Peter Mitterhofer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Peter Mitterhofer

Peter Mitterhofer (* 20. September 1822 in Partschins, Südtirol; † 27. August 1893 ebenda) war ein österreichischer Zimmermann und als Erfinder Konstrukteur verschiedener Schreibmaschinenmodelle. Technische Details wie in seinen Entwicklungen ließen Christopher Latham Sholes und Carlos Glidden 1868 in den USA unabhängig von Mitterhofer als Eigenentwicklung patentieren und schufen die Grundlage zur Serienfertigung der ersten gebrauchsfähigen Schreibmaschinen.

Leben[Bearbeiten]

Wohnhaus und Werkstatt von 1862-1893

Peter Mitterhofer wurde als ehelicher Sohn der Ehefrau Anna, geborene Gschwenter und des Tischlers und Pächters der Säge der Gemeinde Partschins, Peter Mitterhofer geboren und besuchte die dortige Dorfschule.

Peter Mitterhofer erlernte im Hause seines Vaters das Tischler- und Zimmermannshandwerk. Nachdem er lange Zeit daheim gearbeitet hatte, begab er sich 1849 auf die Handwerkerwalze, wobei er u. a. Österreich, Deutschland, die Schweiz und Frankreich bereiste[1]. Spätestens 1860 war er zurück in Partschins[2] und wohnte im Teisenhaus, was ihm den Übernamen Teisenpeter einbrachte[3]. 1862 heiratete er die verwitwete 46-jährige Zimmermannstochter Marie Steidl und übernahm die in die Ehe eingebrachte Zimmerei in Partschins.[4] Dieses Haus steht unter Denkmal-[5] und Ensembleschutz.

Neben seiner Arbeit als Zimmermann trat der musikalische Mann als Sänger und Bauchredner auf und baute einige teilweise selbsterdachte Musikinstrumente. Er erfand er auch eine Schubkarre, die sich sehr einfach in eine Rückentrage umfunktionieren ließ, sowie eine Waschmaschine.

Die Entwicklungen seiner Schreibmaschinen[Bearbeiten]

1864 begann Mitterhofer mit der Entwicklung seiner ersten Schreibmaschine die er bis 1869 durch weitere Modelle verbesserte.

Modell 1 - 1864 - Modell Wien[Bearbeiten]

1864, Schreibmaschine des Peter Mitterhofer

Seine erste Maschine, das „Wiener Modell 1864“, verfügte über 30 Tasten. Die Großbuchstaben wurden durch Nadelspitzen gebildet, die das Papier perforierten. Der Apparat sollte offensichtlich nur als Versuch dienen. Der Direktor des Meraner Museums, Franz Innerhofer kaufte diesen 1905 von den Erben Mitterhofers und schenkte ihn 1913 dem Technischen Museum Wien, wo er sich seitdem befindet. [6]

Modell 2 - 1865 - Modell Dresden[Bearbeiten]

Die zweite Maschine, das „Dresdner Modell“, steht in den Technischen Sammlungen der Stadt Dresden[7]. Sie besitzt im Wesentlichen die gleichen Konstruktionsmerkmale des ersten Modells und ist hauptsächlich aus Holz gefertigt, nur für Typenkorb und die Typen wurde Metall verwendet. Die Typen dieser ersten Modelle waren aus abgebrochenen Nadeln zusammengesetzt und perforierten das Papier.

Modell 3 - 1866 - verschollen[Bearbeiten]

Mit dem dritten Modell machte sich Mitterhofer Ende 1866 auf den Weg nach Wien, um bei Kaiser Franz Joseph eine Unterstützung zur Vervollkommnung der Erfindung zu erhalten. In der dem schriftlichen Gesuch beigefügten Beschreibung der Maschine schreibt Mitterhofer wie folgt (aus Ernst Martin: Die Schreibmaschinen und ihre Entwicklungsgeschichte):

„Dieser Apparat bildet einen regelmäßigen rechtwinkeligen Körper, dessen Länge 30 Zoll, Breite 14 Zoll und Höhe 11 Zoll beträgt; die äußere Verkleidung des Apparates ist aus Holz gefertigt, nach oben zu wird der Apparat durch einen Schubdeckel der Länge nach zum Gebrauche geöffnet. […]

Die wesentlichen Vorteile des Apparates sind folgende:

1. Es wird durch die Anwendung desselben durch die schnellere Herstellung der Schrift an Zeit gewonnen; die Schrift ist immer gleich schön und gleich deutlich und gleichmäßig, und erfordert beiläufig den vierten Teil an Raum von der gewöhnlichen Kanzleihandschrift; daher ein bedeutendes Ersparnis an Papier erzielt wird und ist die Druckschrift für Jedermann leserlich.

2. Ist mit der Anwendung des Apparates keinerlei Anstrengung der Augen und der Brust verbunden, wie dies beim Schreiben mit der Feder unvermeidlich ist. Denn das einfache Berühren der Tasten mit den Fingern kann in ganz bequemer sitzender oder stehender Stellung und bei einiger Übung selbst im Dunkeln ganz leicht geschehen, und selbst Blinde können mittels dieses Apparates ohne besondere Anstrengung in einigen Tagen das Schreiben mit selben erlernen. Der Apparat wird daher jenen, die an Augen- oder Brustschwäche leiden, von unberechenbarem Vorteile sein und viele talentvolle Leute, welche sonst ihren Pflichten aus oben genannten Gebrechen nicht mehr oder nur ungenügend entsprechen können, werden ihrem Berufe erhalten bleiben.

3. Da die Anwendung dieses Apparates fast ohne Anstrengung vonstattengeht, wird derselbe auch allen jenen vorzüglichen Dienste leisten, welche mit geistiger Kraft arbeiten, wie zum Beispiel Diplomaten, Konzeptbeamten, Advokaten, Notaren, Schriftstellern, Dichtern usw., denn diese können ihre ganze Aufmerksamkeit ihrer geistigen Arbeit zuwenden.

4. Dieser Apparat wäre auch zum Gebrauche ambulanter Feldkanzleien aus dem Grunde sehr praktisch, weil er alles, was zum Schreiben gehört, in sich vereinigt, leicht transportabel ist, einen geringen Raum einnimmt, Feder und Tinte ganz entbehrlich macht, und mittels selben in allen Witterungsverhältnissen schnell geschrieben werden kann; selbst dann wenn die Hand kalt und zum Schreiben mit der Fender untauglich wäre. Nicht minder gute Dienste würde derselbe auch für Kanzleichefs und Beamte zur Ausfertigung von Präsidial- oder Reservatsschreiben, welche strenge Geheimhaltung erheischen, leisten, weil man während des Schreibens den Apparat mit dem Deckel insoweit schließen kann, dass niemand Unberufener Einsicht in die Schrift nehmen kann; auch könnte sich mancher Chef, der eine minder gut leserliche Schrift besitzt, manchen hochwichtigen Akt selbst kopieren, um das Amtsgeheimnis strenge zu bewahren.

5. Können auch Kranke und Bettlägerige mit diesem Apparat schreiben, indem man sich denselben in die Nähe des Bettes stellen lässt; nicht minder eignet sich derselbe für Individuen, welche nur eine Hand haben, denn auch diese werden mittels des Apparates ganz leicht und schnell schreiben können.

6. Endlich ist derselbe auch für den Geschäftsverkehr und in ökonomischer Beziehung wichtig für jene Individuen, welche beim Licht entweder gar nicht oder nur schwer schreiben können, oder eine schwere Hand besitzen, von großem Vorteil. Mittels dieses Apparates geschriebene Schriftstücke erleichtern auch den Schriftsetzern in Buchdruckereien wegen der großen Deutlichkeit die Arbeit. […]“

aus Ernst Martin: Die Schreibmaschinen und ihre Entwicklungsgeschichte

Mitterhofer erhielt am 25. Februar 1867 150 Gulden bewilligt.[9] Am gleichen Tag wurde ihm auch seine Maschine wieder ausgehändigt.[10]

Nach einer Erwähnung in den Innsbrucker Nachrichten im Dezember 1867 ist der weitere Verbleib dieser Schreibmaschine ungeklärt. Lediglich der Transportkasten, mit dem Mitterhofer diese nach Wien brachte, ist erhalten.[11]

Modell 4 - 1866 - Modell Meran[Bearbeiten]

Nummer 4 war das „Meraner Modell 1866“. Es wurde aus Metall gefertigt, und erstmals wurde mit Umschaltung für große und kleine Buchstaben sowie Ziffern gearbeitet. Seit dem Ankauf durch Franz Innerhofer befindet es sich im Meraner Stadtmuseum.

Da das 3. Modell Mitterhofers verschollen ist, hat man bis in die 1970er Jahre geglaubt, er wäre mit dem "Meraner Modell" 1866 zum Kaiser nach Wien gegangen. Richard Krcal wies damals darauf hin, das keines der bekannten Modelle den Abmessungen, die Mitterhofer in seinem Begleitschreiben für seine Präsentation in Wien festgehalten hat, entsprach. In die Transporttruhe, die Mitterhofer auf seiner ersten Reise nach Wien benutzt hat, passt keines der vier bekannten Modelle. [12]

Modell 5 - 1869 - Modell Wien[Bearbeiten]

Erster jemals mit einer Schreibmaschine geschriebener Brief

Die fünfte Maschine, das „Wiener Modell 1869“, war mit Volltastatur und Walze sowie mit Lettern als Typen ausgestattet und stellte bereits eine gebrauchsfähige Schreibmaschine dar. Sie hatte 82 Tasten für Ziffern, Groß- und Kleinbuchstaben und die Sonderzeichen (, ), ", -, !, ?, , ,;, ., :, § und et in sieben Reihen. Die Typen zeigten Garmond-Frakturschrift.[13] Ein Brief, den Peter Mitterhofer mit dieser Maschine im August 1869 an seinen Gönner Franz von Goldegg schrieb, ist erhalten.[14] Mitterhofer brachte auch diese nach Wien, sie wurde für 150 Gulden gekauft und als Geschenk von Kaiser Franz Joseph I. in die Modellsammlung des Polytechnischen Institutes aufgenommen.

Seine zwei Reisen nach Wien zur Präsentation seiner Erfindungen unternahm Mitterhofer zu Fuß. Nachdem die kaiserlichen Gutachter den Wert seiner Erfindung nicht erkannten, verlor Mitterhofer das Interesse an einer Weiterentwicklung; er machte auch keine Versuche, seine Erfindung zu vermarkten.

Mitterhofer erlebte noch den Erfolg der in USA von Christopher Latham Sholes hergestellten Schreibmaschinen, ohne jedoch Anteil daran zu haben. Am 27. August 1893 verstarb er verbittert. Auf seinem Grabstein steht der Spruch:

Die Anderen, die von ihm lernten,
Durften die Früchte seines Talentes ernten

Diese Formulierung scheint etwas über das Ziel hinauszuschießen. Mitterhofer wird zudem auf einem Denkmal, das über seinem Grab errichtet wurde, als „erster Erfinder der Schreibmaschine“ bezeichnet. Er war nur der Erfinder einer Schreibmaschine, wie schon Jahre vorher Ravizza, Beach, Francis usw. Über die ursprüngliche Remington-Schreibmaschine von Glidden (Mechaniker bei der Herstellung der Sholesschen Schreibmaschine), Sholes und Soule wird zwar berichtet „sie beruht in ihrem Wesen vollständig auf der Erfindung Peter Mitterhofers“, dabei müsste jedoch angemerkt werden: „wie Mitterhofers Erfindung ihrerseits in ihrem Wesen auf der Erfindung Ravizzas beruht“. Dies bedeutet zwar nicht, dass Mitterhofer die Maschine von Ravizza nachgemacht hat. Zu dieser Zeit gab es einfach sehr viele Schreibmaschinenerfinder, und die Idee, eine Schreibmaschine zu bauen, war damals bereits 150 Jahre alt. Sholes war der erste, der die Schreibmaschine durch den Verkauf seiner Erfindung der Fabrikation (nicht der Erfindung der Maschine selbst) an die Waffenfabrik Remington zur großen Verbreitung brachte. Es wäre falsch, Sholes allein den Ruhm für den schließlichen Erfolg zuzuschreiben. Sholes wäre wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, eine Schreibmaschine zu bauen, wenn nicht Glidden ihn infolge seiner eigenen Versuche dazu veranlasst hätte. Mitterhofer hatte keine Anstrengungen unternommen, einen Fabrikanten für seine Erfindung zu finden – er war Erfinder, kein Unternehmer.

Museum und Würdigungen[Bearbeiten]

Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer in Partschins

Das nach den Plänen der Architekten Luciano Delugan und Georg Mitterhofer 1998 in Partschins errichtete Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer zeigt eine von Kurt Ryba aus München zusammengetragene Sammlung von Schreibmaschinen aus aller Welt und gibt mit ihren über 2.000 Exponaten einen Einblick in deren Entwicklungsgeschichte bis zur Ablösung durch den Computer.

Vor dem Museum (Kirchplatz 10) ist ein Denkmal mit einer Büste zu Mitterhofers Ehren zu sehen. Das Grab Mitterhofers und seiner Frau liegt an der Ostmauer der nahegelegenen Kirche.

In Partschins gibt es einen Peter-Mitterhofer-Kulturwanderweg sowie ein Hotel Peter Mitterhofer.

Die Meraner Lehranstalt für Wirtschaft und Tourismus trägt Peter Mitterhofers Namen.

Im Jahr 1923 wurde in Wien Floridsdorf (21. Bezirk) die Mitterhofergasse nach ihm benannt. Auch anderswo gibt es nach Mitterhofer benannte Plätze, Straßen und Gassen, darunter in Partschins, Marling, Bozen, Klagenfurt, Groß-Enzersdorf und Chemnitz-Schönau.

Die Österreichische Post hat zwei Briefmarken herausgegeben, die das erste Modell zeigen. Sie sind 1993[15] und 2007[16] aufgelegt worden.

Gedenktafel[Bearbeiten]

  • In der Gumpendorfer Straße 130 in Wien befindet sich neben anderen von Mario Petrucci 1936 gestalteten Gedenktafeln eine, die an Peter Mitterhofer erinnert.[17]

In der Kunst[Bearbeiten]

Roman[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lassnig S. 29
  2. Lassnig S.29
  3. Karl Theodor Hoeniger:Peter Mitterhofer (1822–1893) und seine Schreibmaschine von 1864., (online), S. 516, abgerufen am 13. August 2014
  4. Lassnig S. 31
  5. Eintrag im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
  6. Lassnig S. 42-44
  7. Dresdner Stadtteilzeitung (Foto)
  8. Schreibtechnik im Spiegel der Zeit., 1981, abgerufen am 14. August 2014
  9. 1908: Informationen in Versform und eine weitere Abbildung eines Modells, S. 300, abgerufen am 13. August 2014
  10. Krcal 1972, S.74
  11. Krcal 1972, S. 75
  12. Lassnig S. 51
  13. Lassnig S. 62
  14. Lassnig, S. 68
  15. Austria-Forum
  16. Der Vinschger 4. Juli 2007 PDF
  17. Peter Mitterhofer - Erfinder der Schreibmaschine, 1822-1893, abgerufen am 12. August 2014
  18. Rezensionen 2004, abgerufen am 13. August 2014
  19. Innsbrucker Nachrichten vom 13. Dezember 1867, (im Zusammenhang mit der erstmaligen Erwähnung einer Denkmaschine, online), abgerufen am 9. August 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Mitterhofer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien