Paul Rostock

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Paul Rostock als Angeklagter im Nürnberger Ärzteprozess

Paul Rostock (* 18. Januar 1892 in Kranz, Landkreis Meseritz; † 17. Juni 1956 in Bad Tölz) war ein deutscher Chirurg und KZ-Arzt. Ab 1943 war er der „Beauftragte für medizinische Wissenschaft und Forschung" des „NS-Generalkommissars für das Sanitäts- und Gesundheitswesen“ Karl Brandt.

Ärztliche und wissenschaftliche Karriere[Bearbeiten]

Paul Rostock studierte an der Universität Greifswald Medizin; 1921 promovierte an der Universität Jena zum Dr. med. Anschließend arbeitete er als Arzt in der chirurgischen Klinik der Universität Jena. Von 1927 bis 1933 war Rostock Oberarzt am Krankenhaus „Bergmannsheil“ in Bochum, wo er Karl Brandt kennenlernte. Ab 1933 war Rostock ärztlicher Direktor in Berlin. 1935 wurde er Privatdozent für Chirurgie. 1936 wurde für ihn eine außerplanmäßige Stelle als Professor eingerichtet.[1]

Am 1. Mai 1937 trat Rostock in die NSDAP (Nr. 5.917.621) ein. 1939 wurden ihm die Aufgaben eines beratenden Chirurgen der Wehrmacht übertragen. Am 20. Februar 1940 trat er dem Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebund (Mitglieds-Nr. 31.569) bei. 1941 wurde Rostock dann Professor und Leiter der II. Chirurgischen Universitätsklinik an der Ziegelstraße in Berlin, an der Karl Brandt als stellvertretender medizinischer Direktor und weitere prominente NS-Chirurgen tätig waren. 1942 wurde Rostock Dekan der medizinischen Fakultät an der Universität Berlin. 1943 berief ihn der „NS-Generalkommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen“ Karl Brandt zu seinem „Beauftragten für medizinische Wissenschaft und Forschung".[1]

Beteiligung an Menschenversuchen[Bearbeiten]

Mit Karl Brandt, Siegfried Handloser, Oskar Schröder, Karl Genzken, Eugen Haagen und anderen NS-Funktionsträgern war Paul Rostock an der Planung und Durchführung verschiedener medizinischer Versuchsreihen an Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen beteiligt: In der Zeit von Dezember 1941 bis Februar 1945 an Typhusepidemie-Immunisierungsversuchen im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, zwischen Juni 1943 und Januar 1945 an Experimenten des Kriminaltechnischen Instituts (KTI) der Sicherheitspolizei zur Erforschung der epidemischen Gelbsucht und zur Entwicklung eines entsprechenden Impfschutzes in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Natzweiler sowie in der Zeit von Juli bis September 1944 an Meereswasserversuchen zugunsten der Luftwaffe im Konzentrationslager Dachau in der biochemischen Versuchsstation im Krankenrevier Block 1.[2]

Nürnberger Ärzteprozess[Bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte Rostock als hochrangiger NS-Arzt zu den im Nürnberger Ärzteprozess angeklagten Personen, denen die Planung und die Organisation von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen wurden. Er wurde in diesem Verfahren von Rechtsanwalt Dr. Hans Pribilla verteidigt. Durch das Urteil des amerikanischen Militärtribunals vom 20. August 1947 wurde Rostock freigesprochen.[3]

Nach seiner Haftentlassung ließ sich Rostock in Bayern nieder. Ab 1948 war er als Chefarzt im Versehrtenkrankenhaus in Possenhofen tätig. 1949 wurde er Chefarzt des Richard-Wagner-Krankenhauses in Bayreuth.

Werke[Bearbeiten]

  • Lehrbuch der speziellen Chirurgie. Leipzig 1941. 690 S.
  • Erkennung und Behandlung der Knochenbrüche und Verrenkungen. Leipzig 1942, 370 S.
  • Unfallbegutachtung. 2. umgearb. Auflage Berlin 1951. 109 S.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b aus: Winfried Süss: „Der ’Volkskörper’ im Krieg: Gesundheitspolitik, Gesundheitsverhältnisse und Krankenmord im nationalsozialistischen Deutschland 1939 – 1945 München, 2003, ISBN 3486567195
  2. Medizinische Experimente an Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen Quelle: Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"
  3. The Nuremberg Trials: The Doctors Trial Nürnberger Ärzteprozess (engl.)