteilen Na bajkach/На байках, Bohdaniwka/Богданівка, Kulparkiw/Кульпарків/Goldberghof, Kasteliwka/Кастелівка und Wulka/Вулька)
  • Rajon Schewtschenko (mit den Stadtteilen Holosko/Голоско, Samarstyniw/Замарстинів/Sommersteinhof, Sbojischtscha/Збоїща, Rjasne/Рясне, Klepariw/Клепарів/Klopperhof, Hawryliwka/Гаврилівка oder Pidsamtsche/Підзамче)
  • Rajon Sychiw (mit den Stadtteilen Sychiw/Сихів, Passiky/Пасіки, Pyrohiwka/Пирогівка, Koselnyky/Козельники, Bodnariwka/Боднарівка, Nowyj Lwiw/Новий Львів, Persenkiwka/Персенківка und Snopkiw/Снопків)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Lemberg
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
41
 
-2
-9
 
 
41
 
-1
-7
 
 
41
 
4
-3
 
 
49
 
12
3
 
 
76
 
18
8
 
 
97
 
21
11
 
 
101
 
23
13
 
 
75
 
22
12
 
 
54
 
19
9
 
 
46
 
13
4
 
 
44
 
6
0
 
 
54
 
0
-5
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Lemberg
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -2,4 -1,0 3,9 12,3 18,3 21,0 23,0 21,9 18,9 12,9 5,6 -0,3 Ø 11,2
Min. Temperatur (°C) -8,7 -7,2 -3,2 2,9 8,1 10,9 12,8 12,0 8,8 4,0 0,2 -5,4 Ø 3
Niederschlag (mm) 41 41 41 49 76 97 101 75 54 46 44 54 Σ 719
Sonnenstunden (h/d) 1,8 2,7 3,9 5,4 7,8 7,7 8,1 7,4 6,0 4,6 1,7 1,5 Ø 4,9
Regentage (d) 9 8 10 10 11 12 11 10 9 9 10 12 Σ 121
Luftfeuchtigkeit (%) 85 86 81 77 72 72 74 77 78 81 89 87 Ø 79,9
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
-2,4
-8,7
-1,0
-7,2
3,9
-3,2
12,3
2,9
18,3
8,1
21,0
10,9
23,0
12,8
21,9
12,0
18,9
8,8
12,9
4,0
5,6
0,2
-0,3
-5,4
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lviv region, Державна служба статистики України (Statistisches Amt der Ukraine)
  2. Die Urkunden und Akten der Land- und Obervogteien. B.III.
  3. Monumenta Poloniae Historica III 200
  4. Die Urkunden und Akten der Land- und Obervogteien. Die Bände und Akten für den Zeitraum 14.Jh. bis 1772.
  5. Armenien. 5000 Jahre Kunst und Kultur., Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen 1995, S. 466
  6. Andreas R. Hofmann, Anna Veronika Wendland: Stadt und Öffentlichkeit in Ostmitteleuropa 1900–1939: Beiträge zur Entstehung moderner Urbanität zwischen Berlin, Charkiv, Tallinn und Triest. Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 978-3-515-07937-2, S. 158
  7. Österreichische Nationalbibliothek, Gesetzblätter im Detail
  8. N. N.: Das Corpsleben auf der Universität Czernowitz im Buchenland. Erinnerungen eines Czernowitzer Corpsstudenten. Einst und Jetzt, Bd. 8 (1963), S. 151–157
  9. Martin Pollack: Nach Galizien. Verlag Christian Brandstätter, Wien 1984 und 1994, ISBN 3-85447-075-4, S. 194
  10. Mission of The United States to Poland, Henry Morgenthau, Sr. Report in der englischsprachigen Wikisource
  11. Ergebnisse der Volkszählungen der K. K. Statistischen Central-Kommission u. a., in: Anson Rabinbach: The Migration of Galician Jews to Vienna. Austrian History Yearbook, Volume XI, Berghahn Books/Rice University Press, Houston 1975, S. 46/47 (Table III)
  12. Ethnografische Karte Polens
  13. Roman Szporluk: Russia, Ukraine, and the Breakup of the Soviet Union. Hoover Institution Press, 2000, ISBN 0-8179-9542-0
  14. Національний склад Львівського воєводства за переписом 1931 року
  15. Населення Східної Галичини за переписом 1900 року
  16. Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
  17. Ukrainischer Premier Asarow schließt Verbot von Partei Swoboda nicht aus
  18. Krim-Krise: OSZE schickt 100 Beobachter in die Ukraine, Spiegel Online am 22. März 2014
  19. OSZE entsendet Beobachtermission in Ukraine, RIA Novosti am 22. März 2014
  20. Eleonora Narvselius: Ukrainian Intelligentsia in Post-Soviet L'viv: Narratives, Identity, and Power. S. 329
  21. Beschreibung bei worldrecordsacademy.org, Artikel vom 14. Januar 2009, abgerufen am 8. August 2010
  22. Lwiw ist erste Kulturhauptstadt der Ukraine

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lemberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Lemberg – Reiseführer