Gorzów Wielkopolski
| Gorzów Wielkopolski | ||||
|
||||
| Basisdaten | ||||
|---|---|---|---|---|
| Staat: | Polen | |||
| Woiwodschaft: | Lebus | |||
| Landkreis: | Kreisfreie Stadt | |||
| Fläche: | 86 km² | |||
| Geographische Lage: | 52° 44′ N, 15° 14′ O52.73333333333315.233333333333Koordinaten: 52° 44′ 0″ N, 15° 14′ 0″ O | |||
| Höhe: | 19–82 m n.p.m | |||
| Einwohner: | 124.470 (30. Jun. 2012)[1] |
|||
| Postleitzahl: | 66-400 bis 66-414 | |||
| Telefonvorwahl: | (+48) 95 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | FG | |||
| Wirtschaft und Verkehr | ||||
| Straße: | DK 3 (E 65): Świnoujście–Zielona Góra | |||
| DK 22: Küstrin–Malbork | ||||
| DW 130: Gorzów Wlkp.–Barnówko | ||||
| Schienenweg: | PKP-Linie 203: Kostrzyn nad Odrą | |||
| PKP-Linie 367: Zbąszynek–Gorzów Wlkp. (Bahnhof: Gorzów Wlkp. Zamoście) | ||||
| Nächster int. Flughafen: | Stettin-Goleniów | |||
| Gemeinde | ||||
| Gemeindeart: | Stadtgemeinde | |||
| Fläche: | 86 km² | |||
| Einwohner: | 124.470 (30. Jun. 2012)[2] |
|||
| Bevölkerungsdichte: | 1447 Einw./km² | |||
| Gemeindenummer (GUS): | 0861011 | |||
| Verwaltung (Stand: 2009) | ||||
| Stadtpräsident: | Tadeusz Jędrzejczak | |||
| Adresse: | ul. Sikorskiego 3-4 66-400 Gorzów Wielkopolski |
|||
| Webpräsenz: | www.gorzow.pl | |||
Gorzów Wielkopolski
[ˈgɔʒuf vʲɛlkɔ'pɔlski]?/i (deutsch Landsberg an der Warthe; kaschubisch: Lãdzberch) ist die größte Stadt der Woiwodschaft Lebus und Sitz des von der polnischen Zentralregierung für Lebus eingesetzten Woiwoden. Die Regierung und das Parlament von Lebus haben ihren Sitz hingegen in Zielona Góra (Grünberg).
Inhaltsverzeichnis |
Geographie[Bearbeiten]
Geographische Lage[Bearbeiten]
Die Stadt liegt im westlichen Teil Polens am Fluss Warthe, rund 80 km nordöstlich von Frankfurt (Oder) und 130 km nordwestlich von Posen. Zum Grenzübergang nach Deutschland bei Küstrin sind es etwa 45 km. Nördlich und südlich erstrecken sich weitläufige Waldgebiete.
Stadtgliederung[Bearbeiten]
Stadtbezirke[Bearbeiten]
Baczyna, Chróścik, Chwalęcice, Górczyn, Janice, Karnin, Małyszyn, Nowy Dwór, Piaski, Siedlice, Staszica, Śródmieście, Wieprzyce, Zakanale, Zawarcie, Zieleniec.
Siedlungen[Bearbeiten]
Chemik, Dolinki, Europejskie, Parkowe, Piaski, Przylesie, Sady, Słoneczne, Staszica, Tartaczne, Ułańskie, Ustronie, Zacisze, Zielona Dolina.
Geschichte[Bearbeiten]
Nachweislich war das Gebiet des späteren Landsberg bereits frühgeschichtlich besiedelt. Nach der Völkerwanderung lösten Slawen die vorher hier ansässigen Germanen ab. Für die Besiedlung der späteren Neumark wurden im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts deutsche Siedler von Herzog Leszek I. angeworben. Mit seinem Tod 1227 verfiel die polnische Zentralmacht endgültig, was den Markgrafenbrüdern die Möglichkeit gab, auch jenseits der Oder zu expandieren. Angesichts des zunehmenden Fernhandels gründete Markgraf Johann I. 1257 Landsberg als neuen bequemeren Flussübergang an der Warthe kurz vor dem bisherigen Pass bei Zantok (mit Steilufer), um diesem polnischen Ort die beträchtlichen Einnahmen aus dem Fernhandel (Zoll, Gebühren vom Marktbetrieb und Niederlagerecht) abzuziehen (nach dem Parallelbeispiel von Berlin als Gegengründung zu Köpenick). Die Siedler kamen aus dem Gebiet der heutigen Länder Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und gehörten also zum niederdeutschen Sprachgebiet. Die Stadt erhielt den Namen Neu-Landsberg (in Gegensatz zu Altlandsberg), den sie bis in das 16. Jahrhundert trug. Im 13. Jahrhundert wurde die Marienkirche erbaut. 1321 wurde die Stadt mit Stadtmauern und Toren gesichert. Im 14. Jahrhundert hatte sich Landsberg zum wirtschaftlichen Zentrum seines Umlandes entwickelt, für 1360 wird die Stadtschule erstmals erwähnt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden alle Vorstädte zerstört. Nach 1648 entwickelte sich Landsberg zu einem bedeutenden Umschlagplatz im Handel mit dem benachbarten Polen. Im 18. Jahrhundert sorgte die Etablierung des Tuchmacherhandwerks und des Wollhandels für einen weiteren Aufschwung.
Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress gehörte Landsberg/Warthe seit 1818 zum gleichnamigen Kreis im Regierungsbezirk Frankfurt der preußischen Provinz Brandenburg, seit 1939 Mark Brandenburg. Seit 1857 war Landsberg an die Preußische Ostbahn angeschlossen und erlebte dadurch erneut einen wirtschaftlichen Aufschwung. 1892 wurde die Stadt aus dem Landkreis ausgegliedert und erhielt den Status eines Stadtkreises. Die Verwaltung des Landkreises blieb jedoch weiterhin in der Stadt. In den 1920er Jahren setzte sich die Bezeichnung „Landsberg (Warthe)“ durch.
Im Zweiten Weltkrieg schrieb Gottfried Benn in der „Walter-Flex-Kaserne“[3] unter anderem den Roman des Phänotyp (1943). Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt durch die Rote Armee erobert. Die bisherige Landsberger Bevölkerung wurde am 6. März 1946 enteignet und, soweit nicht im Krieg geflohen, vertrieben bzw. bis 1949 zwangsausgesiedelt. Die an ihre Stelle getretene neue Stadtbevölkerung stammt überwiegend aus Zentralpolen und dort vor allem aus der bisherigen Region Großpolen.
In Landsberg an der Warthe befand sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs das sowjetische Speziallager Nr. 4 in der ehemaligen „General von Strantz-Kaserne“[4], in dem 1945 Tausende von Menschen unter sehr harten Bedingungen inhaftiert waren, viele starben an den Folgen der Haft.[5]
In dem 1976 erschienenen Roman »Kindheitsmuster« von Christa Wolf spielt Landsberg ein wichtige Rolle: Landsberg wurde Thema als Ort von Geburt, Kindheit und Heranwachsen eines deutschen Mädchens, Nelly Jordan, in Zeiten des NS-Regimes und als in den 1970er Jahren mit Wehmut, aber ohne Revanchismus aufgesuchter Ort der Erinnerung an Verlorenes. In Nelly sind autobiographische Züge Christa Wolfs erkennbar, die ihre Heimatstadt Landsberg tatsächlich in der ersten Hälfte der 1970er Jahre wiederbesuchte.
Eingemeindungen[Bearbeiten]
Eingemeindet wurden nach Gorzów Teile von Wieprzyce (Wepritz) (im Jahr 1962), Chróścik (Neuendorf), Teile von Karnin (Kernein), Siedlice (Seidlitz) und Zieleniec (Roßwiesen) (jeweils 1977), Małyszyn (Merzdorf) (1979) sowie Teile von Chwalęcice (Heinersdorf).
Zu dieser Zeit wurde auch mit der Anlage großer Neubaugebiete in Plattenbauweise begonnen, in deren größtem, Górczyn im Norden von Gorzów, heute fast 40.000 Menschen wohnen.
Polnische Namensgebung[Bearbeiten]
Die Herkunft des polnischen Namens Gorzów ist nicht geklärt und kann mit gorzenie (Brand) oder góra (Berg) zusammenhängen, wie z. B. in Gorzów Śląski (deutsch: Landsberg in Oberschlesien). Wielkopolski bedeutet dagegen „großpolnisch“ bzw. „in Großpolen“. Nachdem zunächst nach dem Zweiten Weltkrieg der Name Gorzów nad Wartą (Gorzów an der Warthe) gewählt wurde, heißt die Stadt seit dem 19. Mai 1946 offiziell Gorzów Wielkopolski. Formal stand die Namenserweiterung "Großpolnisch" im Zusammenhang mit der Einteilung von Gorzów in die Woiwodschaft Posen am 25. September 1945. Ein Referendum, das im Jahr 2000 in der Stadt abgehalten wurde, bestätigte diesen Namen.[6]
Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]
Die Anzahl der Einwohner in Gorzów Wielkopolski bzw. Landsberg an der Warthe in den vergangenen fünf Jahrhunderten: 
Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
- Dom St. Marien aus dem späten 13. Jahrhundert, seit 1972 Bischofssitz des Bistums Grünberg-Landsberg
- Konkordienkirche von 1776, wegen ihrer Außenfarbe auch Weiße Kirche genannt, nach dem Zweiten Weltkrieg umgestaltet und als Teil eines Klosters erweitert
- Historisches Speichergebäude auf der gegenüberliegenden Wartheseite, heute Museum
- Pauckschbrunnen auf dem Marktplatz von 1897
- Schrödersche Villa, erbaut 1903 für den Kabelfabrikanten Gustav Schröder, heute Landesmuseum der Wojewodschaft Lebus, Park mit dendrologischem Lehrpfad
- Martin-Luther-Kirche in der Brückenvorstadt, heute kath. Christkönigkirche, erbaut 1929/30 nach Plänen des Architekten Curt Steinberg
- Volksschwimmbad Bergstraße in expressionistischen Formen, gestiftet 1930 von Max Bahr
- Świnster-Statue von 2004 in Erinnerung an einen 1998 verstorbenen stadtbekannten Landstreicher
- Uferpromenade an der Warthe
-
Denkmal des Dichters Adam Mickiewicz von Bildhauer Józef Gosławski
Verkehr[Bearbeiten]
Der innerstädtische Verkehr in Gorzów wird seit dem 29. Juli 1899 durch elektrische Straßenbahnen bedient. Ein im Zweiten Weltkrieg großenteils vollzogener Ersatz der Straßenbahn durch O-Busse wurde nach dem Übergang der Stadt an Polen rückgängig gemacht, siehe Straßenbahn Gorzów Wielkopolski.
Durch Kooperation zwischen der Niederbarnimer Eisenbahn und der polnischen PR Bahn haben seit 2008 die Fahrkarten auf der Strecke zwischen Berlin-Lichtenberg und Gorzów Wielkopolski grenzüberschreitend Gültigkeit.[7]
Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]
- Carl Wilhelm Frölich (1759–1828), Schriftsteller
- Eduard Nehse (1794–nach 1855), Naturforscher und Gastwirt. Leiter einer meteorologischen Station auf dem Gipfel des Brocken im Harz
- Gottfried Bernhardy (1800–1875), Philologe
- Eduard Boas (1815–1853), Schriftsteller
- Hermann Ende (1829–1907), Architekt
- Otto Girndt (1835–1911), Schriftsteller und Librettist
- Max Bahr (1848–1930), Unternehmer, Politiker (DDP), Mitglied des Reichstags
- Arthur Moritz Schoenflies (1853–1928), Mathematiker
- Otto Antrick (1858–1924), Industrieller und Politiker (SPD), Mitglied des Reichstags
- Robert Warthmüller (1859–1895), Historien- und Landschaftsmaler
- Martin Paul Müller, (1872–1936), Graphiker und Landschaftsmaler
- Paul Schulze-Berghof, (1873-1947), Schriftsteller
- Georg Axhausen (1877–1960), führender Kieferchirurg seiner Zeit, Mitbegründer des Gebiets Kieferchirurgie als selbstständiges Fach
- Arnold Kreklow (1879–?), Beamter in der Zeit des Nationalsozialismus
- Marie Juchacz (1879–1956), Frauenrechtlerin, Gründerin der Arbeiterwohlfahrt
- Victor Klemperer (1881–1960), Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
- Willy Schaeffers (1884–1962), Kabarettist und Schauspieler
- Eckhard Unger (1884–1966), Altorientalist
- Ernst Schwarz (1886–1958), Politiker (KPD), Mitglied des Reichstags
- Elisabeth Röhl (1888–1930), Politikerin (SPD), Mitglied der Weimarer Nationalversammlung
- Karl Bohnenstengel (1890–1965), deutscher Politiker (KPD), Mitglied des Reichstags
- Alice Bendix (1894–1943), Wohlfahrtspflegerin
- Arthur Rackwitz (1895–1980), deutscher evangelischer Pfarrer, Helfer von NS-Verfolgten, Häftling im KZ Dachau
- Kurt Scharf (1902–1990), Bischof von Berlin und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
- Friedel Hensch (1906–1990), Schlagersängerin
- Walther Kuhla (* 1907), preußischer Verwaltungsbeamter und zeitweiliger Landrat des Landkreises Aachen
- Johannes Zoschke (1910–1944), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
- Rudolf Braunburg (1924–1996), Schriftsteller und Flugkapitän
- Roger G. Newton (* 1924), theoretischer Physiker
- Christa Wolf (1929–2011), Schriftstellerin
- Gottfried Kiesow (1931–2011), Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
- Hans Wuttig (* 1932), Maler
- Friedrich Dieckmann (* 1937), Schriftsteller
- Klaus Lemke (* 1940), Filmregisseur
- Gunter Fritsch (* 1942), Politiker (SPD), Präsident des Brandenburger Landtags
- Marek Zieliński (* 1952), Politiker
- Kazimierz Marcinkiewicz (* 1959), Politiker, früherer Premier Polens
- Adam Bałdych (* 1986), Jazzmusiker
Persönlichkeiten die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]
- Wilhelm Meydam (1821–1904), Oberbürgermeister und Ehrenbürger von Landsberg an der Warthe, Abgeordneter des Provinziallandtages
- Georg Segler (1906–1978), deutscher Agrarwissenschaftler, Ingenieur, Autor und Erfinder.
Städtepartnerschaften[Bearbeiten]
- Cava de’ Tirreni (Italien)
- Eberswalde (Deutschland)
- Frankfurt (Oder) (Deutschland)
- Herford (Deutschland)
- Jönköping (Schweden)
- Sumy (Ukraine)
- Teramo (Italien)
Verweise[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Dariusz Aleksander Rymar: Staatsarchiv Landsberg an der Warthe – Wegweiser durch die Bestände bis 1945. = Archiwum Państwowe w Gorzowie Wielkopolskim – przewodnik po zasobie do roku 1945. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-57725-9 (Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa 25).
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Internetpräsenz der Stadt (mehrsprachig)
- Familienforschung im Kr. Landsberg/W. in der Neumark
- Straßenbahnen in Landsberg
- Website über die Stadt
- Bibliographie zur Geschichte von Gorzów Wielkopolski bei LitDok Ostmitteleuropa / Herder-Institut (Marburg)
Fußnoten[Bearbeiten]
- ↑ Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2012. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Januar 2013.
- ↑ Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2012. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Januar 2013.
- ↑ Gottfried Benn: Briefe an F. W. Oelze: 1932–1945, S. 367.
- ↑ Holm Kirsten: Das sowjetische Speziallager Nr. 4 Landsberg/Warthe, S. 27.
- ↑ Holm Kirsten: Das sowjetische Speziallager Nr. 4 Landsberg, Warthe. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-952-X.
- ↑ http://www.gorzow.pl/material/podstrony/GWS/GWS11-2000.pdf Landsberger Kommunalanzeiger vom November 2000 (auf Polnisch)
- ↑ http://www.veoliacargo.de/tmpl/ExtensionPage____37545.aspx?epslanguage=ML
Kreisfreie Städte: Gorzów Wlkp. (Landsberg a.d. Warthe) | Zielona Góra (Grünberg)
Landkreise: Gorzów (Landsberg) | Krosno (Crossen a.d. Oder) | Międzyrzecz (Meseritz) | Nowa Sól (Neusalz a.d. Oder) | Słubice (Frankfurt-Dammvorstadt) | Strzelce/Drezdenko (Friedeberg/Driesen) | Sulęcin (Zielenzig) | Świebodzin (Schwiebus) | Wschowa (Fraustadt) | Zielona Góra (Grünberg) | Żagań (Sagan) | Żary (Sorau)