Triptychon

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Dieser Artikel behandelt dreigeteilte Kunstwerke – zu anderen Bedeutungen siehe Triptychon (Begriffsklärung).
Byzantinisches Elfenbeintriptychon, 10. Jh.
Dresdner Triptychon (Marienaltar), Jan van Eyck, um 1437
Das Jüngste Gericht, Hans Memling, um 1470
Akseli Gallen-Kallela, Aino-Triptychon, 1891
Links: Erste Begegnung des greisen Väinämöinen mit der jungen Aino; rechts: Aino nach dessen Werbung verzweifelt am Ufer; Mitte: Sie entspringt ihm auf immer.
Großer Zoologischer Garten, August Macke, 1913
Triptychon von Elmar von Eschwege aus dem Jahre 1915. Es stellt die Eroberung Belgrads durch das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208 dar.

Als Triptychon (Plural: Triptychen, Triptycha; von altgriechisch tríptychos „dreifach gefaltet, aus drei Lagen bestehend“)[1] werden dreigeteilte Gemälde oder dreiteilige Relieftafeln bezeichnet, die oft mit Scharnieren zum Aufklappen verbunden sind und sich insbesondere als Andachts- oder Altarbild finden. Triptychen bestehen aus einer Mitteltafel und zwei meist schmaleren Flügeln, manchmal ergänzt durch einen Sockel (Predella) unter dem Mittelteil. Ein Triptychon mit christlichen Motiven und mit beweglichen Seitenteilen zum Verschließen des Mittelteils ist eine mögliche Form eines Flügelaltars.

Größe und Verwendungszweck[Bearbeiten]

Die Größe eines Triptychons hängt stark von seiner Verwendung ab. Diese reicht von sehr kleinen Triptychen für die Mitnahme auf Reisen, beispielsweise dem Dresdner Marienaltar von Jan van Eyck, über mittelformatige Tafeln wie dem Johannesaltar eines Rogier van der Weyden, die sich dann in kleinen Kapellen oder privaten Andachtsräumen befinden, bis hin zu großen Altären, die prominent in der Apsis einer Kirche stehen, z. B. der Marienaltar von Conrad von Soest.

Bei den als Altären verwendeten Triptychen kann man eine Alltagsseite (geschlossener Zustand) und Feiertagsseite (geöffnet) unterscheiden. Die Außenseiten sind meist schlicht gehalten, oftmals mit einer sehr reduzierten Farbpalette bis hin zu reinem Grisaille. Im Gegensatz dazu stehen die aufwendigen, farbenprächtigen, in der Gotik auch mit Goldgrund, gemalten Innenseiten. Bei den Reisetriptychen haben die Außenseiten eine Schutzfunktion und sind deshalb auch einfacher gehalten.

Inhalte und Motive[Bearbeiten]

Die Dreiteilung erlaubt eine Betonung von bestimmten Figuren oder Handlungen auf der Mitteltafel – in der christlichen Malerei beispielsweise Szenen mit Jesus oder einer Madonna. Auf den Flügeln sind dann Nebenfiguren wie die Stifter oder andere mehr lokal wichtige Heilige oder Geistliche abgebildet. Weiterhin kann auch die zentral dargestellte Handlung mit vorausgehenden und nachfolgenden Szenen verknüpft und begleitet werden. Die Leserichtung des Triptychons ist dabei meistens von links nach rechts. Auch lassen sich weit auseinander liegende Geschehnisse miteinander verbinden: Das Triptychon Der Heuwagen von Hieronymus Bosch spannt den Bogen vom Paradies über die Welt bis zur Hölle. Beim Jüngsten Gericht von Hans Memling werden die Erlösten auf der linken Tafel und die Verdammten auf der rechten gezeigt.

Moderne Triptychen[Bearbeiten]

Das Triptychon findet sich auch in der Kunst des späten 19. und 20. Jahrhunderts – so das Aino-Triptychon des finnischen „Brücke“-Künstlers Akseli Gallén-Kallela, sowie in der Gegenwart. Auf deutschsprachiger Seite sind hier insbesondere Otto Dix, Max Beckmann und Oskar Kokoschka zu nennen. Dabei sind die Themen nicht mehr auf das Religiöse fixiert: Bei Dix ist es der Erste Weltkrieg und seine Folgen; bei Beckmann und Kokoschka werden mythologische Geschichten und auch künstlerische Zitate von Alten Meistern neu zusammengesetzt. Auch Guernica von Pablo Picasso und Barnett Newmans Serie Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue können als Triptychen und eine Auseinandersetzung mit ihnen angesehen werden. Ein weiterer Künstler, der Bilder als Triptychen anordnete, ist der englische Maler Francis Bacon.

Daneben entstehen aber auch heute noch Triptychen mit religiöser Thematik, bisweilen auch ungegenständliche Gemälde wie Gary Stephans (*1942) 1984 entstandene Trinität.

Ausgewählte Triptychen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Diptychon (zweigeteiltes Bild oder Relief)
  • Polyptychon (mehrfachgeteiltes Bild oder Relief)
  • Wachstafel (rechteckige Schreibtafel aus Holz, ein- oder beidseitig mit Wachs beschichtet)
  • Antike Kodices (Stapel beschrifteter oder zur Beschriftung vorgesehener Holz- oder Wachstafeln)

Literatur[Bearbeiten]

  • Marion Ackermann (Hrsg.): Drei. Das Triptychon in der Moderne. Kunstmuseum Stuttgart & Cantz, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7757-2327-5.
  • Reinhard Brandt (Hrsg.): Meisterwerke der Malerei. Von Rogier van der Weyden bis Andy Warhol. Reclam, Leipzig 2001, ISBN 3-379-20013-1.
  • Klaus Gallwitz (Hrsg.): Max Beckmann. Die Triptychen im Städel. Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut, Frankfurt 1981.
  • Friedhelm Mennekes: Triptychon. Moderne Altarbilder in St. Peter Köln. Insel, Frankfurt/Leipzig 1995, ISBN 3-458-16746-3.
  • Antje Maria Neuner: Das Triptychon in der frühen altniederländischen Malerei. Bildsprache und Aussagekraft einer Kompositionsform. Lang, Frankfurt 1995, ISBN 3-631-49122-0.
  • Caterina Limentani Virdis, Mari Pietrogiovanna: Flügelaltäre. Bemalte Polyptychen der Gotik und Renaissance. Hirmer, München 2002, ISBN 3-7774-9520-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Triptychen – Bilder und Mediendateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. G. Freytag Verlag/Hölder-Pichler-Tempsky, München/Wien 1965.