Radio-Tatort

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Das Logo der Serie
Studioaufnahmen für den Radio-Tatort im RBB Berlin 2013

Der Radio-Tatort (auch ARD Radio Tatort oder radiotatort) ist eine Hörspielserie, die von den ARD-Landesrundfunkanstalten produziert und in der gesamten ARD gesendet wird. Die erste Folge wurde im Januar 2008 ausgestrahlt. Seitdem wird jeden Monat ein neues Hörspiel gesendet. Keine Folge überschreitet die Maximallänge von 55 Minuten, so dass sie problemlos zwischen zwei Nachrichtenblöcken eingefügt werden kann.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Konzept des Radio-Tatorts gleicht dem des Tatorts im Fernsehen: Jede der neun Landesrundfunkanstalten produziert Folgen, in denen ein festes und regional verwurzeltes Ermittlerteam Verbrechen – häufig Tötungsdelikte – aufklärt.

Die Ausstrahlung erfolgt über die Kulturprogramme der Rundfunkanstalten, zeitlich im Bereich von ein bis zwei Wochen verschoben. Die Hörspielserie wird von Anfang an mit einer eigenen Webseite begleitet. Die Hörspiele stehen dort seit der Folge 3/2009 (Hexenjagd) zeitlich befristet für ca. einen Monat im Zeitraum der Erstausstrahlung zum Download bereit und sind auch als Podcast abonnierbar; bei früheren Folgen waren größtenteils nur Ausschnitte verfügbar bzw. der Downloadzeitraum auf sieben Tage begrenzt. Weiterhin werden die ersten zwölf Folgen vom Hörverlag auf CD vertrieben.

Mit dem Radio-Tatort wurde die Zusammenarbeit der ARD-Anstalten verstärkt. Zwei Jahre nach dem Start der Kriminalhörspielreihe ist im Januar 2010 mit dem ARD-Radio-Feature eine weitere deutschlandweite Hörfunkreihe angelaufen. Wie bereits aus dem Titel hervorgeht, ist sie auf Dokumentarsendungen (Radio-Features) spezialisiert.

Die monatliche Ausstrahlung eines neuen Falls wurde im Januar 2012 unterbrochen. Die für den SWR produzierte Folge konnte nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Weil auch keine andere Rundfunkanstalt ein fertiges Hörspiel "in der Schublade" hatte, wurde stattdessen Mordlauf aus dem Jahr 2008 wiederholt.[2]

Hörspiel-Folgen[Bearbeiten]

Seit 2008 wurden über 80 Folgen (Stand: 2014) produziert.

Cover[Bearbeiten]

Zu jeder Folge existiert ein Titelmotiv des Illustrators Jürgen Frey.[3]

Es ist beabsichtigt, die handelnden Personen nicht auf den Illustrationen darzustellen, um den Hörer nicht durch ein vorgegebenes Bild zu beeinflussen. Stattdessen werden Elemente der Handlung gezeigt.[4]

Die Titelmotive der ersten zwölf Folgen wurden in schwarz-weiß dargestellt, später wurde zusätzlich die Farbe gelb, mittlerweile auch rot verwendet. Der Detailgrad wird bewusst niedrig gehalten, um eine stark verkleinerte Darstellung auf der Webseite der ARD zu ermöglichen.[4]

Rezeption[Bearbeiten]

Die Reihe habe bisher insgesamt über eine Million Hörer gefunden, von denen „mehr als die Hälfte […] ihr eine gute bis sehr gute Note“ ausgestellt hätten, hieß es in einer ARD-Trend-Untersuchung im Sommer 2011.[5]

Trivia[Bearbeiten]

In der ersten Folge, Der Emir, telefoniert Hauptkommissar Fischer (Hilmar Eichhorn) aus Magdeburg mit seinen Kollegen vom LKA Düsseldorf (Hauptkommissar dort Nadir Taraki, gespielt von Baki Davrak). Fischer hat einen Monat später seinen ersten Fall und nimmt in einem Gespräch mit seiner Kollegin de Beer Bezug auf den Düsseldorfer Fall. Beide Magdeburger Beamte haben einen weiteren Gastauftritt beim Fall Mordlauf vom SWR. Somit hat Hauptkommissar Fischer im ersten Tatortjahr schon drei Einsätze, wenn auch zwei nur als Gastkommissar. Damit orientiert sich die Radioreihe am Fernsehtatort, bei dem in den ersten Jahren auch in fast jeder Folge ein Gastkommissar auftrat.

Die Folgen des Bayerischen Rundfunks spielen im fiktiven Ort Bruck am Inn, die Geschichten von Autor Robert Hültner basieren jedoch auf realen Personen und tatsächlich geschehenen Kriminalfällen.[6]

Die Folgen Schrei der Gänse (Maskenmann) und Die Unsichtbare basieren auf authentischen Fällen. Der Autor John von Düffel hat im Bremer Polizeipräsidium Nachforschungen betrieben.

Der Ermittler Nadir Taraki aus Düsseldorf wurde in den ersten vier Folgen von Baki Davrak gesprochen, seit Februar 2010 übernimmt Mark Waschke seine Rolle.

Nach drei Folgen mit Hauptkommissar Raimund Falk und seinem Vater Camillo wechselte der Hessische Rundfunk die Ermittler. Seit Oktober 2011 ist der vornamenlose Hauptkommissar Nebe in Rotenburg an der Fulda im Einsatz.[7]

Nach dem Hessischen Rundfunk tauschte Anfang 2012 auch der Westdeutsche Rundfunk seine Ermittler aus. Zuvor wurde beim Landeskriminalamt in Düsseldorf ermittelt und nun ermittelt Hauptkommissar Scholz (Uwe Ochsenknecht) zusammen mit dem zwangsweise vom LKA nach Hamm strafversetzten Lenz in der sog. Task Force Hamm. Der erste Fall dieses Teams wurde außerhalb des Radio-Tatorts bereits Ende 2011 im Rahmen des Krimifestivals Mord am Hellweg gesendet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Radio-Tatort FAQ
  2. Im Januar kein Radio-"Tatort" beim SWR. Meldung auf www.digitalfernsehen.de, abgerufen am 5. Februar 2012.
  3. Tödliche Kunst. Auf: ard.de. Abgerufen am 12. März 2013.
  4. a b ARD Radio Tatort '08. Auf: juergenfrey.de. Abgerufen am 12. März 2013.
  5. Marcel Kawente: Der Radio-„Tatort“ erfreut sich solider Hörerzahlen: Oft sogar Harald Schmidt bei den Downloads abgehängt. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 30. Juli 2011. Abgerufen am 5. Dezember 2011.
  6. Artmix Gespräch – Bayern 2 mit Robert Hültner vom 11. Januar 2008, Podcast verfügbar auf www.br-online.de, abgerufen am 7. Februar 2012
  7. Hörspiel Feature Klangkunst auf den Seiten des Hessischen Rundfunks, Zugriff am 6. Oktober 2011.