Perlboote

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Perlboote
Nautilus im Aquarium Berlin

Nautilus im Aquarium Berlin

Systematik
Überstamm: Lophotrochozoen (Lophotrochozoa)
Stamm: Weichtiere (Mollusca)
Klasse: Kopffüßer (Cephalopoda)
Unterklasse: Altkopffüßer (Palcephalopoda)
Ordnung: Nautiliden
Familie: Perlboote
Wissenschaftlicher Name der Ordnung
Nautilida
Agassiz, 1847
Wissenschaftlicher Name der Familie
Nautilidae
Blainville, 1825

Die Familie der Perlboote fasst in den Gattungen Nautilus und Allonautilus die letzten sechs heute noch lebenden Arten der Ordnung der Nautiliden zusammen, eines Taxons, das fossil in einer ungeheuren Artenfülle nachgewiesen ist. Die Nautiliden gehören zur Klasse der Kopffüßer und stellen hier die ursprünglichsten Formen dar. Die ersten Nautiliden tauchten gegen Ende des Kambriums auf, also vor etwa 500 Millionen Jahren. Die Nautiliden hatten im Ordovizium eine Radiationsphase. Ein ordovizischer Vertreter ist z. B. Lituites. Es wird davon ausgegangen, dass die heutigen Arten alle eine einzige Stammart gemeinsam haben, die das Massenaussterben der Nautiliden überlebt hat.

Die Perlboote unterscheiden sich von den anderen heute lebenden Kopffüßern durch eine Reihe von Merkmalen, die jedoch größtenteils als ursprüngliche Merkmale, also Merkmale der Stammart aller Kopffüßer, angesehen werden.

Merkmale[Bearbeiten]

Schema eines Perlbootes: Das Tier lebt in der Wohnkammer (unten), die Kammern des Phragmokons (oben) sind gasgefüllt.
Tentakel der Perlboote
Längsschnitt Schale mit Kammern
Nautiloiden im Sealife, München

Das auffallendste Merkmal ist die aufgerollte, variable gefärbte Schale, deren Innenraum gekammert ist. Die Kammern sind durch Zwischenwände („Septen“) voneinander getrennt. Zentral durch diese Kammern führt ein so genannter Siphunculus (auch Sipho), der die Kammern mit Gas versorgt und so eine Regulation des Auftriebs ermöglicht. Bildet das Tier eine neue Kammer, so ist diese um den Faktor 1,08 größer als die Vorige. So entsteht unter anderem die Spiralform. Die Schale ist dreischichtig: unter dem äußeren Periostracum, dem Schalenhäutchen aus dem Glykoprotein Conchin, liegt die äußere Prismenschicht (Ostracum) aus prismatischem Aragonit. Die innere Schicht, das Hypostracum, besteht wie die Septen aus Perlmutt.

Das Tier selbst „bewohnt“ immer nur die letzte Kammer, die zugleich auch die jüngste ist. Durch die Schale ist eine schnelle Fortbewegung ausgeschlossen; entsprechend bewegen sich Perlboote immer in einer wippenden Art mit weniger als zwei Zentimetern pro Sekunde fort. Bei Gefahr kann die Schale mit der sogenannten Haube verschlossen werden, indem sich der Körper in die Kammer zurückzieht und die Haube wie eine Falltüre zuklappt.

Perlboote besitzen weit mehr Tentakel oder Cirren als alle anderen Kopffüßer. Sie besitzen bis zu 47 Fangarmpaare, die um die Mundöffnung in zwei Ringen angeordnet sind. Zwei weitere Paare stehen seitlich der Augen. Anders als etwa bei Kalmaren sind die Tentakeln nicht mit Saugnäpfen versehen, stattdessen sondern sie ein klebriges Sekret ab, um Beute festzuhalten.

Die großen Augen der Perlboote liegen seitlich unterhalb der Haube, hinter den Fangarmen. Im Unterschied zu anderen rezenten Kopffüßern handelt es sich hierbei nicht um Linsenaugen, sondern um Lochaugen, die durch ein enges Loch mit dem äußeren Wasser direkt verbunden sind. Die Mantelhöhle mit den zwei Paaren der Kiemen (deshalb werden die Nautiliden auch als Tetrabranchiata bezeichnet) und den Ausführgängen der Nieren und des Geschlechtstraktes liegt an der Basis der Kammer. Chromatophore sowie Tintendrüsen sind nicht vorhanden.

Perlboote weisen starke Ähnlichkeiten mit den ausgestorbenen Ammoniten auf, die eine ähnliche, oft auch eine nahezu identische Kammerung besaßen.

Ausgewachsenen Perlboote erreichen Durchmesser von bis zu 23 cm und ein Gewicht von durchschnittlich 1.675 g. Adulte Männchen sind stets breiter und größer als adulte Weibchen. Das maximale Alter kann bis zu 20 Jahre betragen.

Verbreitung und Verhalten[Bearbeiten]

Die rezenten Arten leben im westlichen Pazifik und in einigen Bereichen des Indischen Ozeans, ausschließlich im tropischen Bereich und vor allem am Hang von Riffen. Sie sind Teil des Benthos und sind in Meerestiefen von 0 bis 500 m zu finden. Optimal scheint eine Tiefe zwischen 150 m und 300 m zu sein. Die Tiefe wird bestimmt durch Prädatoren und die Temperatur: eine Wassertemperatur von über 25° C scheint letal zu sein. Theoretisch liegt die untere Grenze der Verbreitung bei rund 800 m, wo die Schale implodieren würde. Fossile Nautiliden kann man beispielsweise in sedimentären Geschieben Norddeutschlands und Ostdeutschlands an Steilküsten, auf Äckern und auf Lesesteinhaufen finden.

Perlboote ernähren sich als nächtliche Räuber vor allem von kleinen Krebsen, aber auch von Aas und selten von kleinen Fischen. Tagsüber verstecken sich die Tiere in der Regel. Die Zahl der Männchen ist größer als die der Weibchen.

Gefährdung und Nutzung[Bearbeiten]

Perlboote sind vor allem durch das Sammeln der Schale gefährdet, die ein beliebtes Souvenir und Sammlerstück u.a. in Indonesien und Fidschi darstellt. Mindestens zwei Arten der Perlboote dienen als Lebensmittel und werden mittels Fallen gefangen.

Systematik[Bearbeiten]

Perlboote werden als die letzten Vertreter einer ehemals sehr erfolgreichen Gruppe häufig als lebende Fossilien bezeichnet, ein irreführender Begriff, da natürlich auch die heutigen Perlboote eine Reihe von Veränderungen in ihrer eigenen Evolution durchgemacht haben. Allerdings belegen Funde aus dem Eozän, dass es sehr ähnliche Tiere, die der gleichen Artengruppe zugerechnet werden, bereits vor 38 Millionen Jahren gab; andere gehen von den ersten Nautilus-Arten bereits zum Ende der Kreide vor etwa 60 Millionen Jahren aus.

Es existieren sechs oder sieben rezente Arten der Perlboote in zwei Gattungen:

Allonautilus scrobiculatus wurde erst 1997 aufgrund auffallender morphologischer Unterschiede (Weite des Nabels und Form des Querschnittes) von Ward und Saunders als eigene Gattung beschrieben, wobei der von Conrad im Jahr 1849 beschriebene Nautilus perforatus wegen seiner großen morphologischen Ähnlichkeit ebenfalls in die neu geschaffene Gattung Allonautilus gestellt wurde. A. perforatus, der nur von leeren Schalen bekannt ist, unterscheidet sich von A. scrobiculatus lediglich durch eine deutliche Querrippung, durch zahlreiche "Riefen", die vom Nabel aus über die gesamte Schale zum Nabel der gegenüberliegenden Seite ziehen.

Kunst, Mathematik und Symbolkraft[Bearbeiten]

Nautilus-Pokale im Castello Sforzesco in Mailand
Wappen Neukaledoniens

Nautiloiden waren in der kretominoischen Kunst ein beliebtes Schmuckmotiv und besonders im Meeresstil häufig abgebildet.

Zur Zeit der Renaissance waren Prunkgefäße aus Nautilussschalen, gefasst in Gold und andere Edelmetalle, als Nautiluspokale beliebt. Eine Nautilusschale ist zudem in dem offiziellen Hoheitszeichen des französischen Überseegebietes Neukaledonien enthalten.

Der Nautilus ist ein bekanntes Beispiel für mathematische Formen in der Natur. Das schneckenförmige Kalkgehäuse vieler Nautiloiden besitzt bei mathematischer Betrachtung eine ähnliche Steigung wie der Goldene Schnitt oder die Goldene Spirale.

Auch in der Literatur ist der Nautilus gerade wegen seiner hohen Symbolkraft weit verbreitet, wie etwa die Nautilus des bekannten Schriftstellers Jules Verne. Die Nautilus ist ein U-Boot, das in mehreren Romanen auftaucht und unter dem Kommando von Kapitän Nemo steht.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Mehrere US-amerikanische Kriegsschiffe trugen den Namen Nautilus, darunter die USS Nautilus (SSN-571), das erste nukleargetriebene U-Boot der Welt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  P. Jereb, C.F.E. Roper (Hrsg.): Cephalopods of the world. An annotated and illustrated catalogue of cephalopod species known to date. Volume 1. Chambered nautiluses and sepioids (Nautilidae, Sepiidae, Sepiolidae, Sepiadariidae, Idiosepiidae and Spirulidae) (= FAO Species Catalogue for Fishery Purposes. No. 4, Vol. 1). Rome 2005, ISBN 92-5-105383-9, Kapitel 2. Chambered Nautiluses, S. 51ff (PDF, 611kB).

Weblinks[Bearbeiten]