Riot Grrrl

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Kathleen Hanna mit Bikini Kill (1996)

Riot Grrrl (auch Riot Grrl oder Riot Girl; von englisch riot ‚Aufruhr‘ und girl ‚Mädchen‘) bezeichnet eine Anfang der 1990er Jahre in der US-amerikanischen Hardcore-Punk-Szene, ursprünglich vor allem in Olympia (Washington), entstandene feministische subkulturelle Bewegung. Die Riot Grrrls reagierten sowohl auf die starke Überzahl männlicher Musiker und deren Dominanz in der Musikszene als auch auf als typisch männlich empfundene Bestandteile von Bühnenshows.

Geschichte[Bearbeiten]

Kathleen Hanna, eine der frühen und eine der prominentesten Vertreterinnen der Bewegung und lange Zeit Mitglied der Bands Bikini Kill und Le Tigre, formulierte sowohl in Texten als auch in Interviews feministische Anliegen. Kathleen Hanna begann mit Ausstellungen und einer Galerie; sie wurde zu Beginn durch Benefizveranstaltungen von Nirvana unterstützt.

Thematisiert werden im Rahmen der Riot-Grrrl-Bewegung neben Gleichberechtigung und künstlerischer Verwirklichung von Frauen und Männern die Selbstverwaltung von Künstlerinnen und Künstlern und die Schaffung von alternativen Produktions- und Vertriebsstrukturen. All-Girl-Bands schossen aus dem Boden, kamen auf den Labels von Freunden unter und schrieben eine Fülle von Fanzines.

Vertreterinnen sind oder waren Babes In Toyland, Bikini Kill, Le Tigre, Bratmobile, Sleater-Kinney, Jack Off Jill, Excuse 17, Mecca Normal, Tribe 8, L7 und Team Dresch.

Der Slogan der Bewegung lautet Revolution Girl Style Now!.

Die Widerstandsstrategien vieler Riot Grrrls zeichnen sich durch Kommunikationsguerilla-Taktiken und Überzeichnung aus. Damit sollen die Bedeutungen dessen, was als „weiblich“ und „normal“ gilt, aufgedeckt und durch Verschiebungen angegriffen werden.

In Deutschland existierten vereinzelt der Riot-Grrrl-Bewegung verwandte oder sich verbunden fühlende Gruppen wie Die Braut haut ins Auge, die Mobylettes, die Lassie Singers, Parole Trixi, die Lemonbabies[1], Blockshot und Live Action Pussy Show. Heute lebt die Bewegung unter anderem mit den Ladyfesten und seit 2001 mit den Girls Rock Camps fort.

„Grrrl bringt das Knurren zurück in unsere Miezekatzenkehlen. Grrrl zielt darauf, die ungezogenen, selbstsicheren und neugierigen Zehnjährigen in uns wieder aufzuwecken, die wir waren, bevor uns die Gesellschaft klar machte, dass es Zeit sei, nicht mehr laut zu sein und Jungs zu spielen, sondern sich darauf zu konzentrieren, ein ‚girl‘ zu werden, das heißt eine anständige Lady, die die Jungs später mögen würden.[2]

Gilbert/Kile 1997: 221

Aus dem Begriff Grrrl entwickelte sich in den 1990er Jahren der Begriff Girlie.

Die Berichterstattung über die systemkritische Moskauer Punkrock-Band Pussy Riot brachte den Begriff Riot Grrrl Movement 2012 wieder zurück in die Medien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joanne Gottlieb, Gayle Wald: Smells Like Teen Spirit. Riot Grrrls, Revolution und Frauen im Independent Rock. In: Cornelia Eichhorn, Sabine Grimm (Hrsg.): Gender Killer. Texte zu Feminismus und Politik. ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1994, ISBN 3-89408-041-8, S. 167–189.
  • Sabine Tietjen: Girlies – eine lachende Revolte? In: Elfriede Czurda (Hrsg.): Mädchen Muster. Mustermädchen. Konkursbuchverlag, Tübingen 1996, S. 120–134.
  • Andrea Juno: Angry Women – Die weibliche Seite der Avantgarde. Hannibal, St. Andrä-Wördern 1997, ISBN 3-85445-134-2.
  • Gilbert, Laurel/Kile, Crystal: SurferGrrrls. In: SPoKK (Hg.): Kursbuch Jugend Kultur. Stile, Szenen und Identitäten vor der Jahrtausendwende. Mannheim, 1997, S. 220-226
  • Anette Baldauf, Katharina Weingartner (Hrsg.): Lips. Tits. Hits. Power? Popkultur und Feminismus. Folio, Wien 1998, ISBN 3-85256-077-2.
  • Anette Baldauf: Feminismus und Popkultur. In: Chantal Mouffe, Jürgen Trinks (Hrsg.): Feministische Perspektiven. Turia und Kant, Wien 2001, ISBN 3-85132-283-5.
  • Anja Bierbaum, Kathja Kailer: Girlism – zwischen subversivem Potenzial und kulturindustrieller Vereinnahmung. Logos, Berlin 2002, ISBN 3-8325-0072-3.
  • Mark Andersen, Mark Jenkins: Dance of Days: Two Decades of Punk in the Nation's Capital. Akashic, New York 2003, ISBN 1-888451-44-0.
  • Melanie Groß: Von riot grrrls, Cyberfeminismus und Kommunikationsguerilla – Postfeministische Strategien. In: Widersprüche. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich. Heft 87, März 2003, Kleine, Bielefeld, ISSN 0721-8834, S. 81–91.
  • Katja Peglow / Jonas Engelmann: Riot Grrrl Revisited! Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung. Ventil, Mainz 2011, ISBN 978-3-931555-47-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernadette La Hengst: Pop-Feminismus - Sex, Schweiß und Selbstironie, in: Spiegel online vom 29. April 2008
  2. Katja Sabisch: Spielarten des Postfeminismus: Die „riot grrrl“- Bewegung (PDF; 107 kB)