Bad Tölz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Tölz
Bad Tölz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Tölz hervorgehoben
47.76027777777811.556666666667658Koordinaten: 47° 46′ N, 11° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Bad Tölz-Wolfratshausen
Höhe: 658 m ü. NHN
Fläche: 30 km²
Einwohner: 17.946 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 598 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83646
Vorwahl: 08041
Kfz-Kennzeichen: TÖL, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 73 112
Stadtgliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Schloßplatz 1
83646 Bad Tölz
Webpräsenz: www.bad-toelz.de
Bürgermeister: Josef Janker (CSU)
Lage der Stadt Bad Tölz im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Starnberger See Ammersee Österreich Landkreis Ebersberg Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Landsberg am Lech Landkreis Miesbach Landkreis München Landkreis Rosenheim Landkreis Starnberg Landkreis Weilheim-Schongau Wolfratshauser Forst Pupplinger Au Pupplinger Au Bad Heilbrunn Bad Tölz Benediktbeuern Bichl Dietramszell Egling Eurasburg (Oberbayern) Gaißach Geretsried Greiling Icking Jachenau Kochel am See Königsdorf (Bayern) Lenggries Münsing Reichersbeuern Sachsenkam Schlehdorf Wackersberg WolfratshausenKarte
Über dieses Bild

Bad Tölz ist die Kreisstadt des oberbayerischen Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Kurort liegt an der Isar, rund 50 Kilometer südlich von München.

Geografie[Bearbeiten]

Bad Tölz liegt im mittleren Isartal, am nördlichen Eingang zum Isarwinkel, von wo man einen herrlichen Blick auf die bayerischen und Nordtiroler Kalkalpen hat. Zu Tölz gehören seit der Gemeindegebietsreform die Ortsteile Kirchbichl, Ellbach und Flinthöhe. Die Nachbargemeinden sind:

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Bad Tölz

Geschichte[Bearbeiten]

Blick von Gaißach nach Süden (Bayerische und Tiroler Kalkalpen)

Die heutige Stadt Bad Tölz wurde 1155 erstmals urkundlich als Tolnze (nach Hainricus de Tolnze) erwähnt und geht auf eine römische Siedlung zurück (andere Quellen erwähnen die Namen Tollenz und Tellenzen). Erneut besiedelt wurde das Gebiet von Bajuwaren im 9. Jahrhundert am östlichen Isarufer (das Gries ist der älteste Stadtteil), fiel jedoch den marodierenden Ungarn zum Opfer.

Kupferstich von Tölz von Matthäus Merian (1644)

An der Stelle des heutigen (ehemaligen) Knabenschulhauses, errichtete Heinrich von Tollenz, der aus Döllnitz nahe Pressath in der Oberpfalz stammte, um 1180 die erste Tölzer Burg. Ab 1281 wurden im Urbar des Herzogtums Baiern das Gries, die Burg und die Mühlen am Ried als Markt bezeichnet und etwa zum gleichen Zeitpunkt entstand die erste Isarbrücke über den damals noch reißenden Fluss.

Die Wälder der Umgebung waren Grundlage für das Gewerbe der Flößerei. Die Zunft der Flößer verfügte über 24 Meister und zahlreiche Gesellen in Tölz.

Blick auf Bad Tölz und die Isar vom Kalvarienberg

Im Jahre 1331 erfolgte die Verleihung des Marktrechts durch Kaiser Ludwig den Bayern. 1374 wurde das erste Siegel des Tölzer Marktes, das Sigillum Civium In Tollentze verliehen, das heutige Stadtwappen. Durch den Salzhandel Richtung Allgäu und Reichenhall, gelangte Tölz zu Wohlstand. „Der große Brand“ vernichtete 1453 die Marktstraße, Stadtpfarrkirche, Burg und Teile des Grieses. Nach dieser Feuersbrunst wurde mit großer Hilfe von Herzog Albrecht III., der insbesondere durch seine Liebe zu Agnes Bernauer bekannt wurde, die Marktstraße in Stein neu errichtet, und 1460 entstand eine neue Burg. Nach dem Brand leiteten Kaspar I. Winzerer, sowie später dessen Sohn Kaspar II. Winzerer und Enkel Kaspar III. Winzerer als Pfleger, Ritter und Lehnsherr die Geschicke von Tölz, machten sich um die Stadt verdient und waren bei der Bevölkerung beliebt (siehe deren Hauptartikel). Noch 40 Jahre vor dem Erlass des berühmten bayerischen Reinheitsgebotes begann im Jahre 1476 in Tölz die Biersiederei.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt 1632 von schwedischen Truppen verwüstet und die Blütezeit der für ihre Kunstschreiner bekannten Handwerker- und Flößerstadt (Tölzer Kästen) dadurch beendet. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges war der Markt Tölz, vor allem durch die Pest, fast völlig entvölkert.

Bad Tölz um 1900
Krankenheil um 1900

Mitte des 17. Jahrhunderts gab es in Tölz bereits 22 Brauereien, mit Absatz bis ins Werdenfelser Land und nach Tirol. Hauptabnehmer wurde die Stadt München (8.730 Eimer Bier im Jahr 1782). Während des Spanischen Erbfolgekrieges, in dem die Österreicher Bayern besetzten, stand Tölz im Mittelpunkt des Aufstandes der Oberländer Bauern. In der Sendlinger Mordweihnacht fand diese Erhebung 1705 ihr tragisches Ende. 1742 fielen unter Oberst Trenk Truppen der Panduren und Tollpatschen infolge des Österreichischen Erbfolgekrieges in Tölz ein, wurden aber von Isarwinkler Bauern vertrieben. Ab 1750 erlebten Flößerei und Holzhandwerk eine erneute Blütezeit. Dabei wurden Holz, Kalk und Möbel aus dem Isarwinkel auf der Isar (und Donau) bis nach München, Wien und Budapest transportiert.

Infolge eines schweren Unwetters stürzten 1770 weite Teile des Schlosses an der oberen Marktstraße ein. Das Schloss war ein Ausbau der letzten Burg. Es wurde jedoch nicht wieder aufgebaut, sondern deren Steine wurden auf der Isar nach München transportiert und dort in der Residenz verbaut. Das Schloss befand sich an der Stelle des heutigen Schlossplatzes und des neuen Rathauses. 1861 entstand auf dem Griesfeld das schlossartige Städtische Krankenhaus, das das damalige Krankenhaus am Krottenbach von 1822 ablöste. Es wurde 1889 erweitert und blieb das Städtische Krankenhaus, bis es 1990 seinerseits von einem großen, modernen Bau im Badeteil abgelöst wurde (heutige Asklepios Stadtklinik).

Bahnhof Bad Tölz

1874 wurde die Bahnstrecke Holzkirchen–Tölz als Vicinalbahn eröffnet. Das erste Bahnhofsgebäude, komplett aus rotem Backstein, entstand im selben Jahr. Nach dem Weiterbau der Strecke nach Lenggries 1924 wurde zeitgleich im Südosten der Stadt ein neuer, größerer Bahnhof errichtet. Architekt war der Münchener Georg Buchner. Die alten Bahnanlagen wurden daraufhin aufgegeben. An ihrer Stelle befindet sich heute die Fach- und Berufsoberschule und im weiteren Verlauf die Eisenburger Straße.

Im Jahre 1846 entdeckte der Jaudbauer am Blomberg am Sauersberg Deutschlands stärkste Jodquellen. Bald darauf bestätigte Sendtner diese Entdeckung. Ein Aufschwung des westlich der Isar gelegenen Ortsteils Krankenheil durch den aufkommenden Badebetrieb setzte ein, und am 20. Juni 1889 wurde dem Ort Bad Tölz der Titel „Bad“ verliehen.[2] Der Münchner Architekturprofessor Gabriel von Seidl belebte ab 1903 das Stadtbild von Tölz durch neue Bauten. Durch ihn entstanden neue Gebäude, Fassadenmalereien und große Umgestaltungen, die das Bild der Stadt bis heute prägen. Ab 1. Juni 1905 nahm die erste Kraftpostlinie Deutschlands ihren ständigen Betrieb zwischen Bad Tölz und Lenggries auf. Eine weitere positive Entwicklung erlaubte es Prinzregent Luitpold, am 14. Oktober 1906 dem Markt Bad Tölz das Stadtrecht zu verleihen. Im selben Jahr wurde Franz Edler von Koch Direktor der „Krankenheiler Jodquellen A.G.“

Nach dem Bau des Walchenseekraftwerkes 1924 führte die Isar kaum noch genug Wasser zur Flößerei. Durch den Bau des Sylvensteinspeichers in den Jahren von 1954 bis 1959 wurde der Fluss weiter gezähmt. 1928 wurde der EC Bad Tölz gegründet, der sich später zu einem der traditions- und erfolgreichsten bayerischen Eishockeyvereine entwickelte und damit der Grundstein gelegt, Tölz den Ruf einer Eishockeystadt zu geben. 1934 entstand das Natureisstadion, das 1952 zum Kunsteisstadion umgebaut wurde.

Ehemalige SS-Junkerschule in Bad Tölz im Jahr 1946

Im Dritten Reich nahm 1934 die erste der SS-Junkerschulen in Bad Tölz den Lehrgangsbetrieb auf. Mitte 1940 wurde in Bad Tölz ein Außenlager des KZ Dachau errichtet. 1940/41 wurde in Bad Tölz und Umgebung aus Einheimischen die 97. Jägerdivision Spielhahnjäger aufgestellt. Diese kam im Russlandfeldzug, in Polen, der Ukraine und im Kaukasus zum Einsatz und wurde bei Kriegsende 1945 in der Tschechoslowakei aufgelöst. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges stand Tölz unmittelbar vor einer Bombardierung durch die Alliierten, vor allem aufgrund der im Ort ansässigen SS-Junkerschule. Doch aufgrund der dichten Wolkendecke und des starken Schneefalls mussten die alliierten Bomber 3 km vor dem Ort wieder abdrehen. Dieses Ereignis, das manche Einheimische noch heute als „Wunder von Tölz“ bezeichnen, führte dazu, dass der riesige Reichsadler, der ein Hakenkreuz in den Krallen hielt und an der Isarbrücke stand, nach dem Krieg eingeschmolzen und zum Dank in eine Marienstatue gegossen wurde, die heute den Brunnen in der unteren Marktstraße ziert.

Bad Tölz und die Isar vom Kalvarienberg aus gesehen, gestaltet von Helmuth Ellgaard 1951. Er hatte sein Atelier an der Marktstraße von 1949 bis 1953.

Am 27. März 1945 wurde in Bad Tölz noch die 38. SS-Grenadier-Division „Nibelungen“ aufgestellt, überwiegend aus Angehörigen der Junkerschule und der Hitlerjugend. Bis in die letzten Kriegstage lieferte sich in Bad Tölz und Umgebung die SS-Division „Götz von Berlichingen“ Gefechte mit den anrückenden US-amerikanischen Streitkräften. Dabei wurden die Isarbrücke und Teile der unteren Marktstraße stark beschädigt.

Isarbrücke und Kalvarienberg

Nach Kriegsende wurde die SS-Junkerschule von den US-amerikanischen Streitkräften übernommen. Der US-General George S. Patton übernahm nach dem Krieg das Amt des Militärgouverneurs von Bayern und regierte vorübergehend von Bad Tölz aus. Zum Gedenken an einen gefallenen Freund taufte er die Junkerschule in Flint-Kaserne um. Bis zum Abzug 1991 war die Flint-Kaserne neben einer Ingenieursschule auch europäischer Stützpunkt der Special Forces, vulgo Green Berets. Über dem Haupteingang prangte der Schriftzug „Cleanest American Camp In Europe“. Die Kaserne existiert heute nicht mehr. Es sind nur noch einige Grundzüge der Architektur erkennbar, da die Stadt ab Ende der 1990er mit einer großangelegten Umgestaltung begann. Dort finden sich heute unter dem Namen Flint-Center diverse Ämter, Geschäfte und Gaststätten, das Polizeirevier und die architektonisch reizvolle „Schnecke“ (deren Baukosten vom Bund der Steuerzahler moniert wurden).

Im Jahr 1956 wurde der Tölzer Knabenchor in der Stadt gegründet. 1969 wurde Bad Tölz als Heilklimatischer Kurort und 2006 als Moorheilbad anerkannt. Mit dem Alpamare eröffnete 1972 in Tölz Europas erstes Erlebnisbad. Mit einer weitläufigen Rutschenlandschaft, dem Brandungswellenbad, der Indoor-Surfanlage und dem Jodbecken ist das Alpamare überregional bekannt. Die 1996 bis 2009 gesendete Fernsehserie Der Bulle von Tölz machte die Stadt vor allem außerhalb Bayerns sehr populär und beliebt. 2005 wurde das neue Eisstadion, die moderne Hacker-Pschorr-Arena (mit zwei Eisflächen) eröffnet. Dieses löste das alte Peter-Freisl-Stadion, den sogenannten Wellblechpalast, ab und dient auch als Austragungsort von Veranstaltungen wie Konzerten und Messen.

Eingemeindungen

Am 1. Mai 1978 wurden im Rahmen der Gebietsreform Teile der aufgelösten Gemeinden Kirchbichl und Oberfischbach eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat der Stadt Bad Tölz besteht aus 25 Stadträten. Die Kommunalwahlen am 16. März 2014 ergaben folgende Zusammensetzung des Stadtrats:

Partei Stadträte
CSU 10
FWG 8
GRÜNE 4
SPD 3

Aus ihren Reihen wurde Andreas Wiedemann (FWG) zum 2. Bürgermeister und Christof Botzenhart (CSU) zum 3. Bürgermeister gewählt.

Erster Bürgermeister ist Josef Janker (CSU).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bad Tölz unterhält Städtepartnerschaften zum französischen Vichy in der Auvergne (seit 1963), zum italienischen San Giuliano Terme in der Toskana (seit 2001) und zur österreichischen Marktgemeinde Mayrhofen im Zillertal.

Religionsgemeinschaften[Bearbeiten]

Im Gemeindegebiet von Bad Tölz gehören rund 10.700 Einwohner der römisch-katholischen Kirche an. Der Pfarrverband von Bad Tölz besteht aus den Pfarrgemeinden Maria Himmelfahrt Bad Tölz, Hl. Familie Bad Tölz und St. Martin Ellbach. Darüber hinaus ist die Pfarrei St. Nikolaus der Gemeinde Wackersberg dem Pfarrverband angeschlossen. Der Pfarrverband befindet sich in der Erzdiözese München und Freising (Region Süd).

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Tölz stellt die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in Bad Tölz. Sie gehört neben elf weiteren Gemeinden dem evangelisch-lutherischen Dekanat Bad Tölz (ca. 35.000 Mitglieder) an.

Andere christliche Konfessionen sind durch die altkatholische Teilgemeinde Bad Tölz (Pfarrei München), die Freie Christengemeinde Bad Tölz und die Neuapostolische Kirche vertreten. Die islamische Gemeinde, die Zeugen Jehovas sowie mehrere buddhistische Gruppen [4] stellen weitere Religionsgemeinschaften in Bad Tölz dar.


Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Durch Bad Tölz führen die Bundesstraße 13 von Würzburg zum Sylvensteinspeicher und die Bundesstraße 472, ein Teil der Deutschen Alpenstraße, von Marktoberdorf nach Irschenberg.

Eine 2,5 km lange Nordumfahrung für die überlasteten Bundesstraßen 472 und 13 ist als vordringlicher Bedarf im Bundeswegeplan enthalten. Die Baukosten werden auf 8,5 Mio. Euro projektiert.[5]

Bahnverkehr[Bearbeiten]

Bad Tölz liegt an der eingleisigen Bahnstrecke Holzkirchen–Lenggries. Der Bahnhof Bad Tölz wird im Stundentakt durch die Züge der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) von München Hauptbahnhof nach Lenggries bedient. In der Hauptverkehrszeit wird durch zusätzliche Verstärkerzüge ein Halbstundentakt angeboten.

Busverkehr[Bearbeiten]

Es halten folgende Regional- und Stadtbuslinien des Oberbayernbus und des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) am Bahnhof oder am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB).[6]

Linie Bezeichnung Verlauf
377 MVV WolfratshausenEglingAscholdingBad Tölz
379 MVV Wolfratshausen – Geretsried (– Königsdorf) – Bad Tölz
9553 Oberbayernbus HolzkirchenSachsenkamSchaftlachWaakirchenReichersbeuernBad TölzObergriesLenggries
9557 Oberbayernbus Bad Tölz – Reichersbeuern – Waakirchen – GmundBad Wiessee – Weißach – Rottach-EgernTegernsee
9564 Oberbayernbus Bad TölzArzbach – Lenggries
9565 Stadtbus 2 Bad Tölz Bahnhof – Flinthöhe – Lettenholzsiedl – Karwendelsiedlung – Bad Tölz ZOB
9568 Oberbayernbus Holzkirchen – OtterfingDietramszellBad Tölz
9570 Stadtbus 1 Bad Tölz BahnhofBad Tölz ZOB / Altstadt – Kurviertel – Oberfischbach
9575 Stadtbus 3 Bad Tölz Bahnhof – Altstadt – Friedhof – Gewerbegebiet Farchet
9593 Oberbayernbus HolzkirchenSachsenkamSchaftlachWaakirchenReichersbeuernBad TölzObergriesLenggries
9612 Oberbayernbus KochelBenediktbeuern – Bad Heilbrunn – Bad Tölz

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Marktstraße

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Als Bildungszentrum des südlichen Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen verfügt die Stadt über eine große Schuldichte. Hierzu gehören neben drei Grundschulen, eine Hauptschule, eine Realschule und das Gabriel-von-Seidl-Gymnasium. Hinzu kommen eine Schule für Lernbehinderte sowie eine Schule für geistig Behinderte. Ebenfalls in Tölz ansässig sind das Berufsbildungszentrum für Maurer und Zimmerer, die Staatliche Berufsschule sowie eine Fachoberschule.

Zudem bietet die Fachhochschule für angewandtes Management auf ihrem Campus Bad Tölz verschiedene Studiengänge an.

Ämter[Bearbeiten]

Seit der bayerischen Kreisreform des Jahres 1972 konzentrieren sich die Ämter des Landkreises in den Städten Bad Tölz und Wolfratshausen. Die Hauptstelles des Landratsamtes und Forstamtes befinden sich in Bad Tölz. Vom Finanzamt und Vermessungsamt sind Außenstellen in der Stadt angesiedelt.

Freizeit und Sport[Bearbeiten]

Die Stadt Bad Tölz ist für ihren hohen Freizeitwert bekannt. Neben dem Erlebnisbad Alpamare verfügt die Stadt über ein Hallen- und Naturfreibad. In der näheren Umgebung befinden sich mehrere Golfplätze sowie Klettermöglichkeiten. Das DAV-Kletterzentrum Oberbayern Süd befindet sich in Bad Tölz. Die Stadt liegt am Knotenpunkt mehrerer Radwanderwege. Hierzu gehören die Via Bavarica Tyrolensis, der Isarradweg sowie der Bodensee-Königssee-Radweg. Ein sportliches Aushängeschild der Stadt ist der Eishockeysport und die hier beheimateten Tölzer Löwen. In der für Heimspiele genutzten Hacker-Pschorr Arena finden 4.300 Personen Platz.

Das im Jahr 1908 gegründete Theater wird heute als Marionettentheater bespielt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bad Tölz im Sommer 2003
Untere Marktstraße

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Bad Tölz

Sehenswert ist das Ensemble der Marktstraße mit den breitgelagerten Häusern der Tölzer Kaufleutefamilien und Patrizier im barocken Stil, welche allesamt mit Fassadenmalereien (Lüftlmalerei) geschmückt sind. Hervorzuheben sind dabei der Khanturm von 1353, die alte Posthalterei von 1600, das Sporerhaus, das Moralthaus und das Alte Rathaus mit dem Zwiebelturm aus dem 15. Jahrhundert, das ehemalige Mädchenschulhaus (1843 bis 1982) von 1588, der Marienstift, das Höckhenhaus und das Pflegerhaus Kaspar Winzerers des II. von 1485. Im Keller des heutigen Metzgerbräus (Burgkeller) unterhalb der Stadtpfarrkirche sind bis heute Gewölbeüberreste der ersten Tölzer Burg erhalten. Das letzte Tölzer Schloss stand, bis es 1770 wegen eines Unwetters zu weiten Teilen einstürzte, an der Stelle des heutigen Schlossplatzes und des neuen Rathauses, das 1772 erbaut wurde und ab 1779 als Sitz des Landrichters diente.

An ihrem oberen, östlichen Ende befindet sich das 1887 errichtete Denkmal für Kaspar Winzerer III, genannt der "Goldene Ritter". Er war Landpfleger in Tölz. Gleichzeitig dient dieses Denkmal als Andenken an die sechs gefallenen Tölzer des Deutsch-Französischen Krieges. Ebenfalls am Beginn der Marktstraße befindet sich im prunkvollen Heimat- und Bürgerhaus von 1602 das Stadtmuseum. Dieses Heimat- und Bürgerhaus dient auch als Kulisse für das Polizeipräsidium der Fernsehserie „Der Bulle von Tölz“.

Fassade des Marienstifts

Weiter hinab in Richtung Isar liegt die spätmittelalterliche Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, das älteste bestehende Bauwerk des Isarwinkels (erbaut 1454), die 1875 bis 1877 den neugotischen Turm erhielt und deren Ausstattung teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammt. Die Stadt im Norden überblickend liegt der Kalvarienberg mit der Heilig-Kreuz-Kirche, einer interessanten Doppelkirchen-Anlage des 18. Jahrhunderts (erbaut 1735), der Heiliggrabkapelle (Nachbildung der Scala Santa in Rom) und der Leonhardikapelle. Diese Kapelle wurde 1718 zu Ehren des Heiligen Leonhards und der Gefallenen des Bauernaufstandes von 1705 errichtet. Zudem ist sie das Ziel der alljährlich seit 1855 am 6. November stattfindenden Leonhardifahrt, mit mehr als 80 Wagen und jährlich rund 25.000 Besuchern, die größte ihrer Art. Dort verläuft ebenfalls einen Kreuzweg, der wie die Kalvarienbergkirche vom reichen Salzbeamten Nockher gestiftet wurde. Auf diesem Kalvarienberg befand sich im Mittelalter und der frühen Neuzeit auch eine der beiden Hinrichtungsstätten in Tölz, woran heute noch der Name Galgenleite erinnert.

Vom Kalvarienberg bietet sich ein Panoramablick über den Isarwinkel, bis in das Karwendelgebirge. Östlich der Marktstraße befindet sich die Mühlfeldkirche (Wallfahrtskirche Maria Hilf, erbaut 1736) mit einem Fresko der Tölzer Pestprozession von Matthäus Günther im Altarraum und einem Zwiebelturm. Im Badeteil der Stadt, westlich der Isar, liegen der Kurpark, der Streidlpark und der Rosengarten. Ebenso befinden sich dort die Franziskanerkirche (erbaut 1624), die ebenfalls als Kloster dient, sowie die evangelische Johanneskirche (erbaut 1879/80), mit einem Deckengemälde von Hubert Distler von 1970 und einem Altarbild von Lovis Corinth von 1898.

Auf einer Anhöhe über der Stadt, Richtung Wackersberg, steht das Ehrenmal der Spielhahnjägerdivision. Dieses Denkmal wurde dort 1957 an Stelle eines Pavillons (genannt Belvedére) errichtet und dient zum Gedenken an mehr als 10.000 im Zweiten Weltkrieg gefallene Spielhahnjäger.

Marktstraße
Wandelhalle

Als Bindeglied zwischen der Tölzer Altstadt und dem Badeteil dient die Isarbrücke. Diese wurde im Laufe der Jahrhunderte häufig erneuert und umgestaltet. Sehenswert sind im Badeteil zudem das Flößerdenkmal und die 1929-1930 von Heinz Moll neu errichtete Wandelhalle, die größte Europas (110 m lang). Außerdem wurde im Badeteil das Kurhaus, dessen Entwurf von Gabriel von Seidl stammt, erbaut. Allerdings konnte der 1913 verstorbene Baumeister die Fertigstellung nicht mehr miterleben, weshalb sein Bruder Emanuel von Seidl dessen Arbeit übernahm.

Stiege in der Kalvarienbergkirche

Ebenfalls interessant sind der letzte verbliebene historische Kalkofen nahe dem Isarufer beim Jägerwirt, sowie der 1906 eingeweihte Waldfriedhof (nachdem die alten Friedhöfe um den Tölzer Kirchen aus hygienischen und Platzgründen nach und nach aufgelöst wurden). Etwas im Schatten der berühmten Marktstraße, aber einen Besuch wert, ist das Gries, mit seinen engen, verwinkelten, mittelalterlichen Gassen und Plätzen und den zahlreichen Brunnen. Dieser Stadtteil, der älteste von Tölz, diente einst als Wohn- und Herbergsort der Handwerker (vor allem Flößer, Kalkbrenner, Siebmacher, Fischer, Köhler und Tischler). Weil sich viele der armen Handwerker damals kein eigenes Haus leisten konnten, besaßen oder mieteten diese oft nur ein Stockwerk. Daher gibt es heute noch an vielen Häusern im Gries die auffallenden Holztreppen an der Außenwand der Häuser.

Da Tölz im Laufe seiner Geschichte mehrmals von verheerenden Großbränden heimgesucht wurde, wurde zu Ehren des Heiligen Florian der Floriansbrunnen am Fritzplatz erbaut. Um das Finanzamt zu verspotten, wurde dessen bunte Holzskulptur mit entblößtem Hintern dargestellt.

Skulptur des Heiligen Florian mit entblößtem Hintern

Einst war Tölz mit seinen zeitweise 22 Brauereien bekannt für sein Bier und Hauptlieferant für München. Der Vorteil der Region waren die kühlen Lagerkeller, isoliert und in Flussnähe. Tölz wurde auf Tuff erbaut, München hingegen auf Kies. Mit der Erfindung der ersten Kompressionskältemaschine durch Carl von Linde 1873 war dieser Vorteil verloren und andernorts neu entstandene Brauereien minderten den Absatz merklich, und so begann der Abstieg. Zeitweilig gab es in Tölz keine Brauerei mehr. Die letzte historische Brauerei, die Grünerbrauerei (gegründet im Jahr 1603) schloss 2005 ihre Pforten und wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Tölzer Bier gibt es bis heute, allerdings stammt dieses aus Kaltenberg. Unzählige Gebäude- und Gassennamen erinnern in Bad Tölz bis heute an die Geschichte der Brauereien. 2008 wurde unweit der ehemaligen Grünerbrauerei, von einem ehemaligen Brauer des Klosters Reutberg eine neue Brauerei unter dem Namen Mühlfeldbräu gegründet. [7]

Weitere Einrichtungen[Bearbeiten]

In der Stadt finden sich mehrere Bibliotheken. Hierzu gehören die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv, die Kurbibliothek im Badeteil sowie die Pfarrbücherei. Im Kulturhaus Alte Madlschule und im Kunstturm und Kunstpark am Flint-Center finden Ausstellungen sowie Lesungen statt. Das Tölzer Marionettentheater am Schlossplatz besteht seit 1908 und ist damit eines der traditionsreichsten Figurentheater in Deutschland. Ab dem Winter 2013 wird dem Marionettentheater das einzige Zeiss- Planetarium im sübayrischen Raum angegliedert. Seit 2009 befindet sich in Bad Tölz das Simulationszentrum für die Berg- und Luftrettung der Bergwacht Bayern. Die weltweit erste derartige Simulationsanlage bietet den Vorteil, dass weitgehend auf Schulungen an echten Hubschraubern verzichtet werden kann.[8][9]

Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Kalvarienberg

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

In Bad Tölz finden regelmäßig Veranstaltungen statt, die einen überregionalen Charakter besitzen. Hierzu gehören die bekannte Leonhardifahrt, der Christkindlmarkt sowie die Tölzer Rosentage.

Die Villa Mann

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Das Winzerer-III-Standbild, modelliert von F. Schwarzgruber, gegossen bei Ferdinand von Miller

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Friedrich Nockher (* 1669; † 1754), Salzbeamter und Stifter der Kalvarienbergkirche
  • Franz Hanfstaengl (* 1804; † 1877), Maler, Lithograf und Fotograf
  • August Moralt (* 1811; † 1886), Tischlermeister
  • Anton Krettner (* 1849 in München; † 27. November 1899 in Bad Tölz), Komponist und Bürgermeister
  • Thomas Mann (* 1875; † 1955), Schriftsteller, besaß hier von 1906 bis 1917 eine Sommervilla, die heutige Villa Mann; ein Jahr vor Ende des Ersten Weltkrieges veräußerte er sie gegen eine Kriegsanleihe
  • Erika Mann und Klaus Mann, Schriftsteller und Schauspieler, verlebten in der elterlichen Villa Jugendjahre
  • Rupert Egenberger (* 1877; † 1959), Begründer des Sonderschulwesens in Bayern; verstorben in Bad Tölz
  • Hans von Hentig (* 1887; † 1974), Kriminologe
  • Grethe Weiser (* 1903; † 1970), Schauspielerin, starb nach einem Verkehrsunfall im Stadtkrankenhaus Bad Tölz
  • Jakob Ostler (* 1907; † 1970), Kurat des alten Städtischen Krankenhauses
  • Norbert Schultze (* 1911; † 2002), Komponist und Dirigent
  • Marie-Luise Schultze-Jahn (* 1918; † 2010), Mitglied der Weißen Rose
  • Gregor Dorfmeister (* 1929) Journalist und Schriftsteller, wuchs in Tölz auf; über seine Zeit in Hitlerjugend und Volkssturm berichtete er im teilweise autobiografischen Buch Die Brücke
  • Karl Herder und Max Höfler, Begründer des Kurbades
  • Kristian Schultze (1945–2011), Komponist, Arrangeur, Keyboarder und Musikproduzent, lebt seit 2002 in Bad Tölz
  • Ottfried Fischer (* 1953), Kabarettist und Schauspieler, als Hauptfigur in Der Bulle von Tölz steigerte er mit vielen weiteren Schauspielern die Bekanntheit von Bad Tölz bundesweit und auch international
  • Rupert Berger, Stadtpfarrer (1968–1997), Liturgiewissenschaftler
  • John Friedmann (* 1971), Schauspieler, wuchs in Bad Tölz auf

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Tölz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Tölz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 428
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 569.
  4. Buddhistische Gruppe der Diamantwegslinie
  5. Bundesverkehrswegeplan, S. 91, http://www.bmvbs.de/cae/servlet/contentblob/34258/publicationFile/957/bayern.pdf
  6. Liniennetzplan des Oberbayernbus (PDF; 2,1 MB) auf rvo-bus.de
  7. http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/neues-leben-toelzer-brauereitradition-90808.html
  8. http://www.bergwacht-bayern.org/uploads/media/Mappe_Simulationszentrum.pdf
  9. http://www.bw-zsa.org/fileadmin/user_upload/Oeffentlichkeit/einweihung1.pdf