Pony-Express

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Pony-Express (Begriffsklärung) aufgeführt.
Pony-Express-Denkmal in St. Joseph, Missouri

Der Pony-Express war ein als Reiterstafette organisierter Postbeförderungsdienst in den Vereinigten Staaten und war für rund ein Jahr die schnellste Postverbindung in Nordamerika. Die über 3000 km lange Route ging von St. Joseph in Missouri nach Sacramento in Kalifornien.

Der Pony-Express nahm nach einer Initiative von William Hepburn Russell am 3. April 1860 den Betrieb auf. Ihr Verlauf wurde 1992 als Pony Express National Historic Trail ausgewiesen und in das National Trails System aufgenommen.

Betrieb[Bearbeiten]

Hauptquartier des Pony-Express' im Patee House in St. Joseph, Missouri

Die Route verlief von Saint Joseph (Missouri) nach Sacramento über eine Distanz von 3.200 km. Ungefähr alle 15 bis 20 km stand eine Zwischenstation. Die Postboten waren zu Pferd unterwegs. Die Arbeit war nicht ungefährlich, so wurden vornehmlich junge, ungebundene Männer angestellt, die nicht älter als 18 Jahre und nicht schwerer als 60 kg waren. Sie waren oftmals Waisen. Einer der bekanntesten war Buffalo Bill.

Der Pony-Express war wegen seines Stafettensystems sehr schnell. Jeder Kurier wurde nach maximal 300 km ausgewechselt. Er führte etwa 10 kg Eilpost mit sich. Im Schnitt übernahm nach 80 km ein neuer Junge die Post. Für die gesamte Strecke benötigten sie etwa 75 Ponys und 40 Reiter. Nach zehn Tagen waren sie am Ziel.

Der Pony-Express umfasste 153 Zwischenstationen, 80 Kuriere, 500 Pferde sowie 200 Pferdepfleger.

Der größte Teil ihres Ritts ging durch feindliches Indianerterritorium. Immer wieder musste der Betrieb aufgrund von Angriffen feindlicher Indianer eingestellt werden. Außerdem stießen Pferde und Reiter schnell an ihre Leistungsgrenzen.

Am 22. Oktober 1861, also nach nur etwas mehr als einem Jahr, wurde ihr Dienst von der transkontinentalen Telegrafenleitung übernommen. Trotz seiner perfekten Logistik wurde der Pony-Express zu einem finanziellen Desaster, er hatte jedoch bei der Bevölkerung ein großes Ansehen.

Streckenführung[Bearbeiten]

Pony Express Streckenkarte des National Park Service

Die sich über etwa 3.100 km erstreckende Route folgte dem Oregon Trail und dem California Trail bis Fort Bridger in Wyoming sowie weiter dem Mormon Trail bis Salt Lake City, Utah. Von hier folgte sie etwa der Central Nevada Route bis nach Carson City, Nevada, um von dort die Sierra Nevada nach Sacramento in Kalifornien zu überqueren. Rechnet man die Beförderung bis San Francisco ein, die zu Pferde oder per Schiff erfolgte, ergibt sich eine Gesamtlänge von etwa 3200 km.[1][2]

Pony-Express-Route durch Utah

Die Route begann in Saint Joseph (Missouri) und folgte der heutigen Route 36 (dem „Pony Express Highway“) bis Marysville in Kansas, um von dort in nordwestlicher Richtung dem Little Blue River bis Fort Kearny in Nebraska zu folgen. Von hier folgte sie der Great Platte River Road durch Gothenburg (Nebraska), Courthouse Rock, Chimney Rock und Scotts Bluff bis sie in Julesburg Colorado erreichte, von wo sie weiter nach Fort Laramie und Register Cliff in Wyoming verlief. Von hier folgte sie dem Sweetwater River entlang nach Independence Rock, Devil's Gate (Wyoming) und Split Rock bis nach Fort Caspar, über den South Pass nach Fort Bridger und weiter nach Salt Lake City. Von Salt Lake City folgte sie exakt der Central Nevada Route, wie sie 1859 von Captain James H. Simpson vom Corps of Topographical Engineers kartographiert worden war. Diese Strecke entspricht etwa dem heutigen US Highway 50 durch Nevada und Utah. Sie überquert das Große Becken, die Utah-Nevada-Wüste und die Sierra Nevada bei Lake Tahoe, bevor sie Sacramento erreicht. Von hier wurde die Post mit dem Dampfschiff über den Sacramento River nach San Francisco weitergeschickt. Falls gerade kein Dampfschiff zur Verfügung stand, brachten die Reiter die Post noch zu Pferde weiter nach Oakland, Kalifornien.

Statistik[Bearbeiten]

  • Erster Ritt: 3. April 1860 - 14. April 1860
  • Jüngste Reiter: David Lay und William Frederick Cody (Buffalo Bill), jeweils 14 Jahre alt
  • Schnellster Transfer: 7 Tage, 17 Stunden mit Abraham Lincolns Antrittsrede
  • Längste Ritte: "Pony Bob" Haslam mit 380 Meilen und W. F. Cody mit 384 Meilen
  • Gesamtstatistik: 120 Reiter, 650.000 zurückgelegte Meilen, 1 Reiter wurde von Indianern getötet, eine Sendung ist nicht vollständig angekommen, eine ist verloren gegangen.

Rezeption[Bearbeiten]

Frank E. Webner, Pony-Express-Reiter, etwa 1861

Unter dem Titel The Young Riders entstand Anfang der 1990er Jahre eine Fernsehserie mit Stephen Baldwin, Josh Brolin, Christopher Pettiet, Anthony Zerbe und anderen in den Hauptrollen. Die Serie befasste sich mit dem Alltag der Pony-Express-Reiter, thematisiert aber auch Sklaverei und Probleme der Kiowa-Indianer.

Der Pony-Express ist auch Gegenstand eines Lucky Luke-Comics.

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Mittler: Eroberung eines Kontinents. Der große Aufbruch in den amerikanischen Westen. Zürich: Atlantis Verlag, 1968.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pony-Express – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Pony Express – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nancy Pope: National Postal Museum: The Story Of The Pony Express (englisch) National Postal Museum. 1992. Abgerufen am 25. März 2010.
  2. Anthony Godfrey: Pony Express National Historic Trail: Historic Resource Study (englisch) National Park Service. August 1994. Abgerufen am 25. März 2010.