Servier

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Servier
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Rechtsform S.A.S
Gründung 1954
Sitz Suresnes FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Jean-Philippe Seta (CEO)
Mitarbeiter 20.000 [1]
Umsatz 3,7 Mrd. Euro (2009/2010) [1]
Branche Pharmazie
Website www.servier.de
www.servier.com

Les Laboratoires Servier ist ein französisches, privates Pharmazieunternehmen, das 1954 von dem Arzt und Apotheker Jacques Servier gegründet wurde. Servier beschäftigt weltweit in 140 Ländern etwa 20.000 Mitarbeiter, wovon 3.000 in Forschung und Entwicklung beschäftigt sind. Seit 2002 ist die Firma Servier eine Forschungsstiftung. Die deutsche Tochtergesellschaft existiert seit 1996.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

1954 wurde Servier von dem Arzt und Apotheker Jacques Servier als Forschungslabor mit neun Personen gegründet. Seitdem hat Servier über 40 Medikamente in eigener Forschung entwickelt und beschäftigt heute über 20.000 Mitarbeiter in 140 Ländern, seit 1996 mit einer Niederlassung in München auch in Deutschland.[2]

Die Europäische Kommission gab am 8. Juli 2009 bekannt, dass ein formales Kartellverfahren gegen Servier und mehrere Hersteller generischer Arzneimittel wegen wettbewerbsbeschränkender Verhaltensweisen, sowie missbräuchlicher Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung eingeleitet wurde.[3]

Wegen der Blockade günstiger Alternativen zu einem Medikament hat die EU-Kommission 2014 eine Strafe von insgesamt 427,7 Millionen Euro gegen sechs Unternehmen ausgesprochen. Der französische Pharmakonzern Servier und fünf weitere Firmen hätten den Preis für das blutdrucksenkende Medikament Perindopril künstlich hoch gehalten. Die Wettbewerbshüter werfen Servier vor, strategisch Patente für Nachahmer-Medikamente, sogenannte Generika, aufgekauft zu haben. Dadurch sei die Einführung günstigerer Medikamente verhindert worden. [4]

Produkte[Bearbeiten]

Herz-Kreislauf[Bearbeiten]

  • Procoralan®, (Ivabradin) wird eingesetzt zur Behandlung der chronischen stabilen Angina Pectoris bei Patienten mit Sinusrhythmus, bei denen Betablocker kontraindiziert sind oder eine Unverträglichkeit für Betablocker vorliegt. In Kombination mit Betablockern bei Patienten, die mit einer optimalen Betablockerdosis unzureichend eingestellt sind und deren Herzfrequenz >60 Schläge pro Minute (bpm) ist. Ivabradin ist indiziert bei chronischer Herzinsuffizienz der NYHA Klasse II bis IV mit systolischer Dysfunktion, bei Patienten im Sinusrhythmus mit einer Herzfrequenz ≥ 75 Schläge pro Minute (bpm), in Kombination mit Standardtherapie einschließlich Betablocker oder wenn Betablocker kontraindiziert sind oder eine Unverträglichkeit vorliegt.[5]
  • BiPreterax®N / Preterax®N, eine Fixkombination aus dem ACE-Hemmer Perindopril-Arginin und dem Thiazidanalogon Indapamid zur Behandlung der Hypertonie (Bluthochdruck). BiPreterax®N enthält die doppelte Dosierung und ist geeignet für Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko, wie z.B. Diabetiker, da hier nach Leitlinien eine Kombinationstherapie von Anfang an empfohlen wird.[6]
  • Coversum® (Perindopril), ein ACE-Hemmer mit zwei Indikationen: Bluthochdruck und Herzinsuffizienz.

Osteoporose[Bearbeiten]

  • Protelos®, (Strontiumranelat) zur Behandlung der Osteoporose. Strontiumranelat hemmt die Knochenresorption und regt die Neubildung der Knochensubstanz an.

Zentrales Nervensystem[Bearbeiten]

  • Valdoxan®, (Agomelatin) eine dem Melatonin strukturell verwandte chemische Verbindung, die in der Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen eingesetzt wird

Zurückgezogene Produkte[Bearbeiten]

In der Vergangenheit wurde mit dem Antidepressivum Amineptin ein Medikament - außerhalb Deutschlands - auf den Markt gebracht, das wegen seiner suchtfördernden Wirkung stark umstritten war und schließlich wieder vom Markt genommen wurde. Amineptin ist in Deutschland ein verkehrsfähiges, aber nicht verschreibungsfähiges Betäubungsmittel und in Deutschland nie auf dem Markt gewesen.[7]

Der von Servier unter den Markennamen Mediaxal® und Mediator® - außerhalb Deutschlands - vertriebene Appetitzügler Benfluorex löste - wie viele als Abmagerungsmittel verwendete Stimulanzien - Herzklappenschäden aus und wird offiziell für Hunderte Todesfälle in Frankreich verantwortlich gemacht.[8] Das 1975 eingeführte Medikament wurde erst 2009 nach einer Negativbewertung durch den Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur vom Markt genommen und im Juni 2010 durch die Europäische Kommission verboten.[9] Benfluorex ist in Deutschland nie auf dem Markt gewesen.[10]

Servier Forschungspreise[Bearbeiten]

Franz-Loogen-Preis[Bearbeiten]

Mit dem Preis werden jährlich Wissenschaftler ausgezeichnet, die früh eine neue Entwicklung im Bereich der Kardiologie gesehen, begründet und/oder verfolgt und so ein neues Wissensgebiet eröffnet haben.[11]

Rudi Busse-Young-Investigator-Award[Bearbeiten]

Mit dem Preis werden experimentell tätige junge Wissenschaftler bis 35 Jahre ausgezeichnet. Interessenten reichen ihr Abstract zur DGK-Jahrestagung in Mannheim ein und kreuzen an, dass sie sich damit zusätzlich um den Rudi-Busse-Young Investigator Award für Experimentelle Kardiologie bewerben wollen. Das Kuratorium wählt vier Kandidaten aus, die bei dem Kongress in einer gemeinsamen Sitzung ihre Vorträge halten. Nach der Sitzung in Mannheim entscheidet das Kuratorium, wer von den vier Kandidaten erster Preisträger wird.[11]

Hermann Rein-Preis[Bearbeiten]

Der Preis wird an Wissenschaftler für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen oder klinischen Forschung in Mikrozirkulation und vaskulärer Biologie verliehen.[11]

Hans Heimann-Preis[Bearbeiten]

2009 wurde erstmals, anlässlich des DGPPN-Kongresses in Berlin, dieser Preis verliehen. Ausgezeichnet werden 3 Tandems von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie ihre Betreuerinnen und Betreuer.[11]

Galenus von Pergamon-Preis (Prix Galien)[Bearbeiten]

In 2009 erhielt Procoralan® den Galenus von Pergamon-Preis (Prix Galien) in der Kategorie Primary Care. Obwohl die koronare Herzkrankheit (KHK) mit einer hohen Mortalität assoziiert ist, gab es in der medikamentösen Behandlung von Patienten mit stabiler KHK seit fast drei Jahrzehnten keine echte Innovation mehr. Mit Ivabradin beschreitet Servier einen vollkommen neuen Weg in der Behandlung der symptomatischen KHK. Die wissenschaftlich hohe Auszeichnung für Procoralan® ist eine besondere Anerkennung dessen.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Zahlen und Fakten, WebSite Servier Deutschland
  2. Historie, WebSite Servier Deutschland
  3. europa.eu: Kartellrecht: Kommission leitet Prüfverfahren gegen Les Laboratoires Servier und mehrere Hersteller generischer Arzneimittel ein (8. Juli 2009)
  4. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/pharmaindustrie-generika-medikamente-strafe-100.html
  5. Fachinformation Procoralan®: (PDF; 111 kB) auf Fachinfo-Service.
  6. Patel A., ADVANCE trial The Lancet, Volume 370, Issue 9590, Pages 829 - 840, 8 September 2007
  7. Betäubungsmittelgesetz (BGBl. I 2001, 1187 - 1189), Anlage II; Stand 14. November 2011.
  8. Diabetes-Medikament für 500 Todesfälle in Frankreich verantwortlich. Dt. Ärzteblatt online, 16. November 2010 (Zugriff am 18. Januar 2011)
  9. Europäische Arzneimittelagentur: Benfluorex. (Zugriff am 18. Januar 2011)
  10. Ermittlungen gegen Jacques Servier Ärztezeitung online, 22. September 2011 (Zugriff am 14. November 2011)
  11. a b c d Wissenschaftspreise, WebSite Servier Deutschland
  12. Galenus von Pergamon-Preis, Ärzte Zeitung, 19. Oktober 2009

48.87362.2268Koordinaten: 48° 52′ 25″ N, 2° 13′ 36,5″ O