Poseidonios

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Büste des Poseidonios, Archäologisches Nationalmuseum Neapel (Inventarnummer 6142)

Poseidonios (griechisch Ποσειδώνιος Poseidōnios, latinisiert Posidonius; * 135 v. Chr.; † 51 v. Chr.) war ein bedeutender griechischer Philosoph, Geschichtsschreiber und Universalgelehrter des klassischen Altertums aus dem syrischen Apameia. Obwohl in Syrien geboren, war er griechischer Herkunft. Nach dem Studium in Athen ließ er sich auf der Insel Rhodos nieder, für die er immer wieder auch in diplomatischer Mission führend tätig wurde. Poseidonios war besonders in Rom geachtet, nicht zuletzt, weil er die römische Ordnungsmacht in der damaligen Weltpolitik vorbehaltlos akzeptierte.

Philosophie[Bearbeiten]

Poseidonios war ein Schüler des Panaitios von Rhodos. Er ist der philosophischen Schule der mittleren Stoa zuzurechnen. Zu den Hörern seiner Vorlesungen zählten u. a. Cicero und Pompeius. Von besonderem Interesse ist sein Beitrag zur stoischen Affektenlehre.

Im Widerspruch zu den Vertretern der älteren Stoa, besonders Chrysippos, vertrat Poseidonios die Auffassung, Affekte seien verursacht von vernunftlosen Teilen der Seele. Die älteren Stoiker waren der Meinung gewesen, die Seele sei ein einheitliches und vernünftiges Führungsvermögen des Menschen. Obwohl die Seele vernünftig sei, könne sie jedoch getäuscht werden und deshalb unvernünftigen Entscheidungen und Affekten zustimmen. Poseidonios erschien diese Erklärung nicht plausibel. So kehrte er zur Auffassung Platons zurück, die Seele bestünde aus den drei Teilen Vernunft, Begierde und Mut, womit sich auch erklären ließe, warum in Kindern – unabhängig von einer guten Erziehung – unvernünftige Affekte aufkeimen und warum die Affekte mit der Zeit nachlassen; Fragen, die Chrysippos nicht ausreichend hatte beantworten können.

Poseidonios als Ethnograph[Bearbeiten]

Etwa ab 105 v. Chr. unternahm Poseidonios ausgedehnte Reisen, die ihn u. a. bis nach Spanien führten. Ebenfalls berichtet wird von wiederholten Reisen nach Rom.

In seinem Werk Über den Okeanos und seine Probleme – wie alle Werke des Poseidonios nur durch Zitate anderer Autoren überliefert – entwarf er eine Klimazonentheorie, der zufolge die Völker des Nordens und Südens auf Grund des Klimaeinflusses zu unterscheiden seien: Die Völker des Nordens hätten einen mächtigeren Körper, eine hellere Haut, gerades rötliches Haar, blaue Augen und viel Blut. Sie besäßen zwar einen stumpfen Geist, zeichneten sich jedoch durch einen wegen ihrer Unbedachtheit großen Kampfesmut aus. Demgegenüber wurden die im Süden lebenden Menschen als von kleinem Wuchs, mit brauner Haut, krausem Haar, dunklen Augen, mageren Beinen und wenig Blut charakterisiert. Sie zeichneten sich durch eine scharfen Geist, große Findigkeit, aber auch größere Feigheit aus.

Wahrscheinlich war Poseidonios der erste, der das Wort Germanen in der Literatur benutzte. In seinem 30. Buch, ca. 80 v. Chr. geschrieben, welches aber verloren ging und nur als Fragment im 4. Buch des Athenaios von Naukratis (ca. 190 n. Chr.) erhalten blieb, berichtet er kurz über ihre Essgewohnheiten: Die Germanen dagegen, wie Poseidonios im 30. Buch sagt, tragen zur Mittagszeit gliedweise gebratenes Fleisch auf und trinken Milch dazu und den Wein ungemischt. Diese Nachricht und wohl auch andere ihrer Art ließen erst im 1. Jahrhundert v. Chr. bei Römern und Griechen einen neuen ungebräuchlichen ethnographischen Begriff aufkommen. Genaueres konnte man auch nicht wissen, weil es vorher dieses Völkergebilde der Germanen noch gar nicht gab, sondern nur einzelne Stämme bekannt waren.

Poseidonios von Rhodos

Poseidonios als Geograph[Bearbeiten]

Aus Poseidonios' Feder sollen Berechnungen des Erdumfangs stammen, die Ptolemäus übernommen hat und zu einer langfristig fehlerhaften Lehrmeinung führten. Unter anderem soll Kolumbus aufgrund dieser Daten seine Seereise nach Westen erwogen haben, auf der er die dem amerikanischen Kontinent vorgelagerten Inseln entdeckte. Die Korrektheit dieser Folgekette lässt sich jedoch nur noch bedingt beweisen. Sicher ist nur, dass Kolumbus, Ptolemäus und Poseidonios die schon Jahrhunderte vor Poseidonios von Eratosthenes gemachten Berechnungen nicht gekannt haben können, denn die Berechnung von Eratosthenes kommt dem tatsächlichen Umfang sehr nahe, ihre Methode ist prinzipiell korrekt und ihre Kenntnis hätte Kolumbus sofort erkennen lassen, dass es sich bei den dem amerikanischen Kontinent vorgelagerten Inseln nicht um Indien handeln konnte, sondern um etwas völlig neues handeln musste.

Wissenschaftliche Untersuchungen des aus der Zeit um das Jahr 80 v. Chr. (andere sprechen von ca. 65 v. Chr., neuere Untersuchungen lassen auf eine Entstehung ca. 150 bis 100 v. Chr. schließen) stammenden „Mechanismus von Antikythera“ haben neuerdings zu Vermutungen geführt, dass das metallene, einem Uhrwerk gleichende antike Artefakt zur mathematischen Berechnung von Himmelsphänomenen (Sonnenfinsternisse u. ä.) tatsächlich von Poseidonios erfunden oder gar konstruiert worden sein könnte.

Von Poseidonios ist bei Strabon (II 102) die Auffassung überliefert, dass er es für wahrscheinlich hielt, dass das von Platon beschriebene Atlantis tatsächlich existierte. Er schloss dies aufgrund seiner Beobachtung von entstehendem bzw. versinkendem Land.

Werke[Bearbeiten]

Keines seiner Werke ist überliefert, d. h. seine Schriften sind uns nur als Titel und als Fragmente durch Zitate anderer Autoren überliefert:

  • Über den Okeanos und seine Probleme
  • 52 Bücher Geschichte (eine Fortsetzung des Geschichtswerks des Polybios, behandelt die Zeit von 146 bis ca. 79 v. Chr.)
  • Über die Götter (von Cicero in De natura deorum benutzt)
  • Über die Affekte (von Galen benutzt)
  • Über die Weissagekunst (5 Bücher)

Textausgaben[Bearbeiten]

  • Ludwig Edelstein, Ian G. Kidd (Hrsg.): Posidonius. 3 Bde. Cambridge University Press, Cambridge 1972-1999. [Bd. 2 (Kommentar) und Bd. 3 (englische Übersetzung der Fragmente) hrsg. von Ian Kidd]
  • Willy Theiler (Hrsg.): Poseidonios: Die Fragmente. 2 Bände, de Gruyter, Berlin/New York 1982
  • Ken Dowden: Poseidonios (87). In: Brill’s New Jacoby (mit englischer Übersetzung, umfangreichen Kommentar und weiterer Literatur).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]