Ricardo Teixeira (Fußballfunktionär)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ricardo Teixeira (links) und der brasilianische Staatspräsident Lula.

Ricardo Terra Teixeira (* 20. Juni 1947 in Carlos Chagas, Minas Gerais) ist ein brasilianischer Sportfunktionär. Er war von 1989 bis 2012 Präsident des brasilianischen Fußball-Nationalverbands (CBF) sowie von 1994 bis 2012 Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Unter Teixeiras Führung erhielt der CBF am 30. Oktober 2007 vom FIFA-Exekutivkomitee den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Im Laufe seiner Karriere wurde er mehrfach mit dem Vorwurf der Korruption, Steuerhinterziehung und Geldwäsche konfrontiert und zog sich schließlich aufgrund erwiesener Schmiergeldannahmen aus dem Führungskreis der FIFA zurück.

Privat[Bearbeiten]

Teixeira studierte Recht in Rio de Janeiro, als er 1966 im Alter von 19 Jahren Lúcia, die Tochter des seinerzeitigen Präsidenten des brasilianischen Fußballverbandes João Havelange, heiratete. Die Ehe wurde 1997 geschieden. Beim 1974 erstgeborenen Sohn Ricardo Teixeira Havelange wurde ungewöhnlicherweise der Nachname der Mutter nachgestellt, also als Hauptname deklariert.

Karriere als Funktionär[Bearbeiten]

Teixeira wurde am 16. Januar 1989 zum 18. Präsidenten des CBF gewählt. Er trat damit die Nachfolge von Octávio Pinto Guimarães an. Bei der Wahl setzte er sich gegen Nabi Abi Chedid durch. Am 12. März 2012 trat er aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück.[1] Sein Nachfolger wurde José Maria Marin. Wenig Tage später, am 19. März 2012, legte er auch sein Amt als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees nieder.[2]

Die Laufbahn Teixeiras als Verbandsobmann war von Skandalen wie Vetternwirtschaft, Spesenreiterei, unverzollten Einfuhren und dergleichen gepflastert. Im Zuge des Korruptionsskandals um die 2001 in Insolvenz gegangene Sportvermarktungsagentur International Sport and Leisure stellte die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug am 11. Mai 2010 mittels Einstellungsverfügung [3] fest, dass er und sein damaliger Schwiegervater João Havelange jahrelang Schmiergelder in Höhe von 21,9 Millionen Schweizer Franken erhalten hatten.[4][5]

Im Zuge der WM-Vergabe nach Brasilien sorgte Teixeira mit verdrehten Wahrheiten und verbalen Aussetzern für Irritationen.[6] Er stand außerdem mehrfach im Blickpunkt von parlamentarischen Untersuchungsausschüssen.[7] Mit dem Organisationskomitee der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 (COL) soll er zusammen mit dem CBF einen Vertrag ausgehandelt haben, wonach er bei an einem allfälligen Gewinn zur Hälfte beteiligt, ein Verlust aber vom CBF zu 99,99 Prozent getragen würde.[8] 2011 prahlte er, er könne „jede Untat begehen, die ich will“.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ricardo Teixeira – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTobias Käufer: Brasiliens Fußball-Chef Teixeira tritt zurück. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. März 2012, abgerufen am 12. März 2012.
  2. Ricardo Terra Teixeira: Rücktrittsschreiben an CONMEBOL. CONMEBOL, abgerufen am 19. März 2012 (pdf, spanisch, (107 kB)).
  3. Einstellungsverfügung vom 11. Mai 2010 der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (PDF; 192 kB)
  4. Jean-François Tanda: Hohe Millionenzahlungen an Funktionäre - Blatter wusste es. In: Handelszeitung, 11. Juli 2012.
  5. Jens Weinreich: Die geheime Liste der Bestechung im Weltsport. In: Spiegel Online, 28. April 2013.
  6. Einspruch unerwünscht. In: Neue Zürcher Zeitung, 31. Oktober 2007.
  7. Fußball-WM 2014: Ein dornenreicher Weg, zdf.de, 29. Oktober 2007
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTeixeira kassiert bei WM ab. n-tv, 22. November 2010, abgerufen am 23. November 2010.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThomas Kistner: Unangreifbar: Unangreifbar, selbstgewiss, korrupt. Süddeutsche Zeitung, 10. August 2011, abgerufen am 10. August 2011.