Reporter ohne Grenzen

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Reporter ohne Grenzen
Logo von Reporter ohne Grenzen
Gründer Robert Ménard, Rémy Loury, Jacques Molénat und Émilien Jubineau
Gründung 1985
Sitz Paris
Ursprung Frankreich
Personen

Christophe Deloire, Generalsekretär RSF International
Christian Mihr, Geschäftsführer ROG Deutschland
Rubina Möhring, Präsidentin ROG Österreich
Thérèse Obrecht Hodler, Präsidentin ROG Schweiz

Aktionsraum weltweit
Schwerpunkt Pressefreiheit
Motto Für Informationsfreiheit
Website www.rsf.org
www.reporter-ohne-grenzen.de
www.rog.at
www.rsf-ch.ch

Reporter ohne Grenzen (franz. Reporters sans frontières; Abkürzung: ROG bzw. RSF) ist eine international tätige Nichtregierungsorganisation. ROG setzt sich weltweit für die Pressefreiheit und gegen Zensur ein. Unter Berufung auf Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung) engagiert sich die Organisation unter anderem für aus politischen Gründen inhaftierte Journalisten.

Entstehung[Bearbeiten]

Gegründet wurde Reporter ohne Grenzen 1985 in Montpellier von vier französischen Journalisten.[1] Einer von ihnen war Robert Ménard, der die Organisation leitete, bis Jean-François Julliard im September 2008 das Amt des Generalsekretärs von ihm übernahm. Nachdem im Mai 2013 bekannt wurde, dass Ménard als Kandidat bei den Kommunalwahlen im März 2014 im südfranzösischen Béziers die Unterstützung der rechtsextremen Partei Front National erhalten sollte,[2] distanzierten sich sowohl der internationale Dachverband von Reporter ohne Grenzen in Paris[3][4] als auch beispielsweise die Sektionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz öffentlich von dem fünf Jahre zuvor ausgeschiedenen langjährigen Leiter der Organisation.[5][6][7]

Mitglied kann auch werden, wer kein Reporter oder Journalist ist. Der Name wurde in Anlehnung an die Organisation Ärzte ohne Grenzen gewählt, die ebenfalls weltweit tätig ist.

Organisation und Finanzierung[Bearbeiten]

Paris « Beijing 2008 »

ROG verfügt über ein internationales Sekretariat in Paris, neun europäische Ländersektionen und fünf Länderbüros in Nordamerika und Asien. Darüber hinaus arbeiten ROG mit 130 Korrespondenten auf allen Kontinenten sowie 14 regierungsunabhängigen Partnerorganisationen zusammen.

ROG verfügt über ein jährliches Budget von rund 4,8 Millionen Euro. Die Organisation gibt die Zusammensetzung ihrer Einkünfte im Jahre 2010 folgendermaßen an:

  • 45,5 Prozent kamen aus selbstgenerierten Quellen wie Auktionen, Kalenderverkäufen und den Erlösen dreier Bildbände.
  • 17,8 Prozent des Haushaltes stammten von Unternehmen und Stiftungen.
  • 18 Prozent stammten aus öffentlichen Institutionen, darunter das Europäische Instrument für Demokratie und Menschenrechte (EIDHR), die Französische Entwicklungsagentur und die Internationale Organisation der Frankophonie.
  • Auf 7 Prozent der Einnahmen belief sich das 2010 erhaltene Preisgeld für den Roland-Berger-Preis für Menschenwürde.
  • Aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden kamen 4,7 Prozent.[8]

Nach Recherchen der Zeitung junge Welt wurde ROG u. a. von dem US-Multimilliardär George Soros finanziert, der bereits die polnische Gewerkschaft Solidarność mit Millionen US-Dollar unterstützte, sowie vom National Endowment for Democracy, das seinerseits seine Gelder zu über 90 Prozent aus dem US-Staatshaushalt bezieht.[9] Im Jahr 2003 stammte das Jahresbudget zu rund 10 Prozent vom französischen Staat und zu weiteren 15 Prozent von der EU.[10]

Zu den Finanziers von ROG zählten in der Vergangenheit auch der Rüstungsindustrielle und Medienzar Frankreichs Serge Dassault, der Medienkonzern Vivendi und der Milliardär François Pinault.[11] Die Öffentlichkeitsarbeit, die ROG für ihre politischen Ziele betreibt, verdankt sie den unentgeltlichen Diensten der bekannten New Yorker Werbeagentur Saatchi & Saatchi, einer Werbeagentur mit 134 Filialen in 84 Ländern,[10] deren Team alle Kommunikationskampagnen der Reporter ohne Grenzen entwickelt und realisiert.[9]

Deutsche Sektion[Bearbeiten]

Die deutsche Sektion ist ein eigenständiger eingetragener Verein mit Sitz in Berlin. Er ist seit 1994 tätig und finanziert sich überwiegend über Spenden, außerdem über Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse/Drittmittel und Erlöse aus den jährlich publizierten Bildbänden Fotos für die Pressefreiheit. Die Einnahmen betrugen 2012 mit rund 565.000 Euro den Höchststand der Vereinsgeschichte.[12]

Der ehrenamtlich tätige Vorstand besteht aus Astrid Frohloff, Michael Rediske (beide geschaftsführende Vorstände), Katja Gloger, Gemma Pörzgen und Matthias Spielkamp.[13] Dem beratenden Kuratorium gehören an: Thomas Bellut, Wolfgang Büchner, Peter-Matthias Gaede, Peter Limbourg, Giovanni di Lorenzo, Lorenz Maroldt, Georg Mascolo, Thomas Osterkorn, Jan-Eric Peters, Ines Pohl, Heribert Prantl, Dagmar Reim, Jörg Quoos und Karola Wille (Stand: Januar 2014).[14]

Anstoß für die Gründung der Deutschen Sektion war die Ermordung des Journalisten Egon Scotland im Kroatienkrieg 1991. Die formale Gründung erfolgte in Anwesenheit von 40 Journalisten am 18. Juni 1994 in Berlin. Den ersten Vorstand bildeten Rediske, Pörzgen und Andreas Artmann. In der Anfangszeit gewährte die Berliner Tageszeitung (taz) den ehrenamtlichen Mitarbeitern Arbeitsmöglichkeiten in den eigenen Redaktionsräumen. 1995 eröffnete ROG in Berlin eine professionelle Geschäftsstelle, inzwischen hatten sich in verschiedenen Städten bereits erste Regionalgruppen konstituiert.[15] Am 25. August 2014 beging die Deutsche Sektion in der Akademie der Künste in Berlin den 20. Jahrestag ihrer Gründung mit Informationen über die Arbeit der Organisation. Die Festrede hielt der Journalist Thomas Roth.

Österreichische Sektion[Bearbeiten]

ROG Österreich ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Wien, der im Jahr 1998 gegründet wurde und rund 100 Mitglieder hat.[16]

Seit 2002 verleiht ROG Österreich einen Press Freedom Award mit dem Schwerpunkt der Auszeichnung von ost- und südosteuropäischen Journalisten. Der Preis ist mit 8000 Euro dotiert. Die österreichische UNESCO-Kommission hat den Ehrenschutz über die Verleihungen.[17]

Mitglieder der internationalen Jury sind:

Preisträger waren bisher:

Schweizer Sektion[Bearbeiten]

Die Schweizer Sektion von Reporter ohne Grenzen wurde 1990 gegründet und hat ihren Sitz in Genf.

Press Freedom Index[Bearbeiten]

2014 Press Freedom Index (Rangliste der Pressefreiheit 2014)[21]
  • Sehr ernste Lage
  • Schwierige Lage
  • Erkennbare Probleme
  • Zufriedenstellende Lage
  • Gute Lage
  • Lage Unbekannt

Am Internationalen Tag der Pressefreiheit gibt ROG jährlich den Press Freedom Index, eine Rangliste zur Medienfreiheit auf der Welt, heraus. Er wurde erstmals 2002 veröffentlicht. Der Index wird auf der Grundlage eines Fragebogens erstellt, der von den ROG-Partnerorganisationen, ROG-Korrespondenten sowie Journalisten, Forschern, Juristen und Menschenrechtsaktivisten auf der ganzen Erde beantwortet wird.

ROG fragt nach gewalttätigen Übergriffen, Morden oder Verhaftungen, aber auch nach indirektem Druck gegen die Pressefreiheit in 167 Ländern der Erde. ROG weist darauf hin, dass der Index nur den Grad der Pressefreiheit, nicht aber die Qualität des Journalismus in den einzelnen Ländern misst. Der Index beurteilt auch den Druck von regierungsunabhängigen Organisationen wie der ETA in Spanien.

Der Press Freedom Index hat immer wieder festgestellt, dass Journalisten in den europäischen Ländern Finnland, Island, den Niederlanden und Norwegen, Schweden und der Schweiz die größten Freiheiten genießen. Eritrea, Nordkorea, Turkmenistan, der Iran, Myanmar und Syrien dagegen unterliegen am stärksten der Zensur und Lenkung.

Die Schweiz lag 2010 auf dem ersten Platz, Österreich auf dem siebten Platz, die USA auf dem 20. Platz.

In Afrika belegt Namibia 2010 den ersten Platz und weltweit Platz 21, was eine Verbesserung von 14 Plätzen gegenüber 2009 bedeutet.[22]

Deutschland im Press Freedom Index[Bearbeiten]

In der im Oktober 2006 veröffentlichten Studie zur weltweiten Situation der Pressefreiheit durch die Organisation fiel Deutschland gegenüber dem im Vorjahr erreichten Platz 18 unter 166 untersuchten Staaten auf Rang 23 ab. Die Platzierung Deutschlands war vor allem das Ergebnis des Eingeständnisses des BND, Journalisten über Jahre hinweg illegal überwacht zu haben. Aber auch Redaktions- und Hausdurchsuchungen, das inzwischen eingestellte Verfahren wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat gegen zwei Journalisten und Morddrohungen gegen einen Karikaturisten des Tagesspiegel sowie der zum Teil immer noch erschwerte Zugang zu Daten trugen damals dazu bei. In den folgenden Jahren konnte sich Deutschland wieder verbessern und lag im Bericht 2011-12 (veröffentlicht im Januar 2012) an 16. Stelle von inzwischen 179 untersuchten Staaten.

Rangliste des Jahres 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011-12 2013 2014
Punkte (Platzierung) 4,00 (18.) 5,50 (23.) 5,75 (20.) 4,50 (20.) 3,50 (18.) 4,25 (17.) -3,00 (16.) 10,24 (17.) 10,23 (14.)

Engagement für verfolgte Journalisten[Bearbeiten]

Weltweit[Bearbeiten]

Laut ROG wurden 2005 während und/oder wegen ihrer Arbeit 63 Journalisten sowie fünf Medienmitarbeiter ermordet. 807 Journalisten wurden in diesem Jahr inhaftiert, und am 1. Januar 2006 saßen laut Angaben von ROG 126 Journalisten und 70 Internetdissidenten hinter Gittern. Registriert hat die Organisation zudem 1307 Attacken oder Bedrohungen gegen Journalisten und 1006 Fälle von Zensur. Der am längsten im Gefängnis sitzende Journalist ist laut ROG der Libyer Abdullah Ali al-Sanussi al-Darrat, welcher seit 1973 inhaftiert ist.

Nach einer am 31. Dezember 2006 herausgegebenen Bilanz der Hilfsorganisation Reporter ohne Grenzen war das Jahr 2006 insgesamt eines der gefährlichsten Jahre für Journalisten seit Beginn ihrer Erhebung: In 21 Ländern wurden 81 Medienvertreter in Ausübung ihres Berufes getötet. Außerdem wurden 56 Reporter Opfer von Entführungen, in erster Linie im Irak und im Gazastreifen. Darüber hinaus kamen 32 Mitarbeiter von Medienvertretern (Fahrer, Übersetzer und Techniker) bei ihrer unterstützenden Arbeit ums Leben. Dabei war der Irak erwartungsgemäß zum vierten Mal hintereinander das gefährlichste Land für Journalisten mit 64 Opfern, gefolgt von Mexiko mit neun und den Philippinen mit sechs Toten.[23]

In ihrem Jahresreport 2007 berichtet die Organisation, dass 2007 weltweit 86 Journalisten und Journalistinnen bei der Ausübung ihres Berufs getötet worden. Die meisten Medienvertreter (47) ließen ihr Leben im Irak. Außerdem wurden nach Informationen der ROG 877 Journalisten verhaftet, mehr als 1500 wurden von Polizei und Sicherheitskräften angegriffen.[24] Laut Jahresbericht 2012 von ROG starben in diesem Jahr weltweit 88 Journalisten und 47 Blogger, die in Krisengebieten recherchierten. Im Vorjahr war die Zahl der getöteten Journalisten um ein Drittel niedriger. Größten Anteil hatten die Länder Syrien, Pakistan und Somalia.[25]

China[Bearbeiten]

Reporter ohne Grenzen kritisiert in einem Bericht die massiven Internet-Sperren und die selektive Zugänglichkeit von Information über das Internet in China. Betroffen seien insbesondere Informationsangebote der Firmen Yahoo, Microsoft, Ebay und Google, deren Management sich aus wirtschaftlichen Interessen der Regierungszensur anpasse; aber auch Personen wie Hu Jia, die sich für Informationsfreiheit im eigenen Land einsetzen.

Menschenrechtspreis[Bearbeiten]

Um den Tag der Menschenrechte zeichnet ROG seit 1992 kritische Reporter mit einem Menschenrechtspreis aus. 2002 ging er an Grigori Pasko, 2004 an den marokkanischen Karikaturisten und Journalisten Ali Lmrabet, an Michèle Montas aus Haiti und die afrikanische Tageszeitung Daily News. 2005 ging der Preis an Massoud Hamid aus Syrien, an Zhao Yan aus China, an Tolo TV, einen unabhängigen Fernsehsender in Afghanistan und an die Nationale Union der somalischen Journalisten. Im Jahr 2006 wurden der Journalist Win Tin aus Myanmar, die russische Zeitung Nowaja Gaseta, die kongolesische Journalistenorganisation Journaliste en danger (JED) sowie der Cyberdissident Guillermo Fariñas Hernández aus Kuba für ihren Einsatz für Meinungs- und Pressefreiheit ausgezeichnet. 2008 waren die Preisträger Ricardo González Alfonso aus Kuba sowie die beiden Blogger Zarganar und Nay Phone Latt aus Myanmar. Seit einigen Jahren verleiht ROG auch einen eigenen Weblog-Award bei The BOBs. Bei der letzten Verleihung am 7. Dezember 2011 in Paris wurden der syrische Karikaturist Ali Fersat und die Wochenzeitung Weekly Eleven News aus Myanmar ausgezeichnet.[26]

Kritik[Bearbeiten]

  • 2003 wurde Reporter ohne Grenzen für ein Jahr die Beraterfunktion der UN-Menschenrechtskommission entzogen. Der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen schloss sich einer Initiative Kubas an, weil ROG die Übernahme der Präsidentschaft der UN-Menschenrechtskommission durch das totalitär regierte Libyen heftig kritisiert hatte. Mehrere westliche Länder distanzierten sich von dem umstrittenen Votum.[27]
  • Kritiker werfen ROG eine selektive Berichterstattung der Diskriminierung von Journalisten vor. Die Auswahl der Länder würde sich an der Schwarzen Liste des US-State Department orientieren, jedoch jegliche Berichterstattung bezüglich gegen Journalisten gerichtete Aktivitäten in mit den USA verbündeten Ländern oder den USA selbst möglichst vermeiden.[28]
  • Die Staatsführung Kubas reagierte auf kritische Berichte von RSF oft mit Diffamierung der Organisation und ihres Gründers: In der internationalen Ausgabe von Granma, dem offiziellen Organ des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas, ließ sie beispielsweise 2006 die These verbreiten, RSF sei „praktisch dafür geschaffen“ worden, „Kuba anzugreifen“. Die regierungsunabhängig auf der Insel tätigen Journalisten, auf die sich RSF berufe, seien „von der CIA gelenkt“, Robert Ménard habe Verbindungen zu der „faschistischen CIA-Schöpfung“ eines von George W. Bush vorgeschlagenen internationalen Freiheitsfonds und sei Teil einer „Söldner-Streitmacht“, die fast 50 Jahre mit dem alleinigen Ziel verbracht habe, „Kuba zu annektieren“.[29]
  • Die Nichtverlängerung der terrestrischen Sendelizenz des Privatsenders RCTV seitens der venezolanischen Telekommunikationsbehörde CONATEL im Jahr 2007 bezeichnete Reporter ohne Grenzen in ihrem Missionsbericht („Mission Report“) vom 5. Juni 2007[30] als „Schließung des Senders“, obwohl die Möglichkeit, das Programm weiterhin per Kabel, Satellit und Internet zu verbreiten, davon nicht betroffen war. Auch behauptete ROG, dass die Entscheidung der venezolanischen Telekommunikationsbehörde sich außerhalb aller rechtlichen Grundlagen befunden hätte, obwohl sie juristisch durch die Verfassung des Landes und das Telekommunikationsgesetz legitimiert war.[9] In einer Analyse des ROG-Berichts im Fernsehsender teleSUR unter dem Titel La consolidación de una mentira mediática a través de 39 embustes (deutsch: „Die Verankerung einer Medienlüge durch 39 Schwindeleien“) wurde dem Bericht in 39 Punkten unwahre Berichterstattung vorgeworfen. Insgesamt wurde der Bericht als einseitig und ohne das Minimum an journalistischer Ethik beschrieben.[31]
    Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte die Nichtverlängerung der Sendelizenz als politisch motiviert und als einen Rückschlag für die Meinungsfreiheit kritisiert.[32] Amnesty International äußerte sich ähnlich.[33] Nachdem die terrestrische Sendelizenz von RCTV seitens der venezolanischen Telekommunikationsbehörde CONATEL nicht verlängert worden war, verzichtete der Privatsender vorläufig ganz auf die Ausstrahlung eines regulären Programms.[9] Mit dem Auslaufen der Lizenz musste RCTV auch die technische Ausrüstung an den neuen öffentlichen Sender Teves übergeben,[34][35][36] womit laut RCTV-Chef Granier ein sofortiges Ausweichen auf Kabel stark behindert wurde.[37] Nachdem RCTV nach rund sieben Wochen seinen Sendebetrieb via Kabel und Satelliten wieder aufnahm, sprach Reporter ohne Grenzen auch nicht mehr von „Schließung“, forderte aber weiterhin die Rücknahme des Lizenzentzugs für die terrestrischen Frequenzen.[38]
  • Auf Kritik stieß auch, dass die Organisation den Fall des im Dezember 2001 auf einer Dienstreise nach Afghanistan in Pakistan entführten, schwer gefolterten und am 13. Juni 2002 nach Guantánamo verbrachten Kameramanns von Al Jazeera, Sami Al-Haj, bis zum Jahr 2006 vernachlässigt habe. Zwar forderte die Organisation schon am 20. September 2002 erstmals Erklärungen von den US-Behörden bezüglich der Festnahme Sami Al-Hajs, habe den Fall aber erst im Jahr 2006 wieder aufgenommen und von den US-Behörden seine Freilassung verlangt; am selben Tag als ein Bericht der Vereinten Nationen herausgegeben wurde, der die Schließung des Gefangenenlagers in Guantánamo forderte.[39][40][41]
  • Die Tötung von 16 Mitarbeitern der jugoslawischen Fernsehstation RTS durch einen NATO-Luftangriff auf die Station im April 1999 wurde in keinem Jahresbericht der Organisation kritisiert.[11]

Unabhängig dieser Fallbeispiele wird die methodische Vorgehensweise der Organisation stark kritisiert: lediglich drei Experten werden pro Land mit dem Ausfüllen des Fragebogens, der das einzige Instrument für die Indexbildung darstellt, beauftragt. Auch die Unabhängigkeit dieser Experten ist nicht immer zweifelsfrei gegeben.[42]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Jürgen Linden (links) und Annette Gerlach überreichen die Karlsmedaille stellv. an Jean-François Julliard

Literatur[Bearbeiten]

  • ROG-Report. seit April 2002 (erscheint vierteljährlich; vormals 43 Ausgaben unter dem Namen Rundbrief von 1994 bis 2001)
  • Fotos für die Pressefreiheit. taz-Verlag, seit 2003 (erscheint jährlich; vormals unter dem Namen 100 Fotos für die Pressefreiheit von 1994–2002)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reporters Without Borders – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Henri-Nannen-Preis 2009: Nervensäge im Dienst der Demokratie. In: Stern.de vom 3. Mai 2009, abgerufen am 1. Januar 2014
  2. Geoffroy Clavel: Robert Ménard soutenu par le FN pour les municipales à Béziers. In: Le Huffington Post vom 30. Mai 2013, abgerufen am 1. Januar 2014 (französisch)
  3. "Reporter ohne Grenzen" distanziert sich von rechtsextremem Ex-Chef. In: DerStandard.at vom 6. Juni 2013, abgerufen am 1. Januar 2014
  4. Lettre d’ex de RSF à Robert Ménard. Offener Brief mehrerer ROG-Verantwortlicher an Robert Ménard in Libération vom 4. Juni 2013, abgerufen am 1. Januar 2014 (französisch)
  5. In eigener Sache: Robert Ménard und Front National. Presseerklärung auf der Webseite von ROG Deutschland vom 6. Juni 2013, abgerufen am 1. Januar 2014
  6. Rubina Möhring: Meinungsfreiheit tut weh. In: DerStandard.at vom 11. Juni 2013, abgerufen am 1. Januar 2014
  7. In eigener Sache: ROG Schweiz zu Robert Ménard. Presseerklärung auf der Webseite von ROG Schweiz vom 14. Juni 2013, abgerufen am 1. Januar 2014
  8. Reporters Without Borders: Annual Accounts 2010 21. Juli 2011
  9. a b c d Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatElke Groß und Ekkehard Sieker: Mission Desinformation. In: Junge Welt. 1. August 2007, abgerufen am 24. Juni 2011.
  10. a b Jörg Becker: Weder NGO noch kritisch
  11. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJosé Manzaneda: Reporteros sin fronteras… morales. In: Red Voltaire. 28. Mai 2007, abgerufen am 24. Juni 2011 (spanisch).
  12. Jahresbericht 2012 (PDF), S. 39, Webseite ROG Deutschland, abgerufen am 1. Januar 2014
  13. Vorstand. Webseite ROG Deutschland, abgerufen am 1. Januar 2014
  14. Kuratorium. Webseite ROG Deutschland, abgerufen am 1. Januar 2014
  15. Chronik, auf der Webseite von ROG, abgerufen am 29. September 2014
  16. Eckdaten. Webseite von ROG Österreich, abgerufen am 1. Januar 2014
  17. Hintergrund und bisherige Preisträger abgerufen am 10. Dezember 2010
  18. Press Freedom Award" an Olga Bobrova und Michail Beketow im Standard, 10. Dezember 2010
  19. Press Freedom Award 2012. Webseite von ROG Österreich, abgerufen am 1. Januar 2014
  20. Hintergrund und bisherige Preisträger. Webseite von ROG Österreich, abgerufen am 1. Januar 2014
  21. ROG veröffentlicht aktuelle Rangliste der Pressefreiheit, vom 30. Januar 2013
  22. Namibia bei Pressefreiheit vorn, Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2011
  23. Die Zeit: Medien: Schwarzes Jahr für Journalisten, 31. Dezember 2006
  24. Basler Zeitung: Reporter ohne Grenzen: 86 Journalisten 2007 getötet, 2. Januar 2008
  25. Jahresbilanz von Reporter ohne Grenzen Gestorben für die freie Meinung, Süddeutsche Zeitung vom 19. Dezember 2012
  26. ROG-Preis für Pressefreiheit 2011: Syrischer Karikaturist und birmanische Wochenzeitung werden ausgezeichnet. Pressemitteilung der Reporter ohne Grenzen vom 7. Dezember 2011.
  27. netzeitung.de: Uno schließt Reporter ohne Grenzen von Sitzungen aus, 24. Juli 2003
  28. Volker Bräutigam: Reporter ohne Scham-Grenzen, 4. Mai 2006
  29. Jean-Guy Allard: RSF, Montaner and Posada on the side of Pedro Roig in: Granma International vom 25. September 2006, abgerufen am 27. November 2011 (englisch)
  30. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVenezuela: Closure of Radio Caracas Televisión paves way for media hegemony. In: Reporters Without Borders. 5. Juni 2007, abgerufen am 24. Juni 2011 (pdf; 154 kB, englisch).
  31. teleSUR: La consolidación de una mentira mediática a través de 39 embustes
  32. Venezuela: TV Shutdown Harms Free Expression, Human Rights Watch vom 21. Mai 2007
  33. Venezuela: freedom of expression in danger, Amnesty International vom 10. Mai 2007
  34. Regierungskritischer TV-Sender in Venezuela abgeschaltet, Deutsche Welle vom 28. Mai 2007
  35. RCTV sin señal y sin antenas, BBC Mundo vom 26. Mai 2007
  36. TSJ cede los equipos de RCTV a Conatel, noticias24.com vom 25. Mai 2007
  37. Marcel Granier: „Los equipos confiscados a RCTV han sufrido serios deterioros“, Globovisión vom 13. Juni 2007
  38. Government could make RCTV unavailable by cable on 1 August, Reporter ohne Grenzen vom 27. Juli 2007
  39. Voltairenet.org: Reporters without Borders remembers (lately) Sami Al Haj, 2. März 2006
  40. Salim Lamrani: Reporters without Borders Keeps silence about journalist tortured in Guantánamo, Voltairenet.org, 7. Februar 2006
  41. Reporter ohne Grenzen: Al-Jazeera journalist held at Guantanamo vom 26. September 2002
  42. Hessel, Alexander & Michael Haller (2003). “Auf die Plätze. World Press Freedom Index von Reporter ohne Grenzen: moralisch legitim, doch handwerklich nicht einwandfrei”. In: Message, Internationale Fachzeitschrift für Journalismus 01, S. 50–55.
  43. sueddeutsche.de: Das Internet als Medium der Überwachung 26. März 2009
  44. La Princesa de Asturias preside la entrega de los Premios Internacionales de Periodismo. Webseite des Club Internacional de Prensa vom 19. Dezember 2012, abgerufen am 1. Januar 2014 (spanisch)
  45. Freedom of Speech Award for Reporters Without Borders. Webseite des Freedom of Speech Award vom 4. Juni 2013, abgerufen am 1. Januar 2014 (englisch)