Reifezeugnis

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Dieser Artikel hat das Abschlusszeugnis zum Thema. Zum Film Die Reifeprüfung siehe dort; zum Film der Tatort-Reihe siehe Tatort: Reifezeugnis.
Abiturzeugnis Wernher von Brauns

Das Reifezeugnis (Zeugnis der Reife), - auch Abiturzeugnis oder Matura (von lat. maturitas ‚die Reife‘) - ist eine Urkunde über die Hochschulreife. Dem Absolventen der gymnasialen Oberstufe wurde damit die bestandene Reifeprüfung mit seiner Abschlussnote bescheinigt und ihm von dem Prüfungsausschuss die Befähigung zu einem Hochschulstudium zuerkannt. Der Ausdruck wird umgangssprachlich noch gebraucht, in der Vorschriftensprache (Gesetze und Verordnungen) ist er aber seit der Neuordnung der Oberstufenschulen Anfang des 21. Jahrhunderts verschwunden (heute: Abiturzeugnis auf Grund der Abiturprüfung).

Bedeutung[Bearbeiten]

Im Reifezeugnis sind in der Regel die Leistungen in den einzelnen Schulfächern nach Noten oder einem Punktesystem aufgeführt. In den einzelnen Fächern, die vor der 12. bzw. Abschlussklasse abgeschlossen wurden, wird die letzte Zeugnisnote übernommen. Zumeist sind die Unterrichtsfächer der letzten vier Schulhalbjahre aufgeführt, ebenfalls die Prüfungsergebnisse der gewählten Leistungskurse (Wahlpflichtfächer) sowie die erzielte Durchschnittsnote. Des Weiteren wird vermerkt, ob das Zeugnis den Nachweis des Graecum, Hebraicum oder Latinums mit einschließt oder ob der Nachweis über Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache oder einer weiteren Sprache, erbracht wurde. Sprachzertifikate können das Reifezeugnis ergänzen.

Das Reifezeugnis berechtigt zum Studium an einer Hochschule. Es ist ein Nachweis (Beleg), dass der Studienkandidat über bestimmte Fähigkeiten zur Aneignung von Wissen verfügt, das an Hochschulen vermittelt wird. Aus der Sicht des Bildungsreformers Wilhelm von Humboldt bestand die Qualifikation darin, sich Wissen selbst anzueignen; Hochschullehrer sollten dagegen lediglich Anleitungen zum Selbststudium geben, denn „studere” (lateinisch) heißt wörtlich: sich bemühen.

Sonderreifeprüfung (DDR)[Bearbeiten]

Die Sonderreifeprüfung war in der Deutschen Demokratischen Republik eine Zulassungsprüfung zum Hochschulstudium.[1][2] Der zweitägigen Prüfung hatten sich vor allem Akademikerkinder zu unterziehen, die nach dem Abitur zunächst nicht studieren gedurft und eine Berufsausbildung absolviert hatten.[3][4][5] Besondere Bedeutung hatte die Sonderreifeprüfung für diejenigen, die Evangelische Theologie in Leipzig oder Rostock studieren wollten. Ein Beispiel ist Rainer Müller.[6]

International[Bearbeiten]

Russisches Abitur (1945)

Das Reifezeugnis nach Abschluss einer höheren Schule bzw. die Reifeprüfung selbst hat in Europa verschiedene Bezeichnungen:

  • in Dänemark: Studentereksamen
  • in Deutschland: Abitur(zeugnis), abgek.: Abi
  • in England/Wales: A-Level
  • in Finnland: Ylioppilastutkinto
  • in Frankreich: Baccalauréat, genannt Bac
  • in Israel: Bagrut
  • in Italien: Maturità
  • in Kroatien: Državna(= Staats-) matura
  • in den Niederlanden: VWO - atheneum (ohne griechisch/lateinisch) oder gymnasium
  • in Österreich Matura (offiziell: Reifezeugnis bzw. -prüfung)
  • in Polen: Matura
  • in der Schweiz: Matura
  • in Serbien: Matura
  • in der Slowakei (Reifeprüfung): Maturita, Matura (Maturitná skúška)
  • in Spanien: Bachillerato
  • in Schottland: Highers
  • in Ungarn: Érettségi bizonyítvány
  • in Tschechien (Reifeprüfung): Maturita (Maturitní zkouška)
  • in der Türkei: Olgunluk Diploması oder Mezuniyet Belgesi
  • in Schweden: Studentexamen

Darüber hinaus verleihen internationale Schulen häufig ein internationales Reifezeugnis (Internationales Baccalaureat (IB)), das in vielen Ländern als Qualifikationsnachweis für ein Studium an einer Universität anerkannt wird.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reifezeugnis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Reifezeugnis – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Informationen zu Reifezeugnis im BAM-Portal

Vorschriften der Länder im Web[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Bildungssystem der DDR ab 1959 (Matthias Judt)
  2. Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik (1959)
  3. Studium in der DDR
  4. Faktencheck DDR: Partei entschied über Lernen an Hochschulen (Thüringer Allgemeine)
  5. Mythos: „In der DDR durfte jeder studieren“ (KAS)
  6. Rainer Müller (Neues Forum Leipzig)