Polyptychon
Der Begriff Polyptychon (griechisch = „Vielbild“) bezeichnet ein Mehrfachbild oder – im mitteleuropäischen Sprachgebrauch – einen mehrfach klappbaren Flügelaltar oder „Wandelaltar“. Ein Mehrfachbild mit nur zwei Bildteilen oder Flügeln wird Diptychon, eines mit drei Bildteilen Triptychon genannt. Selten gebraucht ist der Begriff „Pentaptychon“ für ein fünfteiliges Bild.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Die Geschichte der vielbildrigen Altaraufsätze ist bislang nur wenig erforscht. Ihr Ursprung dürfte gleichermaßen in den byzantinischen Ikonostasen wie in kleinen klappbaren Elfenbeinaltärchen zu suchen sein, die seit dem ausgehenden Mittelalter in Italien nachgeahmt wurden. Von dort aus gelangte die Tradition letztlich auch nach Mitteleuropa, wo die ersten größeren Flügelaltäre entstanden, und nach Spanien, wo die größten – nicht wandelbaren – Altarretabel zu finden sind.
Beispiele [Bearbeiten]
- Genter Altar, Jan van Eyck (um 1430)
- Das Jüngste Gericht, Rogier van der Weyden (um 1460)
- Isenheimer Altar, Mathias Grünewald (um 1510)
Italien und Spanien [Bearbeiten]
In Italien werden auch die mehrteiligen, aber starr montierten Altarretabel als polittico bezeichnet. Die oft riesigen und vielbildrigen, aber nicht veränderbaren Altarretabel im spanischen Kulturraum werden gemeinhin nicht als Polyptychon, sondern als retablo bezeichnet. Wandelaltäre mit beweglichen Flügeln existieren in beiden Regionen nicht.
-
Pietro Lorenzetti, Tarlati-Polyptychon in Santa Maria della Pieve, Arezzo (um 1320)
-
Giotto di Bondone, Baroncelli-Polptychon in Santa Croce, Florenz (um 1335)
-
Gentile da Fabriano, Polyptychon aus dem Valle Romita (um 1415)
-
Carlo Crivelli, Polyptychon von Sant' Emidio in Ascoli Piceno (um 1470)
Siehe auch [Bearbeiten]
Weitere Bedeutungen [Bearbeiten]
- ein von der Antike bis ins Hochmittelalter verwendeter Block von mehr als drei Schreibtäfelchen, die mit einem einfachen Scharnier verbunden sind (siehe Wachstafel, Antike Kodices)
- frühmittelalterliches Urbar, insbesondere in Frankreich
Literatur [Bearbeiten]
- H. Lüdecke: Zur Frage Polyptychon. in: Bildende Kunst 3, 1970; Polyptiques, Kat. Paris 1990