Ovambo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt eine Bevölkerungsgruppe in Namibia und Angola. Für die entsprechende Bantusprache siehe Oshivambo.

Die Bantu-Gesellschaft der Ovambo [1] ist die zahlenmäßig stärkste Bevölkerungsgruppe Namibias und ist auch im unmittelbar angrenzenden äußersten Süden Angolas die größte ethnische Gruppe. Die Ovambo leben vorwiegend in der namibisch-angolanischen Grenzregion Nordzentralnamibia, das in der deutschen Kolonialzeit und unter der südafrikanischen Besatzung Ovamboland genannt wurde. Die Region liegt zwischen Südangola und dem Etoscha-Nationalpark in Namibia. Etwa ein Viertel der Ovambo lebt in der südangolanischen Provinz Cunene.

Die Ovambo werden in zwölf Gruppen eingeteilt. Die acht im namibischen Teil des Ovambolandes lebenden Gruppen sind die Kwanyama, Ndonga, Kwambi, Ngandjera, Mbalanhu, Kwaluudhi, Eunda und Kolonkdhi, die 1994 etwa 670.000 Angehörige ausmachten. In Angola sind die Kwanyama (portugiesisch Cuanhama) die mit großem Abstand wichtigste Gruppe; neben ihnen haben dort zahlenmäßig noch die Kwamato (Cuamato) und die Kwangar (Cuangar) Bedeutung, während die Evale, die Kafima (Cafima) und die Ndombondola Restgruppen darstellen.

Die Sprache der Ovambo ist das Oshivambo. Dieses wird allerdings in Angola nur in der Form der Dialekte gesprochen, die den verschiedenen Gruppen eigen sind.


Wirtschaft und Gesellschaft[Bearbeiten]

Das Abstammungssystem der Ovambo ist matrilineal, was bedeutet, dass der mütterlichen Linie die weitaus größte Bedeutung zukommt.[2]

In vorkolonialer Zeit, und auch noch lange Zeit unter dem Einfluss auswärtiger Mächte, praktizierten die Wambo Polygamie, wobei ein Mann normalerweise zwei bis vier Ehefrauen hatte. Der Mann lebte dabei mit seinen Frauen in einer Art Hofstaat zusammen, innerhalb dessen jede Ehefrau über ihren eigenen Wohnbereich verfügte, wo sie mit ihren Kindern lebte. Polygamie wird, wenn auch "inoffiziell", in Einzelfällen bis heute praktiziert.[2] Zusätzlich zu unmittelbar familiären Verbindungen sind die Wambo in Familienklans organisiert, wobei, aufgrund des matrilinealen Abstammungssystems, der mütterliche Klan generell als der wichtigste betrachtet wird.[3]

Eheschließungen basieren traditionell einerseits auf Klan-Exogamie und andererseits auf Gruppenendogamie, was bedeutet, dass Eheschließungen zwischen Mitgliedern der gleichen Gruppe willkommen sind, während Eheschließungen zwischen Mitgliedern desselben Klans ungern gesehen werden.[3]

Traditionell leben die Ovambo in runden, mit Palisaden versehenen, Häusern zwischen den Oshanas, zeitweiligen Seen in der Regenzeit. Sie sind größtenteils Landwirte und züchten Rinder, Ziegen und Schafe. Die Viehzucht ist eine Domäne der Männer, während die Frauen Fingerhirse (Mahangu) anpflanzen, woraus Brei und Bier hergestellt wird. Daneben werden Sorghum, Mais, Bohnen und Kürbisse angebaut. Beides wird traditionell als Subsistenzwirtschaft betrieben. Viele, vor allem Männer, arbeiten zudem seit der Zeit der Apartheid, aber auch im heutigen Namibia, als Wanderarbeiter in südlicheren namibischen Industrien und auf Farmen. In den letzten Jahren wurde wegen der hohen Bevölkerungsdichte des Ovambo und des daraus resultierenden Landmangels die Subsistenzwirtschaft immer mehr aufgegeben und die Wambo werden Teil eines nationalen Arbeitsmarktes. Dadurch wuchsen auch lokale Zentren wie Oshakati, Ongwediva und Ombalantu heran.

Die Volksgruppen der Ovambo haben historisch mehrere kleine Königreiche gebildet die in Namibia während der südafrikanischen Besatzung teilweise abgeschafft wurden, heute aber wieder als traditionelle Führer, Teil des politischen System Namibias sind. Zu Zeiten der Apartheid bis 1980 wurde das Stammland der Ovambonamibier durch das sogenannten Homeland Ovamboland verwaltet. Die Ovambo bilden mit mehr als 50 Prozent die absolute Mehrheit der Bevölkerung Namibias. In Angola wurde das kleine Reich der Kwanyama von den Portugiesen nach heftiger Gegenwehr aufgelöst, erhielten die traditionellen Führer (wie im gesamten Territorium) jedoch eine gewisse Anerkennung im Kolonialsystem; diese Tradition ist im nachkolonialen Angola wieder aufgenommen worden.

Die aktuelle Regierungspartei Namibias, die SWAPO, hat ihre Wurzeln im Owambo (90 Prozent Stimmanteil) und ist die Nachfolgeorganisation der 1957 gegründeten Ovamboland Volksorganisation (OPO). Sowohl der erste Präsident Namibias, Samuel Nujoma, wie auch der seit 2005 regierende neue Präsident, Hifikepunye Pohamba, sind ihrer ethnischen Zugehörigkeit nach Wambo.

Berühmte Ovambonamibier[Bearbeiten]

Könige der Ovambo in Namibia[Bearbeiten]

Politiker[Bearbeiten]

Sportler[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Paul: Wirtschaft und Besiedelung im südlichen Amboland. In: Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Museums für Länderkunde zu Leipzig, N. F. 2, 1933. Mit Literaturangaben.
  • Joachim Fernau, Kurt Kayser und Johannes Paul (Herausgeber): Afrika wartet. Ein kolonialpolitisches Bildbuch. Rütten & Loening Verlag, Potsdam 1942 (Mit Fotografien von Johannes Paul von der geographische Forschungsreise 1927-1930 in das Amboland zu den Ovambo).
  • Nick Santross, Gordon Baker, Sebastian Ballard: Namibia Handbook; Bath (England): Footprint Handbooks, 20013; ISBN 1-900949-91-1; Seite 360
  • Ulf G. Stuberger: Ich war ein weisser Farmer in Afrika; München: Herbig, 2008
  • Ulf G. Stuberger & Savelia Stuberger: Owambo - Leben in Namibia Shaker, Aachen 2009, ISBN 978-3-86858-505-6
  • Ramiro Ladeiro Monteiro, Os Ambós de Angola antes da Independência, Instituto Superior de Ciências Sociais e Políticas/Universidade Técnica de Lisboa, Lissabon, 1994
  • Maria Helena Figueiredo Lima, Nação Ovambo, Editorial Aster, Lissabon, 1977
  • José Redinha, Etnias e Culturas de Angola, Luanda: Instituto de Investigação Científica de Angola, 1975

Quellenverzeichnis[Bearbeiten]

  1. Das Präfix "Ova-" drückt den Plural aus. Die Wurzel ist Ambo. Ova-Ambo wird kontrahiert zu Ovambo.
  2. a b Davies G. (1994), The Medical Culture of the Ovambo of Southern Angola and Northern Namibia, PHDThesis, University of Kent at Canterbury, HTML-Datei, keine Seitenzahl-Angabe, mit Links zu den jeweils als PDF-Datei zugänglichen Kapiteln [1], 10. März 2012. (englisch)
  3. a b Twedten I. und Nangulah S. (1999), Social Relations of Poverty: A Case-Study from Owambo, Namibia, Chr. Michelsen Institute – Development Studies and Human Rights, Bergen, Norway, PDF-Datei, 68 Seiten [2] (PDF; 4,1 MB), 10. März 2012. (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]