Persische Briefe

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Frontispiz der Ausgabe von 1754

Persische Briefe (Lettres Persanes) ist ein berühmter und zu seiner Zeit viel gelesener Briefroman von Charles de Secondat, Baron de Montesquieu. Er erschien 1721 anonym in Amsterdam und wurde bald danach von der Zensur verboten. In den 161 Briefen, die der Roman umfasst, spricht Montesquieu schon viele der geschichts- und staatsphilosophischen Themen an, die er später weiter ausarbeiten wird. Heute gilt das kleine Werk als ein Schlüsseltext der Aufklärung.

Den Inhalt des Romans bildet die fiktive Korrespondenz zweier fiktiver Perser, Usbek und Rica, die angeblich 1711 Persien verlassen und über die Türkei und Italien nach Frankreich gelangen, wo sie sich bis 1720 vor allem in Paris aufhalten und Briefe mit Daheimgebliebenen wechseln. Hierbei schildern sie – dies ist der aufklärerische Kern des Werkes - ihren Korrespondenzpartnern die kulturellen, religiösen und politischen Verhältnisse vor allem in Frankreich und besonders in Paris mit einer Mischung aus Staunen, Kopfschütteln, Spott und Missbilligung. Daneben findet Montesquieu Gelegenheit, aus den unterschiedlichen Perspektiven seiner Briefschreiber und auch der Antwortenden weitere der Aufklärung wichtige Themen zu behandeln, wie Religion und Priestertum, Sklaverei, Polygamie, u.a.m. Darüber hinaus flicht er um die zu Hause gebliebenen Haremsdamen Usbeks einen romanesken Handlungsstrang ein, der durchaus zum Erfolg des Buches beitrug.

Intention des Autors war, seine Leserschaft die Sitten und Gebräuche sowie die religiösen und politischen Institutionen seines Heimatlandes Frankreich aus einer distanzierten und kritischen Außensicht betrachten zu lassen, und „fremde“ Verhältnisse mit den eigenen zu vergleichen. Die Sicht Montesquieus, gleichsam die „Hülle“ des Ganzen, entspricht den Vorstellungen der ersten Generation der Philosophen der Aufklärung. Das Werk propagiert die Ideen des Kulturrelativismus.

Dass er seine Reisenden aus Persien kommen und auch Haremsdamen auftreten lässt, erklärt sich unter anderem daraus, dass der Orient nach dem Erfolg der Geschichten aus Tausend und einer Nacht (1704–08) zu dieser Zeit in Mode war.

Bearbeitungen[Bearbeiten]

Ludwig Plakolb, Bearbeiter der Eipeldauer-Briefe (1785–1813; von Nachfolgern fortgeführt bis 1821), weist darauf hin, dass als deren formales Vorbild die Lettres persanes und das im Nachlass von Montesquieus Sohn verzeichnete, ebenfalls vielgelesene Werk L'espion turc dans les cours des princes chrétiens; Giovanni Paolo Marana, 1684[1] anzusehen sind.

Herbert Rosendorfer variiert den formalen Ansatz der Lettres in seinem Roman Briefe in die chinesische Vergangenheit.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Plakolb gibt für dieses Exemplar, wohl fälschlich, ‚1764‘ an. Das Werk war jedoch vielfach aufgelegt worden.

Weblinks und Quelle[Bearbeiten]

 Commons: Persische Briefe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien