Satzglied

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Satzglieder (auch Satzkonstituenten) bezeichnet man in der germanistischen Tradition der Grammatik­schreibung die Bestandteile, in die der Satz „unmittelbar“ (auf oberster Ebene) zerlegt werden kann. Das Satzglied steht insofern im Gegensatz zum Attribut, welches erst in einem darauf folgenden Zerlegungsschritt gefunden werden kann, mit anderen Worten also ein Teil eines Satzgliedes ist. Das Prädikat eines Satzes wird oft nicht als Satzglied gewertet, sondern als etwas, wovon (andere) Satzglieder abhängen (dies wird jedoch unterschiedlich eingeordnet).[1]

Der Satzgliedstatus von Wörtern und Wortfolgen wird auch an die Stellung im Satz geknüpft: Als Satzglieder gelten nur solche, die ins Vorfeld des Satzes gestellt werden können, d. h. im Aussagesatz an die Position direkt vor der finiten Verbform.[2]. Als Test auf Satzglied-Status dient daher die Umstell- oder Verschiebeprobe. Keine Satzglieder sind gemäß diesem Test die meisten Partikeln, sowie Wörter, die nicht allein ohne Ergänzungen auftreten können (z. B. normalerweise Präpositionen); diese können nur zusammen mit ihren Ergänzungen im Vorfeld erscheinen, also nur mit diesen insgesamt ein Satzglied bilden.

Die Satzgliedanalyse, die die Zusammengehörigkeiten von Wörtern im Satz ermittelt, ist auch eine Voraussetzung für das inhaltliche Verständnis des Satzes. Sätze können mehrdeutig sein, wenn dieselbe sichtbare Wortfolge mehrere verschiedene Einteilungen in Satzglieder zulässt.

Die Umstell- bzw. Verschiebeprobe[Bearbeiten]

Probe zur Ermittlung der Satzgliedtypen[Bearbeiten]

Siehe auch: Topikalisierung

Wenn ein deutscher Satz so umgebildet werden kann, dass eine Wortfolge an den Anfang eines Aussagesatzes verschoben werden kann, ohne dass sein Sinn sich (wesentlich) ändert (also bis auf unterschiedliche Hervorhebung von Einheiten), dann sind die fraglichen Wortfolgen Satzglieder. In den folgenden Beispielen zeigt sich dies also an der Stellung vor der blau markierten Position des Prädikats:

Hans baut im Wald mit seinem Freund eine riesige Baumhütte.
Im Wald baut Hans mit seinem Freund eine riesige Baumhütte.
Mit seinem Freund baut Hans im Wald eine riesige Baumhütte.
Eine riesige Baumhütte baut Hans im Wald mit seinem Freund.
(Etc.)

Satzgliedtypen[Bearbeiten]

Die möglichen Satzglieder der deutschen Syntax heißen:

  •    Subjekt (Satzgegenstand),
  •    Prädikat (Satzaussage, verbale Glieder), gilt jedoch oft nicht als Satzglied im engeren Sinn,
  •    Objekt (Satzergänzung, Akkusativ-, Genitiv-, Dativ- und Präpositionalobjekt),
  •       Adverbialbestimmung (adverbialer Akkusativ, Genitiv),
  • fallbestimmte Präpositional- (Akkusativ, Dativ, Genitiv) und Konjunktionalglieder (Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv) und
  • fallfremde Satzadjektive und -partikel.

Weiterführend bilden die Satzglieder eine Ebene zwischen Wort und Satz und werden in der traditionellen Grammatik als die den Satz bildenden Elemente verstanden:

  •       als primäre Satzglieder (Subjekt, Prädikat) und
  •          als sekundäre Satzglieder (Objekt, Adverbialbestimmungen).

Attribut/Satzglied-Unterscheidung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Konstituententest

Eine Antwort auf die Frage, welche Wörter zu einem Satzglied zusammengehören, lässt sich nicht immer eindeutig aus der Wortfolge ablesen. Je nach Gruppierung der Wörter können unterschiedliche Einteilungen entstehen, dies ergibt dann auch verschiedene Satzbedeutungen. Im folgenden Beispiel zeigt die Umstellprobe, dass „der Mann im Mond“ ein zusammenhängendes Satzglied sein könnte, oder dass „im Mond“ und „der Mann“ je ein eigenes Satzglied sein könnten. Entsprechend ergeben sich Bedeutungsunterschiede:

Beispiel

Nachts schläft der Mann im Mond.

• Zwei Satzglieder + Prädikat:
Nachts schläft [der Mann im Mond]
[Der Mann im Mond] schläft nachts
• Drei Satzglieder + Prädikat:
Nachts schläft [der Mann]  [im Mond]
[Der Mann] schläft nachts [im Mond]
[Im Mond] schläft [der Mann] nachts.

Da der Begriff Satzglied ein Spezialfall des Begriffs „Konstituente“ ist (s. u.), fallen diese Satzgliedtests in den allgemeinen Bereich der Konstituententests.

Vergleich mit Begriffen aus der modernen Linguistik[Bearbeiten]

Der übliche linguistische Begriff für „Satzteile“, der Begriff der Konstituente ist wesentlich allgemeiner, da er jede Art von Einheit bezeichnet, die sich bezüglich irgendeiner syntaktischen Regel einheitlich verhält; Konstituenten sind daher z. B. auch alle Teile, in die Satzglieder sich ihrerseits noch zerlegen. Der Begriff Phrase bezeichnet Konstituenten, die abgeschlossen und nicht mehr erweiterbar sind. Alle Satzglieder sind Phrasen in diesem Sinne, aber die Umkehrung gilt nicht, da auch vollständige Phrasen im Inneren von Satzgliedern vorkommen können.

Sprachvergleichende Gesichtspunkte[Bearbeiten]

Die freie Besetzung des Vorfelds, auf der die Verschiebeprobe beruht (die Verbzweitstellung im Aussagesatz), ist eine Eigenschaft, die sehr wenige andere Sprachen in der gleichen Weise wie das Deutsche haben. Die Definition des Satzgliedes ist somit speziell darauf zugeschnitten, welche Einheiten die Grammatik des Deutschen hierfür ausweist. Zwar sind Begriffe wie „Subjekt“, „Adverbial“ etc. recht allgemein anwendbar, aber bei feineren Punkten wie z. B. der Unterscheidung zwischen Adverbien und Partikeln, die sich aus dem Vorfeldtest ergibt (nur erstere sind Satzglieder), entstehen Einteilungen, die spezifisch für das Deutsche sind.

Ein Beispiel, worin sich bereits Deutsch und Englisch unterscheiden, ist das Preposition Stranding des Englischen: Das Englische erlaubt eine Verschiebung (Topikalisierung), die die Ergänzung einer Präposition allein an den Satzanfang stellt während die Präposition am Satzende verbleibt. Das Deutsche hingegen weist diese Einheit nicht als ein Satzglied aus, weil hier die Verschiebung nicht erlaubt ist:

That one house on the hill, Bill is living in
NICHT: Dem Haus auf dem Hügel lebt Bill in.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Satzglied – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Satzkonstituente – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Karin Pittner & Judith Berman: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch, Tübingen: Narr. 4. Aufl., 2010. S. 39f.
  2. DUDEN. Die Grammatik, 8. Aufl., 2009, S. 771ff. Rz 1175-1178