Romeo und Julia

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Dieser Artikel behandelt das Drama von William Shakespeare. Andere literarische Werke, die diesen Titel tragen oder denselben Stoff behandeln, findet man unter Romeo und Julia (Stoff), weitere Bedeutungen unter Romeo und Julia (Begriffsklärung).
Daten des Dramas
Titel: Romeo und Julia
Originaltitel: The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet
Gattung: Tragödie
Originalsprache: Englisch
Autor: William Shakespeare
Literarische Vorlage: Arthur Brooke: The Tragicall Historye of Romeus and Juliet (1562)
Erscheinungsjahr: 1597
Uraufführung: vermutlich 1597[1]
Ort der Uraufführung: London
Ort und Zeit der Handlung: Verona und Mantua, 5 Tage (Sonntag bis Freitag) Mitte Juli, Renaissance
Personen
  • Ansager als Prolog
  • Escalus, Fürst von Verona
  • Graf Paris, sein Verwandter
  • dessen Page
  • Zwei verfeindete Familien:
    • Montague
      • Gräfin Montague
      • Romeo, ihr Sohn
      • Mercutio, Verwandter des Fürsten und Freund Romeos
      • Benvolio, Vetter Romeos
      • Balthasar, Romeos Diener
      • Abraham, Diener Montagues
    • Capulet
      • Gräfin Capulet
      • Julia, ihre Tochter
      • ein alter Mann der Familie Capulet
      • Tybalt, Vetter Julias, ein aggressiver Mann
      • Julias Amme
      • Peter, ihr Diener
      • Samson und Gregorio, Diener Capulets
  • Lorenzo und Marcus, zwei Franziskanermönche
  • Apotheker
  • drei Musikanten
  • Bürger von Verona. Verwandte beider Familien. Masken, Wachen, Gefolge.

Romeo und Julia (englischer Kurztitel Romeo and Juliet) ist eine 1597 veröffentlichte Tragödie von William Shakespeare. Sie schildert die Geschichte zweier junger Liebender, die verfeindeten Familien angehören. Das mit dem Suizid Romeos und Julias endende Drama ist eines der bekanntesten Werke Shakespeares[2] und die berühmteste Liebesgeschichte der Weltliteratur.

Handlung

Zusammenfassung

Die Tragödie spielt in der italienischen Stadt Verona und handelt von der Liebe Romeos und Julias, die zwei verfeindeten Familien angehören, den Montagues (Romeo) beziehungsweise den Capulets (Julia). Die Fehde geht so weit, dass sich die Beteiligten regelmäßig zu Beleidigungen und blutigen Fechtkämpfen hinreißen lassen, sobald sie in der Stadt aufeinander treffen. Deshalb halten Romeo und Julia ihre Liebesbeziehung vor ihren Eltern verborgen. Ohne deren Wissen lassen sie sich vom Pater Lorenzo trauen, der insgeheim hofft, auf diese Weise einen ersten Schritt zur Lösung des Konflikts beitragen zu können.

Trotzdem kommt es zwischen Romeo und Tybalt, einem Capulet und Cousin Julias, zum Kampf, in dessen Verlauf dieser von Romeo getötet wird. Romeo wird aus Verona verbannt und muss nach Mantua fliehen. Julia, die nach dem Willen ihrer Eltern in aller Eile mit einem gewissen Paris verheiratet werden soll, bittet erneut Pater Lorenzo um Hilfe. Dieser überredet sie, einen Schlaftrunk zu sich zu nehmen, der sie für 42 Stunden in einen todesähnlichen Zustand versetzen werde, um so der Hochzeit zu entrinnen. Romeo soll durch einen Brief, der ihn allerdings wegen eines Missgeschicks nie erreicht, von diesem Plan in Kenntnis gesetzt werden. In der Zwischenzeit sieht ein Freund Romeos die mittlerweile beigesetzte Julia in ihrer Familiengruft liegen, eilt zu Romeo und berichtet ihm vom angeblichen Tod seiner Liebsten. Romeo eilt nach Verona zum Grab seiner Frau, um sie noch ein letztes Mal zu sehen, dann nimmt er Gift und stirbt an ihrer Seite. Im selben Augenblick erwacht Julia aus ihrem todesähnlichen Schlaf, sieht, was geschehen ist, ergreift Romeos Dolch und tötet sich aus Verzweiflung ebenfalls.

Als die verfeindeten Eltern von der tragischen Liebesbeziehung erfahren, erkennen sie ihre Mitschuld und versöhnen sich über dem Grab ihrer Kinder.

Erster Akt

  • Das Drama beginnt mit einem Prolog in Form eines Sonetts, in welchem dem Publikum mitgeteilt wird, dass die unter einem unglücklichen Stern stehenden (star-crossed) Liebenden, Romeo und Julia, verfeindeten Familien angehören, sterben werden und durch ihren Tod ihre streitenden Familien versöhnen werden.
  • Erste Szene – Verona, ein öffentlicher Platz: Diener der verfeindeten Häuser Capulet und Montague beginnen auf einem öffentlichen Platz Veronas Streit. Benvolio, der Neffe Montagues, will einen Kampf verhindern, doch Tybalt, der Neffe Capulets, fordert auch ihn zum Kampf auf. Schnell ist eine große Menschenmenge beteiligt; Parteigänger eilen hinzu, schließlich auch die Oberhäupter der Familien. Der Fürst von Verona ist außer sich vor Wut über den öffentlichen Kampf und verhängt für zukünftige derartige Vorfälle die Todesstrafe. Romeo Montague war nicht beim Kampf dabei, seine Eltern erkundigen sich bei Benvolio nach ihm. Sie erfahren, dass er unglücklich in die kühle Rosalinde verliebt ist und einsam durch die Landschaft streift. Als Romeo selbst erscheint, möchte Benvolio ihm aus seiner Melancholie heraushelfen, doch Romeo wehrt alle Versuche seines Freundes mit geistreichen Wortspielen über seine Liebeskrankheit ab.
  • Zweite Szene – Verona, eine Straße: Graf Paris hält bei Capulet um Julias Hand an. Capulet ist darüber zwar erfreut, hat aber Bedenken, dass die noch nicht vierzehnjährige Julia gegenwärtig zu jung für eine Heirat sei. Deshalb lädt er den Freier für den Abend zu einem großen Tanzfest ein, bei dem er beginnen soll, Julias Gunst zu erringen. Ein Diener bekommt eine Gästeliste und soll in Verona Einladungen verteilen. Der des Lesens unkundige Diener fragt die herbeikommenden Romeo und Benvolio, ob sie ihm die Namen vorlesen könnten. Rosalinde wird auch auf dem Ball sein, deshalb überredet Benvolio Romeo, mit ihm maskiert auf das Fest der Capulets zu gehen und seine Angebetete mit anderen anwesenden Mädchen zu vergleichen, um zu erkennen, dass es durchaus noch größere Schönheiten als sie gibt.
  • Dritte Szene – Verona, Capulets Haus: Gräfin Capulet lässt von Julias Amme, einer sehr geschwätzigen Person, ihre Tochter zu sich holen. Sie sagt Julia, dass Graf Paris um sie angehalten habe und sie ihn auf dem abendlichen Fest kennenlernen werde. Die Amme ist begeistert, Julia dagegen sehr zurückhaltend, sagt aber zu, dass sie sich den Freier anschauen werde.
  • Vierte Szene – Verona, vor Capulets Haus: Romeo und seine Freunde Benvolio und Mercutio haben sich maskiert und sind bereit, auf das Fest der Capulets zu gehen. Die Freunde wollen Romeo mit schlüpfrigen Wortspielen aus seiner Liebesmelancholie reißen. Vor allem Mercutio tut sich hervor mit einer langen phantastischen Rede über Queen Mab, die Hebamme der Elfen. All das aber kann Romeo nicht aus seiner düsteren Stimmung reißen: Er behauptet, eine Vorahnung seines bevorstehenden Todes zu haben.
  • Fünfte Szene – Verona, eine Halle in Capulets Haus: Capulet heißt alle seine Gäste, ganz gleich ob eingeladen oder nicht, herzlich willkommen. Romeo erblickt Julia und ist auf den ersten Blick in sie verliebt. Er ist überzeugt, noch nie zuvor eine solche Schönheit gesehen zu haben. Tybalt erkennt Romeo trotz Maske an dessen Stimme und will sofort mit ihm kämpfen. Doch Capulet weist seinen aggressiven Neffen zurecht und erklärt ihm, dass Romeo sein Gastrecht genieße und ein Ehrenmann sei. Romeo hat sich inzwischen Julia genähert, die ihrerseits wie verzaubert ist. Beider Hände finden sich, dann auch ihre Lippen. Wie von selbst formen sich die Verse der Liebenden zu einem gemeinsamen Sonett. Romeo muss gehen, nicht ohne vorher noch darüber aufgeklärt worden zu sein, dass Julia die Tochter seines Feindes ist. Auch Julia muss zu ihrer Bestürzung erfahren, dass sie ihr Herz an einen Mann aus dem gegnerischen Hause verloren hat.

Zweiter Akt

Romeo und Julia auf einem Gemälde von Ford Madox Brown (1870)
  • Prolog: In einem Sonett wird dem Publikum noch einmal die Situation der Liebenden vor Augen gestellt: Verliebt in den Feind. Zugleich deutet das Gedicht an, dass die Leidenschaft der beiden Wege finden wird, ihre Liebe trotz der ungünstigen Umstände zu verwirklichen. Einige Ausgaben des Stückes stellen dieses Sonett nicht an den Anfang des zweiten Akts, sondern an das Ende des ersten.
  • Erste Szene – Verona, eine Straße bei Capulets Garten: Romeo, den es zu Julia zieht, verbirgt sich im Garten vor seinen Freunden, die ihn vergeblich suchen. Mercutio, wie es seine spöttische Art ist, beschwört den liebeskranken Romeo, als sei dieser ein verwirrter Geist, und macht dazu anstößige Bemerkungen. Als sich Romeo nicht zeigt, gehen Benvolio und Mercutio ohne ihn heim.
  • Zweite Szene – Verona, Capulets Garten (Balkonszene[3]): Julia erscheint am Fenster. Romeo hört, wie sie von ihrer Liebe für ihn spricht, tritt hervor und gesteht seinerseits auch ihr seine Liebe. Julia ist erschrocken, aber auch beglückt, und lässt sich von Romeo wiederholt beschwören, wie ernst er es mit ihr meint. Die Liebenden verabreden, sich bereits am nächsten Tag trauen zu lassen, Julias Amme wird Romeo Bescheid geben.
  • Dritte Szene – Verona, Bruder Lorenzos Zelle: Lorenzo ist bei der Arbeit, er bewirtschaftet den Garten der Mönche und offenbart hervorragende Kenntnisse der Heilpflanzen. Romeo kommt und bittet Lorenzo, die heimliche Vermählung mit Julia vorzunehmen. Lorenzo kritisiert Romeo zunächst, weil dieser Rosalinde so schnell vergessen habe, was Zweifel an der neuen Begeisterung erweckt. Dennoch willigt er ein, in der Hoffnung, durch diese Trauung den unseligen Streit der Familien endlich beenden zu können.
  • Vierte Szene – Verona, eine Straße: Mercutio und Benvolio fragen sich, wo Romeo bleibt, Tybalt hat ihren Freund nämlich zu einem Duell herausgefordert. Mercutio lässt in einer leidenschaftlich spitzen Rede seine Verachtung für den seiner Meinung nach affektierten Duell-Fanatiker Tybalt erkennen. Romeo tritt auf. Die Freunde ergehen sich eine Zeitlang in anzüglichen Wortspielen, bis Julias Amme erscheint, die erst Mercutios böse Scherze ertragen muss, bevor ihr von Romeo mitgeteilt wird, dass die Hochzeit eine Stunde später in Bruder Lorenzos Zelle vollzogen werde.
  • Fünfte Szene – Verona, Capulets Garten: Julia wartet ungeduldig auf die Amme. Diese lässt das junge Mädchen nach ihrer Ankunft erst einmal etwas zappeln, bevor sie ihr mitteilt, wann und wo die heimliche Hochzeit stattfinden soll.
  • Sechste Szene: – Verona, Bruder Lorenzos Zelle: Lorenzo freut sich über die Vermählung Romeos und Julias; er ist inzwischen völlig überzeugt, den jahrelangen Streit der verfeindeten Familien so beenden zu können. Dennoch ermahnt er seinen Schützling Romeo noch einmal zur Mäßigung.

Dritter Akt

  • Erste Szene – Verona, ein öffentlicher Platz: Benvolio bittet Mercutio mit ihm heimzugehen, denn es sei ein heißer Tag und die Anhänger der Capulets seien auf Streit aus. Mercutio wirft Benvolio scherzhaft vor, selbst ein streitlustiger Charakter zu sein, und macht keine Anstalten, den Platz zu verlassen. Tybalt kommt und fragt nach Romeo. Dieser erscheint und wird von Tybalt zum Duell gefordert, was Romeo – nun durch die heimliche Hochzeit mit Tybalt verwandt – ablehnt. Stattdessen will er Frieden stiften. Mercutio mischt sich ein und beginnt einen Fechtkampf mit Tybalt. Romeo geht schlichtend zwischen sie, in diesem Moment bringt Tybalt Mercutio heimtückisch eine tödliche Wunde bei. Mercutio verflucht die streitenden Häuser und stirbt. Romeo, außer sich vor Schmerz und Wut, zieht seinen Degen und ersticht Tybalt. Er erkennt, was er getan hat, und flieht. Das Volk eilt herbei, auch die Oberhäupter der Familien. Benvolio berichtet dem Fürsten von Verona vom Hergang des Kampfes. Gräfin Capulet fordert, Romeo zu töten, der Fürst aber bestraft ihn mit Verbannung, da Tybalt die Tat provoziert habe.
  • Zweite Szene – Verona, Capulets Haus: Julia erwartet wieder ungeduldig die Ankunft der Amme. Diese erscheint und klagt, so dass Julia zunächst annehmen muss, Romeo sei tot. Als sie erfährt, dass Romeo Tybalt erschlagen hat, ist sie zunächst entsetzt, schnell wird ihr aber klar, dass Tybalt der Provokateur gewesen sein muss. Da Romeo verbannt ist, glaubt Julia, sie werde ihre Hochzeitsnacht nie erleben, doch die Amme bietet ihr an, zu Romeo zu gehen und ihn für diese Nacht zu ihr zu holen.
  • Dritte Szene – Verona, Bruder Lorenzos Zelle: Romeo hat sich bei Lorenzo versteckt; er erfährt von seiner Verbannung und kann in ihr nur eine schlimmere Strafe als den Tod sehen, weil Verbannung die Trennung von Julia bedeutet. Die Amme erscheint, doch auch das bringt Romeo noch nicht zur Vernunft. Er will sich sogar töten, weil er fürchtet, Julia könne ihn, den Mörder Tybalts, nicht mehr lieben. Lorenzo nimmt ihm den Dolch fort und entwirft einen Plan: Romeo solle in dieser Nacht Julia noch einmal besuchen, sich dann aber eiligst nach Mantua begeben. Romeo lässt sich überzeugen, dass noch Hoffnung besteht.
  • Vierte Szene – Verona, Capulets Haus: Paris bringt erneut seinen Antrag bei Capulet vor. Zunächst abwehrend, setzt dieser dann überraschend eigenmächtig die Hochzeit für Donnerstag – also drei Tage später – fest. Gräfin Capulet soll Julia in Kenntnis setzen.
  • Fünfte Szene – Verona, Capulets Garten: Nach der Hochzeitsnacht müssen sich Romeo und Julia trennen, denn die Lerche singt, ein Zeichen für den anbrechenden Morgen. Julia sagt, es sei die Nachtigall, um Romeo noch etwas bei sich zu behalten; doch als dieser einwilligt, da zubleiben und auch sterben zu wollen, willigt sie in seinen Abschied ein. Gräfin Capulet sucht Julia auf, um sie vom Entschluss des Vaters in Kenntnis zu setzen. Julia ist entsetzt und weigert sich. Capulet kommt hinzu und bringt sie mit groben Worten und der Drohung, sie zu enterben, zum Schweigen: Ihr Wille zähle hier nicht. Als die Eltern gegangen sind, rät auch die Amme Julia zur Hochzeit mit Paris. Verzweifelt beschließt Julia, Lorenzo um Rat zu fragen.

Vierter Akt

  • Erste Szene – Verona, Bruder Lorenzos Zelle: Paris bittet den überraschten Lorenzo, ihn am Donnerstag mit Julia zu vermählen. Julia erscheint, spricht ausweichend mit Paris, bis dieser voller Hoffnung geht. Julia bittet Lorenzo verzweifelt um einen Rat; finde er keinen, werde sie sich töten und zieht ein Messer. Lorenzo sieht eine Lösung: Er gibt Julia einen Schlaftrunk mit, der sie für 42 Stunden in einen scheintoten Zustand versetzen wird. Ihre Eltern werden sie bestatten, Romeo wird in der Zwischenzeit durch Lorenzos Mitbruder Markus benachrichtigt werden und sie aus der Familiengruft der Capulets befreien. Julia willigt ein.
  • Zweite Szene – Verona, Capulets Haus: Capulet lässt bereits Gäste zur Hochzeit Julias laden. Julia erscheint und gibt vor, in die Heirat einzuwilligen. Der glückliche Capulet verkündet daraufhin überraschend, dass die Trauung bereits am Mittwoch stattfinden soll, zieht sie also einen Tag vor.
  • Dritte Szene – Verona, Julias Zimmer: Julia durchlebt Angst und Zweifel: Will der Mönch sie aus dem Weg räumen? Wird das Aufwachen in der Gruft ihr nicht den Verstand rauben? In einer Schreckensvision erscheint ihr Tybalts blutiger Geist. Ihre Liebe aber ist letztlich stärker und sie trinkt das Mittel Lorenzos.
  • Vierte Szene – Verona, Capulets Haus: Im Haus Capulets wird die Hochzeit vorbereitet. Capulet ist aufgeregt und mischt sich ein, die Amme will ihn zu Bett schicken. Der Morgen ist aber schon angebrochen, daher schickt Capulet die Amme, Julia aufzuwecken.
  • Fünfte Szene – Verona, Capulets Haus: Die Amme findet die scheintote Julia. Capulet, seine Frau und Paris kommen dazu; alle sind entsetzt und beklagen ihr grausames Schicksal. Lorenzo wird geholt und fordert die Trauernden auf, Fassung zu bewahren und Julia in die Familiengruft zu überführen.

Fünfter Akt

  • Erste Szene – Mantua, eine Straße: Romeo hatte einen Traum, in dem er sich tot sah und von Julia wieder zum Leben erweckt wurde; er deutet dies als gutes Zeichen. Er erwartet Nachrichten von Lorenzo, stattdessen erscheint sein Diener Balthasar, der ihm von Julias Tod berichtet. Romeo entschließt sich spontan, dem Schicksal zu trotzen und sich im Tod mit Julia wieder zu vereinen. Von einem verarmten Apotheker kauft er sich Gift und macht sich auf den Weg zur Gruft der Capulets.
  • Zweite Szene – Verona, Bruder Lorenzos Zelle: Lorenzo erfährt, dass sein Mitbruder Markus den Brief an Romeo nicht zustellen konnte, da eine plötzlich ausbrechende Pestwelle dies verhinderte. Lorenzo eilt zur Gruft, um Julia, die bald erwachen wird, in seine Zelle zu bringen.
  • Dritte Szene – Verona, ein Friedhof: Paris bringt Blumen auf den Friedhof, um sie für Julia vor die Gruft zu streuen. Als sein Diener jemanden kommen hört, verbergen sich beide und beobachten, wie Romeo beginnt, die Gruft aufzubrechen. Paris stellt Romeo zur Rede, dieser bittet ihn zu gehen, sonst werde er ihn töten müssen. Paris weicht nicht, sie ziehen die Schwerter und kämpfen, Paris stirbt. Romeo erfüllt dessen letzten Wunsch, in der Gruft neben Julia liegen zu dürfen. Er betrachtet die schlafende Julia noch ein letztes Mal und nimmt dann das tödliche Gift. Lorenzo trifft ein, als Julia erwacht und den toten Romeo erblickt. Er flieht jedoch vor den anrückenden Wachen. Julia küsst Romeos Lippen und ersticht sich mit seinem Dolch. Wachen und Volk eilen herbei. Montague berichtet, seine Frau sei aus Kummer über Romeos Verbannung gestorben. Lorenzo schildert dem Fürsten von Verona und den verbliebenen Oberhäuptern der Familien, was geschehen ist. Die alten Widersacher versöhnen sich erschüttert und beschließen ein Denkmal in pure gold für die beiden Liebenden zu errichten. Der Fürst spricht das Schlusswort: „For never was a story of more woe / Than this of Juliet and her Romeo.“ („Denn niemals gab es ein so herbes Los als Julias und ihres Romeos.“ Übersetzung von Schlegel).

Entstehungszeitpunkt

Erste Quarto-Ausgabe von Romeo und Julia (1597)

Der genaue Entstehungszeitpunkt des Dramas ist unsicher: die Jahre 1591 bis 1596 wurden von Forschern vorgeschlagen. Später als 1597 kann es nicht entstanden sein, da in diesem Jahr die erste Quarto-Ausgabe des Stückes erschien. Externe Beweise – wie etwa eine nicht mehr abbrechende Reihe von Zitaten aus dem Stück in anderen Schauspielen ab 1598 – legen eher ein früheres Datum nahe. Die stilistische Nähe zu dem Schauspiel Have With You To Saffron-Walden (1595) lässt vermuten, dass Romeo und Julia 1596 geschrieben wurde.[4]

Textüberlieferung

Ein Manuskript ist nicht überliefert. Es gibt im Wesentlichen zwei Ausgaben, welche die Grundlage für heutige Texteditionen bilden: Die erste Quarto-Ausgabe von 1597, die sogenannte schlechte Quart-Ausgabe, wurde vermutlich aus dem Gedächtnis von Schauspielern rekonstruiert und weist bedeutende Kürzungen, grobe Abweichungen, metrische Fehler, Wiederholungen und ähnliches auf. Die zweite Quarto-Ausgabe von 1599, die sogenannte gute Ausgabe, basiert vermutlich direkt auf Shakespeares Manuskript, enthält aber ebenfalls eine Reihe zweifelhafter Passagen.[5]

Parallelen

Das Motiv der Liebenden, die durch widrige Umstände getrennt werden, wurzelt tief in Mythologie und Märchen. Beispiele für solche Liebespaare sind Hero und Leander, Pyramus und Thisbe, Tristan und Isolde, Flore und Blanscheflur und Troilus und Cressida. Das Schicksal des letztgenannten Paares wurde von Geoffrey Chaucer in seinem Epos Troilus and Criseyde dargestellt. Dieses Werk beeinflusste stark Shakespeares unmittelbare Vorlage, Arthur Brookes Epos The Tragical History of Romeus and Juliet von 1562. Sowohl Brooke als auch sein Landsmann William Painter mit Rhomeo and Julietta von 1567 benutzten die französische Fassung von Pierre Boaistuau (1559), die wiederum auf Matteo Bandellos Romeo e Giulietta (1554) und Luigi da Portos Giuletta e Romeo (um 1530) zurückgreift.

Shakespeare arbeitete mit Brookes Werk, was an einer Reihe fast wörtlicher Übernahmen zu erkennen ist. Ob er auch Painters Werk benutzte, ist unklar, aber wahrscheinlich.[6] So übernahm er etwa von Painter den Namen Romeo anstelle von Brookes Romeus. Im Wesentlichen folgte Shakespeare der Geschichte, wie Brooke sie präsentiert, wobei die doppelte Thematik (Familienfehde und Liebesgeschichte) von Shakespeare – im Gegensatz zu Brooke – gleich zu Beginn des Dramas erwähnt wird und damit den Ablauf der gesamten Tragödie bestimmt. Bei Brooke entfaltet sich die Geschichte über einen Zeitrahmen von neun Monaten, bei Shakespeare wird sie auf wenige Tage gestrafft. Die Rollen von Tybalt und Paris dagegen wurden von Shakespeare erweitert und vertieft.

Eine biblischer Bezug ist auch denkbar. Eva kostet den Apfel, und beide werden des Paradieses verwiesen. Adam, wohlwissend der Konsequenz, verhindert ihr Handeln nicht. (Siehe Erbsünde)

Aspekte des Stückes

Eigenliebe und echte Liebe

Shakespeare präsentiert Romeo in den ersten Szenen des Dramas als Melancholiker, dessen Liebe nicht selbstlos und wirklich tief empfunden ist, sondern fast zur bloßen Pose und selbstgefälligen Rolle wird. Darauf weist Romeos Sprache hin, die in der Tradition der Sonett-Mode der damaligen Zeit steht (zu der auch Shakespeare beitrug): Übertreibungen, Anspielungen, Paradoxien, endlose Beschwörungen der unerwiderten Liebe. Romeo ist, wie Samuel Taylor Coleridge schrieb, nicht in Rosalinde verliebt, sondern verliebt in seine eigene Idee davon.[7] Diese ichbezogene, narzisstische Liebe kontrastiert Shakespeare im Folgenden mit der echten Liebe, die über bloße Attitüden hinauswächst und eine radikale Änderung des eigenen Verhaltens erfordert.

Ambivalenz von Gut und Böse

Das Drama beginnt mit der Darstellung eines negativen Zustands, einer Familienfehde, die das Gemeinwesen seit Generationen in Mitleidenschaft zieht. Der Fürst von Verona versucht diesen Streit durch ein neues Gesetz, die Verhängung der Todesstrafe für zukünftige Kampfhandlungen, zu beenden. Er wird damit zur ersten Figur Shakespeares, deren gute Handlungen nicht absehbare böse Folgen haben. Bruder Lorenzo ist der Charakter, der diesen Aspekt des Dramas am deutlichsten verkörpert. Er, der selbst erkennt und ausspricht, dass gut und böse ambivalent, also widersprüchlich, seien (siehe 2.3.17–22), trägt mit seinen von edlen Motiven motivierten Handlungen entscheidend zum Untergang der Liebenden bei.

Schicksal oder freier Wille

Shakespeares Drama wurde von vielen Forschern trotz der offensichtlichen dramatischen Qualitäten im Sinne der Tragödien-Definition als misslungen angesehen[8], da nicht deutlich genug werde, weshalb die Liebenden tragisch enden: Sind sie von vornherein vom Schicksal zum Untergang bestimmt (der Prolog nennt sie star-crossed) oder sind ihre Handlungen die Ursache ihres Scheiterns? W. H. Auden etwa listet übergenau alle negativen Handlungen der beiden Protagonisten auf, um zu beweisen, dass sie ihren Untergang selbst bewirken.[9] Eine vermittelnde Position nimmt G. Blakemore Evans ein: Gerade die Vermengung der Prinzipien Schicksal und freier Wille bewahre das Stück davor, strukturlos oder moralistisch zu werden.[10]

Sprache und Stil

Romeo und Julia ist ein Frühwerk Shakespeares. Folgte er in den vorhergehenden Stücken (und teilweise auch in dieser Tragödie) noch sehr den vorherrschenden rhetorischen Konventionen[11], so ist in Romeo und Julia eine neue Bandbreite an individuellen Stimmen und Sprechstilen zu beobachten: Romeo bedient sich einerseits zunächst noch typischer Sonett-Phrasen, findet andererseits dann aber, wie Julia, zur leidenschaftlichen Sprache der Liebe; Bruder Lorenzo spricht in moralischen Sentenzen; die Amme verwendet einen schwatzhaften Plauderton; Mercutio ist der Meister der anzüglichen Gemeinheiten; Tybalt verwendet vor allem parataktische Sätze, die seine Aggressivität verdeutlichen.

Aufführungsgeschichte

Romeo und Julia war von Anfang an ein sehr beliebtes Stück, worauf die vielen Zitate in anderen Werken hinweisen. Der Erfolg setzte sich auch jenseits Englands fort: Romeo und Julia wurde von wandernden englischen Schauspieltruppen in deutscher Fassung in ganz Europa aufgeführt. (Für das ganze 17. Jahrhundert sind solche Aufführungen dokumentiert.)[12]

Als die Theater in der Restaurationszeit wieder öffneten, veranlasste William Davenant 1662 eine erste Aufführung von Shakespeares Drama. Kurze Zeit später machte James Howard aus dieser Aufführung eine Tragikomödie mit glücklichem Ausgang[13]; diese Fassung ist allerdings verschollen. 1679 hatte Thomas Otways Adaptation The History and Fall of Caius Marius ihre Erstaufführung. Das Stück spielt nicht mehr im Renaissance-Verona, sondern im antiken Rom, Romeo heißt Marius, Julia Lavinia, der Streit findet zwischen Patriziern und Plebejern statt. Otways Fassung war ein großer Erfolg und wurde über 70 Jahre lang aufgeführt. Theophilus Cibber (1744) und David Garrick (1748) griffen bei ihren Bearbeitungen auf Otways Ideen zurück.

Zum ersten Mal seit 1679 kehrte Shakespeares Originaltext (wenn auch stark gekürzt) 1845 auf die Bühne zurück. Die Aufführung am Londoner Haymarket Theatre ging auf die Initiative der US-amerikanischen Schauspielerin Charlotte Saunders Cushman zurück, die Romeo spielte (ihre jüngere Schwester Susan übernahm die Rolle der Julia). Seit dieser Aufführung benutzte keine bedeutende Aufführung mehr eine Bearbeitung. Henry Irvings Produktion von 1882 am Londoner Lyceum Theatre verdeutlicht sehr klar den damals bevorzugten Ausstattungsstil (wertvolle Kostüme, lange Musik- und Tanzeinlagen, eindrucksvolle Kulissen).[14]

Romeo und Julia blieb auch im 20. Jahrhundert eines der am häufigsten aufgeführten Werke Shakespeares. Bedeutende Produktionen seitdem:

Adaptionen

In der Literatur

William Shakespeares Thema wurde von vielen Schriftstellern aufgenommen. Eine Liste einiger auf dem Drama beruhender Werke befindet sich unter Romeo und Julia (Stoff). Die bekannteste Adaptation im deutschsprachigen Raum ist Gottfried Kellers Novelle Romeo und Julia auf dem Dorfe (1856). Keller verlegt die Handlung in die Schweiz, aus den italienischen Liebenden werden zwei Bauernkinder, die am Streit ihrer Väter zugrunde gehen.

Vertonungen

Romeo und Julia wurde mehrmals für die Opernbühne vertont, unter anderem von Boris Blacher, Vincenzo Bellini, Pascal Dusapin, Charles Gounod, Daniel Steibelt, Heinrich Sutermeister - siehe dazu Romeo und Julia (Sutermeister) - und Riccardo Zandonai. Das bekannteste Ballett nach Shakespeares Stück komponierte Sergei Prokofjew. Ein Welterfolg (auch als Verfilmung) wurde die Musical-Fassung von Leonard Bernstein: Die West Side Story verlegt die Handlung in die 1950er Jahre; die streitenden Familien sind Angehörige rivalisierender Gangs in New York. Das französische Musical Roméo et Juliette, de la Haine à l’Amour von Gérard Presgurvic bearbeitet den Stoff recht nah am Original und avancierte seit seiner Premiere Anfang 2001 zum erfolgreichsten französischsprachigen Musical und wurde in vielen weiteren Ländern aufgeführt und in etliche Sprachen übersetzt (unter anderem Deutsch, Englisch, Niederländisch, Ungarisch).

Auch für den Konzertsaal wurde das Stück bearbeitet, die bekanntesten Komponisten hier sind Hector Berlioz (Dramatische Sinfonie) und Pjotr Tschaikowski (Fantasieouvertüre).

Internet

2010 entwickelte die Royal Shakespeare Company gemeinsam mit der britischen Cross-Platform-Produktionsfirma Mudlark eine Twitter-basierte Fassung von Romeo und Julia mit dem Namen „Such Tweet Sorrow“[15], die in einer englischen Kleinstadt der Gegenwart spielt. Ab dem 10. April konnte das Publikum den Verlauf der Handlung verfolgen, indem es die Tweets der Darsteller abonnierte. Die Verlinkung zu Fotosharing-Diensten, Videoportalen und Weblogs und das Einbeziehen von aktuellen Geschehen wie dem Ausbruch des Eyjafjallajökull stellte eine starke Realitätsnähe her, die vor allem junge Internet-Benutzer ansprechen und für Shakespeare begeistern sollte.

Film

Romeo und Julia wurde laut Internet Movie Database bisher 30-mal verfilmt, wobei hier allerdings nur die Filme gezählt wurden, welche die Shakespearesche Tragödie direkt als Vorlage nennen.[16] Zählte man alle Filme hinzu, die sich, ob indirekt oder parodistisch, auf das Drama beziehen, ergäbe sich eine weit höhere Zahl.

Die bedeutendsten Verfilmungen sind:

Zeffirellis Version wurde an Originalschauplätzen in Verona gedreht und präsentierte als erste Verfilmung die berühmten Liebenden als blutjunge Jugendliche. Um die Authentizität zu erhöhen, waren die Darsteller keine bekannten Theaterschauspieler, sondern zum Zeitpunkt der Verfilmung unbekannte Schauspieler. Luhrmanns Fassung ist eine radikal moderne Neuinterpretation des Stückes mit den Mitteln der Videoclip-Ästhetik.

Die Casa di Giulietta

In der italienischen Stadt Verona steht, unweit der Piazza delle Erbe, das angebliche Elternhaus der Julia. Der Skaligerbau in der Via Cappello 27 gehörte ursprünglich dem Geschlecht Del Cappello (siehe Steinwappen im Gewölbebogen des Hinterhofes) und wurde bis in das vorige Jahrhundert als Fremdenherberge genutzt (45° 26′ 31,4″ N, 10° 59′ 55″ O45.44205610.998618). Der berühmte Balkon im Innenhof wurde nachträglich für Touristen angebaut. Unweit nördlich davon (285 m Fußstrecke) befindet sich in der Via Arche Scaligere das angebliche Haus der Montagues.

Literatur

  • William Shakespeare: Romeo and Juliet. Englisch-Deutsche Studienausgabe. Deutsche Prosafassung, Anmerkungen, Einleitung und Kommentar von Ulrike Fritz. Stauffenburg, Tübingen 1999, ISBN 978-3-86057-554-3.
  • Dietrich Klose (Hrsg.) und nachgesehen: William Shakespeare: Romeo und Julia, übersetzt von August Wilhelm Schlegel, Umschlagabbildung von Johann Heinrich Füssli, Bleistiftzeichnung 1815. Reclam, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-000005-X.
  • Frauke Frausing Vosshage, Erläuterungen zu William Shakespeare: Romeo und Julia (Romeo and Juliet), Textanalyse und Interpretation (Bd. 55), C. Bange Verlag, Hollfeld 2012, ISBN 978-3-8044-1994-0.

Weblinks

 Wikisource: Romeo und Julia – Quellen und Volltexte
 Commons: Romeo und Julia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Romeo and Juliet. Edited by G. Blakemore Evans. Cambridge 1984. Seite 28
  2. Vergleiche etwa http://absoluteshakespeare.com/plays/romeo_and_juliet/romeo_and_juliet.htm oder http://www.aboutbritain.com/Event.asp?EventID=10846
  3. Der Name Balkonszene hat sich in Theaterkreisen eingebürgert, obwohl von Shakespeare kein Balkon erwähnt wird, sondern lediglich davon die Rede ist, dass Julia oben am Fenster (above at a window) und Romeo unten im Garten (orchard) steht.
  4. J.J.M. Tobin: Nashe and Romeo and Juliet. Notes & Queries Nr. 27 (1980)
  5. George W. Williams: The Most Excellent and Lamentable Tragedie of Romeo and Juliet: A Critical Edition. 1964
  6. Romeo and Juliet. Edited by G. Blakemore Evans. Cambridge 1984. Seite 7
  7. Lectures and Notes on Shakespeare. Herausgegeben von T. Ashe. 1885. Seite 98
  8. Etwa von H.B. Charlton in Shakespearian Tragedy. 1948. Seiten 49–63
  9. Ed. Francis Ferguson (Herausgeber): The Laurel Shakespeare. (Seiten 21–39)
  10. Romeo and Juliet. Edited by G. Blakemore Evans. Cambridge 1984. Seite 16
  11. Siehe etwa Madeleine Doran: Shakespeare's Dramatic Language. Seiten 10–13
  12. Albert Cohn: Shakespeare in Germany in the Sixteenth and Seventeenth Centuries. 1865. (Seiten 115f. und 118f.)
  13. vgl. Dictionary of National Biography
  14. Richard W. Scooch: Pictorial Shakespeare. In Stanley Wells und Sarah Stanton (Hrsgb.): The Cambridge Companion to Shakespeare on Stage. 2002. Seite 62f.
  15. http://www.suchtweetsorrow.com/
  16. http://www.imdb.com/name/nm0000636/