René Couzinet

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René Couzinet (* 1904 in Vendée, Frankreich; † 16. Dezember 1956) war ein französischer Ingenieur und Flugzeugbauer.

Couzinet war schon in seiner Jugend fasziniert von dem Flug der Vögel und ließ deren Formen in seine späteren Entwürfe einfließen. Er graduierte als Luftfahrtingenieur in Angers und baute schon mit 23 Jahren sein erstes Flugzeug, die Air Couzinet 10, das erste von dreien der Arc-en-Ciel (Regenbogen) Baureihe. Zu dieser Zeit diente er als Offizier für das 34. Luftfahrtregiment bei Le Bourget.

Das Flugzeug besaß eine Reihe technischer Innovationen, darunter vollverkleidete, während des Flugs zugängliche Motoren und mehrere Tanks, die eine Reichweite von 10.000 km ermöglichten. Bei einem Unfall am 8. August 1927 kamen der Pilot Maurice Drouhin und sein Mechaniker ums Leben. Das zweite Modell ging am 17. Februar 1930 in Flammen auf, bei einem Brand in der Fabrik in Meudon, die der Industrielle Emile-Louis Letord zur Verfügung gestellt hatte.

Anfang 1932 wurde das dritte Flugzeug der Reihe fertiggestellt, genannt Couzinet 80. Ein Jahr später flog es Jean Mermoz, ein Kollege von Antoine de Saint-Exupéry bei der Argentinischen Luftverkehrsgesellschaft, zusammen mit Couzinet nach Buenos Aires. Es war der erste Flug über den Südatlantik und die beiden Piloten wurden, zurück in Frankreich, als Helden empfangen. Couzinet sah sich, mit 29 Jahren, auf dem Gipfel seines Ruhms.

Couzinet Arc-en-Ciel in Fernando de Noronha, 14. Juni 1934

In den folgenden Jahren baute er an die zwanzig weitere Flugzeuge. In dieser Zeit war Couzinet häufig in Streitereien mit den Behörden verwickelt, so startete er einen Prototyp ohne Genehmigung der STAé (Service technique de l'Aéronautique). Seine Beharrlichkeit wurde aber letztlich belohnt, und die zweimotorige Air Couzinet 10 wurde ab 1937 für Linienflüge der französischen Post eingesetzt.

Couzinet und Mermoz wurden enge Freunde und arbeiteten auch gemeinsam zur Verbesserung der Leistung, Qualität und Sicherheit von Flugzeugen. So versuchten sie, wenngleich erfolglos, die Luftfahrtbehörden zu überzeugen, die damals auf den Überseestrecken bevorzugten Wasserflugzeuge durch herkömmliche Konstruktionen zu ersetzen.

Es war auch eines der Latécoère Wasserflugzeuge, in dem im Dezember 1936 Mermoz bei einem Absturz ums Leben kam. Couzinet heiratete darauf im Oktober 1939 die Witwe seines Freundes, Gilberte Chazottes.

Nach der Besetzung Frankreichs 1940 verweigerte Couzinet die Zusammenarbeit mit dem Hitler-freundlichen Vichy-Regime und ging nach Brasilien, wo Präsident Gétulio Vargas ihm die Leitung der nationalen Flugzeugproduktion übertrug. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Frankreich zurück, konnte aber nicht an seine früheren Erfolge im Flugzeugbau anknüpfen.

Er beschäftigte sich nun mit Konstruktion und Bau von Tragflächenbooten, wofür er bereits 1928 ein Patent angemeldet hatte. Das bekannteste Modell war das 1946 in Brasilien vorgestellte RC 125 mit Propellerantrieb, vorgesehen auch für den Betrieb auf südamerikanischen Flüssen. Ein Erfolg wurde dieses aber genauso wenig wie nachfolgende Boote.

In den 1950er Jahren begann Couzinet sich für senkrechtstartende Luftfahrzeuge zu interessieren, wie viele Konstrukteure dieser Zeit. Mit der RC 360 legte er einen ungewöhnlichen, an UFOs erinnernden Entwurf vor: Die Ober- und Unterseite drehten sich gegensinnig, angetrieben von sechs Motoren, und über 48 steuerbare Düsen am Außenring erzeugte, nach unten gerichtete Luftstrom sollte das Fluggerät in der Luft halten. Zum Vortrieb war ein kleines Strahltriebwerk unter dem Rumpf vorgesehen. Mit 13,6 m Durchmesser, 60 m² Fläche und 12 t maximalem Startgewicht hätte das Modell auch Personen befördern können. Es wurden mehrere Windkanal-Versuche durchgeführt. Zu dem für den April 1957 angekündigten Erstflug kam es jedoch nicht: Das Projekt wurde eingestellt, als Couzinet am 16. Dezember 1956 zusammen mit seiner Frau Gilberte Selbstmord beging.

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