Schock (Volkswirtschaftslehre)

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Unter einem makroökonomischen Schock versteht man ein plötzlich auftretendes Ereignis, das zu einer Veränderung des aggregierten Angebotes oder der aggregierten Nachfrage führt.

Allgemeines[Bearbeiten]

Makroökonomische Schocks stören das gesamtwirtschaftliche Marktgleichgewicht, so dass dynamische Übertragungsmechanismen ausgelöst werden. Durch daraus entstehende Anpassungsprozesse wird ein neues gesamtwirtschaftliches Marktgleichgewicht wiederhergestellt.

Ein makroökonomischer Schock, der zu einer Verschiebung des aggregierten Angebotes führt wird als Angebotsschock bezeichnet. Im Fall eines Nachfrageschocks verschiebt sich die aggregierte Nachfrage.

Ein exogener Schock definiert sich als eine überraschende Änderung exogener Variablen. Es handelt sich um ein einmaliges Ereignis, dessen Ausmaß und Zeitpunkt von den Wirtschaftssubjekten nicht antizipiert werden kann. Er zieht meist Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur und weitere, nachlaufende Anpassungsprozesse nach sich.

Exogene Einflussgrößen, deren abrupte Veränderung einen Angebotsschock auslösen:

  • Rohstoffpreise
  • Lohn- und Gehaltskosten
  • Arbeitsproduktivität
  • technologische Neuerungen
  • Steuern und Gesetze
  • Naturkatastrophen

Exogene Einflussgrößen, deren abrupte Veränderung einen Nachfrageschock auslösen:

  • Preisniveau
  • Einkommen
  • Steuern
  • Staatsverschuldungen
  • Wechselkurse
  • Konsumentenvertrauen

Arten von Schocks[Bearbeiten]

Temporäre und permanente Schocks

  • Temporäre Schocks wirken sich in mittlerer Frist aus und können durch finanz- und geldpolitische Maßnahmen abgefedert werden.
  • Permanente Schocks wirken in mittlerer Frist, ihnen kann nur durch umfassende strukturelle Reformen gegengesteuert werden.

Finanzielle und reale Schocks

  • Finanzielle Schocks werden z. B. durch eine plötzliche Veränderung der Preise, der Geldmenge oder des Wechselkurses ausgelöst.
  • Reale Schocks entstehen z. B. durch eine Veränderung der gesamtwirtschaftlichen Investitionsneigung.

Politikbedingte und exogene Schocks

  • Politikbedingte Schocks werden durch inländische wirtschaftspolitische Entscheidungen bewirkt, z.B. die künstliche Ankurbelung einer Wirtschaft.
  • Exogene Schocks unterliegen nicht dem unmittelbaren Einfluss wirtschaftspolitischer Entscheidungen.

Positive und negative Schocks

  • Positive Schocks verbessern die Angebots- und/ oder Nachfragebedingungen und führen zu einem Anstieg der Produktion/ Konjunkturaufschwung.
  • Negative Schocks verschlechtern die Angebots- und/ oder Nachfragebedingungen und bewirken einen Rückgang der Produktion/ Konjunkturabschwung.[1]

Ein makroökonomischer Schock kombiniert meist mehrere der oben genannten Arten.
Je nach Art bzw. der Kombination der Arten haben Schocks ganz unterschiedliche Auswirkungen auf dem Markt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Volkswirtschaften unterliegen ganzzeitlich makroökonomischen Schocks und ihren dynamischen Auswirkungen auf die Produktion. Diese dynamischen Auswirkungen werden als Übertragungsmechanismen bezeichnet.
Somit gelten ständig auftretende makroökonomische Schocks und ihre dynamischen Auswirkungen als Ursache für Produktionsschwankungen, welche auch oft als Konjunkturzyklen bezeichnet werden, also Schwankungen des Produktionswachstums um ein Trendwachstum.[2]
Die Übertragungsmechanismen makroökonomischer Schocks können sich ganz unterschiedlich auswirken, meist jedoch in kurzer Frist. So sind beispielsweise die Wirkungen auf die Produktion anfangs sehr stark und bauen sich nach und nach wieder ab oder sie sind anfangs schwach, werden im Laufe der Zeit stärker und schwächen dann wieder ab. Manche Schocks wirken allerdings auch in mittlerer Frist auf die Produktion, so zum Beispiel eine dauerhafte Erhöhung eines Rohstoffpreises als Auswirkung auf das aggregierte Angebot.
Im Zeitverlauf verarbeitet das Marktsystem durch Anpassungsprozesse diese Schocks so, dass sich unter den neuen Voraussetzungen ein neues gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht einstellt. Durch neue Schocks beginnt dieser Anpassungsprozess dann von neuem und Konjunkturzyklen entstehen.
Ein Schock oder eine ungünstige Kombination mehrerer Schocks kann so ungünstige Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, dass es zu einer Rezession der Konjunktur kommt, so wie der Ölpreisschock in den 70er Jahren.[2]

Theoretischer Hintergrund[Bearbeiten]

Grundlage ist die makroökonomische Theorie von Keynes, das IS-LM-Modell (Totalmodell).

Im Modell finden so lange Anpassungen statt, bis sich unter den veränderten Voraussetzungen ein neues Marktgleichgewicht einstellt.

Beispiel[Bearbeiten]

Erhöhung des Geldangebotes durch die Zentralbank

  • in kurzer Frist:
Die Geschäftsbanken verfügen nun über eine höhere Geldmenge und können verstärkt Kredite ausgeben, was zu einer Erhöhung des Kreditangebotes und somit zur Senkung des Kreditzinses führt. Die Kreditnachfrage steigt folglich.
Kreditfinanzierte Konsum- und Investitionsausgaben nehmen zu und führen zu einem Wachstum der Produktion und des Beschäftigungsgrades.[3]
Im Zeitverlauf steigt das Preisniveau und die reale Geldmenge sinkt, so dass der Kreditzins wieder steigt. Die Kreditfinanzierten Konsum- und Investitionsausgaben sinken wieder und die Produktion kehrt zu ihrem natürlichen Niveau zurück.
  • in mittlerer Frist:
Die Erhöhung des Geldangebotes hat mittelfristig keine Auswirkung.

Ökonomen erklären diesen Sachverhalt mit der Neutralität des Geldes in mittlerer Frist.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rüdiger Dornbusch, Stanley Fischer, Richard Startz: Makroökonomie. 8. Auflage. Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-25713-7.
  • Gablers Wirtschaftslexikon. 16., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Gabler, Wiesbaden 2005, ISBN 3-409-10386-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reiner Clement, Manfred Kiy, Wiltrud Terlau: Grundlagen der angewandten Makroökonomie. 4., überarbeitete Auflage. Vahlen, München 2006, ISBN 3-8006-3337-X, S. 385.
  2. a b Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8273-7051-5, S. 232.
  3. a b Lexikon: Expansive Geldpolitik. (Abgerufen: 13. April 2008)
  4. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8273-7051-5, S. 234.