Prädikativum

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Als Prädikativum (auch: Prädikativ) bezeichnet man eine Ergänzung des Prädikats, die nicht die Art und Weise der Tätigkeit oder des Vorgangs charakterisiert (dann handelt es sich um ein Adverbial), sondern die eine Eigenschaft des Subjekts oder des Objekts bezeichnet.

Obligatorische Prädikative[Bearbeiten]

Manche Verben können erst in Verbindung mit Prädikativen vollständige Prädikate bilden. Das Subjektsprädikativ (auch Prädikatsnomen) bestimmt das Subjekt des Satzes näher und bildet dabei das Prädikat mit Kopulaverben wie sein, werden, bleiben, heißen, gelten als und sich erweisen als:[1][2]

Ich heiße Sonja. (Sonja: Subjektsprädikativ)
Du bleibst gesund. (gesund: Subjektsprädikativ)

Analog bestimmt das Objektsprädikativ das Akkusativobjekt des Satzes näher und bildet dabei das Prädikat mit Verben wie nennen, finden, halten für, bezeichnen als und ansehen als:[1]

Er nannte den Bundeskanzler einen Esel. (einen Esel: Objektsprädikativ)
Er sah den Fall als erledigt an. (als erledigt: Objektsprädikativ)

Die gegebenenfalls vom Verb geforderte Präposition wird als Teil des Prädikativs interpretiert. Prinzipiell lässt sich jede Fügung aus Attribut und Bezugswort in einen Satz mit obligatorischem Prädikativ umwandeln, wobei das Bezugswort zum Subjekt/Objekt und das Attribut zum Prädikativ wird. Attributsätze werden bei dieser Umformung zu Subjekt-/Objektsätzen, Appositionen zu Nominalphrasen im Nominativ/Akkusativ. Adjektive und Partizipien als Prädikative sind im Deutschen anders als die entsprechenden Attribute grundsätzlich undekliniert.

Fakultative Prädikative (Depiktive)[Bearbeiten]

Fakultative Prädikative sind Satzglieder, die dem Subjekt oder Objekt des Satzes eine Eigenschaft zusätzlich zusprechen. Dieser Typ des Prädikativums wird auch als Depiktiv bezeichnet (vor allem auch in der englischsprachigen Literatur). Während das Adjektiv in attributiver Konstruktion eine Eigenschaft nennt, die auf das Substantiv als solches bezogen ist, benennt das Depiktiv eine Eigenschaft, die auf den Zeitraum bezogen ist, zu dem die Verbalhandlung abläuft (ob sie davor oder danach weiter besteht, ist gleichgültig):

Max hat die Hemden sauber aus dem Schrank geholt. ( = Die Hemden waren sauber, als er sie herausholte; sauber als Prädikativum)
Max hat saubere Hemden aus dem Schrank geholt. ( = "sauber" zur Charakterisierung der Hemden als solcher; attributives Adjektiv)

In Sprachen, die adverbielle und adjektivische Wortformen unterscheiden, handelt es sich dementsprechend um Adjektive, nicht um Adverbien:

John left Mary sad ( = John war traurig, als er Maria verließ, oder: Maria war traurig; prädikatives Adjektiv)
John left Mary sadly ( = ein trauriger Abschied; Adverb)

Im Deutschen bleiben nicht nur adverbielle Verwendungen gegenüber anderen Adjektiven unmarkiert, sondern als Adjektive zeigen sie auch keine Kongruenzformen. Der Bezug muss dann aus dem Kontext erschlossen werden, und die Unterscheidung Adverb-Depiktiv ist oft nicht eindeutig zu ziehen:

Hans verließ Maria traurig ( = adverbiell, Subjekts- oder Objektsprädikativ).

Depiktive und resultative Prädikative[Bearbeiten]

Die Eigenschaft über Subjekt oder Objekt zu prädizieren, haben Depiktive mit resultativen Adjektiven gemeinsam. Während Depiktive einen zeitgleich zur Handlung vorliegenden Zustand bezeichnen, fügen resultative Adjektive der Verbalhandlung einen Resultatszustand hinzu (resultativ ist hier nicht gleichbedeutend mit der Aktionsart Resultativ):

depiktiv: Er geht traurig nach Hause. (mit Subjektbezug)
depiktiv: Sie trinkt den Kaffee schwarz. (mit Objektbezug)
resultativ: Ich laufe mir die Schuhe platt. (mit Objektbezug)

Während Depiktive eigenständige Satzglieder sind, handelt es sich bei resultativen Adjektiven um Teile des zusammengesetzten Prädikats. Sie ziehen dabei auch die Prädikatsbetonung an sich, so wie es auch andere Begleiter tun, die unmittelbar vor dem Verb stehen. Depiktive tragen im Gegensatz hierzu eine eigenständige Betonung, gefolgt von einer weiteren Betonung auf dem Verb:[3]

Er hat den Kaffee SCHWARZ geTRUNKen (Depiktiv)
Er hat sich SCHWARZgeärgert (Resultativ)

Um die Betonungsverhältnisse abzubilden und Mehrdeutigkeit zu vermeiden, können resultative Adjektive im Deutschen auch mit dem Verb als ein Wort zusammengeschrieben werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Deutsche Grammatik, Tandem-Verlag, ISBN 978-3-89731-890-8, S. 225
  2. Duden. Die Grammatik. 7., Auflage. Dudenverlag, Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2005, ISBN 3-411-04047-5, S. 800f
  3. Susanne Winkler: Focus and Secondary Predication. Berlin: Mouton de Gruyter, 1997.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Prädikativ – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Prädikativum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Prädikatsnomen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen