Petr Uhl

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Petr Uhl (* 8. Oktober 1941 in Prag) ist ein tschechischer Publizist und ehemaliger Dissident. Er war eines der ersten Opfer der Säuberungen in der Tschechoslowakei nach der Zerschlagung des Prager Frühlings von 1968. Er selbst verstand sich damals als Marxist und Trotzkist. Er verbrachte etliche Jahre im Gefängnis.

Leben[Bearbeiten]

Petr Uhl studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Prag und wurde zum Diplomingenieur. Nach einigen Besuchen in Frankreich fing er an mit dem Trotzkismus und der Vierten Internationale zu sympathisieren; er ließ sich durch die Ideen von Ernest Mandel stark beeinflussen. Nach der Zerschlagung des Prager Frühlings gründete er im Untergrund die HRM / Hnutí revoluční mládeže (Bewegung der revolutionären Jugend), eine kleine Gruppe von nur einigen Dutzend Personen. Bereits im Dezember 1969 wurde die Gruppe zerschlagen, einige Mitglieder, darunter Petr Uhl und seine damalige Gefährtin Sibylle Plogstedt (aus West-Berlin) verhaftet und in einem Schauprozess verurteilt; Petr Uhl zu vier Jahren Haft. Seit 1974 ist Petr Uhl mit der Historikerin und Philosophin Anna Šabatová verheiratet.

1977 gehörte er zu den ersten Unterzeichnern der oppositionelle Bürgerbewegung Charta 77; er war auch der Herausgeber des Informationsbulletins der Charta 77. Bereits im April 1978 gründete er zusammen mit Václav Havel und anderen das Komitee zur Verteidigung von zu Unrecht Verfolgten VONS (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných). Im Oktober 1979 wurde er wieder verurteilt, diesmals zu 5 Jahre Haft. Er wirkte in der Polnisch-tschechoslowakischen Solidarität, welche die Zusammenarbeit der polnischen und tschechoslowakischen Dissidenten koordinieren sollte, von 1988 bis 1989 arbeitete er in der Osteuropäischen Informationsagentur.

Petr Uhl war in den 1970er Jahren eine der Identifikationsfiguren des marxistisch orientierten Widerstandes gegen die sowjetische Hegemonie in der Tschechoslowakei, unter anderem auch für die in West-Berlin erscheinende tschechischsprachige Zeitschrift informační materiály, die auch seine Arbeit Programm der gesellschaftlichen Selbstverwaltung auf Tschechisch herausgab (Originaltitel: Program společenské samosprávy, herausgegeben zusammen mit dem Index-Verlag). In den 80er Jahren war die Wohnung der Familie im Zentrum Prags ein wichtiger Umschlagplatz der Informationen zwischen der Charta 77, osteuropäischen Dissidenten und Journalisten aus aller Welt. Der kommunistische Geheimdienst überwachte das Mietshaus Ende der 80er Jahre mit einer fest installierten Kamera.

Nach dem Sturz des Regimes war er unter anderem Direktor der Nachrichtenagentur ČTK. Zwischen 1998 und 2001 war Uhl Bevollmächtigter der tschechischen Regierung im Bereich der Menschenrechte. Uhl betätigte sich journalistisch und war 2002 den tschechischen Grünen - Strana zelených - beigetreten, aus der er 2007 austrat. Er hatte verschiedene Ämter im Bereich Minderheiten, Menschenrechte und Probleme der Roma inne, für die er sich u.a. als Mitglied einer Kommission für Roma-Angelegenheiten der Tschechischen Sozialdemokratischen Partei einsetzte.

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Die Herausforderung. Frankfurt/Main 1981 ISBN 3-88332-055-2
  • Právo a nespravedlnost očima Prag 1998

Quellen[Bearbeiten]

  • Kurzbiographie in On-line s Petrem Uhlem, in: www.nezakladnam.cz (tschechisch)
  • Max Borin/Vera Plogen: Management und Selbstverwaltung in der CSSR. Bürokratie und Widerstand. Berlin 1970 (enthält u.a. auch von Uhl bzw. seiner Gruppe verfasste Texte)
  • Gruppe Internationale Marxisten: Solidarität mit Charta 77 - Freiheit für Petr Uhl. Frankfurt/Main 1980

Weblinks[Bearbeiten]