Piribedil

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Strukturformel
Strukturformel von Piribedil
Allgemeines
Freiname Piribedil
Andere Namen
  • 2-[4-(1,3-Benzodioxol-5-ylmethyl) piperazin-1-yl]pyrimidin (IUPAC)
  • ET495
  • EU4200
Summenformel C16H18N4O2
CAS-Nummer
  • 3605-01-4
  • 78213-63-5 (Maleat)
PubChem 4850
ATC-Code

N04BC08

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Parkinsonmittel

Wirkmechanismus

Dopamin-D2/3-Rezeptoragonist

Eigenschaften
Molare Masse 298,34 g·mol−1
Schmelzpunkt
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]

Maleat

07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​335
P: 261​‐​305+351+338 [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][3]

Xi
Reizend
R- und S-Sätze R: 36/37/38
S: 26​‐​36
Toxikologische Daten

1460 mg·kg−1 (LD50Mausoral)[5]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Piribedil (Handelsname in Deutschland: Clarium; Hersteller: Desitin) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Dopaminagonisten, der in der Behandlung der Parkinsonschen Erkrankung eingesetzt wird. Piribedil ist ein Piperazin-Derivat und gehört damit zu den Non-Ergot-Dopaminagonisten. Neben der stimulierenden Wirkung auf die Dopamin-Rezeptoren D2/3 hemmt es die α2-Adrenorezeptor-Subtypen α2A und α2C.

Darstellung und Gewinnung[Bearbeiten]

Die Verbindung kann in einer vierstufigen Synthesesequenz hergestellt werden. Im ersten Schritt wird aus Brenzcatechin und Methylenchlorid das Benzodioxol erhalten. Dieses wird dann in einer Friedel-Crafts-Alkylierung mit Formaldehyd in Gegenwart von Salzsäure und Zinkchlorid zum 5-Chlormethylbenzo[1,3]dioxol umgesetzt.[6] Die anschließende Reaktion mit Piperidin ergibt das 1-Benzo[1,3]dioxol-5-ylmethyl-piperazin[7], welches im letzten Schritt mit 2-Chlorpyrimidin zur Zielverbindung umgesetzt wird.[8]

Piribedil synthesis01.svg

Klinische Angaben[Bearbeiten]

Anwendungsgebiete (Indikationen)[Bearbeiten]

Piribedil ist zur Behandlung der frühen und fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit sowohl in Mono- als auch in Kombinationstherapie mit L-Dopa zugelassen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)[Bearbeiten]

Piribedil darf nicht angewendet werden

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten[Bearbeiten]

Die gleichzeitige Anwendung von Neuroleptika und Piribedil kann zu psychotischen Störungen führen oder sie verstärken.

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit[Bearbeiten]

Die Wirkungen von Piribedil bei Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit sind nicht ausreichend bekannt. Daher sollte Piribedil während Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)[Bearbeiten]

Piribedils Nebenwirkungen sind dosisabhängig und treten meist nur bei Behandlungsbeginn auf und verschwinden nach Abbruch der Behandlung.

  • Magen-Darm-Trakt: leichte Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Blähungen) treten häufig auf. Sie verschwinden of wieder nach individueller Dosisanpassung.
  • Nervensystem: Zerstreutheit, Halluzinationen, Erregung oder Schwindelgefühl wurden häufig beobachtet. Es kann zu Schläfrigkeit kommen; in sehr seltenen Fällen wurden übermäßige Tages-Schläfrigkeit sowie plötzliche Schlafanfälle beobachtet.
  • Herz-Kreislauf-System: sehr selten wurden niedriger oder instabiler Blutdruck mit Synkopen oder Übelkeit beobachtet.
  • Psychiatrische Erkrankungen: Zeichen von Spielsucht/pathologischem Spielen, Libidosteigerung und Hypersexualität wurden berichtet.
  • Allergie: der Inhaltsstoff Ponceau 4R kann allergische Reaktionen hervorrufen.
  • Überdosierung: hohe Dosierungen von Piribedil führen zu Brechreiz. Daher kommen Überdosierungen sehr selten vor. Anzeichen einer Überdosis sind instabiler Blutdruck oder Übelkeit und Erbrechen.

Sonstige Informationen[Bearbeiten]

Geschichtliches[Bearbeiten]

Die Substanz wurde in den 1960er Jahren bei dem französischen Unternehmen Servier synthetisiert und seit Anfang der 1970er Jahre klinisch eingesetzt, zunächst in der Augenheilkunde[9] und bald danach auch bei der Parkinson-Erkrankung.[10] Piribedil wurde jedoch lange nur selten genutzt, da man annahm, dass sich seine Wirksamkeit auf die Reduzierung des Tremors bei der Parkinson-Erkrankung beschränken würde.[11]

Seit Mitte der 1970er Jahre wurde Piribedil häufig zur Behandlung von Gefäßkrankheiten[12] und leichten kognitiven Beeinträchtigungen[13] genutzt. Für diese Anwendungsgebiete war Piribedil auch in Deutschland seit 1975 als Trivastal im Handel (gegenwärtig nicht mehr vertrieben).

Erst unlängst wurde Piribedil systematisch bei der Parkinson-Erkrankung nachuntersucht. Die Ergebnisse der CONTROL[14] sowie der REGAIN-Studie[15] führten zu einer Neubewertung der Substanz und 2007 auch zu der o. a. Zulassung in Deutschland.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 1292, ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. a b Kuhnert-Brandstätter, M.; Bösch, L.: Polymorphe Arzneistoffe: Amisometradin, Bolandioldipripionat, Clominorex, Etaphedrinhydrochlorid und Piribedil in Sci. Pharm. 46 (1978) 62–67.
  3. a b c Datenblatt Piribedil maleate salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 21. April 2011 (PDF).
  4. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. Laubie M, Schmitt H, Le Douarec JC. Cardiovascular effects of the 1-(2" pyrimidyl)-5 piperonyl piperazine (ET495). Eur J Pharmacol 1969;6:75-82. PMID 4389616.
  6. Schorygin et. al: Chem. Zentralbl. 110 (1939) 2178.
  7. Wilson Cunico, Claudia R.B. Gomes, Marcele Moreth, Diogo P. Manhanini, Isabela H. Figueiredo, Carmen Penido, Maria G.M.O. Henriques, Fernando P. Varotti, Antoniana U. Krettli: Synthesis and antimalarial activity of hydroxyethylpiperazine derivatives in Eur. J. Med. Chem. 44 (2009) 1363–1368, doi:10.1016/j.ejmech.2008.04.009.
  8. A. Kleemann, J. Engel, B. Kutscher, D. Reichert: Pharmaceutical Substances - Synthesis, Patents, Applications, 4. Auflage (2001) Thieme-Verlag Stuttgart, ISBN 978-1-58890-031-9.
  9. Feuillerat J, Jaubert F, Vedy J, Chovet M. Le EU 4200 (Piribedil) en pratique ophtalmologique courante. Premiers resultats. Med Trop (Mars). 1970;30:215-35. PMID 5426024.
  10. Sweet RD, Wasterlain C, McDowell FH. Piribedil–an oral dopamine agonist for treatment of Parkinson's disease. Trans Am Neurol Assoc. 1974;99:258-60, PMID 4463553.
  11. Smith L, De Salvia M, Jenner P, Marsden CD. An appraisal of the antiparkinsonian activity of piribedil in 1-methyl-4-phenyl-1,2,3,6-tetrahydropyridine-treated common marmosets. Mov Disord. 1996;11:125-35, PMID 8684381.
  12. Piccinelli A, Neri G, Agnoli A. Trattamento medico a lungo termine dei postumi delle cerebrovasculopatie acute (confronto papaverina-piribedil). Minerva Med. 1974;65:4199-213, PMID 4610451.
  13. Nagaraja D, Jayashree S. Randomized study of the dopamine receptor agonist piribedil in the treatment of mild cognitive impairment. Am J Psychiatry. 2001;158:1517-9, PMID 11532743.
  14. Castro-Caldas A, Delwaide P, Jost W et al. The Parkinson-Control study: a 1-year randomized, double-blind trial comparing piribedil (150 mg/day) with bromocriptine (25 mg/day) in early combination with levodopa in Parkinson's disease. Mov Disord 2006;21:500-9; PMID 16267842.
  15. Rascol O, Dubois B, Caldas AC et al. Early piribedil monotherapy of Parkinson's disease: A planned seven-month report of the REGAIN study. Mov Disord 2006;21:2110-5, PMID 17013922.
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