Otto Neurath
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Otto Neurath (* 10. Dezember 1882 in Wien; † 22. Dezember 1945 in Oxford) war ein österreichischer Philosoph und Ökonom.
Er studierte zuerst in Wien, dann in Berlin Mathematik, Ökonomie, Geschichte und Philosophie. 1906 heiratete er seine Kommilitonin Anna Schapire, die Schriftstellerin, Lyrikerin und Frauenrechtlerin. Mit ihr schrieb er das Lesebuch der Volkswirtschaftslehre, das 1910 in Leipzig veröffentlicht wurde. Seine Frau starb 1911 bei der Geburt ihres Kindes Paul. Neurath wurde 1907 in Berlin promoviert, war zwischenzeitlich im österreichischen Kriegsministerium in der Wirtschaftsabteilung tätig und gleichzeitig Direktor des Kriegswirtschaftsmuseums in Leipzig. 1917 habilitierte er sich für politische Ökonomie in Heidelberg.
In der Münchner Räterepublik war er Präsident des Zentralwirtschaftsamtes, wurde aber nach deren Ende im Mai 1919 wegen Hochverrats zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Er wurde allerdings vorzeitig entlassen und nach Wien abgeschoben. Dort organisierte er mit dem Siedlungs- und Kleingartenverband Selbsthilfe gegen die Wohnungsnot. Eine Ausstellung führte zur Gründung des auch heute noch existierenden Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums.
Zusammen mit dem Grafiker Gerd Arntz entwickelte er die Isotype, die Wiener Methode der Bildstatistik.
Er gehörte dem linken Flügel des Wiener Kreises als Vertreter eines pragmatischen, wissenschaftstheoretischen Ansatzes an. Eines der zentralen Anliegen des Wiener Kreises war die Einheitswissenschaft. Neurath hatte eine enzyklopädische Vorstellung von der Einheit der Wissenschaft. Er war Anhänger des Physikalismus und sah die Sprache der Einheitswissenschaft als keine präzise, reine Sprache. Er strebte eine Universalsprache an, welche sowohl wissenschaftliche als auch alltägliche Begriffe enthalten sollte. Das Ziel seiner Enzyklopädie definierte er nicht nur darin, das Gerüst der Wissenschaft darstellen, sondern auch neue Wege damit bahnen zu wollen. Man kann von einer pragmatischen Vorstellung von der Einheit der Wissenschaft sprechen. Neurath ging es darum, die Gesetze zu systematisieren, um Voraussagen treffen zu können. Anhand der Voraussagen, könnte man sein Handeln darauf abstimmen. Bei ihm wurde die Einheitswissenschaft zu einer Art Instrument.
Ein ähnliches Projekt wurde von Rudolf Carnap (ebenfalls Mitglied des Wiener Kreises) beschrieben. Neurath kritisierte ihn in einigen Punkten, doch die größte Problematik offenbarte Neurath in der Protokollsatzdebatte.
Einige Jahre später änderte Neurath sein eigenes Konzept und trat damit das Erbe der französischen Enzyklopädisten (unter anderem Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d’Alembert) an. Diese neue Enzyklopädie sollte aus einzelnen Artikeln bestehen, die dank eines Meinungsaustausches zwischen den verschiedenen Mitarbeitern soweit wie möglich vernetzt werden sollten.
Nach den Ereignissen des 12. Februar 1934 und der Errichtung des austrofaschistischen Ständestaates emigrierte er zunächst in die Niederlande nach Den Haag, musste aber 1940 weiter nach England flüchten, um seine Arbeit fortzusetzen, wo er 1945 in Oxford starb.
[Bearbeiten] Literatur
Ouelbani, Mélika (2005): Carnap und die Einheit der Wissenschaft. In: Nemeth, Elisabeth; Roudet, Nicolas (Hrsg., 2005): Enzyklopädien im Vergleich. Wien; New York: Springer, S. 205-220.
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Otto Neurath im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Otto Neuraths revolutionäre Methode der Bildpädagogik von Frank Hartmann
- Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum
- Neuerscheinung zur visuellen Sprache Neuraths
- Bibliography Pictorial Statistics
- Radiosendung zu Otto Neurath
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Neurath, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Philosoph, Soziologe und Ökonom |
| GEBURTSDATUM | 10. Dezember 1882 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 22. Dezember 1945 |
| STERBEORT | Oxford |

