Real-Business-Cycle-Theorie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Real-Business-Cycle-Theorie (RBC-Theorie, Theorie realer Konjunkturzyklen) ist eine Denkschule der Neuen klassischen Makroökonomik. Sie argumentiert, dass Konjunkturzyklen durch technologische Schocks verursacht werden.

Andere Theorien sehen die Ursache von Konjunkturschwankungen dagegen in Nachfrageschwankungen (Keynesianismus), der Verfehlung der optimalen Geldmenge als Folge verfehlter Geldpolitik (Monetarismus), oder als Angebots- oder Nachfrageüberhang infolge von Preis- und Lohnrigiditäten (Neukeynesianismus).

Vertreter[Bearbeiten]

Die wichtigsten Vertreter der Real-Business-Cycle-Theorie sind Edward C. Prescott und Finn E. Kydland, die 2004 gemeinsam den Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel erhielten. Weitere zentrale Figuren sind Robert J. Barro, Robert G. King, Charles Plosser und Sergio Rebelo.

Methodik[Bearbeiten]

Methodisch orientiert sich die Schule der Real-Business-Cycle-Theorie eng am von Robert E. Lucas in den 1970er-Jahren entwickelten dynamischen Allgemeinen Gleichgewichtsmodell. Dabei gehen die Modelle im Sinne einer Mikrofundierung von repräsentativen Wirtschaftssubjekten aus. Aus den Nutzenfunktionen der privaten Haushalte und den Gewinnfunktionen der Unternehmen sowie deren Nebenbedingungen (constraints) werden allgemeine Gleichgewichtsbedingungen abgeleitet, die die wirtschaftliche Dynamik charakterisieren. Dies steht im Gegensatz zu älteren makroökonomischen Schulen, wie der keynesianischen oder monetaristischen.

Zentrale Konzepte[Bearbeiten]

Zu den zentralen Konzepten der Real-Business-Cycle-Theorie gehört das Postulat von Rationalen Erwartungen, Markträumung im Rahmen eines Walrasianischen Gleichgewichtsmodells und eben repräsentative Wirtschaftssubjekte. Schocks auf die verfügbare Technologie sorgen für Fluktuationen im BIP, was als Konjunkturzyklus bezeichnet wird. Empirisch untermauern die Vertreter dies mit der Erkenntnis, dass das BIP einem Random Walk (Zufallsbewegung) folgt. Dieses Ergebnis wurde 1982 von Charles Nelson und Charles Plosser erstmals im Journal of Monetary Economics veröffentlicht und erregte großes Aufsehen. Damit ist die Schule der Theorie realer Konjunkturzyklen eng mit der modernen Zeitreihenanalyse verbunden, die seit den 1970er-Jahren unter anderem von Christopher Sims mit entwickelt wurde. Eine weitere zentrale Annahme betrifft die intertemporale Substitution von Arbeit. Es wird angenommen, dass Haushalte bei niedrigem Lohn (z. B. während einer Rezession) weniger arbeiten, um bei hohem Lohn (während eines Booms) viel zu arbeiten.

Kritik[Bearbeiten]

Die Real-business-cycle-Theorie beruht auf drei Annahmen, die nach Ansicht von Ökonomen wie Greg Mankiw und Larry Summers unrealistisch sind:[1]

1. Im Zentrum dieser Konjunkturtheorie stehen Technologieschocks.

Abgesehen von dem Ölpreisschock in den 1970er Jahren ist der Erfinder der Theorie Edward Prescott nicht in der Lage spezifische Technologieschocks zu nennen, die bei historischen Konjunkturschwankungen eine Rolle gespielt haben sollen.[2] Zudem gibt es auch keine mikroökonomische Fundierung für die großen Technologieschocks, die diese Theorie voraussetzt. Weiterhin werden die Real-business-cycle-Modelle regelmäßig nicht gegenüber alternativen Erklärungen getestet.[3] In den meisten Fällen gibt es aber sehr plausible Alternativerklärungen.[4]

2. Arbeitslosigkeit entsteht dadurch, dass sich die Menschen dafür entscheiden weniger zu arbeiten.

Paul Krugman merkt hierzu kritisch an, dass nach dieser Annahme der drastische Anstieg der US-Arbeitslosigkeit in der Weltwirtschaftskrise (auf dem Höhepunkt bestand eine Arbeitslosenquote von 25 %) nach dieser Ansicht auf einer massenhaften Entscheidung für einen langen Urlaub beruhte.[5]

3. Geldpolitik kann den Konjunkturverlauf nicht beeinflussen.

Heutzutage besteht weitestgehend ein Konsens, auch unter Ökonomen der Neuen klassischen Makroökonomie, das sich Löhne und Preise nicht so schnell anpassen, wie zur Wiederherstellung des Equilibriums zwischen Angebot und Nachfrage notwendig. Die Hypothese der Ineffektivität von Geldpolitik wird deshalb heutzutage kaum noch vertreten.[6]

Ein weiterer großer Kritikpunkt besteht darin, dass die Real-business-cycle-Theorie nicht in der Lage ist die Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten abzubilden.[7] Larry Summers schrieb deshalb:

“My view is that real business cycle models of the type urged on us by [Ed] Prescott have nothing to do with the business cycle phenomena observed in the United States or other capitalist economies.”

„Meiner Ansicht nach besteht zwischen den Real-business-cycle-Modellen wie sie uns von Ed Prescott aufgedrängt wurden und den in den USA oder irgend einer anderen kapitalistischen Ökonomie beobachtbaren Konjunkturentwicklungen kein Zusammenhang.“

Lawrence H. Summers: Some Skeptical Observations on Real Business Cycle Theory. In: Federal Reserve Bank of Minneapolis Quarterly Review. 10, Herbst 1986, S. 23–27.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Brian Snowdon und Howard R. Vane: Modern Macroeconomics. Edward Elgar, Cheltham, UK und Northampton, MA, USA 2005, ISBN 1-84542-208-2.
  •  Charles I. Plosser: Understanding Real Business Cycles. In: Journal of Economic Perspectives. 3, Nr. 3, 1989.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Alvaro Cencini, Macroeconomic Foundations of Macroeconomics, Routledge, 2012, ISBN 978-1-134-38223-1, p.40
  2. Lawrence H. Summers: Some Skeptical Observations on Real Business Cycle Theory. In: Federal Reserve Bank of Minneapolis Quarterly Review. 10, Herbst 1986, S. 23–27.
  3. George W. Stadler, Real Business Cycles, Journal of Economics Literatute, Vol. XXXII, December 1994, pp. 1750–1783, see p. 1772
  4. Lawrence H. Summers: Some Skeptical Observations on Real Business Cycle Theory. In: Federal Reserve Bank of Minneapolis Quarterly Review. 10, Herbst 1986, S. 23–27.
  5. Kevin Hoover, New Classical Macroeconomics, econlib.org
  6. Kevin Hoover, New Classical Macroeconomics, econlib.org
  7. George W. Stadler, Real Business Cycles, Journal of Economics Literatute, Vol. XXXII, December 1994, pp. 1750–1783, see p. 1769