Fraktur (Schrift)

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Fraktur
Schrifttyp Alphabet
Sprachen Deutsch, früher auch andere
Verwendungszeit Mitte 16. Jahrhundert bis 1941
Verwendet in deutscher Sprachraum
Abstammung Phönizisches Alphabet
 → Griechisches Alphabet
  → Etruskische Schrift
   → Lateinisches Alphabet
    → Fraktur
Besonderheiten Langes s (ſ), Zwangsligaturen
Unicodeblock

Basic+ExtA/B: U+0000-U+024F

ISO 15924 Latf
Kant Breitkopf-Fraktur.png
Beispiel für die Breitkopf-Fraktur
Aus deutscher Sicht geschönte Darstellung der Verbreitung der Schriftarten in Europa um das Jahr 1900. In Dänemark und Norwegen wurde bereits mehrheitlich Antiqua verwendet, und auch in Deutschland wurde nicht ausschließlich in Fraktur geschrieben.

Die Fraktur ist eine Schriftart aus der Gruppe der gebrochenen Schriften. Sie war von Mitte des 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts die meistbenutzte Druckschrift im deutschsprachigen Raum, in Konkurrenz zur Antiqua auch im dänischsprachigen.

Im weiteren Sinne schließt der Sammelbegriff Frakturschriften auch verwandte Schriften wie Textur und Schwabacher mit ein.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Entstehung der Frakturtype am Anfang des 16. Jahrhunderts ist eng verbunden mit Kaiser Maximilian I. Wer genau die Fraktur geschaffen hat, ist aber bis heute nicht eindeutig geklärt, da die Formen der Type auch in handschriftlichen Urkunden aus dem Umfeld der Wiener Universität und in Nürnberg nachweisbar sind. In Frage kommt unter anderem Vinzenz Rockner, ein Sekretär von Maximilian I., der den Druck des Gebetbuches (siehe unten) überwachte und die handschriftlichen Vorlagen für die Drucklettern lieferte. Unklar bleibt, ob er diese Vorlage auch selbst entworfen hat. Der zweite mögliche Urheber ist der Mönch und Schreiber Leonhard Wagner, der bereits am Ende des 15. Jahrhunderts eine entsprechende Schriftart entwickelte, die aber in der Bibliothek seines Klosters verblieb, so dass unklar ist, wie bekannt diese Handschrift war.

Die erste Frakturschrift für den Buchdruck wurde bereits 1513 von Hans Schönsperger in Augsburg entworfen und (unter anderen) im von Albrecht Dürer illustrierten Gebetbuch verwendet. Als zweite wichtige Anwendung der Fraktur im Druck gilt der 1517 in Nürnberg gedruckte „Theuerdank“. Ihre ästhetische Vollendung erfuhr sie durch Schriftschneider im 18. Jahrhundert wie G. I. Breitkopf und J. F. Unger.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Fraktur hat sich, ähnlich wie die Antiqua, im Laufe der Zeit unter dem Einfluss des Zeitgeistes angepasst und verändert. Es lassen sich folgende wichtige Formen der Fraktur unterscheiden:

Schreib- und Lesehilfe[Bearbeiten]

Vollständiger Fraktur-Zeichensatz ohne Ligaturen
Im Laufe der Geschichte haben sich einige Grundregeln bei der Verwendung von gebrochenen Schriften durchgesetzt, die sich vorwiegend im deutschen Sprachraum finden. Hierzu gehören die Verwendung von Ligaturen (auch auf Schreibmaschinen und in der Computerschrift) und zwei unterschiedliche Formen des Buchstaben s.
Long s.svg

In Fraktur ungeübte Leser haben meistens nur mit wenigen Buchstaben Schwierigkeiten. Das lange s (ſ) unterscheidet sich vom f immer durch den ausgesparten kurzen Querbalken auf der rechten Seite, manchmal fehlt auch zur deutlicheren Unterscheidung der linke Querbalken.

Das k unterscheidet sich vom t vor allem durch eine kleine Schlaufe rechts oben. Das x unterscheidet sich vom r nur durch eine offene Schleife am Zeichenfuß. Das y ähnelt dem h, weist aber keine Oberlänge auf und ist im Gegensatz zum v oben offen. Bei den Großbuchstaben ähneln sich B und V, wobei V der schließende innere Querstrich fehlt, genauso wie N im Vergleich mit R. Der untere Bogen des G ist bei E nicht geschlossen. I und J haben als Großbuchstaben meist das gleiche Schriftbild. Das A ähnelt in vielen Frakturschriften dem U, ist jedoch weniger weit geöffnet.

Schriftbeispiele für die Fraktur[Bearbeiten]

Fraktur letter A.pngFraktur letter B.pngFraktur letter C.pngFraktur letter D.pngFraktur letter E.pngFraktur letter F.pngFraktur letter G.pngFraktur letter H.pngFraktur letter I.pngFraktur letter J.pngFraktur letter K.pngFraktur letter L.pngFraktur letter M.pngFraktur letter N.pngFraktur letter O.pngFraktur letter P.pngFraktur letter Q.pngFraktur letter R.pngFraktur letter S.pngFraktur letter T.pngFraktur letter U.pngFraktur letter V.pngFraktur letter W.pngFraktur letter X.pngFraktur letter Y.pngFraktur letter Z.pngFraktur letter A-umlaut.pngFraktur letter O-umlaut.pngFraktur letter U-umlaut.png

Verwendung der Fraktur in der Neuzeit[Bearbeiten]

Die Frakturschrift wurde in Deutschland in ausgewählten Publikationsbereichen Ende des 19. Jahrhunderts von der Antiqua abgelöst. So änderten im Zuge der Internationalisierung wissenschaftlich-technische Zeitschriften ihre Typographie, zum Beispiel bereits 1872 die Zeitschrift des Vereines Deutscher Ingenieure.[1] In anderen Bereichen war Frakturschrift bis nach dem Ersten Weltkrieg üblich, danach begann sich im Zuge der Neuen Typographie allmählich die Antiqua durchzusetzen.

Zur Zeit des Nationalsozialismus erlebte die Fraktur insbesondere als Auszeichnungs-, aber auch als Textschrift zunächst eine Renaissance, da sie als deutsche Schrift betrachtet wurde. Man berief sich unter anderem auf Cäsar Flaischlen, der „Vom Herrenrecht unserer deutschen Schrift“ gedichtet hatte. Ab Juni 1933 forcierte das Reichsinnenministerium das Vorhaben, Schreibmaschinen mit Frakturschrift verbindlich in Behörden einzuführen. Der Fachnormenausschuss für Schreibmaschinen scheiterte jedoch an der Aufgabe, sich auf verbindliche Schriftzeichen zu einigen. In diesem Ausschuss war auch die Schreibmaschinenindustrie vertreten, die eigentlich ein Interesse an verstärktem Absatz hätte haben müssen. Hitler selbst war jedoch kein Freund des Romantischen und erklärte auf einer Kulturtagung der NSDAP 1934: „Der nationalsozialistische Staat [muss] sich verwahren gegen das plötzliche Auftauchen jener Rückwärtse, die meinen, eine ,teutsche Kunst’ aus der trauten Welt ihrer eigenen romantischen Vorstellungen der nationalsozialistischen Revolution als verpflichtendes Erbteil für die Zukunft mitgeben zu können …“[2] So wurde das Vorhaben der Umstellung der Schreibmaschinen nicht weiter forciert.[3]

Seit 1940 sollten alle für das Ausland gedruckten Texte in Antiqua gesetzt werden, worüber die Bevölkerung jedoch nicht informiert wurde. Die Schriftpolitik blieb über längere Zeit völlig unklar. Ein Erlass des NSDAP-Regimes von 3. Januar 1941, in welchem Martin Bormann in Hitlers Auftrag die der Fraktur ähnliche Schwabacher als „Judenschrift” bezeichnete, erklärte dann in einer totalen Kehrtwendung (und in Verkehrung der tatsächlichen Entwicklung der Schrift) die Antiqua zur „Normalschrift“. Schwabacher und Fraktur galten fortan als unerwünscht, so dass NSDAP-treue Zeitungen und Verlage vor allem in der für das Ausland bestimmten Produktion zum durchgehenden Gebrauch der lateinischen Schrift, insbesondere der Antiqua, übergingen.[4][5] Der Duden erschien 1941 letztmals in Fraktur.

Allerdings glaubten wohl selbst die NS-Funktionsträger nicht an diese Argumentation. Hintergrund des (extrem teuren) Wechsels mitten in Kriegszeiten war vermutlich die Auffassung, dass die deutsche Hegemonie in einem eroberten Europa mit einer besonderen, optisch engen und komplizierten, schwer zu erlernenden Schrift nicht zu sichern sei. Auch waren die zahlreichen Zwangsarbeiter oft nicht in der Lage, einfache Beschriftungen in Fraktur zu verstehen, was die Kriegsproduktion behinderte. So schrieb Goebbels am 2. Februar 1941 in sein Tagebuch: „Der Führer ordnet an, daß die Antiqua künftig nur noch als deutsche Schrift gewertet wird. [Gemeint war wohl: ... dass künftig nur noch die Antiqua als deutsche Schrift gewertet wird.] Sehr gut. Dann brauchen die Kinder wenigstens keine 8 Alphabete mehr zu lernen. Und unsere Sprache kann wirklich Weltsprache werden.“[2] Unter den „acht Alphabeten“ verstand man damals die Klein- und Großbuchstaben von Fraktur, deutscher Schreibschrift, Antiqua und lateinischer Schreibschrift.

Goebbels betonte fünf Vorteile der Antiqua: 1. Wirksamere Verbreitung deutscher (Propaganda-)Schriften im Ausland; 2. verbesserte Möglichkeiten, eroberte Gebiete zu verwalten; 3. Absicherung der militärisch-politischen Herrschaft durch eine schriftlich-kulturelle Dominanz; 4. Abgrenzung gegenüber der Sowjetunion und Anpassung an Westeuropa mit einer einheitlichen europäischen (deutschen) Schrift; 5. wirtschaftliche Vorteile durch Verbesserung des Absatzes deutscher Bücher im Ausland.[6] Ab September 1941 wurde in deutschen Schulen nur noch die lateinische Schrift gelehrt, die bis dahin nur als zweite Schrift ab Klasse 2 unterrichtet worden war, wodurch Unterrichtszeit für andere Fächer frei wurde. Kaum jemand war über die Gründe unterrichtet. Für Bevölkerungsgruppen, die sich in Nationalitätenkonflikten wähnten, z.B. die Sudetendeutschen, stellte die Umstellung ein Ärgernis dar.[7]

Die Frakturschrift erlebte nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches keine Renaissance. 1951 kam es zwar zur Neugründung des Bundes für deutsche Schrift in Hannover (seit 1989: Bund für deutsche Schrift und Sprache), der sich für die Verwendung deutscher Druck- und Schreibschriften einsetzt. Das Thema findet jedoch in der Öffentlichkeit keinen größeren Raum. Allerdings wurden auch nach 1945 noch Bücher in Fraktur gedruckt. Der Autor Hermann Hesse bestand noch lange nach dem Krieg darauf, dass seine Werke in Fraktur gedruckt würden. Auch viele Klassiker fanden in den 1950er Jahren als Frakturausgaben noch sehr guten Absatz, so eine Theodor-Storm-Gesamtausgabe von 1953. Die evangelischen Kirchen hielten noch längere Zeit an der „deutschen Schrift” fest. So erschienen viele deutschsprachige Bibel-Übersetzungen bis in die 1960er Jahre in Fraktur. Die katholische Kirche hatte für lateinische Texte traditionell die lateinische Schrift verwendet und vollzog daher die Umstellung auch für deutschsprachige Texte früher. Bis in die 1980er Jahre wurden in Deutschland einzelne Gesetzestexte, zum Beispiel das Wechselgesetz im „Schönfelder“, in Fraktur gedruckt.

Die Neue Zürcher Zeitung wurde seit ihrer Gründung 1780 bis zum Jahr 1946 komplett in Fraktur gesetzt. Seit der Umstellung 1946 verwendet sie, wie auch einige andere deutschsprachige Zeitungen (unter anderem Frankfurter Allgemeine bis zur Layoutumstellung im Oktober 2007 und die südtiroler Tageszeitung Dolomiten sowie die luxemburgische Tageszeitung Luxemburger Wort), Fraktur als Auszeichnungsschrift. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat bis zum 4. Oktober 2007 Meinungsartikelüberschriften in Fraktur gesetzt [8]. Die letzten zweieinhalb Jahre hatte sie das lange s aufgegeben.

In der Gegenwart werden Frakturschrift oder andere gebrochene Schriften in der Werbung, zur Beschriftung verschiedener Artikel und für Straßenschilder verwendet. Auf Warenverpackungen, insbesondere bei Lebensmitteln, signalisiert die Frakturschrift ein Produkt von althergebrachter Art und Qualität. Bei Gaststätten signalisiert die Hausinschrift in Fraktur einen mit Liebe geführten Traditionsbetrieb, zumindest aber Gemütlichkeit. Schließlich ist die Frakturschrift, meistens die im angelsächsischen Raum verbreitetere gotische Schrift, in Musik- und Jugendkulturen wie Metal, Punk oder Gothic beliebt. Gotische Schriften sind einerseits derzeit in der Mode verbreitet, andererseits werden sie trotz der schließlichen nationalsozialistischen Frakturablehnung auch von Neonazis verwendet. Allerdings werden die Schreibregeln bezüglich des langen s bei Massenprodukten und Kneipenschildern aus Kunststoff inzwischen seltener oder überhaupt nicht mehr angewandt. Gleiches gilt für die Ligaturen ch, ck, tz und st.

Fraktur im Formelsatz[Bearbeiten]

Wie fast alle typografischen Auszeichnungsmöglichkeiten kann auch Fraktur im Formelsatz sinnvoll (d. h. bedeutungstragend) verwendet werden. (Bei handschriftlichen Formeln wird Fraktur durch deutsche Schreibschrift, eventuell in ihrer Sütterlin-Variante, ersetzt.) Grundsätzlich müssen hierzu die Frakturbuchstaben auch als allein stehende Zeichen eindeutig identifizierbar sein.

\mathfrak{A} \ne \mathfrak{U}
\mathfrak{B} \ne \mathfrak{V}
\mathfrak{C} \ne \mathfrak{E}
\mathfrak{F} \ne \mathfrak{I} \ne \mathfrak{J}
\mathfrak{G} \ne \mathfrak{H}
\mathfrak{K} \ne \mathfrak{R} \ne \mathfrak{N}
\mathfrak{b} \ne \mathfrak{v}
\mathfrak{k} \ne \mathfrak{t}
\mathfrak{y} \ne \mathfrak{n} \ne \mathfrak{u}
\mathfrak{o} \ne \mathfrak{v}
\mathfrak{r} \ne \mathfrak{x}

Meistens kommen allerdings nur wenige Frakturbuchstaben vor, sodass die Verwechslungsgefahr gering ist.

In vielen Fällen gilt die Verwendung von Fraktur als veraltet und wurde durch andere typografischen Auszeichnungsmöglichkeiten (z. B. fett kursiv) ersetzt. Im mathematischen Formelsatz verwendete man kleine Frakturbuchstaben (z. B. \mathfrak{a}, \mathfrak{b}, \mathfrak{c}) zu Darstellung von Vektoren. Der Nullvektor wurde dann mit \mathfrak{o} bezeichnet. Im physikalischen Formelsatz wurde Fraktur gebraucht, wenn der vektorielle Charakter einer Größe betont werden sollte, z. B.:

P = \mathfrak{F} \cdot \mathfrak{v}

Heute soll für die Vektor-Darstellung entweder fette kursive oder magere kursive Schrift mit übergesetztem Pfeil verwendet werden:[9]

\begin{align}
P & = \boldsymbol{F} \cdot \boldsymbol{v}\\
P & = \vec{F} \cdot \vec{v}
\end{align}

Fraktur wurde früher auch zur Darstellung von Hyperbelfunktionen benutzt (z. B. \mathfrak{Sin} \, x oder \mathfrak{Cos} \, x). Heute sollen hierfür Abkürzungen in der aufrechten Grundschrift verwendet werden (z. B. \sinh x bzw. \cosh x).[9] Außerdem wurden Frakturbuchstaben eingesetzt, wenn die anderen Buchstaben nicht ausreichten, z. B. zur Bezeichnung von Matrizen und Tensoren sowie als Zeichen für den Real- und Imaginärteil einer komplexen Zahl. Insbesondere Ideale werden auch heute noch in modernen Lehrbüchern zur Unterscheidung von anderen Variablen mit Frakturbuchstaben bezeichnet. Im Zusammenhang mit den international genormten Größen und Einheiten soll das Zeichen \mathfrak{Z} (U+2128; engl. black-letter capital z) zur Darstellung der Z-Transformation verwendet werden:[9]

\mathfrak{Z}(a_n) = \sum\limits_{n = 0}^\infty {a_n z^{-n}} \quad (z \in \mathbf{C})

Die Verwendung von Frakturbuchstaben hat sich auch in der Benennung von Lie-Algebren erhalten. Es gibt einen Mechanismus, einer Lie-Gruppe eine solche Lie-Algebra zuzuordnen, und es ist allgemein üblich, für den Namen der zugehörigen Lie-Algebra den Namen der Gruppe in kleinen Frakturbuchstaben zu schreiben, also G \to \mathfrak{g}, SL_n \to \mathfrak{sl}_n, und so weiter.

Fraktur im Computerschriftsatz[Bearbeiten]

Seit der Desktop-Publishing-Revolution in den späten 1980er Jahren bestand erstmals die Möglichkeit, Schriften in hoher Qualität kostengünstig zu produzieren und zu vertreiben. Die großen kommerziellen Schriftanbieter digitalisierten ihre Schriftbestände, wenn auch mangels Nachfrage nur wenige Frakturschriften. Selbstständige Schriftgestalter haben zahlreiche weitere Frakturschriften digitalisiert und produziert, deren Qualität aber stark schwankt. Für traditionellen Fraktursatz muss eine Schrift zumindest wichtige Zwangsligaturen und das lange s enthalten.

Da es sich bei der Fraktur nicht um ein eigenständiges Schriftsystem handelt, sondern nur um Glyphenvarianten, werden in Unicode die Buchstaben des lateinischen Alphabets für Fraktursatz nicht gesondert kodiert. Damit eine Fraktur-Schrift mit Unicode kompatibel ist, müssen die für traditionelle Fraktur-Typographie erforderlichen Ligaturen über intelligente Schriftart-Technologien wie OpenType, Apple Advanced Typography oder Graphite programmiert werden. Nur das lange ſ erhält als besonderer Buchstabe den eigenen Code U+017F. Viele Fraktur-Schriften verfügen entweder über gar keine Ligaturen oder aber setzen die Ligaturen an die Stelle anderer Zeichen, so dass sie gegen den Unicode-Standard verstoßen. Der Unicode-Standard weist zwar gewisse Ligaturen auf. Diese sollten aber nicht verwendet werden, denn sie dienen einzig der Abwärtskompabilität mit älteren Kodierungen[1]: ff (ff) U+FB00, fi (fi) U+FB01, fl (fl) U+FB02, ffi (ffi) U+FB03, ffl (ffl) U+FB04, st mit langem s (ſt) U+FB05, st mit rundem s (st) U+FB06.

Die Norm ISO 15924 definiert Schriftsysteme und erlaubt die Unterscheidung zwischen „Latin“ („Latn“) und „Latin (Fraktur variant)“ („latf“). Mit der Angabe des Sprachcodes „de-Latf“ in HTML könnte theoretisch ein geeigneter Webbrowser automatisch eine passende Schrift für deutschen Fraktursatz anzeigen. Als Schrift ist auf Windows-Computern mit Microsoft-Office-Produkten (97 bis 2007) die „Old English Text MT“ weit verbreitet (allerdings ohne langes s), so dass eine Kodierung etwa über <span style='font-family:"Old English Text MT"'> auf Windows-Computern meist zu erfolgreicher Frakturdarstellung beim Leser führt – bis auf das ſ, das sich zum Beispiel im Wort Frakturdarſtellung befindet. Eine andere Möglichkeit ist eine Schrift über die Cascading Style Sheets vom Server herunterladen zu lassen.[10]

Zwar gibt es keinen dedizierten Unicode-Block für Fraktur, allerdings sind im Unicode-Block Buchstabenähnliche Symbole für mathematische Zwecke die Frakturbuchstaben für C (U+212D), H (U+210C), I (U+2111), R (U+211C) und Z (U+2128) enthalten. Später wurden mit dem Unicode-Block Mathematische alphanumerische Symbole die restlichen Frakturbuchstaben an den Positionen U+1D504…U+1D537 hinzugefügt. Diese sind aber nicht zum Schreiben von Fließtext vorgesehen, sondern nur für mathematischen Formelsatz. So fehlen etwa die Umlaute, das ß und Ligaturen.

Nach 1945 in Fraktur gesetzte Bücher (Beispiele)[Bearbeiten]

  • Hermine Kiehnle: Kiehnle-Kochbuch. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart / Weil der Stadt 1951.
  • Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (in Fraktur bis einschl. Ausgabe 16), 1953.
  • Herbert Zimmermann: Lateinische Wortkunde. Verlag von Ernst Klett, Stuttgart 1956.
  • Joseph Maria Stowasser: Der Kleine Stowasser, Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch. G. Freytag Verlag, München 1971.
  • Schönste liebe mich. Deutsche Liebesgedichte aus dem Barock und dem Rokoko. Gestaltet von Jan Tschichold. Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1957.
  • Walter Plata: Schätze der Typographie. Gebrochene Schriften. Gotisch, Schwabacher und Fraktur im deutschen Sprachgebiet in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Informationen und Meinungen von 17 Autoren, angeregt und eingeleitet von Walter Plata. Polygraph-Verlag, Frankfurt a. M. 1968.
  • Christian Reuter: Schelmuffskys warhafftige curiöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande. Dieterich, 1. Aufl., Leipzig 1972.
  • Walter Plata: Johann Sebastian Bach zum Geburtstag – Eine typographische Kantate. Bund für Deutsche Schrift und Sprache, 1985, ISBN 3-930540-01-0.
  • Kunstwerke der Schrift. Gedichte im Kleide schöner Druckschriften aus sechs Jahrhunderten. BfdS, Hannover 1994, ISBN 3-930540-09-6.
  • Bess Brenck-Kalischer: Die Mühle. Eine Kosmee. Roman, Edition Sirene, 1995, ISBN 3-924095-63-9.
  • Heinrich von Kleist: Der zerbrochne Krug. Als kalligraphische Handschrift von Ruth Harnisch. Verlag Bund für deutsche Schrift und Sprache, Hannover 1996, ISBN 3-930540-16-9.
  • O.T., Tina Sander: Der Seele Triumph über den Geist (Gedichte, Teil 1 [O. T.] in Fraktur, Teil 2 [Tina Sander] in Antiqua), gawl-Verlag, Bochum 1998, ISBN 3-931333-03-5.
  • Ernest Potuczek-Lindenthal: Bauernregeln – Scherenschnitte. Hanseatische Verlagsanstalt, Bremen 1999, ISBN 3-8179-0028-7.
  • Menge-Güthling: Großwörterbuch Latein, Teil II Deutsch-Latein von Otto Güthling. 18. Auflage. Langenscheidt, Berlin / München / Wien / Zürich / New York 2002.
  • Wolfgang Hendlmeier (Hg.): Hausbuch deutscher Dichtung – in Fraktur gesetzt. Bund für Deutsche Schrift und Sprache, 2008, ISBN 978-3-930540-25-9.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weitere Hinweise in der Bibliographischen Datensammlung zu den Geschichtlichen Hilfswissenschaften

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fraktur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Hilz: Technische Zeitschriften und Industrialisierung – Deutschlands technische Zeitschriftenkultur bis zum Ersten Weltkrieg. In: Aus dem Antiquariat, Nr. 2/2009, S. 71–84, S. 83
  2. a b Zitiert nach Dorsten unterm Hakenkreuz
  3. Christel Baumgart, Fraktur, Antiqua, Schwabacher = deutsche Schrift? Zur Auseinandersetzung um die Fraktur im Dritten Reich. http://www.textfindling.de/Fraktur/Schrift.html
  4. Martin Bormanns Schrifterlass vom 3. Januar 1941
  5. Helmut Heiber: „Die Rückseite des Hakenkreuzes“, München 1993, S. 224 f., ISBN 3-423-02967-6
  6. Vgl. Christel Baumgart, a.a.O.
  7. Vgl. Baumgart, a.a.O.
  8. faz.net
  9. a b c ISO 80000-2:2009, Quantities and units — Part 2: Mathematical signs and symbols to be used in the natural sciences and technology, 1. Dezember 2009
  10. Angewendet bei: http://www.ligafaktur.de oder bei http://unifraktur.sf.net/