Pyrzyce

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Pyrzyce
POL Pyrzyce COA 1.svg
Pyrzyce (Polen)
Pyrzyce
Pyrzyce
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Pyrzyce
Gmina: Gmina Pyrzyce
Fläche: 38,79 km²
Geographische Lage: 53° 9′ N, 14° 54′ O53.14305555555614.893055555556Koordinaten: 53° 8′ 35″ N, 14° 53′ 35″ O
Höhe: 44 m n.p.m
Einwohner: 12.886
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 74-200
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZPY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 3 ŚwinoujścieJakuszyce
DW 106 Rzewnowo ↔ Pyrzyce
DW 122 Krajnik Dolny ↔ Piasecznik
Schienenweg: PKP-Linie 411: Stargard Szczeciński–Kozielice (nur Güterverkehr)
PKP-Linie 422: Pyrzyce–Głazów (nur Güterverkehr)
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 24 Ortschaften
21 Schulzenämter
Fläche: 204,40 km²
Einwohner: 19.741
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 97 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3212053
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Marek Olech
Adresse: pl. Ratuszowy 1
74-200 Pyrzyce
Webpräsenz: www.pyrzyce.um.gov.pl

Pyrzyce (deutsch Pyritz) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern und Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde Gmina Pyrzyce. Die Stadt mit 13.000 Einwohnern ist auch Kreisstadt des Powiat Pyrzycki.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt ist von drei Seiten von Feuchtgebieten umgeben und liegt auf einer Bodenerhebung am Mühlgraben. Vor 1945 lag Pyritz im Zentralsüden Pommerns, nahe der Grenze zu Brandenburg in Hinterpommern. Heute befindet sich Pyrzyce im Südwesten der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Damals wie heute gehört die Stadt zum Einzugsgebiet von Stettin, das nur 48 Kilometer nördlich entfernt liegt. Zu den weiteren Nachbarstädten gehören Stargard Szczeciński (Stargard in Pommern) im Nordosten und Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) im Süden.

Pyritz auf der Lubinschen Karte von 1618.
Pyritzer Markt um 1890.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtkirche
Pyritz südöstlich von Stettin auf einer Landkarte von 1905.
Teil der mittelalterlichen Stadtmauer

Auf Bischof Otto von Bamberg beruht die erste geschichtliche Erwähnung von Pyritz. Im Jahre 1125 taufte dieser dort die ersten Pommern. Die älteste Kirche in Pyritz war bereits 1250 vorhanden, 1256 wurde das Augustinerinnenkloster und 1281 das Franziskanerkloster erwähnt. 1263 wurde Pyritz das Magdeburger Stadtrecht verliehen. Durch den Vertrag von Pyritz vom 26. März 1493, mit dem Pommern das Erbfolgerecht Brandenburgs anerkennen musste, rückte die Stadt in das Licht überregionalen Interesses. Ein großer Brand zerstörte 1496 beinahe die ganze Stadt, eine ähnliche Katastrophe ereignete sich genau hundert Jahre später, und noch einmal wurde Pyritz 1634 während des Dreißigjährigen Krieges Opfer einer Feuersbrunst. Zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Teile der Befestigungsanlagen, die bereits um 1300 bestanden (siehe unten), beseitigt und durch Bepflanzungen, aus denen sich später Promenaden entwickelten, ersetzt.

Ab 1848 war Pyritz Sitz des Landratsamtes für den Landkreis Pyritz. Mit der Befestigung der Chausseen nach Stettin 1850 und nach Küstrin 1856 und dem Eisenbahnanschluss 1882 nahm auch Pyritz Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung dieser Epoche. 1863 ging eine Gasanstalt in Betrieb, 1898 wurde ein Schlachthof errichtet und 1900 entstand ein zunächst privat betriebenes Wasserwerk, das 1913 an die Stadt verkauft wurde.

Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Pyritz eine Flächengröße von 30,9 km², und auf dem Gemeindegebiet standen insgesamt 826 Wohnhäuser an sechs verschiedenen Wohnorten:[2]

  1. Augustenhof
  2. Gädtkes Ziegelei
  3. Karlshof
  4. Pyritz
  5. Wasserwerk
  6. Ziegelei Klaustein

Im Jahr 1925 wurden 9.069 Einwohner gezählt, die auf 2.648 Haushaltungen verteilt waren.[2]

Die wachsende Bedeutung der Stadt ließ sich an den ständig steigenden Einwohnerzahlen ablesen: Während 1830 nur 4.100 Menschen in der Stadt lebten, waren es hundert Jahre später rund 9.000 Einwohner, und zur letzten Erhebung im Jahre 1936 wurde eine Einwohnerzahl von 10.800 genannt.

Bis 1945 gehörte die Stadt Pyritz zum Landkreis Pyritz im Regierungsbezirk Stettin der Provinz Pommern.

Ende Januar 1945 erfuhr Pyritz noch einmal weiterreichende Erwähnung durch die Kriegsberichterstattung, denn zu dieser Zeit verlief an den Stadtgrenzen die deutsch-sowjetische Front, und bei Pyritz kam es zu heftigen Gefechten.

Ende Februar 1945 wurde Pyritz von sowjetischen Truppen erobert. Im Juli desselben Jahres wurde die Stadt an eine polnische Verwaltung übergeben. Pyritz erhielt den Namen Pyrzyce. Zugleich wurde die Bevölkerung vertrieben und durch Polen ersetzt.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1740: 2.095[3]
  • 1782: 2.122, davon 77 Juden[3]
  • 1791: 2.323, davon 72 Juden [4]
  • 1794: 2.325, davon 72 Juden[3]
  • 1812: 2.855, davon 18 Katholiken und 20 Juden[3]
  • 1816: 3.126, davon 28 Katholiken und 80 Juden[3]
  • 1831: 4.151, davon 31 Katholiken und 203 Juden[3]
  • 1843: 4.704, davon 42 Katholiken und 203 Juden[3]
  • 1852: 5.795, davon 30 Katholiken und 213 Juden[3]
  • 1861: 6.501, davon 23 Katholiken und 209 Juden[3]
  • 1875: 7.442[5]
  • 1880: 8.123[5]
  • 1890: 8.247, davon 79 Katholiken und 263 Juden[5]
  • 1905: ca. 8.600, meist Evangelische [6]
  • 1925: 9.085, davon 8.655 Protestanten, 130 Katholiken und 88 Juden[2]
  • 1933: 10.084, davon 9.739 Evangelische, 178 Katholiken und 87 Juden[5]
  • 1936: ca. 10.800
  • 1939: 11.287, davon 10.515 Evangelische, 270 Katholiken und 27 Juden[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Stadt war von Wehrmauern mit Wehrtürmen umgeben von denen noch einige heute erhalten sind. Es handelt sich hierbei um Backsteinbauten mit einem Fundament aus Feldsteinen. Diese Stadtbefestigung wurde in vier Etappen erbaut:

  • bis 1301: Errichtung des Mauerrings mit Wachtürmen und Pforten
  • Mitte 14. Jh.: Umbau von zwei Pforten zu Toren, und drei Wachtürmen zu Wehrtürmen
  • 15. Jh.: Bau von drei weiteren Wehrtürmen, Maueraufbau
  • 16. Jh.: Ausbau der Befestigungen, Abschluss der Arbeiten

Die Befestigung hatte im Endausbau eine Länge von 2250 Metern und bestand aus der Wehrmauer mit einer Höhe zwischen sieben und neun Metern, zwei Toren, 44 Wachtürmen, acht überhängende Wachtürme und sechs Wehrtürmen. Zur Befestigung gehörte auch eine Doppelwallanlage und bis zu 25 Meter breite Festungsgräben die aus vier künstlichen Seen über Schleusenanlagen geflutet werden konnten.

Der Stadtbrand von 1634 ist in der Hammey, einem Stadttor in Form eines Gattertores, ausgebrochen. Die Hammey wurde anschließend wohl nicht wieder aufgebaut; jedenfalls fehlt sie in dem Stadtplan von 1723.[7]

Die heute noch erhaltenen Teile der Anlage sind (von Norden im Uhrzeigersinn): Brama Szczecinska, Baszta Pijacka, Baszta Sp. Krolewny, Baszta Mnisza, Brama Banska, Mury I Czatownie, Baszta Prochowa, Baszta Lodowa und Baszta Sowia. Viele der Bauten wurden im Zweiten Weltkrieg beschädigt oder zerstört, durch umfangreiche Sanierungen konnten die Befestigungsanlagen erhalten werden.

Bis zu ihrer Zerstörung während der Kämpfe im Jahre 1945 trug die Stadt Pyritz den Beinamen Pommersches Rothenburg. Der Name Rothenburgs ob der Tauber wird heute noch auf Orte übertragen, deren mittelalterliche Stadtkerne und Ortsbilder bis zu unseren Zeiten überdauert haben.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber ein von zwei Zinnentürmen beseitetes, offenes, blaues Stadttor, über dem der rote Greif schreitend schwebt, im Torbogen schwebt eine rote Rose mit goldenem Butzen.“[8]

Das Hauptsiegel ist nur aus unsicherer Zeichnung bekannt. Das Secretvm Bvrgensivm in Piriz des 14. Jahrhunderts ist dadurch merkwürdig, dass vier Türme, vom Unterrande fächerförmig, also schief stehend aufsteigen, von denen die drei ersten Zinnen zeigen, der linke Eckturm aber spitzbedacht ist, über den vorderen drei schreitet der Greif. Die Rose, die das Münzzeichen war, fehlt diesem Siegel noch, erscheint aber seit dem mit 1543 datierten Siegel stets im Tore.[9]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Joachim Stephani (1544–1623), Rechtswissenschaftler und Professor in Greifswald
  • Samuel Starck (1649–1697), deutscher lutherischer Theologe und Professor an der Universität Rostock
  • Karl Gützlaff (1803–1851), Missionar in Fernost
  • Friedrich Brunold (1811–1894, eigentlicher Name August Ferdinand Meyer), märkischer Dichter
  • Salomon Neumann (1819–1908), Arzt und Gründer der Berliner „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“
  • Bernhard Stoewer (1834–1908), deutscher Mechaniker und Unternehmer
  • August Munckel (1837–1903), Reichstags- und Landtagsabgeordneter
  • Gustav Jacobsthal (1845–1912), Musikwissenschaftler und Komponist
  • Gustav Hirschfeld (1847–1895), klassischer Archäologe
  • Wilhelm Gemoll (1850–1934), Lexikograph, Herausgeber eines griechisch-deutschen Wörterbuches
  • Paul Strübing (1852–1915), deutscher Internist und Hochschullehrer
  • Otto Hintze (1861–1940), deutscher Historiker
  • Karl Krösell (1865–1933), deutscher Politiker und Reichstagsabgeordneter (DRP)
  • Martin Meyer-Pyritz (1870–1942), deutscher Bildhauer, wurde wegen seiner gelungenen Tierplastiken als ‚Tiermeyer‘ bekannt, Bruder des Bildhauers Georg Renatus Meyer-Steglitz
  • Georg Renatus Meyer-Steglitz (1868–1929) deutscher Bildhauer, Bruder des Bildhauers Martin Meyer-Pyritz
  • Robert Schulz (1900–1974), deutscher Politiker (NSDAP) und SS-Brigadeführer
  • Friedhelm Kemper (1906–1990), deutscher Politiker (NSDAP)
  • Margarete Neumann (1917–2002), deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin
  • Hartmut Gese (* 1929), deutscher evangelischer Theologe, Professor für Altes Testament
  • Bernd Faulenbach (* 1943), deutscher Historiker, Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum
  • Paweł Januszewski (* 1972), polnischer Leichtathlet

Galerie[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 311-319 (Volltext).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil II, Band 3, Anklam 1868, S. 489-572 (Volltext)
  • Immanuel Meyer-Pyritz: Pyritz – das Antlitz der siebenhundertjährigen Stadt. In: Baltische Studien N.F. Bd. 49, Hamburg 1962/63, S. 133-140 (Volltext)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pyrzyce – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. a b c http://stadt.pyritz.kreis-pyritz.de/
  3. a b c d e f g h i Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865,S. 317.
  4. Christian Friedrich Wutstrack, Hrsg.: kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung des königlich-preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  5. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/pyritz.html
  6. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 16, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1909, S. 481
  7. Hans-Jürgen Daunicht: Das Geheimnis der Pyritzer Hammey In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 2/2011, ISSN 0032-4167, S. 8–9.
  8. Deutsches Städtebuch - Handbuch städtischer Geschichte von Prof. Dr. Erich Keyser, Herausgegeben 1939 vom W. Kohlhammer Verlag Stuttgart Band I Nordostdeutschland Seite 215-217
  9. Deutsche Ortswappen von Prof. Otto Hupp, Herausgegeben 1925 von der Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft Bremen
  10. http://www.pyrzyce.um.gov.pl/