Richard Arkwright

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Sir Richard Arkwright

Sir Richard Arkwright (* 23. Dezember 1732 in Preston, Lancashire; † 3. August 1792 in Cromford) war ein begüterter Textilindustrieller und Erfinder, der zahlreiche Patente im Bereich des Spinnens besaß. Er gilt als Begründer der Textilgroßindustrie.

Leben[Bearbeiten]

Richard Arkwright

Richard Arkwright war das jüngste von 13 Kindern eines Schneiders. Er arbeitete zunächst als Barbier und Perückenmacher in Bolton.

Im März 1767[1] lernte er den Uhrmacher John Kay kennen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Erfinder des Schnellschusswebstuhls) und entwickelte[2] mit diesem zusammen eine Spinnmaschine mit automatischer Garnzuführung, die Waterframe, die er 1769 als Patent anmeldete. Angesichts der immensen Nachfrage nach Garn in der Baumwollindustrie (mit Zentrum in Manchester und Lancashire), die von der traditionellen Heimarbeit nicht länger befriedigt werden konnte, entschloss er sich (nach dem Vorbild der Brüder Lombe) zum Bau einer Fabrik. Ihm fehlte nur noch das Kapital. In Nottingham ging er daher eine Partnerschaft mit dem Strumpfmacher Jedediah Strutt (besaß eine Wirkerei) ein, der von den Fähigkeiten von Arkwrights Spinnmaschine beeindruckt war.

1771, zwei Jahre nach der Erfindung der Waterframe-Spinnmaschine, konnte Richard Arkwright mit Hilfe seiner Kapitalgeber (Jedediah Strutt, Samuel Need und diverse Bankiers) eine große Spinnerei in Cromford bei Derby errichten. Der Antrieb erfolgt über Wasserräder. Zusätzlich ließ er auch Häuser für die Weber, eine Schule und eine Kirche erbauen und begründete so eine industrielle Gemeinschaft auf Kosten des traditionellen Sozialgefüges (d. h. die kleinen Handwerker und Heimarbeiter wurden preislich unterboten, mussten ihre Selbständigkeit aufgeben und Lohnarbeiter in den Fabriken werden). Die Nachfrage nach Garn war so groß, dass er 1776 eine zweite Spinnerei in Cromford errichten konnte. Die zweite Fabrik war vierzig Meter lang und sieben Stockwerke hoch. Schnell kamen weitere Fabriken in Manchester, Lancashire, Staffordshire und Schottland hinzu, wobei die Fabrik in Chorley (Lancashire) 1779 durch Maschinenstürmer zerstört wurde.

Unter Verletzung seiner Patentrechte entstanden dann Anfang der 1780er Jahre rivalisierende Spinnereien: 1781 verklagte er deswegen neun Unternehmen. Alle Fabriken hatten mehr oder minder schlechte Arbeitsbedingungen: überwiegend Kinderarbeit ab 5 bis 6 Jahren, 12 bis 16 Stunden Arbeitszeit täglich, ungesunde Luft aufgrund der Baumwollflusen, lebensgefährliche Maschinen.[3]

1786 wurde Arkwright zum Ritter geschlagen und durfte sich fortan „Sir“ nennen. Er erbaute sich ein Herrenhaus, das allerdings erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde und vererbte seinen Nachkommen, u. a. seinem Sohn Richard Arkwright Junior (1755–1843) die damals immense Summe von 500.000 Pfund. Richard Arkwright Junior setzte die Unternehmenstätigkeit seines Vaters ebenso erfolgreich fort.

1790 betrieb Arkwright seine Spinnmaschinen in Nottingham mit Dampfkraft.

Patente und Erfindungen[Bearbeiten]

  • 1769 erhielt er in England ein Patent auf die Waterframe-Spinnmaschine. Zwei Partner hatten die Gebühren für das Patent finanziert und planten den fabrikmäßigen Einsatz der Waterframe. Die Waterframe wurde jedoch ungeachtet des Patents 1783 von Johann Gottfried Brügelmann für die Textilfabrik Cromford in Ratingen kopiert, was die Industrielle Revolution auf dem europäischen Kontinent begründete.
  • 1775 erhielt er ebenfalls in England ein Patent auf eine Karde. Neu an dieser Karde war, dass sie erstmals mit Stäben und Häkchen daran funktionierte statt mit Häkchenwalzen. Zudem wurde das Vlies kontinuierlich und automatisch von der Walze abgenommen.
  • 1775 erfand Arkwright die Laternenbank.
  • Eine weitere Erfindung von ihm ist die „Strecke“, eine Maschine, die mehrere Kardenbänder zusammenfasst und verzieht.

Arkwright hat seine Maschinen nicht allein erfunden. Die Waterframe erfand er gemeinsam mit John Kay. Bei anderen Erfindungen arbeitete auch sein Angestellter Coniah Wood mit oder war gar der eigentliche Urheber. Die Probleme mit der Urheberschaft zwischen Thomas Highs, James Hargreaves, John Kay und ihm führten dann in der rechtlichen Auseinandersetzung von 1785 dazu, dass seine Patente endgültig ausliefen.

Literatur[Bearbeiten]

  • R. S. Fitton, Alfred P. Wadsworth: The Strutts and the Arkwrights, 1758–1830. A Study of the early Factory System. Kelle, New York NY 1968.
  • R. S. Fitton: The Arkwrights. Spinners of fortune. Manchester University Press, Manchester u. a. 1989, ISBN 0-7190-2646-6.
  • Raphael Kromer: Smart Clothes. Ideengenerierung, Bewertung und Markteinführung. Gabler, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8349-0947-3 (Zugleich: Dissertation Universität Graz, 2007).
  • John Merson: Straßen nach Xanadu. China und Europa und die Entstehung der modernen Welt. Hoffmann und Campe, Hamburg 1989, ISBN 3-455-08346-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Lance Day, Ian McNeil (Hrsg.): Biographical Dictionary of the History of Technology. Routledge, London u. a. 1996, ISBN 0-415-06042-7, S. 393 (englisch).
  2. Sie verwendeten das Modell einer Spinnmaschine von Thomas Highs als Vorlage, aber Arkwright brachte selbst mindestens zwei Neuerungen ein. Vgl.:  Kromer: Smart Clothes. 2008, S. 34 f.
  3.  Hans-Dieter Gelfert: Kleine Kulturgeschichte Großbritanniens. Von Stonehenge bis zum Millennium Dome (= Beck'sche Reihe. 1321). C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-42121-0, S. 173.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Arkwright – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien