Paramyxoviridae

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paramyxoviridae
Masernvirus in der Dünnschicht-TEM
Systematik
Reich: Viren
Ordnung: Mononegavirales
Familie: Paramyxoviridae
Taxonomische Merkmale
Genom: (-)ssRNA linear
Baltimore: Gruppe 5
Symmetrie: helikal
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Paramyxoviridae (engl.)
Links
NCBI Taxonomie: 11158
ICTVdB Virus Code: 01.048
Aufbau der Paramyxoviridae

Die Familie Paramyxoviridae umfasst behüllte Viren mit einer einzelsträngigen, linearen RNA mit negativer Polarität als Genom. Die Familie Paramyxoviridae entstand aus der veralteten taxonomischen Gruppe der Myxoviren (gr. myxa: Schleim) durch Abgrenzung (gr. para: neben) von den „echten Myxoviren“ (Orthomyxoviridae). Zu den Paramyxoviridae gehören Virusspezies, die das respiratorische System selbst betreffen (z. B. das Respiratory-Syncytial-Virus der Unterfamilie Pneumovirinae) oder von ihm aus ihren Ausgang nehmen (Spezies der Unterfamilie Paramyxovirinae). Daher werden Paramyxoviridae nicht durch Vektoren und fast ausschließlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dies sind bei Säugetieren und Vögeln weit verbreitete und wichtige Erkrankungen wie z. B. die Staupe und die Newcastle-Krankheit, beim Menschen sind es Infektionen wie Masern, Mumps und Parainfluenza.

Morphologie[Bearbeiten]

Virionen[Bearbeiten]

Die Virionen der Paramyxoviridae haben meist eine runde Gestalt und sind etwa 150 nm im Durchmesser groß. Auch unregelmäßig geformte oder fadenförmige (filamentöse) Formen sind beschrieben.

Virushülle[Bearbeiten]

Die Virushülle stammt direkt von der äußeren Zellmembran (ähnlich wie bei Retroviren) und umgibt ein helikales Kapsid. In die Virushülle sind 2 bis 3 transmembranäre Glykoproteine eingelagert. Mehrere gleiche Membranproteine lagern sich zu Oligomeren zusammen und bilden sog. Spikes von 8-12 nm Länge und einem Abstand von 7-10 nm (je nach Gattung). Diese bilden nach außen ein Fusionsprotein zum Eindringen in die Zellmembran und ein Protein zur Kontaktaufnahme (Attachment) an die Zelle. Ein nicht-glykosyliertes Membranprotein befindet sich stets bei den Paramyxoviridae mit seinem Hauptanteil nach innen gerichtet und kleidet so die Hülle von innen aus (sog. Matrixproteine).

Das Kapsid (ein Ribonukleokapsid) ist 13 bis 18 nm dick und kann je nach Länge des verpackten RNA-Stranges bei manchen Spezies bis 1000 nm lang sein. Obwohl man aufgrund von Verpackungsfehlern während der Virusvermehrung auch mehrfache Kapside in einer Hülle finden kann, ist doch überwiegend nur ein Kapsid und ein RNA-Strang pro Virion vorhanden. Im Virion befindet sich auch stets mindestens ein Molekül der viralen RNA-Polymerase und manchmal Teilstücke einer komplementären (+)ssRNA.

Genom[Bearbeiten]

Das virale Genom besteht aus einer einzelsträngigen RNA mit negativer Polarität. Die Länge der RNA ist ungewöhnlich konstant und innerhalb der Gattungen sehr ähnlich. Sie beträgt etwa 13 kB (Genus Metapneumovirus) bis 18 kB (Genus Henipavirus), bei den meisten Paramyxoviren meist um 15 kB. Betrachtet man die Länge einzelner Mitglieder der Unterfamilie Paramyxovirinae genauer, so folgt diese einer bei Viren ungewöhnlichen Gesetzmäßigkeit, der Teilbarkeit durch die Zahl 6: z. B. Mumpsvirus 15.384 nt, Newcastle-Disease-Virus 15.156 nt. Diese Vielfachen der Zahl 6 sind in einem besonderen Mechanismus der RNA-Vermehrung bei diesen Viren begründet.[1]

Biologische Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Paramyxoviridae können Säugetiere und Vögel infizieren. Es gibt noch nicht klassifizierte, jedoch den Paramyxoviren nahestehende Viren bei Fischen (Lachse der Gattung Oncorhynchus) und Reptilien [2]. Bei der Vermehrung lösen Paramyxoviridae die Zelle auf und sind damit cytolytisch. Die einzelnen Virusspezies sind sehr eng an ihren jeweiligen Wirt angepasst und können daher kaum von einer Wirtsspezies auf eine andere übertragen werden. Üblicherweise verursachen Paramyxoviridae eine akute und selbstlimitierende Infektion, die von einem nicht beeinträchtigten Immunsystem des Wirtes wieder eliminiert wird. Eine chronische oder persistierende Infektion ist als Sonderfall nur beim Masernvirus (als Subakute sklerosierende Panenzephalitis) und beim Caninen Staupevirus (bei Hunden Erregerpersistenz und Ausscheidung über Monate) beschrieben.

Systematik[Bearbeiten]

  • Familie Paramyxoviridae

Neben den klassifizierten Spezies umfasst die Familie Paramyxoviridae weitere, noch keinem Genus zugeordnete Spezies:

Literatur[Bearbeiten]

  • C.M. Fauquet, M.A. Mayo et al.: Eighth Report of the International Committee on Taxonomy of Viruses, London, San Diego 2005
  • David M. Knipe, Peter M. Howley et al. (eds.): Fields´ Virology, 4. Auflage, Philadelphia 2001

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. D. Kolakofsky, T. Pelet et al.: Paramyxovirus RNA synthesis and the requirement for hexamer genome length: the rule of six revisted. Journal of Virology (1998) 197, 1-11
  2. J. Franke, S. Essbauer, W. Ahne, S. Blahak: Identification and molecular characterization of 18 paramyxoviruses isolated from snakes. Virus Research (2001) 28;80: 67-74